[Bulle & Mensch]
Folge 8 · 9 Buchtipps

Momentum-Trading nach 37 Jahren Börse: Uwe Jännert

37 Jahre Börse, ein Crash am Neuen Markt und ein wikifolio namens „BaumbergMomentum*“: warum für Uwe Jännert am Ende alles am 20-Prozent-Stop hängt.

Uwe Jännert kaufte 1988 mit 14 Jahren von seinem Konfirmationsgeld seine erste Aktie. Seit dem 9. Juni 2017 führt er als gordongecko74 auf wikifolio das Musterdepot „BaumbergMomentum“, das bis zum 31. März 2026 laut wikifolio-Seite um 203 Prozent zulegte, im Schnitt 13,4 Prozent pro Jahr. Dazwischen liegen ein Verlust von mindestens 30 Prozent am Neuen Markt und ein Ölfuture, mit dem er einmal sein gesamtes Geld verlor.

In dieser Folge erklärt er seine Nebenwerte-Strategie mit Momentum. Er schaut sich rund 50 Unternehmen pro Woche an, kauft in der Regel höchstens 5 Prozent pro Position und steigt spätestens bei 20 Prozent Verlust aus. Seine wichtigste Regel stammt aus dem eigenen Schaden. Wer die Hälfte verliert, braucht 100 Prozent, um wieder bei null zu sein. Am härtesten wird diese Haltung dort, wo es Geld kostet, beim Verkaufen.

„Spätestens, wenn die Hoffnung das einzige ist, das du setzen kannst, musst du leider verkaufen, so brutal es ist.“
– Uwe Jännert

Die wichtigsten Erkenntnisse

Sein Regelwerk, 7 Punkte: Risiko 1 · Ausstieg 1 · Auswahl 2 · Routine 1 · Positionsgröße 2

  • RätRisikoDie 50-Prozent-Regel50 % Minus braucht 100 % PlusKlare Aussage

    Die 50-Prozent-Regel: „Wenn du 50 % verlierst, brauchst du 100 %, um wieder plus minus null zu sein“. Für Uwe Jännert ist das der wichtigste Merksatz für jedes Moneymanagement.

    Uwe Jännert · bei 38:17

    Zitat & Begründung
    „das sagt ihr euch am besten jeden Tag, wenn du 50 % verlierst, brauchst du 100%, um wieder plus minus null zu sein“ ▶ 38:17
    1. Er hat erlebt, wie ein Trader zu lange zögerte und seinen Verlust danach steuerlich nicht mehr ansetzen konnte.
    2. Für ihn ist das die goldene Regel, die jeder kennen muss.
    3. Er wiederholt den Satz bewusst oft, damit er sich bei den Zuhörern einbrennt.
  • RegelAusstiegHarter Stopp bei minus 20 %minus 20 %Trading-Stops fast täglich nachgezogenKlare Aussage

    Der 20-Prozent-Stop als Lebensversicherung: Spätestens bei minus 20 Prozent verkauft er in der Regel eine Position, unabhängig davon, wie überzeugt er von der Story eigentlich noch ist. Zusätzlich arbeitet er mit charttechnischen Trading-Stops, die er fast täglich nachzieht.

    Uwe Jännert · bei 1:39:14

    Zitat & Begründung
    „Die 20 % ist das Maximum, was ich an Verlust haben möchte“ ▶ 1:39:14
    1. Mit den heutigen Gebühren ist ein Wiedereinstieg für ihn einfacher als früher.
    2. Als Trader hat er gelernt, dass Liquidität das Wichtigste ist.
    3. Zusätzlich setzt er Trading-Stops nach dem Chartbild, um Trends möglichst lange laufen zu lassen.
  • RegelAuswahlCashflow zuerst, Schulden prüfenkaum SchuldenKlare Aussage

    Cashflow vor allem: Bei der Fundamentalanalyse ist der Cashflow für ihn die wichtigste Kennzahl, ergänzt um eine kritische Prüfung, ob und wofür ein Unternehmen Schulden aufgenommen hat.

