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Was ist ein Leerverkauf?

Leerverkauf: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Ein Leerverkauf ist der Verkauf eines Wertpapiers, das man nicht besitzt, sondern vorher geliehen hat. Später wird es zurückgekauft und dem Verleiher zurückgegeben. Fällt der Kurs in der Zwischenzeit, bleibt die Differenz als Gewinn. Steigt er, entsteht ein Verlust, der theoretisch unbegrenzt ist, weil ein Kurs beliebig weit steigen kann.

Leerverkauf: Definition und Erklärung

Ein Leerverkauf (englisch Short-Selling, kurz: Short) ist eine Wette auf fallende Kurse. Wer eine Aktie leer verkauft, leiht sie sich über den Broker, verkauft sie sofort am Markt und kauft sie später zurück, um sie zurückzugeben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufkurs ist Gewinn oder Verlust.

Neben dem klassischen Leerverkauf von Aktien gibt es viele Wege, auf fallende Kurse zu setzen, also eine Short-Position einzugehen: Futures, CFDs, Put-Optionen, Short-ETFs oder Knock-out-Zertifikate auf fallende Kurse. Wirtschaftlich wirken sie ähnlich, auch wenn dabei kein Wertpapier geliehen wird.

Das Risiko ist spiegelverkehrt zur Long-Position. Wer eine Aktie kauft, kann höchstens den Kaufpreis verlieren, der mögliche Gewinn ist offen. Beim Leerverkauf ist der Gewinn auf den Verkaufserlös begrenzt, der Verlust aber nicht. Genutzt werden Leerverkäufe zur Spekulation, aber auch zur Absicherung eines Depots gegen fallende Märkte.

So funktioniert ein Leerverkauf

Ein Leerverkauf läuft in vier Schritten ab: Aktie leihen, am Markt verkaufen, später zurückkaufen, an den Verleiher zurückgeben. Für die Leihe zahlt der Leerverkäufer eine Gebühr, und der Broker verlangt eine Sicherheitsleistung auf dem Konto.

Leerverkauf100 Aktien zu 50 €
Verkaufserlös5.000 €
Rückkauf100 Aktien zu 40 €
Rückkaufkosten4.000 €
Leihgebühr (vereinfacht)20 €
Gewinn980 €

Steigt die Aktie dagegen auf 70 Euro, kostet der Rückkauf 7.000 Euro. Der Verlust liegt dann bei 2.000 Euro plus Leihgebühr. Bei einem Kurs von 100 Euro wären es schon über 5.000 Euro, also mehr als der gesamte Verkaufserlös.

Dazu kommen einige Besonderheiten:

Leerverkauf in der Praxis

Leerverkäufe gelten als anspruchsvoller als Käufe, weil die Zeit gegen den Leerverkäufer arbeitet: Aktienmärkte steigen langfristig tendenziell, und jeder Tag kostet Leihgebühr oder Finanzierungskosten. Die wichtigsten Risiken:

In der Praxis setzen viele Profis Shorts deshalb kleiner als Long-Positionen und immer mit festem Ausstieg ein. Der Stop-Loss liegt dabei über dem Einstieg. Häufig dient eine Short-Position auf einen Index nicht der Spekulation, sondern der Absicherung eines Aktiendepots in schwachen Marktphasen.

Aufsichtsbehörden können Leerverkäufe in Krisen zeitweise einschränken. In der EU müssen größere Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien zudem gemeldet und ab einer bestimmten Schwelle veröffentlicht werden.

Leerverkauf bei [Bulle & Mensch]

Für einige Gäste ist der Short ein ganz normales Werkzeug. Oliver Klemm beschreibt, wie Händler bei der Bank in fallenden Märkten Papiere verkauft haben, die sie gar nicht hatten. Gregor Labahn erklärt, warum Leerverkäufer bei steigenden Kursen unter Druck geraten: Sie müssen zurückkaufen. Michael Pisnyachevskiy ist über seinen allerersten Trade zum Leerverkauf gekommen, ohne zu wissen, was ein Short ist.

