[Bulle & Mensch]
Folge 5 · 3 Buchtipps

Trendfolge-Strategie: Torsten Maus seit 2005 profitabel

Seit 2005 durchgehend profitabel: Torsten Maus erklärt, warum radikale Selektion, Trendfolge und Kapitalerhalt für ihn zusammengehören und was sein öffentliches wikifolio damit zu tun hat.

Als Corona die Börsen erfasste, sicherte Torsten Maus sein Depot am Faschingsmontag ab. Der Markt korrigierte je nach Index um 30 bis 40 Prozent, sein Depot verlor 7 bis 8 Prozent. Bei Trumps Zolltafeln im April sicherte er wieder ab. Seit 2005 hat er nach eigener Aussage kein Jahr mit Minus abgeschlossen.

Sein Ansatz ist eine marktphasenorientierte Trendfolge. Er kauft Aktien, die mit hohem Volumen aus einer Darvas-Box ausbrechen, und lässt die Marktphase über Positionsgröße, Cash-Quote und Absicherung entscheiden. Dafür wertet er jede Woche Zinsen, Sektorrotation, COT-Daten, Sentiment und Saisonalität aus. Nachverfolgen lässt sich das in seinem wikifolio Trend-Surfer*, einem Musterdepot, das seit rund sechs Jahren läuft.

„Man kann die besten Aktien haben und wenn in der Badewanne einfach so das Wasser abgelassen wird, dann hat man mit jeder Aktie, mit jedem Schiff dann auch irgendwo Pech.“
– Torsten Maus

Die wichtigsten Erkenntnisse

Sein Regelwerk, 8 Punkte: Risiko 1 · Absicherung 1 · Auswahl 2 · Einstieg 1 · Ausstieg 2 · Ziel 1

  • RegelRisikoNie zur Vollinvestition gezwungenKlare Aussage

    Ein Trader ist ohne Zwang zur Vollinvestition im Vorteil: Er kann in Krisen in Cash gehen oder absichern. Ein Fonds mit Restriktionen kann das nicht.

    Torsten Maus · bei 40:41

    Zitat & Begründung
    „Weil ich habe nicht diese Restriktionen, dass ich mit 70 Prozent im Markt sein muss.“ ▶ 40:41
    1. Ein Fonds darf oft nicht mehr als 30 Prozent Cash halten und bleibt so zu 70 Prozent in Aktien.
    2. Ein ETF ist ein reines Long-Produkt und fällt mit dem Markt.
    3. Als Trader kann er alle Aktien verkaufen oder mit Short-Positionen absichern.
  • RegelAbsicherungErst verkleinern, dann absichernknapp 2 % Plus 2008

    Finanzkrise 2008: Er sicherte mit Put-Zertifikaten ab und beendete das Jahr mit „einem ganz leichten Plus von knapp 2 Prozent“, während der Index rund 45 Prozent verlor.

    Torsten Maus · bei 20:01

    Zitat & Begründung
    „Da bin ich mit einem ganz leichten Plus von knapp 2 Prozent in dem Jahr gewesen“ ▶ 20:01
    1. Der Bankensektor gab früh ein Verkaufssignal, darauf verkaufte er und machte die Positionen kleiner.
    2. Den Rest sicherte er mit Put-Zertifikaten und Short-Zertifikaten auf Nasdaq und Dow Jones ab.
    3. Der Index verlor damals rund 45 Prozent.
  • RegelAuswahlAusbruch mit hohem Volumenüber 10.000 WerteDarvas-Box

    Das Screening durchsucht über 10.000 Aktien aus den USA und Europa nach Ausbrüchen aus einer engen Handelsspanne (Darvas-Box) mit auffällig hohem Volumen.

    Torsten Maus · bei 52:07

    Zitat & Begründung
    „dann sehe ich auf einmal, das Ding bricht aus über die 12 mit riesigem Volumen“ ▶ 52:07
    1. Die Software sucht Aktien aus den USA und Europa mit neuen Hochs, gutem Volumen und relativer Stärke.
    2. Aktien, die oben bleiben, wenn der Markt fällt, zeigen ihm, dass Investoren kaufen.
    3. Ein Ausbruch aus einer engen Handelsspanne mit viel Volumen macht eine Aktie zum Kandidaten.
  • RegelEinstiegFundamental gegenprüfen95 % fliegen raus5 bis 6 von 7 bis 8 Faktoren

    Von diesen Kandidaten fliegen nach seiner eigenen Schätzung „95 % raus“, sobald Fundamentaldaten, Peer Group und Sektor geprüft sind.