    Uwe Jännert · bei 58:13

    Zitat & Begründung
    „das Wichtigste ist immer noch der Cashflow. Und wenn es geht, so gut wie keine Schulden und wenn, dann bitte nur intelligente Schulden“ ▶ 58:13
    1. Er mag nicht, wenn seine Firmen zu viele Schulden haben, und fragt, wofür sie aufgenommen wurden.
    2. Nichts ist für ihn schlimmer, als Kredite zu bedienen, wenn man nicht genug verdient.
    3. In unsicheren Märkten fühlt er sich mit Unternehmen mit positivem Cashflow wohler.
  • RegelAuswahlInsiderkäufe als Anlassab 100.000 € näher ansehenab 500.000 € Vertrauenszeichen

    Insiderkäufe als Trigger: Käufe oder Verkäufe ab etwa 100.000 Euro bringen ein Unternehmen bei ihm auf den Tisch, signifikante Beträge ab einer halben Million wertet er als starkes Vertrauenszeichen, zuletzt etwa bei Sixt.

    Uwe Jännert · bei 48:57

    Zitat & Begründung
    „wenn dann signifikante Beträge ab einer halben Million investiert werden, ist das für mich schon mal ein großes Vertrauenszeichen“ ▶ 48:57
    1. Käufe von 10.000 oder 20.000 Euro zählen für ihn nicht.
    2. Eine solche Meldung ist für ihn der Anlass, das Unternehmen genauer anzusehen.
    3. Auch ein Insider-Verkauf kann ein Befreiungsschlag sein, wenn ein störender Großaktionär aussteigt.
  • RegelRoutineHauptversammlung als Prüfstein3 Geschäftsberichte

    Hauptversammlungen als Informationsquelle: Er bereitet sich mit den letzten drei Geschäftsberichten vor und achtet auf kleine Signale, etwa darauf, wie Vorstand und Aufsichtsrat Veränderungen erklären.

    Uwe Jännert · bei 1:00:18

    Zitat & Begründung
    „schau dir bitte die letzten drei Geschäftsberichte an, damit du sehen kannst, was sich da verändert hat“ ▶ 1:00:18
    1. Auf der Hauptversammlung muss der Vorstand Fragen zum abgeschlossenen Geschäftsjahr beantworten.
    2. Er achtet auf Kleinigkeiten, etwa ob ein Vorstand nach dem Capital Market Day selbst Stühle wegräumt.
    3. Er fragt gern nach der Fünf-Jahresplanung und warum sie abweicht.
  • RegelPositionsgrößeGeräuschlos rein und rauskeine zu kleinen WerteKlare Aussage

    Fokus auf deutsche Nebenwerte: Sein Schwerpunkt liegt auf MDAX und SDAX. Er kauft bewusst nur so viel, dass er „geräuschlos“ kaufen und verkaufen kann, ohne den Kurs selbst zu bewegen.

    Uwe Jännert · bei 1:23:36

    Zitat & Begründung
    „dass du praktisch geräuschlos kaufen und verkaufen kannst, ohne dass der Markt etwas mitbekommt“ ▶ 1:23:36
    1. Bei MDAX, SDAX und Prime Standard kennt er sich am besten aus und trifft die Vorstände auf Konferenzen.
    2. Bei Zu- oder Abflüssen im wikifolio will er den Kurs nicht wesentlich bewegen.
    3. Je weniger Umsatz eine Aktie hat, desto schwerer lässt sich eine Position aufbauen.
  • RegelPositionsgrößeHöchstens 5 % je Positionmax. 5 %2 bis 3 % bei Zweifel

    Positionsgröße und Cash-Quote: In der Regel investiert er maximal 5 Prozent des wikifolio-Volumens pro Position, bei geringerer Überzeugung startet er mit 2 bis 3 Prozent. Er hält bewusst eine erhöhte Cash-Quote, um handlungsfähig zu bleiben.

    Uwe Jännert · bei 1:26:18

    Zitat & Begründung
    „in der Regel kaufe ich eine Positionsgröße von maximal 5%“ ▶ 1:26:18
    1. Bei Sondersituationen können es auch 6 oder 7 % sein.
    2. Ist er sich nicht ganz sicher, startet er mit 2 bis 3 %.
    3. Im wikifolio hält er derzeit 23 % Cash, nach Abzug offener Limits bleiben 5 %.

