Podcast-Gast · Folge 3
Bernhard Mitterlehner
Bernhard Mitterlehner investiert nach festen Momentum-Regeln in ganze Märkte statt in Einzelaktien. Er kauft nur, was über der 200-Tage-Linie liegt, und verlässt einen Markt, sobald das Momentum dreht, weil er Verluste vermeiden will.
Über Bernhard Mitterlehner
Bernhard Mitterlehner hat Finanzmathematik an der TU Wien studiert, mit Schwerpunkt Wahrscheinlichkeitsrechnung. Beruflich arbeitet er als Consultant für Rückstellungsberechnungen im Versicherungsbereich. Das ist sein „Brotberuf“, während das Investieren ihm immer mehr Spaß macht.
Sein erstes Investment tätigte er, bevor er ganz 18 war. Seine Mutter musste damals unterschreiben. Über Jahre agierte er wie ein „interessierter Amateur-Investor mit allen Vorteilen und Nachteilen“. Übrig blieb ungefähr eine Sparbuch-Rendite. Mit dem Beginn der Covid-Pandemie 2020 stieg er intensiv ein: Bitcoin, die Lang & Schwarz Bank, der chinesische Flugtaxi-Hersteller Ehang. 2023 gestand er sich ein, dass seine Erfolge zum großen Teil auf Glück aufgebaut waren. Danach stellte er auf einen rein wissenschaftlich begründeten Ansatz um.
So investiert Bernhard Mitterlehner
Aus dem Gespräch in Folge 3 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er handelt fast nur ETFs auf ganze Märkte, weil sie sich träger bewegen als Einzelaktien. In seiner Hauptstrategie „Golden Harbor“ stehen rund 13 getestete Assets, darunter S&P 500, Nasdaq, DAX, Stoxx Europe 50 und 600, MSCI Japan, Emerging Markets, Gold, Silber, ein Rohstoffindex und Bitcoin. Kryptowährungen hält er nicht direkt, sondern über ETFs und Aktien von Kryptobörsen.
„ich handle fast nur noch ETFs, ganze Märkte, weil die viel träger sich bewegen und viel besser vorherzusagen sind als Einzelaktien“
▶ Folge 3 · 18:45
Haltedauer
Eine feste Haltedauer gibt es nicht. Er bleibt in einem Markt, solange dessen Momentum positiv ist, und prüft das einmal im Monat.
„die Zahlen sagen ganz klar, geh nicht raus, solange das Momentum stark ist“
▶ Folge 3 · 1:13:25
Auswahl und Einstieg
Sein Signal ist der Durchschnitt der letzten 200 Handelstage, also rund zehn Monate. Liegt der Kurs darüber, darf er investieren. Er kauft erst, wenn ein Markt wieder über dieser Linie steht, und nimmt bevorzugt die stärksten Assets.
„Ich versuche mich dazu zu zwingen, auch beim Einstieg zu warten, bis ein Asset, bis ein Markt wieder über der 200-Tage-Linie ist“
▶ Folge 3 · 56:39
Portfolio und Positionsgröße
In „Golden Harbor“ hält er zwischen sechs und 20 ETFs und schichtet meist in Schritten von 5 Prozent um. Einzelaktien bekommen höchstens ein halbes Prozent seines Investmentvermögens. Sind nur zwei Märkte positiv, investiert er je 20 bis 30 Prozent und hält den Rest in Cash.
„Golden Harbor, wo ich maximal 20 ETFs drin habe, zwischen sechs ETFs und 20 ETFs, ganz grob“
▶ Folge 3 · 1:44:27
Risiko und Verkauf
Fällt ein Markt unter die 200-Tage-Linie, verkauft er. Feste Stop-Loss-Orders setzt er nicht, nur vor einer längeren Abwesenheit würde er welche setzen. Seit März 2020 kauft er nur, was er innerhalb weniger Minuten wieder verkaufen kann.
„Ganz konkret, wenn der Kurs unter die 200-Tage-Linie fällt, spätestens dann, einfach raus.“
▶ Folge 3 · 23:40
Fehler und was daraus wurde
Er stieg aus Korea aus, weil er den Markt für überbewertet hielt, obwohl das Momentum stark war. Der Markt stieg weiter. 2024 setzte er im September auf fallende Kurse und verlor dabei einige Prozent Performance.
„Ich habe den Fehler gemacht, ich habe irgendwann einmal gesagt, hey, die sind jetzt überbewertet, ich gehe raus“
▶ Folge 3 · 1:12:54
Umgang mit Verlusten
Er rechnet damit, dass rund 40 Prozent seiner Entscheidungen falsch sind. Bei Panik verkauft er lieber früh und nimmt einen Fehlverkauf mit 2 bis 4 Prozent Verlust in Kauf. Nervös macht ihn das Investieren nach eigener Aussage nicht mehr.
„Ich sage immer, wenn 60 % der Entscheidungen richtig sind und 40 % falsch, dann ist man schon bei den aller, allerbesten Leuten dabei“
▶ Folge 3 · 34:43
Arbeitsweise und Werkzeuge
Er testet Strategien selbst in Excel und rechnet mindestens bis ins Jahr 2000 zurück, damit die Dotcom-Krise und 2008 enthalten sind. Daten holt er unter anderem von MSCI. Entscheiden will er einmal im Monat, am Computer schaut er aber etwa alle zwei Stunden auf die Märkte.
„Ich bin ein Fan davon, dass ich alles selbst kontrollieren kann, was Zahlen betrifft. Deswegen verwende ich fast nur Excel.“
▶ Folge 3 · 25:23
Entscheidungen zum Monatswechsel
Seine Backtests zeigen die besten Ergebnisse, wenn er nur zum Monatswechsel auf die Kurse schaut und handelt. Beim Verkauf wartet er deshalb möglichst bis zum Monatsende, beim Einstieg handelt er auch unter dem Monat. Er gibt zu, dass er diese Regel nicht immer einhält.
„Ich habe aber herausgefunden, für den insgesamten Gewinn ist es ideal, wenn man sich die Kurse nur einmal im Monat anschaut.“
▶ Folge 3 · 29:25
Momentum und Saisonalität gemischt
Etwa die Hälfte seines Geldes investiert er nur, wenn Momentum und Saisonalität passen, zum Beispiel Gold im Jänner und Februar. Die andere Hälfte folgt allein dem Momentum. Ist das Momentum negativ, spielt die Saisonalität keine Rolle.
„ungefähr die Hälfte meines Geldes setze ich auf beides, das heißt auf Momentum und Saisonalitäten“
▶ Folge 3 · 50:21
Hebel nur im Aufwärtstrend
In einem eigenen Portfolio setzt er zwei- bis dreifach gehebelte ETFs ein, etwa auf Nasdaq oder Stoxx Europe 50. Mehr als dreifachen Hebel nimmt er nur bei 1 Prozent Einsatz, und gehebelt investiert er nur bei positivem Trend.
„ich würde auch niemals gehebelt investieren, wenn der Trend nicht positiv ist“
▶ Folge 3 · 1:49:03
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