    Torsten Maus · bei 1:03:29

    Zitat & Begründung
    „Also es hängt auch immer so ein bisschen vom Markt ab, wie viel Prozent man dann ausfiltert.“ ▶ 1:03:29
    1. Nach dem Screening prüft er Bewertung, Peer Group, Sektor und Insiderkäufe.
    2. Erst wenn fünf oder sechs von sieben, acht Faktoren positiv sind, steigt er ein.
    3. Hat der ganze Sektor Gegenwind, kann sich eine einzelne Aktie kaum davon lösen.
  • TabuAuswahlKeine Werte ohne setzbaren StoppKlare Aussage

    Wo sich kein sinnvoller Stopp setzen lässt, handelt er gar nicht erst: Eine Zulassungsentscheidung ist für ihn eine „0-1-Wette“. Deshalb schließt er solche Sektoren und auch ganze Regionen vorab komplett aus.

    Torsten Maus · bei 57:12

    Zitat & Begründung
    „Und um solche Rückschläge auszuschließen, wo ich auch wirklich keinen Stopp einbauen kann“ ▶ 57:12
    1. Bei einer Zulassungsentscheidung kann die Aktie morgens mit minus 30 Prozent eröffnen.
    2. Gegen solche Sprünge lässt sich kein sinnvoller Stopp setzen.
    3. Auch ganze Regionen schließt er aus, etwa wo der Staat immer eine Rolle spielt.
  • RegelAusstiegAlarm statt festem StoppApp-AlarmSchlusskursKlare Aussage

    „Es gibt keinen statischen Stopp“: Er notiert das Niveau unter dem Ausbruch, lässt sich per App-Alarm warnen und entscheidet dann über Verkauf oder Reduzierung.

    Torsten Maus · bei 1:24:36

    Zitat & Begründung
    „es gibt keinen statischen Stopp, es gibt nie einen statischen Stopp, das macht Unsinn. Ich habe auch nie einen Stopp im Markt liegen“ ▶ 1:24:36
    1. Mit einem festen Stopp im Markt fliegt man an einem schwachen Tag unnötig raus.
    2. Er schreibt sich das Niveau unter dem Ausbruch auf und stellt in der App einen Alarm ein.
    3. Fällt die Aktie auf Schlusskursbasis darunter, entscheidet er, ob er ganz aussteigt oder die Position verkleinert.
  • RegelZielKonservative Rendite8 bis 12 % pro Jahr

    Der Anspruch ist bewusst konservativ: Renditen im Bereich von 8 bis 12 Prozent, weniger Rücksetzer als der Markt, gemessen an DAX, MDAX oder MSCI ACWI.

    Torsten Maus · bei 1:31:49

    Zitat & Begründung
    „manierliche Renditen zu erwirtschaften, die irgendwo Bereich 8 bis 12 Prozent liegen. Das ist realistisch“ ▶ 1:31:49
    1. Er will DAX oder MDAX schlagen und weniger Rücksetzer haben als der Markt.
    2. Die Strategie ist konservativ und für Leute gedacht, die ruhig schlafen wollen.
    3. Kapitalerhalt ist ihm dabei sehr wichtig.
  • RätAusstiegGute Trends länger haltenKlare Aussage

    Rückblickend würde er seinem jüngeren Ich raten: „mach nicht so viel Trading, mach weniger“, und gute Trends deutlich länger durchhalten.

    Torsten Maus · bei 1:45:29

    Zitat & Begründung
    „da würde ich meinem jüngeren Ich dann eigentlich empfehlen, mach nicht so viel Trading, mach weniger“ ▶ 1:45:29
    1. Er hat manchmal Aktien abgegeben, obwohl der Trend intakt war.
    2. Ein, zwei Jahre später standen manche davon beim Vielfachen seines Verkaufskurses.
    3. Wer gute Trends länger durchhält, verdient deutlich mehr als mit ständigem Ein- und Aussteigen.

Meinungen von Torsten Maus aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

Wie Torsten Maus sein Trendfolge-System entwickelt hat

Im Computerraum der Hochschule für Technik und Wirtschaft, wo er Wirtschaftsingenieurwesen studierte, sah Torsten Maus im Jahr 2000 Kommilitonen, die mit Yahoo-Optionen viel Geld verdient hatten. Einer machte aus 5.000 Euro 50.000 Euro. Ein halbes Jahr nach dem Platzen der Blase sah Maus ihn als Türsteher in einer Diskothek wieder, das Studium abgebrochen, das Geld komplett weg.