Meinungen von Uwe Jännert aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

Vom Hebelkönig der 90er zum disziplinierten Nebenwerte-Investor

Uwe Jännert kaufte seine erste Aktie 1988 mit 14 Jahren von seinem Konfirmationsgeld, ein Papier der Düsseldorfer Privatbank Trinkaus und Burkhardt. 1994 begann er eine Bankausbildung, kam in die Vermögensberatung und handelte dort gerne mit Optionsscheinen und Zertifikaten, weil man mit wenig Geld viel bewegen konnte. Den Namen „Hebelkönig“ gab er sich später selbst, weil er sein Depot einmal komplett gehebelt hatte und auf das vorhandene Geld noch einmal 100 Prozent Kredit aufnahm.

Am Neuen Markt erlebte Uwe Jännert die Goldgräberstimmung der Neuemissionen ebenso wie deren Kollaps und verlor dabei nach eigener Aussage mindestens 30, eher 35 Prozent seines Depots. Was ihn rettete, waren Stops, die er schon damals gesetzt hatte, auch wenn viele davon zu tief gesetzt waren und „richtig wehgetan“ haben. Aus dieser Erfahrung leitet er bis heute seine wichtigste Regel ab, die er im Gespräch mehrfach wiederholt. Wer die Hälfte seines Kapitals verliert, braucht danach eine Verdopplung, nur um wieder bei null zu stehen.

Wie Uwe Jännert sein Stop-Loss-System entwickelt hat

Einen disziplinierteren Investmentstil verdankt er auch einem Value-Investor namens Oliver aus Bonn, der ihm empfahl, die Bücher von Peter Lynch zu lesen, und ihm die Aktie Bijou Brigitte als Beispiel zeigte. Uwe Jännert kaufte die Aktie damals nicht, obwohl seine damalige Freundin selbst viel bei Bijou einkaufte. Trotzdem ist er Oliver bis heute dankbar. Er las früher meist 100 bis 150 Geschäftsberichte im Jahr und tauschte sich über Konferenzen, Roadshows und einen festen Kreis von Trading-Bekannten aus, mit denen er neue Ideen gegenprüft.

Sein System aus Stops und Cash-Reserven wurde während einer vierjährigen Seitwärtsphase seines Musterdepots zwischen November 2021 und Februar 2025 auf die Probe gestellt. Emotional habe ihn diese Phase „richtig genervt“, auch wenn er weniger verlor als der breite Markt. Geholfen haben ihm in dieser Zeit vor allem Gespräche mit seinem engen Kreis aus langjährigen Trading-Bekannten sowie, nach eigener Aussage, Spaziergänge am Rhein bei sich zu Hause in Monheim.

So funktioniert Uwe Jännerts Nebenwerte-Strategie

Uwe Jännert schaut sich pro Woche rund 50 Unternehmen an, ausgelöst durch Zahlenmeldungen oder durch Insiderkäufe und -verkäufe ab etwa 100.000 Euro. Passt eine Meldung zu seiner Watchlist, prüft er den Geschäftsbericht und den Cashflow, gleicht seine Notizen von der letzten Konferenz ab und schaut sich dann das Chartbild an, überwiegend auf Wochenbasis, für die Stops auch im Tageschart. Erst wenn all diese Mosaiksteine zusammenpassen, kauft er, in der Regel mit einer Positionsgröße von maximal 5 Prozent.

Sein Blick auf die Fundamentaldaten ist konservativ. Er meidet Unternehmen mit zu vielen Schulden und fragt bei jeder Verschuldung, wofür das Geld verwendet wird. Den Cashflow könne er nicht in die Zukunft bewerten, sagt er. Er schaut, wie verlässlich ein Vorstand seine Planung in der Vergangenheit eingehalten hat, und je öfter das gelungen ist, desto mehr glaubt er der nächsten Planung. Ergänzt wird die fundamentale Analyse um Sondersituationen wie Übernahmen sowie Gewinn- und Beherrschungsverträge, mit denen er schon als „Hebelkönig“ gearbeitet hat.