Andere erzählen von den Schattenseiten. Larissa Kravitz lag vor der Finanzkrise mit ihrem Short richtig, war aber viel zu früh dran. Dr. Raimund Schriek war mit 500 CFDs short auf Schering, als die Übernahme durch Bayer bekannt wurde. Stefan Meißner lässt das Shorten inzwischen bleiben, weil es teuer ist und der Markt langfristig steigt, und Marcel Urban prüft in seinen Stresstests auch steigende Leihkosten. Tim Schäfer warnt zudem vor Short-Sellern, die Gerüchte streuen, damit ihre Wette aufgeht.

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💬 Was unsere Gäste über Leerverkauf sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Larissa KravitzRichtig gelegen, aber viel zu früh short
Oliver KlemmDas Geheimnis der Bankhändler: auch short sein
Stefan MeißnerZu teuer, der Markt steigt langfristig
Dr. Raimund SchriekShort in eine Übernahme hinein
Marcel UrbanLeihkosten beim Short im Stresstest
Gregor LabahnSteigende Kurse zwingen Shorts zum Rückkauf
Michael PisnyachevskiyDer erste Trade: ein Short, ohne es zu wissen

Die Aussagen im Wortlaut

Richtig gelegen, aber viel zu früh short

„Normalerweise, wenn der Ölpreis zack so raufschießt, müssten die Kapitalmärkte fallen. Haben sie nicht. […] Mein ganzes Umfeld war 2007-Short. War auch viel zu früh Short.“
Larissa Kravitz Folge 32: Kein ETF ist sicher: Warum Larissa Kravitz vor der stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne warnt ▶ 2:00:00 auf YouTube

Das Geheimnis der Bankhändler: auch short sein

„Das heißt, du bist immer mit einem großen Sack hochgelaufen und wenn es runtergelaufen ist, möglichst keinen Sack dabei gehabt oder sogar was verkauft, was du gar nicht hattest. Also Short gewesen. Das war das Geheimnis bei der Bank.“
Oliver Klemm Folge 31: Die 368.000-Euro-Trader-Falle: Warum Oliver Klemm nie mehr gegen den Markt hält ▶ 1:26:34 auf YouTube

Zu teuer, der Markt steigt langfristig

„Wenn ich jetzt mit einem Knockout mache, dann riskiere ich, dass es nach oben geht und mir das Ding rausschießt. […] Es ist einfach so teuer zu shorten und langfristig geht der Markt immer nach oben, weshalb ich es seitdem eigentlich ganz gelassen habe.“
Stefan Meißner Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt ▶ 1:55:22 auf YouTube

Short in eine Übernahme hinein

„Und ich war mit 500 CFDs auf der Shortseite und wusste, das wird ein lustiger Samstagabend, ein interessanter Sonntag. Und ich bin gespannt, was Montagmorgen bei der Marktöffnung passiert.“
Dr. Raimund Schriek Folge 26: Warum leicht verdientes Geld beim Trading so gefährlich ist ▶ 1:03:04 auf YouTube

Leihkosten beim Short im Stresstest

„Wenn wir jetzt einen ETF shorten, dann müssen wir auch dafür bezahlen. Man zahlt dann immer Interest da drauf. Was ist, wenn es auf einmal auf ein ETF der Interest unheimlich hoch geht?“
Marcel Urban Folge 16: KI frisst deinen Edge: warum Alpha immer schneller stirbt ▶ 59:00 auf YouTube

Steigende Kurse zwingen Shorts zum Rückkauf

„Wer hat jetzt ein Problem? Der Käufer oder der Verkäufer? […] Der Verkäufer hat ein Problem. Entweder ist er short, dann hat er ein größeres Problem, weil er muss diesen Short zurück kaufen.“
Gregor Labahn Folge 13: Ich trade nur, wenn nichts von mir es will: Gregor Labahn über die 90-Prozent-Mindset-Regel im Trading (Ex-UBS, Ex-Berenberg) ▶ 1:10:11 auf YouTube

Der erste Trade: ein Short, ohne es zu wissen

„Vor allem der Sell Button hat mich irritiert, weil dass ich irgendwas kaufen kann macht Sinn, aber warum kann ich irgendwas verkaufen, wenn ich noch nichts auf der Balance habe, wenn ich noch keine Aktien halte? […] Später habe ich dann gelernt, das ist Leerverkauf, das Shorten, deswegen war das möglich.“
Michael Pisnyachevskiy Folge 1: Michael Pisnyachevskiy: Wie die Suche nach dem Heiligen Gral im Trading zur Suche nach einem echten Edge wurde ▶ 06:18 auf YouTube

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