Er selbst setzte als BAföG-Empfänger 2.000 bis 3.000 Euro ein, ohne Ahnung von Bewertungen oder Trends, gekauft wurde, was in der Zeitung stand. Internetaktien fielen in der Spitze um 80 Prozent, das Startkapital war schnell verloren. Danach versuchte er es mit günstigen Aktien nach Art von Warren Buffett und erwischte eine Einzelaktie mit Bilanzbetrug. Zwei, drei Jahre las er Bücher zu Charttechnik und Fundamentalbewertung, 70 bis 80 Prozent seines Wissens stammen aber von anderen Tradern, vor allem von einem Profi-Händler aus Saarbrücken, der heute zum Kernteam gehört.

Bis 2005 handelte er mit wenig Geld, aber immer mit echtem. Sein Gehalt aus dem Einkauf eines großen Automobilzulieferers legte er erst an, als die Strategie funktionierte. Parallel gab er mit seiner Firma Investorwelt 13 Jahre lang bis 2017 Empfehlungen für Rohstoffe wie Kupfer, Stahl und Aluminium heraus.

2008 lag sein Depot zunächst 6 bis 7 Prozent im Plus. Dann häuften sich Fehlausbrüche, und der KBW Bank Index zeigte, dass aus den Banken Geld abgezogen wurde. Er reduzierte die Aktienquote und sicherte den Rest ab, als der Markt mit 3 bis 5 Prozent Tagesverlust in den Crashmodus ging.

So funktioniert Torsten Maus' Trendfolge-Strategie

Rund 80 Prozent seiner Trades sind Trendfolge, etwa 20 Prozent Turnaround-Trades nach einer Bodenbildung. Die Software sucht Aktien mit neuen Hochs, gutem Volumen und relativer Stärke. Ein typischer Kandidat pendelt monatelang zwischen 10 und 12 und bricht dann mit riesigem Volumen über 12 aus. Erst danach prüft das Team, ob eine Prognoseerhöhung, eine neue Technologie oder starke Zahlen dahinterstecken.

Sieben, acht Faktoren kommen auf den Tisch. Er schaut auf die Bewertung im Vergleich zur Peer Group, darauf, ob Geld in den ganzen Sektor fließt, auf Insiderkäufe des Vorstands und darauf, ob das Management seine Prognosen früher eingehalten hat. Die Vorstände erlebt er auf Kongressen wie dem Eigenkapitalforum oder den Hamburger Investorentagen persönlich. Sind fünf oder sechs Faktoren positiv, geht er in den Ausbruch.

Bei grünem Markt startet eine neue Position mit etwa 5 Prozent des Depots, bei Gegenwind mit 3 Prozent, oder die Aktie kommt auf die Hotstock-Liste und wird nur beobachtet. Läuft ein Trade 20 Prozent ins Plus, kauft er auf einen Rücksetzer mit geringem Volumen oder nach der nächsten Box nach. Eine einmal reduzierte Position stockt er nicht wieder auf, weil das den Durchschnittskurs hebt. Wächst ein Wert von 7 auf 11 oder 12 Prozent und bildet ein Top, verkauft er gestaffelt einen Teil.

Den Stopp schreibt er sich auf, bei der Box zwischen 10 und 12 etwa das Ausbruchsniveau von 12 auf Schlusskursbasis, bei volatilen US-Aktien etwas weiter. Trailing-Stops hält er für Unsinn. Neben dem Alarm am Stopp meldet ein zweiter, wenn ein Kandidat aus der Box nach oben ausbricht. Hält der Stopp, bleiben Aktien Monate, manchmal Jahre im Depot. Derivate setzt er nur zur Absicherung oder für einen Trend ein, 2008 Short-Zertifikate auf Nasdaq und Dow Jones.

Torsten Maus als Investor zwischen Disziplin, Emotionen und Kapitalerhalt

„Ich habe dann angefangen Geld zu verdienen, als ich aufgehört habe schnell reich zu werden.“
– Torsten Maus

Sein Trading läuft bis heute neben dem Hauptberuf als Rohstoffanalyst bei einem großen Automobilzulieferer. Jeden Sonntag trifft sich das vierköpfige Kernteam. Eine halbe Stunde geht es um den Gesamtmarkt, hat sich nichts geändert, nur zehn Minuten, danach um die Kandidaten, die jeder unter der Woche gescreent hat. Welche Aktie mit welchem Gewicht ins wikifolio kommt, entscheidet er allein.

