Podcast-Gast · Folge 27
Stefan Meißner
Stefan Meißner rechnet für jede Aktie aus, welche Rendite sie zum aktuellen Kurs langfristig an die Aktionäre zurückgibt, und kauft die Titel mit der höchsten „inneren Rendite“. Er arbeitet rein mit Fundamentaldaten und lässt Charttechnik bewusst weg.
Über Stefan Meißner
Stefan Meißner investiert seit 2009. Den Einstieg gab ein BWL-Professor, der im Februar jenes Jahres empfahl, jetzt einzusteigen. Kurz darauf kaufte Stefan Meißner für rund 1.000 Euro Deutsche-Bank- und Porsche-Aktien und las parallel sein erstes Buch über Warren Buffett. Über viele Jahre betrieb er klassisches Value Investing: Er ermittelte den inneren Wert von Unternehmen anhand von Kennzahlen wie dem KGV und verglich ihn systematisch mit dem Kurs, dokumentiert in einem großen Excel-Sheet. 2011 machte er nach eigener Aussage deutliche Verluste mit chinesischen Small Caps, deren Zahlen sich als nicht belastbar erwiesen. Das war ein Wendepunkt, der ihn dazu brachte, seinen Ansatz systematischer aufzubauen.
Ab 2020 arbeitete Stefan Meißner als Berater für einen professionellen Vermögensverwalter und beschäftigte sich dabei intensiver mit Anleihen. Diese Auseinandersetzung gab ihm nach eigener Beschreibung den Schwung für eine neue Idee: Statt den Diskontierungsfaktor zu schätzen und daraus einen Wert abzuleiten, dreht er die Formel um und ermittelt direkt die innere Rendite, die sich aus dem aktuellen Kurs ergibt. Aus dieser Idee entstand Yield Investing. Im Juli 2023 startete er das wikifolio Focused Yield Investing* zunächst als Testphase seines Ansatzes. Nach etwa einem Jahr wurde es zum „wikifolio der Woche“ gewählt, was ihm laut eigener Aussage einen Aufmerksamkeits-Boost gab. Ende 2023 veröffentlichte er zusätzlich das breiter diversifizierte wikifolio Global Yield Investing*. Sein über Jahre erarbeitetes Wissen hat er in einem Buch verschriftlicht und veröffentlicht.
So investiert Stefan Meißner
Aus dem Gespräch in Folge 27 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er investiert weltweit in Aktien und schränkt sich weder bei Regionen noch bei Branchen ein. Viele seiner Titel haben eine Marktkapitalisierung zwischen einer halben und zehn Milliarden. Microcaps meidet er, weil ihm dort die Daten fehlen.
„weshalb viele meiner Investments so zwischen einer halben Milliarden und zehn Milliarden von der Marktkapitalisierung liegen“
▶ Folge 27 · 1:23:46
Haltedauer
Er kauft jede Aktie so, als könne er sie nie wieder verkaufen. Einen Verkauf zu einem Zielkurs in ein, zwei Jahren plant er beim Kauf nie.
„Kaufe ich so, als könnte ich es nicht mehr verkaufen.“
▶ Folge 27 · 1:39:14
Auswahl und Einstieg
In seiner Datenbank stehen rund 500 Unternehmen, die ihm aufgefallen sind, etwa über Screenings nach niedrigem KGV im S&P 500. Nach einem Blick von ein, zwei Minuten in die Abschlüsse folgt die genaue Analyse, rund 50 Titel landen in seiner Auswahl, sortiert nach innerer Rendite. Über 13 bis 14 Prozent hält er ein Einzelinvestment für sehr gut.
„ich suche mir die Investments, die für meinen Geschmack die höchste innere Rendite bieten.“
▶ Folge 27 · 47:02
Portfolio und Positionsgröße
Die attraktivsten Titel gewichtet er am stärksten, die Obergrenze pro Position hängt vom Risiko ab. Ein chinesisches Fintech bekommt bei gleicher Bewertung weniger Gewicht als Coca Cola. Er streut über Kontinente und Branchen und zieht diese Streuung einer bloßen Vielzahl an Titeln vor.
