Stillhalter-Strategie mit Optionen: David Pieper
Wie ein ehemaliger Aktienanalyst nach Neuem Markt und Finanzkrise ein regelbasiertes Stillhaltergeschäft mit Optionen aufgebaut hat: ohne Hebel, mit rund 1 bis 1,5 Prozent Zielrendite pro Monat.
Seine erste große Spekulation endete für David Pieper mit einem Totalverlust. Im ersten Jahr seines dualen Studiums bei einer Bank kaufte er nach einem Börsenbrief die Pennystock-Aktie Eskom, die nur noch ein wertloser Börsenmantel war. Heute verkauft er als Stillhalter Put-Optionen und zielt auf 1 bis 1,5 Prozent pro Monat, gerechnet im rollierenden Schnitt über vier bis sechs Monate. Dafür hat er einen größeren Betrag aus dem Verkauf einer Immobilie in den Handel umgeschichtet.
Dazwischen liegen das Abitur 1998 mitten im Neuen Markt und die Arbeit als Analyst für den US-Aktienmarkt in Stuttgart kurz vor der Finanzkrise. In dieser Folge erklärt er seine Stillhalter-Strategie mit Optionen. Er handelt cash secured und ohne Hebel, das Geld für eine mögliche Einbuchung liegt immer auf dem Konto. Sein Lernweg dorthin war teuer, und er sagt selbst, dass es kaum anders geht.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 7 Punkte: Einstieg 2 · Psychologie 2 · Auswahl 1 · Positionsgröße 1 · Risiko 1
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RegelEinstiegDer Preis als einzige Information Der Chart zeigt das Kapital, nicht die Meinung. Für David Pieper ist technische Analyse schlicht das Lesen von Angebot und Nachfrage: „Ich lese im Grunde genommen das Angebots- und Nachfrageverhalten aller Akteure, die nicht nur eine Meinung abgeben ..., sondern die das mit Kapital unterlegen.“
Zitat & Begründung
„technische Analyse bedeutet, ich nehme als Information den Preis selbst“ ▶ 15:43
- Ein DCF-Modell hat ihm zu viele Stellschrauben, den Wert kann man damit auf 300 hoch- oder auf 100 runterziehen.
- Im Chart sieht er das Verhalten derer, die mit eigenem Kapital handeln.
- Eine Glaskugel ist der Chart für ihn nicht, er zeigt nur, wo mit einer Bewegung zu rechnen ist.
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SkeptischPsychologieDay Trading verstärkt Schwächen1 von 1.000 Day Trading ist der schwierigste Weg an der Börse. Sein Urteil ist hart: Von 1.000 Leuten, die sich für Day Trading entscheiden, bleibt nach seiner Einschätzung vielleicht einer dauerhaft konsistent übrig.
Zitat & Begründung
„das Day Trading verstärkt im Grunde genommen deine Schwachstellen“ ▶ 1:17:08
- Er hat selbst Tausende Stunden getestet. Es kann funktionieren, ist aber extrem anstrengend.
- Mehr Gebühren, ständiges Umschalten und Ausführung auf den Punkt machen jeden Fehler teuer.
- Von 1.000 Day Tradern bleibt nach seiner Schätzung etwa einer über Jahre konsistent.
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SkeptischAuswahlWenige Parameter statt Curve FittingKlare Aussage Zu viele Parameter zerstören jede Strategie. Mehr Regeln machen die Kapitalkurve nur rückblickend schöner. David Pieper nennt das Curve Fitting und verweist auf den Witz mit den sechs Parametern, mit denen sich ein Elefant malen lässt.
Zitat & Begründung
„je mehr Regeln ich einfüge, desto schöner kann ich mir die Kapitalkurve malen, weil ich im Endeffekt Curve Fitting betreibe“ ▶ 1:35:55
- Kunden schickten ihm Strategien mit 22 Parametern.
- Die beste von einer Million getesteten Varianten hat nur in der Vergangenheit funktioniert, die würde er nie handeln.
