Folge 8 · Uwe Jännert

Vom Hebelkönig zum defensiven Nebenwerte-Strategen: Wie Uwe Jännert 37 Jahre an der Börse überlebt hat

37 Jahre Börse, ein Crash am Neuen Markt und ein wikifolio namens „BaumbergMomentum“ – warum für Uwe Jännert am Ende alles am 20-Prozent-Stop hängt.

Uwe Jännert, bekannt als gordongecko74, managt seit 2017 das wikifolio „BaumbergMomentum“ und hat in 37 Jahren an der Börse mehrere Marktzyklen und private Krisen überstanden. Sein Erfolg beruht nicht auf spektakulären Gewinnen, sondern auf gnadenloser Selbstreflexion und der Fähigkeit, seine Meinung in Sekunden zu drehen, wenn sich die Fakten ändern. Am härtesten wird diese Haltung dort, wo es Geld kostet: beim Verkaufen.

„Spätestens, wenn die Hoffnung das einzige ist, das du setzen kannst, musst du leider verkaufen, so brutal es ist."
– Uwe Jännert

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die 50-Prozent-Regel: „Wenn du 50 % verlierst, brauchst du 100 %, um wieder plus minus null zu sein“ – für Uwe Jännert der wichtigste Merksatz für jedes Moneymanagement.
  • Der 20-Prozent-Stop als Lebensversicherung: Spätestens bei minus 20 Prozent verkauft er in der Regel eine Position – unabhängig davon, wie überzeugt er von der Story eigentlich noch ist. Zusätzlich arbeitet er mit charttechnischen Trading-Stops, die er fast täglich nachzieht.
  • Cashflow vor allem: Bei der Fundamentalanalyse ist der Cashflow für ihn die wichtigste Kennzahl, ergänzt um eine kritische Prüfung, ob und wofür ein Unternehmen Schulden aufgenommen hat.
  • Insiderkäufe als Trigger: Käufe oder Verkäufe ab etwa 100.000 Euro bringen ein Unternehmen bei ihm auf den Tisch, signifikante Beträge ab einer halben Million wertet er als starkes Vertrauenszeichen – zuletzt etwa bei Sixt.
  • Hauptversammlungen als Informationsquelle: Er bereitet sich mit den letzten drei Geschäftsberichten vor und achtet auf kleine Signale – etwa darauf, wie Vorstand und Aufsichtsrat Veränderungen erklären.
  • Fokus auf deutsche Nebenwerte: Sein Schwerpunkt liegt auf MDAX und SDAX – und er kauft bewusst nur so viel, dass er „geräuschlos“ kaufen und verkaufen kann, ohne den Kurs selbst zu bewegen.
  • Positionsgröße und Cash-Quote: In der Regel investiert er maximal 5 Prozent des wikifolio-Volumens pro Position, bei geringerer Überzeugung startet er mit 2 bis 3 Prozent – und hält bewusst eine erhöhte Cash-Quote, um handlungsfähig zu bleiben.

Vom Hebelkönig der 90er zum disziplinierten Nebenwerte-Investor

Uwe Jännert kaufte seine erste Aktie 1988 mit 14 Jahren von seinem Konfirmationsgeld: ein Papier der Düsseldorfer Privatbank Trinkaus & Burkhardt, das noch heute in seinem Büro hängt. Weil Minderjährige damals kein eigenes Depot eröffnen durften, lief es zunächst auf den Namen seiner Eltern. Über eine Bankausbildung kam er Mitte der 90er Jahre in die Wertpapierberatung und begann, mit Optionsscheinen und Zertifikaten zu handeln – die Zeit, in der er sich selbst später als „Hebelkönig“ bezeichnete, weil er sein gesamtes Depot noch einmal zu 100 Prozent auf Kredit gehebelt hatte.