„irgendein Fintech aus China, das kriegt nicht das gleiche Gewicht wie eine Coca Cola, wenn sie gleich attraktiv bewertet sind“
▶ Folge 27 · 59:27
Risiko und Verkauf
Er verkauft meist, weil er eine andere Aktie noch attraktiver findet, oft lange bevor ein Titel fair bewertet ist. Feste Verkaufslimits setzt er nicht. Das Risiko fließt als Abschlag in die innere Rendite ein, abhängig vom Unternehmen und vom Land.
„der Grund des Verkaufs ist dann oft nur, dass ich eine andere noch attraktiver finde.“
▶ Folge 27 · 1:00:44
Fehler und was daraus wurde
2011 kaufte er Small Caps aus China, die sich als Luftnummern herausstellten, und lag deutlich hinter dem Markt. Seitdem prüft er, ob die ausgewiesenen Zahlen echt sind. Aus dieser Zeit stammt auch sein Entschluss, systematischer vorzugehen.
„irgendwelche Small Caps aus China gekauft, die sich alle als Luftnummern herausgestellt haben.“
▶ Folge 27 · 2:06:41
Umgang mit Verlusten
In Crashs bleibt er investiert und hält sich an sein System. Stark fallende Kurse sieht er als Kaufgelegenheit. Im Corona-Crash investierte er einen Kredit schrittweise bei 9.500, 9.000 und 8.500 DAX-Punkten.
„da ist es dann sehr hilfreich, wenn man sich ein gut durchdachtes System entwickelt hat und dem dann treu bleibt“
▶ Folge 27 · 1:14:41
Arbeitsweise und Werkzeuge
Einmal im Monat importiert er Kurse und Analystenschätzungen in ein selbst gebautes Excel-Tool mit VBA und prüft, ob sich seine Annahmen verschoben haben. Dazu kommt ein Jahres-Workflow mit tieferen Analysen. Nach drei bis fünf Jahren vergleicht er alte Annahmen mit den tatsächlichen Fundamentaldaten.
„Ich adjustiere eigentlich grob monatlich neu. Also bei Bedarf auch mal mehr, aber ich habe mir so eine Art Workflow aufgebaut.“
▶ Folge 27 · 56:34
Innere Rendite statt innerer Wert
Er nimmt den aktuellen Kurs als gegeben und löst das Discounted-Cashflow-Modell nach dem Diskontierungssatz auf. So braucht er keinen festen Zinssatz und vergleicht alle Aktien direkt über ihre erwartete Rendite.
„dass ich einfach den aktuellen Kurs als gegeben nehme und dann die Formel so umstelle, dass ich nach dem Diskontierungsatz auflöse“
▶ Folge 27 · 46:21
Nur Rückflüsse zählen
In sein Modell rechnet er nur Dividenden und Aktienrückkäufe ein, also das, was tatsächlich beim Aktionär ankommt. Bei Wachstumsfirmen, die noch nichts ausschütten, schätzt er, ab wann sie ihre Gewinne zurückgeben.
„Das ist für mich das, was wirklich an den Aktionär fließt, die beiden Komponenten, die für mich sehr bedeutend sind.“
▶ Folge 27 · 16:44
Voll investiert statt Cash
Cash hat für ihn eine innere Rendite von null, deshalb bleibt er nahezu voll investiert. Privat nutzt er auch Fremdkapital und kalkuliert dafür mit sieben Prozent brutto.
„Cash hat nun mal eine innere Rendite von null und das ist nicht besonders attraktiv“
▶ Folge 27 · 54:49
Buchtipps von Stefan Meißner
Buchtipps aller Gäste →Kommentare
Mehr Erfahrungen →Für alle, die tiefgehender hinter das Mindset und die Methodik von Yield Investing blicken möchten, hat sich Mario über 2 Stunden Zeit genommen, um mich bei Bulle & Mensch zu interviewen. Danke dafür.
Überraschend angenehm, ruhiger Gast, von dem man einiges mitnehmen kann, der glaube ich sehr bodenständig, reflektiert und ehrlich ist. Danke, top.
Gutes Gespräch und gut nachgefragt. … Bei einigen mentalen Punkten habe ich mich wieder erkannt. Schön dies zu hören. Weiter so. 👍
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