- Robust ist eine Strategie für ihn mit wenigen Parametern, genug Trades und wenn sie kleine Änderungen verträgt.
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RegelEinstiegEr spielt die VersicherungPuts verkaufenKlare Aussage Der Optionsmarkt funktioniert wie eine Versicherung. Als Stillhalter verkauft David Pieper Put-Optionen, die im Schnitt zu teuer sind, wie eine Versicherung, die ihre Prämien bewusst höher kalkuliert, als es die tatsächlichen Schäden erfordern.
Zitat & Begründung
„Ich kassiere meine Prämien. Hin und wieder muss ich die Aktie kaufen. Da weiß ich vorher, was auf mich zukommt“ ▶ 1:44:08
- Versicherungen verdienen langfristig, weil sie ihre Prämien etwas höher ansetzen als nötig.
- Aus Angst vor fallenden Kursen zahlen Anleger für Put-Optionen im Schnitt zu viel.
- Als Stillhalter spielt er die Versicherung und behält die Prämie.
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RegelPositionsgrößeViele kleine Tradestrade often, trade small Der statistische Vorteil liegt in der Volatilitätsprämie. Die implizite Volatilität, die der Optionsmarkt erwartet, liegt im Durchschnitt höher als die tatsächlich eintretende. Daraus speist sich der Gewinn.
Zitat & Begründung
„Die implizite Volatilität, das ist die Volatilität, die der Optionsmarkt erwartet, ist im Durchschnitt höher als die, die tatsächlich nachher kommt“ ▶ 2:20:08
- Erwartet der Optionsmarkt 40 % Schwankung und es werden nur 30 %, ist die Option überteuert.
- Nicht jeder einzelne Trade gewinnt, der Vorteil zeigt sich erst über viele Trades.
- Deshalb gilt für ihn das Mantra „Trade often, trade small“.
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TabuRisikoNur cash securedkein HebelKlare Aussage Ohne Hebel bleibt das Risiko beherrschbar. David Pieper handelt cash secured: „Ich habe nie mehr Risiko als der normale Aktionär.“
Zitat & Begründung
„Ich versichere nur den Betrag, den ich auf meinem Konto habe“ ▶ 1:54:03
- Mit 100.000 Euro Versicherungen über 500.000 zu schreiben bringt mehr Prämie, bis ein Iran-Krieg oder Zollstreit kommt.
- Wer cash secured handelt, hat das Geld für eine Zuteilung der Aktien schon im Konto.
- Seine erste Regel ist, das Kapital zu erhalten. Drawdowns von 50 % will er nicht.
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RätPsychologieDie eigenen Fehler kennen Die eigenen Fehler sind älter als jede Strategie. Er ist überzeugt, dass sein Sohn in 20 Jahren an der Börse dieselben psychologischen Fehler machen wird wie er selbst, weil das Gehirn für Finanzmärkte schlicht nicht gebaut ist.
Zitat & Begründung
„Weil unser Gehirn kann mit dem Finanzmarkt nicht wirklich gut umgehen“ ▶ 54:12
- Das Gehirn ist auf Ängste gepolt, auf die wir instinktiv reagieren, und an der Börse ist das falsch.
- Jeder muss die Fehler erst selbst lernen, auch sein Sohn.
- Wer aktiv an sich arbeitet, macht vielleicht weniger Fehler, aber trotzdem welche.
Meinungen von David Pieper aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Vom Aktienanalysten in der Finanzkrise zum Optionshändler
David Pieper begann seine Börsenkarriere klassisch als Wertpapierberater bei einer Privatbank, wechselte aber schnell in die Research-Abteilung einer Landesbank nach Stuttgart, weil ihn die Analyseseite mehr reizte als die Kundenberatung. Dort war er strategisch für den US-Aktienmarkt zuständig, „die Vogelperspektive auf den Markt“, wie er es beschreibt. Kurz vor der Finanzkrise schrieb er einen seiner ersten Reports über Countrywide Financial, eine kleine US-Hypothekenbank, bei der bereits erste Spuren sichtbar wurden, lange bevor die Meldungen rund um HSBC das Thema groß machten.