Emotionen hat er nicht abgelegt. Ist er von einer Aktie zu begeistert, macht er die Position von Anfang an zu groß. Nach drei, vier schlechten Trades will er anderswo schnell einen Gewinn sichern. Deshalb wird jeder Trade analysiert, sobald die Aktie das wikifolio verlässt, mit der Frage, ob es Glück war oder ob der Stopp zu eng saß.

In der Finanzkrise verfolgte er die Märkte mit seinem Freund aus dem Team Tag für Tag, um den Tiefpunkt zu finden. Das Signal kam, als die Nachrichten schlecht blieben, die Kurse aber nicht mehr fielen. Verliert der Markt 20 Prozent und er nur 5 bis 6, hat er im Aufschwung mehr Geld zum Anlegen.

Künftig will er neue Trends länger spielen. Steckt ein Zehntel des Depots in einer Aktie, die sich verdoppelt, bringt das allein 10 Prozent, während sich die übrigen Trades ausgleichen. Auf seinen Bildschirm würde er schreiben „Haltet die Trends länger durch“ und dazu, dass Rücksetzer bei Aktien zum Spiel gehören.

Was das für dich heißt

Torsten Maus ist seit 2005 durchgehend profitabel. Er sagt offen, dass ihm Emotionen trotzdem noch in die Quere kommen. Was er dagegen tut:

  • Er streicht rund 95 Prozent seiner Kandidaten, sobald er Fundamentaldaten, Peer Group und Sektor geprüft hat. Wie viele deiner Ideen streichst du, bevor du kaufst?
  • Er analysiert jeden abgeschlossenen Trade darauf, ob er richtig gedacht oder nur Glück gehabt hat. Unterscheidest du bei deinen Gewinnen zwischen einer guten Entscheidung und Glück?
  • Er setzt sich jedes Wochenende mit seinem Team hin und schaut zuerst auf Sektoren, Zinsen und Stimmung, erst dann auf einzelne Aktien. Wann bereitest du deine Börsenwoche vor, bevor sie beginnt?
  • Er kennt seine Schwäche: Ist er von einer Aktie begeistert, macht er die Position zu groß. Woran merkst du, dass Begeisterung deine Positionsgröße bestimmt?

Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 22 →

Seine Positionen

Welche Anlagen Torsten Maus im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im März 2026).

  • HältEinzelaktien aus USA und EuropaAusbrüche mit Volumen1:48:01
    Zitat
    „Aber grundsätzlich muss ich sagen, mein Hauptaugenmerk immer im Aktienbereich.“
  • HältShort- und Put-Zertifikateauf Nasdaq und Dow Jones26:49
    Zitat
    „Ich habe das damals mit Short Position, mit Short Zertifikat auf den Nasdaq gemacht und auf den Dow Jones“
  • HältCashQuote je nach Marktphase1:15:40
    Zitat
    „man nimmt jetzt Risiko raus, man fährt jetzt zum Beispiel eine Cash-Quote von 20%“
  • SkeptischETFslong only, fallen mit dem Markt26:15
    Zitat
    „Und wenn der Markt fällt, dann fällt auch mein ETF.“
  • HältRohstoffe über ZertifikateÖl, Aluminium, Kupfer, gelegentlich1:48:01
    Zitat
    „Öl kann man ganz gut prognostizieren, Aluminium und Kupfer, da kann man mal was machen.“
  • SkeptischRohstoff-Exploreroft fantasiegetrieben1:48:01
    Zitat
    „Bei den Rohstoffaktien hat man sehr oft Aktien, die aus Kanada kommen, Rohstoff-Explorer“
  • MeidetChina-AktienStaat spielt immer mit56:01
    Zitat
    „Also China ist ausgeschlossen, weil China ist irgendwo ein Markt, der dadurch gekennzeichnet ist“
  • MeidetBiotech-AktienZulassung als 0-1-Wette56:40
    Zitat
    „Weil Biotech-Aktien, das ist so bisschen wie eine 0-1-Wette.“

Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

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Wer ist Torsten Maus?

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Torsten Maus kaufte seine erste Aktie im Februar 2000, mitten im Platzen der Dotcom-Blase.

Aus den Kommentaren

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Paul Pleus Gast
Tolles Interview mit Torsten !
@heuw7379
super Interview, sehr viel mitgenommen, man merkt die Erfahrung, klare Strategie und mental sehr aufgeräumt, ich werde mir das später noch einmal anhören, Fragen wie immer sehr gut gestellt. 👍
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