Uwe Jännert als Investor zwischen Disziplin, Selbstreflexion und Bambus-Mentalität

„Du kannst jedes Mal hinfallen, aber du musst wieder aufstehen.“
– Uwe Jännert

Kurz bevor seine beiden Eltern im Abstand von einem Monat zu Pflegefällen wurden, begann Uwe Jännert mit wikifolio. Danach stieg er für fünf Jahre aus dem Berufsleben aus. Auch sonst ging es nicht immer nur nach oben. Beim Handel mit einem Ölfuture verlor er nach eigener Aussage sein gesamtes Geld und musste komplett neu anfangen. Seit zehn Jahren führt er zusätzlich zu seinem Trading-Tagebuch eine persönliche Jahresbilanz nach dem Vorbild eines Geschäftsberichts. Den Tipp dazu bekam er von Bestsellerautor Dr. Markus Elsesser.

Sein Rat für alle, die neu an die Börse wollen, ist, sich vorher klar zu werden, ob man Trader oder Investor sein will, sich weiterzubilden und nicht zu viele Aktien gleichzeitig im Depot zu halten. Am Ende des Gesprächs bringt er seine Haltung in einem Satz unter. „Sei wie Bambus, sei flexibel, aber breche niemals.“ Flexibel heißt für ihn, den Markt immer wieder neu zu sehen und eine Aktie wieder zu kaufen, wenn sich die Lage geändert hat. Brechen heißt, dass das Depot kaputt ist, deshalb achtet er vor allem auf sein Moneymanagement.

Was das für dich heißt

Uwe Jännert ist seit 37 Jahren an der Börse und hat dabei auch einmal sein gesamtes Kapital verloren. Heute hält er sich an wenige, harte Regeln:

  • Er verkauft eine Position in der Regel spätestens bei minus 20 Prozent, auch wenn er noch an die Story glaubt. Bei welchem Verlust steigst du aus, auch wenn du noch an die Aktie glaubst?
  • Er bespricht neue Ideen mit zwei, drei Trading-Bekannten, bevor er sie umsetzt. Mit wem sprichst du über eine Idee, bevor du Geld dafür einsetzt?
  • Er schreibt in sein Trading-Tagebuch jedes Mal, was gut und was schlecht gelaufen ist. Was hast du aus deinem letzten Fehler an der Börse aufgeschrieben?
  • Er hält bewusst eine erhöhte Cash-Quote, um handlungsfähig zu bleiben. Hättest du Geld frei, wenn morgen eine gute Gelegenheit käme?

Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 5 →

Seine Positionen

Welche Anlagen Uwe Jännert im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im März 2026).

  • HältDeutsche Nebenwerte (MDAX, SDAX)Kernkompetenz, nicht zu kleine Werte1:23:03
    Zitat
    „Meine Kernkompetenz ist eben MDAX, SDAX oder Prime Standard“
  • HältKlöcknerSondersituation nach Übernahmeangebot1:29:30
    Zitat
    „da habe ich zum Beispiel eine Klöckner drin, wo jetzt praktisch ein Übernahmeangebot da ist“
  • HältCashim wikifolio, nach Limits 5 %1:27:59
    Zitat
    „ich könnte aber ich werde es nicht sagen, ich habe ja momentan 23 % Cash“
  • MeidetDAX-Futurekein Future-Händler1:54:52
    Zitat
    „dass ich Future-Händler sein könnte und ich kann euch eins sagen, nee, ich bin es nicht“
  • MeidetHebelproduktenur bis 30 gemacht1:44
    Zitat
    „Die Hebelprodukte selber habe ich nur eine Zeit lang gemacht. ich sage mal so bis ich 30 war“

Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

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Uwe Jännert kaufte seine erste Aktie 1988 mit 14 Jahren von seinem Konfirmationsgeld: ein Papier der Düsseldorfer Privatbank Trinkaus & Burkhardt. Über eine Bankausbildung kam er Mitte der 90er Jahre in die Wertpapierberatung. Heute managt er seit 2017 das wikifolio „BaumbergMomentum“

Aus den Kommentaren

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Uwe Jännert Gast
Danke das ich bei Dir zu Gast sein durfte lg uwe
@Shodan21
37 Jahre Markterfahrung sind heute Gold wert. Besonders die ehrlichen Einblicke in die Zeit als ‚Hebelkönig‘ und die daraus gelernten Lektionen sind extrem lehrreich. Danke für dieses bodenständige Interview!
Das war eine sehr spannende und inhaltlich hochwertige Folge. Es hat Spaß gemacht zuzuhören.
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