Privat hatte David Pieper bereits Ende der 90er angefangen, als er 1998 mitten in der Hochphase des Neuen Markts sein Abitur machte. Sein erster großer Fehlgriff war eine Pennystock-Spekulation namens Eskom, ein bereits leerer Börsenmantel, der praktisch wertlos war. Genau dieser Verlust war für ihn der Beginn. Danach wollte er es richtig machen und beschäftigte sich systematisch mit technischer Analyse, angefangen bei den Klassikern wie John Murphy.
Wie David Pieper vom Fundamentaldenken zur technischen Analyse gefunden hat
In der Landesbank erlebte David Pieper aus erster Reihe, wie unterschiedlich Analysten auf eine aufziehende Krise reagieren. Wer den Weltuntergang an die Wand malt, bekommt vom Chef zu hören, das sei „vielleicht ein bisschen zu krass“. David Pieper beschreibt offen, dass es im institutionellen Umfeld Interessen gibt, die klare Warnungen unbequem machen. Er selbst sieht sich eher als visuellen Typ und weniger als Zahlenmenschen, der Bilanzen auswertet, und kam deshalb schnell auf die technische Seite.
Sein Einstieg in die technische Analyse begann klassisch mit Literatur wie John Murphy, mit unzähligen Linien und Indikatoren, bis er merkte, dass weniger mehr ist. Über die Jahre reduzierte er sein Setup radikal. Heute verlässt er sich vor allem auf Trend, Impuls und Korrektur und liest Angebot und Nachfrage direkt im Chart. Prägend war dabei auch sein bewusster Verzicht auf lange Demokonto-Phasen. „Du musst schon ins Wasser steigen.“ Emotionale Disziplin, sagt er, lässt sich nur mit echtem Kapital im Spiel wirklich lernen. Das Chart-Lesen vergleicht er mit dem Lesenlernen seines Sohnes in der ersten Klasse. Es braucht Zeit, und wer am Tag zwei Charts anschaut, wird in einem Jahr kein guter technischer Analyst.
So funktioniert David Piepers Stillhalter-Strategie mit Optionen
Erst rund um die Corona-Zeit, mit kleinem Kind zu Hause und dem Wunsch nach einem ruhigeren Ansatz als dem Sitzen vor dem 1-Minuten-Chart, kam David Pieper auf ein Thema zurück, das er aus dem Studium kannte und damals langweilig fand, die Optionen. Heute ist der Stillhalter-Ansatz sein Kerngeschäft. Die Grundidee erklärt er mit der Versicherungsanalogie. Wer eine Put-Option verkauft, versichert einem anderen Marktteilnehmer dessen Aktie gegen Kursverluste und kassiert dafür eine Prämie, ähnlich wie eine Versicherung, die ihre Policen bewusst etwas teurer kalkuliert, als es die tatsächlichen Schadensfälle erfordern würden.
Konkret verkauft David Pieper bevorzugt Puts mit einer Restlaufzeit von rund 45 Tagen auf Aktien, die er ohnehin gerne im Depot hätte, mit einem Abstand von rund acht Prozent zum aktuellen Kurs und einem Delta um 30. Sobald 50 bis 60 Prozent der Prämie als Gewinn realisiert sind, schließt er die Position vorzeitig. Dabei handelt er konsequent cash secured, also ohne zusätzlichen Hebel, und das Geld für die mögliche Einbuchung liegt im Konto. Sein Zielwert liegt bei rund 1 bis 1,5 Prozent Rendite pro Monat im rollierenden Schnitt über vier bis sechs Monate. Weil sich Laufzeiten, Basispreise und Werte händisch kaum vergleichen lassen, entstand aus dem eigenen Bedarf heraus das Options-Tool „Easy“. Der Name steht für den Anspruch, die Einstiegshürde in ein komplexes Thema abzusenken.
