Podcast-Gast · Folge 40
Lars Erichsen
Lars Erichsen tradet seit 1998 hauptberuflich, früher als Daytrader und News Trader, heute mit Positionen über Wochen und Monate. Er kauft Stärke in Aufwärtstrends und plant jeden Trade mit Stopp, Ziel und festem Depotrisiko.
Über Lars Erichsen
Lars Erichsen kommt aus Flensburg und hat Sport und Wirtschaft studiert. Sein Geld verdiente er als Tennistrainer, als er Mitte der 90er Jahre im Flensburger Tageblatt sah, wie die Allianz an einem Tag fünf, sechs Prozent stieg. 1998 war sein erstes Jahr als hauptberuflicher Trader, rund 15 Jahre handelte er danach am Bloomberg-Terminal als Day- und News Trader, insgesamt 65.000 bis 70.000 Trades. Die Seniorenheime seines Vaters hat er nicht übernommen. Heute ist er Chefredakteur der Rendite-Spezialisten, betreibt den YouTube-Kanal „Erichsen“ und den Podcast „Erichsen Geld & Gold“. Mit Sebastian Hell und Timo Baudzus macht er außerdem den Podcast „Buy The Dip“.
So tradet Lars Erichsen
Aus dem Gespräch in Folge 40 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er handelt Aktien, Gold und Bitcoin. Läuft ein ganzer Sektor, nimmt er einen passenden ETF, sonst Einzelwerte. Kleine Werte und Penny Stocks meidet er: Die Marktkapitalisierung muss bei mindestens 500 Millionen oder einer Milliarde liegen, damit er mit seinen Lesern ein- und aussteigen kann.
„Ich kaufe keine zu kleinen Werte, kaufe keine Penny Stocks, also meine Marktcap, mindestens 500 Millionen oder eine Milliarde“
▶ Folge 40 · 1:56:51
Haltedauer
Als Daytrader hielt er Positionen Minuten bis Stunden und kam auf 5 bis 15 Trades am Tag, insgesamt rund 65.000 bis 70.000. Heute eröffnet er mit seinen Lesern ein oder zwei Positionen pro Woche und hält sie Wochen bis Monate.
„eröffnen wir eine Position in der Woche oder zwei. Und die werden dann Wochen und Monate gehalten.“
▶ Folge 40 · 1:39:14
Auswahl und Einstieg
Sein Leitsatz lautet „Stärke kaufen, Schwäche verkaufen“. Er sucht Werte in der richtigen Trendphase, ob sie billig oder teuer sind, spielt im aktiven Depot keine Rolle. Er steigt lieber etwas vor dem Signal ein, das alle sehen, weil danach oft kein Käufer mehr kommt.
„Etwas in einem Aufwärtstrend zu kaufen hat eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als etwas zu kaufen, was sich in einem Abwärtstrend befindet.“
▶ Folge 40 · 1:05:37
Portfolio und Positionsgröße
Sein aktives Depot ist in drei Stufen geteilt: Konservativ riskiert er 2 Prozent des Depots je Position, spekulativ 1 Prozent, bei hohem Risiko 0,5 Prozent. Die Stückzahl ergibt sich aus dem Abstand zwischen Einstieg und Stopp. 1 Prozent hält er für einen guten Richtwert.
„Konservativ 2%, Spekulativ 1%. Da finden auch die meisten Aktionen statt. Hohes Risiko 0,5%.“
▶ Folge 40 · 1:25:22
Risiko und Verkauf
Jede Analyse hat bei ihm einen Stopp, gesetzt nach dem Chart und möglichst nicht dort, wo ihn alle setzen. Ein Kursziel gehört von Anfang an dazu. Oft verkauft er die Hälfte mit Gewinn und zieht den Stopp für den Rest nach.
„Ich realisiere sehr häufig Teilgewinne und habe dann den Stopp für die zweite Hälfte nachgezogen.“
▶ Folge 40 · 1:28:06
Fehler und was daraus wurde
Bei der Übernahmeschlacht um Volkswagen setzte er mit Put-Optionen auf fallende Kurse und ließ die Position zu groß werden. Weil mit dem Kurs auch die Volatilität stieg, wurde in drei Nächten ein sechsstelliger Verlust daraus, den er glattstellte. Seine Lehre: Man kann nichts ausschließen.
„dass ich im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht, es waren dann am Ende drei Nächte, aus einer normalen Position einen sechsstelligen Verlust gemacht habe“
▶ Folge 40 · 42:28
Umgang mit Verlusten
Er will flache Drawdowns und wird lieber früh ausgestoppt. Dafür nimmt er in steilen Aufwärtsphasen weniger Rendite in Kauf. Gefühle hat er sich beim Handeln früh abgewöhnt: Börsengeld ist für ihn wie Spielchips, getrennt vom Geld fürs Leben.
„Aber für mich, das ist vielleicht auch bisschen typbedingt, ich möchte flache Drawdowns.“
▶ Folge 40 · 1:28:39
Arbeitsweise und Werkzeuge
Jahrelang führte er sein Trading-Tagebuch auf Papier: oben der ausgedruckte Chart, darunter der Grund für Einstieg und Ausstieg. So blieben wenige Setups übrig, auf die er immer wieder zurückgreift. Heute lässt er sich von KI-Agenten Stärke in Sektoren suchen und lange Quartalsberichte zusammenfassen.
„Sah immer gleich aus, indem ich die Charts hatte, oben auf diesem DIN A4-Blatt.“
▶ Folge 40 · 1:39:46
Suchen, was schiefgehen kann
Seit dem Verlust mit Volkswagen sucht er bei jeder Position vor allem, was seine These gefährden könnte. Bestätigung braucht er nicht, er ist ja schon im Markt. Sein Satz für den Bildschirm ist Charlie Mungers „Invert, always invert“.
„gucke ich überall, was schiefgehen könnte, weil ich keine Bestätigung brauche für meine Long-Position.“
▶ Folge 40 · 48:06
Arbitrage mit dem deutschen Handel
Als News Trader nutzte er, dass US-Aktien nach Empfehlungen im Fernsehen im deutschen Handel morgens oft 10 Prozent höher standen, als es die Nachricht hergab. Er verkaufte sie leer und kaufte sie nachmittags günstiger zurück, viele Jahre lang.
„Ich wollte sie ja verkaufen, sie dann nachmittags sieben Prozent günstiger wieder einkaufen zu können.“
▶ Folge 40 · 2:12:02
Zwei Depots, zwei Regeln
Im aktiven Depot hält er Stopps immer ein. Im langfristigen Depot verkauft er dagegen gar nicht und kauft in Crashs nach, weil keiner vorher weiß, ob ein Crash 30 oder 70 Prozent tief geht.
„ich würde im langfristigen Portfolio gar nicht verkaufen“
▶ Folge 40 · 36:30















