Begriff · Investment
Was ist eine Benchmark?
Benchmark: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Die Benchmark ist der Vergleichsmaßstab, an dem Anleger und Fondsmanager die Rendite ihres Depots messen, meist ein breiter Aktienindex wie der MSCI World oder der S&P 500. Wer seine Benchmark übertrifft, erzielt Outperformance. Entscheidend ist die Wahl eines passenden Index: Er sollte zur eigenen Anlagestrategie passen und eine realistische Alternative darstellen.
Benchmark: Definition und Erklärung
Eine Benchmark ist ein Vergleichsmaßstab für die Wertentwicklung eines Depots, Fonds oder einer Strategie. In der Geldanlage ist das fast immer ein Index, etwa der MSCI World, der MSCI ACWI, der S&P 500 oder der DAX. Die Benchmark beantwortet eine einfache Frage: Hat sich der Aufwand gelohnt, oder wäre ein simples Investment in den Gesamtmarkt besser gewesen?
Liegt die eigene Rendite über der Benchmark, spricht man von Outperformance, liegt sie darunter, von Underperformance. Die Differenz wird in Prozentpunkten gemessen. Fachleute sprechen beim risikobereinigten Mehrertrag auch von Alpha. Studien zeigen seit Jahrzehnten, dass die Mehrheit aktiver Fonds ihre Benchmark nach Kosten langfristig nicht schlägt. Genau deshalb sind günstige Index-ETFs für viele Anleger die Messlatte, an der sich jede aktive Strategie messen lassen muss.
Eine Benchmark ist nur so aussagekräftig wie ihre Auswahl. Sie sollte zur eigenen Anlagestrategie passen: Wer weltweit breit streut, vergleicht sich sinnvoll mit einem Weltindex, wer vor allem deutsche Nebenwerte kauft, eher mit MDAX oder SDAX. Eine zu schwache Benchmark lässt die eigene Leistung besser aussehen, als sie ist, eine zu starke führt zu unnötigem Frust.
Benchmark vergleichen: so funktioniert es
Der Vergleich mit der Benchmark folgt drei Schritten. Zuerst wird ein passender Index festgelegt, und zwar bevor die Ergebnisse feststehen. Dann wird die eigene Rendite über denselben Zeitraum ermittelt, idealerweise nach Kosten, Steuern und in derselben Währung. Zum Schluss wird die Differenz berechnet.
Wichtig ist ein fairer Vergleich: Der DAX ist ein Performanceindex, in dem Dividenden bereits enthalten sind, der S&P 500 dagegen wird meist als Kursindex ohne Dividenden gemeldet. Wer Dividenden kassiert, sollte sich deshalb mit der Total-Return- oder Net-Return-Variante eines Index vergleichen. Bei Depots mit laufenden Ein- und Auszahlungen ist zudem der zeitgewichtete oder der geldgewichtete Ertrag (interner Zinsfuß) nötig, sonst verzerren die Zeitpunkte der Einzahlungen das Ergebnis.
Wie stark sich schon kleine Unterschiede auswirken, zeigt ein Beispiel über 20 Jahre:
| Startkapital | 100.000 € |
|---|---|
| Depot mit 9 % Rendite pro Jahr nach 20 Jahren | 560.441 € |
| Benchmark mit 7 % Rendite pro Jahr nach 20 Jahren | 386.968 € |
| Mehrertrag durch 2 Prozentpunkte Outperformance | 173.473 € |
Die Formel dahinter: Outperformance = eigene Rendite − Rendite der Benchmark. Durch den Zinseszins wächst schon ein Vorsprung von wenigen Prozentpunkten über Jahrzehnte zu einem großen Betrag. Umgekehrt gilt dasselbe: Eine dauerhafte Underperformance von zwei Prozentpunkten kostet genauso viel.
Benchmark in der Praxis
In der Praxis ist die Benchmark vor allem ein Werkzeug zur ehrlichen Selbstkontrolle. Private Anleger, die Einzelaktien auswählen, investieren oft viele Stunden pro Woche. Ob sich das lohnt, zeigt erst der Vergleich mit einem breiten ETF, der ohne Aufwand die Marktrendite liefert. Wer über viele Jahre hinter der Benchmark zurückbleibt, betreibt die Börse eher als Hobby als als Renditequelle.
Für Profis ist die Benchmark zugleich Maßstab und Druckmittel: Fondsmanager werden an ihr gemessen, und wer sie mehrere Jahre verfehlt, verliert Kundengeld oder den Job. Bei der Wahl der eigenen Benchmark achten erfahrene Anleger auf einige Punkte:
- Sie wird vorab festgelegt und nicht im Nachhinein passend gewählt,
- sie bildet dasselbe Anlageuniversum ab wie das eigene Depot (Region, Größe, Branche),
- sie ist eine realistische Alternative, in die man das gesamte Vermögen stecken würde,
- verglichen wird in derselben Währung, inklusive Dividenden und nach Kosten,
- neben der Rendite zählt auch das Risiko, etwa ein geringerer Drawdown als der Markt.
Benchmark bei [Bulle & Mensch]
Viele Gäste messen ihren Erfolg ausdrücklich an einer Benchmark. Thomas Sparkojote wählt als Maßstab bewusst einen Welt-ETF, weil eine Benchmark eine realistische Alternative sein müsse, in die er sein gesamtes Portfolio stecken würde. Bernhard Mitterlehner vergleicht sich mit dem MSCI ACWI IMI, dem Index, den er kaufen würde, wenn er sich keine Gedanken machen wollte. Torsten Maus will mit seiner Trendstrategie besser als DAX oder MDAX sein und dabei weniger Rücksetzer als der Markt haben. Dr. Carmen Mayer misst sich am amerikanischen Markt, Michael Kranich vergleicht sein US-Wikifolio mit dem S&P 500. Larissa Kravitz steigt aus Einzeltiteln aus, wenn sie 15 bis 20 Prozent hinter der Benchmark liegen, und beschreibt, wie ETFs den Benchmark-Druck auf institutionelle Anleger erhöhen.