David Pieper als Stillhalter mit Disziplin, Selbstkenntnis und Blick auf die Masse
Hinter der nüchternen Prämienstrategie steht auch eine sehr persönliche Entscheidung. David Pieper hat einen größeren Betrag aus dem Verkauf einer Immobilie bewusst in den aktiven Handel umgeschichtet. Diese Entscheidung musste er seiner Frau erst erklären. Seine erste Regel im Risikomanagement ist, das Kapital zu erhalten und erst dann Rendite zu haben. Wer ohne Hebel arbeitet, hat auch dann ruhige Nächte, wenn die Märkte volatiler werden.
Die Beschäftigung mit der eigenen und der kollektiven Marktpsychologie, mit Angst, Gier und dem Verhalten der Herde, ist für David Pieper zur zweiten großen Leidenschaft neben dem Chart geworden. Den bekannten Spruch „ich glaube es erst, wenn ich sehe“ dreht er um. „Ich sehe erst, wenn ich es glaube.“ Gefragt nach dem einen Satz, der dauerhaft am Bildschirm kleben sollte, antwortet er mit „Die Optimisten sind langfristig die Gewinner und die Weltuntergangspropheten klingen intelligent, machen aber keine Rendite.“
Was das für dich heißt
David Pieper hat über mehr als 25 Jahre an der Börse ein System gebaut. Adrenalin sucht er dort nicht mehr, er sucht Regeln:
- Er handelt ohne Hebel: Das Geld für eine mögliche Einbuchung liegt immer auf dem Konto. Könntest du jede deiner offenen Positionen auch dann tragen, wenn sie gegen dich läuft?
- Er schließt eine Position vorzeitig, sobald 50 bis 60 Prozent der Prämie als Gewinn realisiert sind. Steht dein Ausstieg fest, bevor du einsteigst?
- Er hat sein Setup über die Jahre radikal reduziert, statt immer neue Indikatoren dazuzunehmen. Welche deiner Indikatoren würdest du wirklich vermissen, wenn sie morgen fehlen?
- Er misst seinen Erfolg im rollierenden Schnitt über vier bis sechs Monate, nicht an einem einzelnen Monat. Bewertest du dein Trading nach dem letzten Trade oder nach mehreren Monaten?
Seine Positionen
Welche Anlagen David Pieper im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im April 2026).
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HältOptionenPuts verkaufen, cash secured2:27:21 Zitat
„Aber ich bekomme einfach eine bessere Rendite defensiv, wenn ich mit Optionen handle“
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HältAktiendirekt und als Basis der Optionen1:05:51 Zitat
„seit Corona eigentlich hauptsächlich kombiniert. Also direkt Aktien und dann immer mehr Optionen halt“
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HältIndizesleichter als Einzelaktien2:32:33 Zitat
„Ich bin der Meinung, dass der Einstieg über die Indizes viel einfacher ist“
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SkeptischFuturesscharfes Sushimesser1:16:37 Zitat
„Also bei Futures, ich sage immer, das ist halt ein scharfes Sushimesser“
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MeidetCFDskeine echte Börse1:07:44 Zitat
„ich habe auch mit CFDs gehandelt und hatte dann auch ein paar Erfahrungen, wo ich gesagt habe, okay, das ist definitiv kein Handelsinstrument“
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MeidetOptionsscheine und Zertifikatedem Emittenten ausgeliefert1:09:51 Zitat
„das kann euch passieren bei irgendwelchen Optionsscheinen, bei irgendwelchen Zertifikaten oder CFDs“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von David Pieper
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Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →Gratulation! Das ist wieder mal ein unglaublich spannender Beitrag geworden! Sehr hörenswert! …
Blockbuster: Endlich, David in Spielfilmlänge. Spannend vom Anfang bis zum Ende.
Top Interview, viel mitgenommen. Man merkt sofort, dass er weiß, wovon er spricht, danke.
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