Mehrere Gäste betonen, wie schwer es ist, die Benchmark zu schlagen. David Pieper hält Trading nur dann für sinnvoll, wenn man die Benchmark auch risikoadjustiert übertrifft, sonst sei es ein Hobby. Paul Pleus traut sich eine Outperformance gegenüber dem MSCI World nur zu, weil er Vollzeit an der Börse arbeitet, und rät allen anderen eher zum ETF. Stefan Meißner verweist darauf, dass nach Gebühren klar unter fünf Prozent der Anleger den Markt um ein paar Prozent schlagen. Eine Gegenstimme ist André Doerk: Für sein Dividendendepot lasse sich kaum eine konkrete Benchmark finden, er misst den Erfolg am wachsenden Cashflow.
💬 Was unsere Gäste über Benchmark sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Larissa Kravitz | ETFs erhöhen den Benchmark-Druck auf Profis |
| Stefan Meißner | Wenige schlagen den Markt nach Kosten |
| Michael Kranich | Je Land eine eigene Benchmark |
| Dr. Carmen Mayer | Amerikanischer Markt als eigene Benchmark |
| André Doerk | Gegenstimme: Cashflow statt Benchmark |
| Paul Pleus | Outperformance kostet Zeit, sonst lieber ETF |
| David Pieper | Ohne Vorteil gegenüber Benchmark kein Trading |
| Torsten Maus | Aktive Strategie muss den Index schlagen |
| Bernhard Mitterlehner | Weltindex als klarer Vergleich |
| Thomas Sparkojote | Benchmark muss realistische Alternative sein |
| Michael Pisnyachevskiy | Einsteigerziel: MSCI World schlagen |
Die Aussagen im Wortlaut
ETFs erhöhen den Benchmark-Druck auf Profis
„Was man nicht vergessen darf, dass das ETF-Investing auch so einen gewissen Benchmarkingdruck bei den Insties entstehen lässt. Das heißt, wenn du jetzt einmal so der norwegische Pensionsfonds bist oder irgendein größerer Instie, dann ist natürlich aufgrund der Existenz der ETFs es extrem schwer zu erklären, warum du die Benchmark nicht geschafft hast dieses Jahr.“
Wenige schlagen den Markt nach Kosten
„Aber der Anteil derer, die überhaupt den Markt ein paar Prozent outperformen nach Abzug der Gebühren, liegt bei klar unter fünf Prozent. Da gibt es massenweise Studien zu.“
Je Land eine eigene Benchmark
„Dann wird für jedes Land nochmal sozusagen von der jeweiligen Benchmark, also mit Amerika habe ich als Benchmark den S&P 500, womit ich mein Wikifolio vergleiche und seine Performance.“
Amerikanischer Markt als eigene Benchmark
„Ich messe mich ja immer mit dem Markt. Also das ist ja mit dem amerikanischen Markt. […] Es geht ja darum, besser zu sein als der amerikanische Markt in meinem Fall. Das ist mein Benchmark quasi.“
Gegenstimme: Cashflow statt Benchmark
„Ich würde es halt so bisschen schwierig finden, für mein Depot einen konkreten Benchmark zu finden, weil das lässt sich wirklich schwer so abbilden. […] Ich möchte mir ein Depot aufbauen, was mir langfristig einen Cashflow bietet.“
Outperformance kostet Zeit, sonst lieber ETF
„Ich hab zum Beispiel den Anspruch, mehr als die Durchschnittsrendite des MSCI World zu machen. Aber das kann ich eben auch nur, weil ich Vollzeit arbeite in diesem Bereich jetzt. […] Ich kauf lieber ein ETF, sag ich jetzt mal. Oder kauf ein Wikifolio, wo sich ein Profi damit beschäftigt.“
Ohne Vorteil gegenüber Benchmark kein Trading
„Ich sollte nur traden, wenn ich einen gewissen Vorteil habe, dass ich mehr rausholen kann. […] Ich messe mich gegen eine Benchmark, dass ich sage, ich investiere viel mehr Zeit und ich möchte besser abschneiden als der S&P, auch risikoadjustiert. Sonst macht es ja keinen Sinn.“
Aktive Strategie muss den Index schlagen
„Grundsätzlich ist es immer das Ziel, besser als Referenz-Benchmark zu sein. Hauptschwerpunkt ist so bisschen deutscher Markt, wo man sagt, okay, wenn man jetzt einen DAX oder einen MDAX schlägt von der Performance her, dann ist es positiv. […] Man braucht ja irgendeinen Benchmark und man sollte besser als der Index sein […].“
Weltindex als klarer Vergleich
„Meine selbst gewählte Benchmark ist MSCI All Country World Index, IMI […]. Das ist auch der Index, den ich kaufen würde, wenn ich mir überhaupt keine Gedanken machen will. Und der ist mein klarer Vergleich.“
Benchmark muss realistische Alternative sein
„Für mich ist meine Benchmark das, worin ich mein gesamtes Investmentportfolio reinstecken würde und auch wirklich machen würde. […] Also man muss die Benchmark, die man halt nimmt, aufs gesamte Investmentportfolio betrachtet, muss auch eine realistische Alternative sein, wo du all in gehen würdest.“
Einsteigerziel: MSCI World schlagen
„Ich habe einfach nur gedacht, sobald ich mehr als 7 Prozent mache pro Jahr, habe ich den MSCI World geschlagen, und das ist einfach mein Ziel und das war's.“
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