Am Neuen Markt erlebte Uwe Jännert die Goldgräberstimmung der Neuemissionen ebenso wie deren Kollaps – und verlor dabei nach eigener Aussage mindestens 30, eher 35 Prozent seines Depots. Was ihn rettete, waren Stops, die er schon damals konsequent gesetzt hatte, auch wenn viele davon zu tief gesetzt waren und „richtig wehgetan“ haben. Aus dieser Erfahrung leitet er bis heute seine wichtigste Regel ab, die er im Gespräch mehrfach wiederholt: Wer die Hälfte seines Kapitals verliert, braucht danach eine Verdopplung, nur um wieder bei null zu stehen.

Wie Uwe Jännert sein Stop-Loss-System entwickelt hat

Den entscheidenden Anstoß zu einem disziplinierteren Investmentstil gab ihm ein Value-Investor namens Oliver aus Bonn, der ihm empfahl, die Bücher von Peter Lynch zu lesen – und ihm die Aktie Bijou Brigitte als Beispiel zeigte. Uwe Jännert kaufte die Aktie damals nicht, obwohl seine damalige Freundin selbst regelmäßig bei Bijou einkaufte. Trotzdem bezeichnet er diese Begegnung als Wendepunkt: Danach begann er, systematisch Geschäftsberichte zu lesen – bis heute rund 150 pro Jahr – und sich über Konferenzen, Roadshows und einen festen Kreis von Trading-Bekannten auszutauschen, mit denen er neue Ideen gegenprüft.

Sein System aus Stops und Cash-Reserven wurde während einer vierjährigen Seitwärtsphase seines wikifolios zwischen November 2021 und Februar 2025 auf die Probe gestellt. Emotional habe ihn diese Phase „richtig genervt“, auch wenn er weniger verlor als der breite Markt. Geholfen haben ihm in dieser Zeit vor allem Gespräche mit seinem engen Kreis aus langjährigen Trading-Bekannten sowie – nach eigener Aussage – Spaziergänge am Rhein bei sich zu Hause in Monheim.

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So funktioniert Uwe Jännerts Nebenwerte-Strategie

Uwe Jännert schaut sich pro Woche rund 50 Unternehmen an, ausgelöst durch Zahlenmeldungen oder durch Insiderkäufe und -verkäufe ab etwa 100.000 Euro. Passt eine Meldung zu seiner Watchlist, prüft er den Geschäftsbericht und den Cashflow, gleicht seine Notizen von der letzten Konferenz ab und schaut sich dann das Chartbild an – überwiegend auf Wochenbasis, für die Stops auch im Tageschart. Erst wenn all diese Mosaiksteine zusammenpassen, kauft er, in der Regel mit einer Positionsgröße von maximal 5 Prozent.

Sein Blick auf die Fundamentaldaten ist konservativ: Er meidet Unternehmen mit zu vielen Schulden und fragt bei jeder Verschuldung, wofür das Geld verwendet wird. Bei der Bewertung der Zukunft ist er bewusst zurückhaltend – er könne, sagt er, den Cashflow nicht in die Zukunft prognostizieren, sondern nur beurteilen, wie glaubwürdig ein Vorstand seine Planung in der Vergangenheit eingehalten hat. Ergänzt wird die fundamentale Analyse um Sondersituationen wie Übernahmen sowie Gewinn- und Beherrschungsverträge, aus seiner Zeit als früherer „Hebelkönig“ in diesem Bereich.

Uwe Jännert als Investor: Disziplin, Selbstreflexion und Bambus-Mentalität

Als seine beiden Eltern zu Pflegefällen wurden, stieg Uwe Jännert aus dem Berufsleben aus – in dieser Zeit begann er parallel mit seinem wikifolio. Auch sonst ging es nicht immer nur nach oben: Beim Handel mit einem Ölfuture verlor er nach eigener Aussage sein gesamtes Kapital und musste komplett neu anfangen. Seit Jahren führt er zusätzlich zu seinem Trading-Tagebuch eine persönliche Jahresbilanz nach dem Vorbild eines Geschäftsberichts – ein Tipp, den er von Bestsellerautor Dr. Markus Elsesser erhielt.

Sein Fazit für alle, die neu an die Börse wollen: sich vorher klar werden, ob man Trader oder Investor sein will, sich weiterbilden und nicht zu viele Aktien gleichzeitig im Depot halten. Am Ende des Gesprächs bringt er seine Haltung in einem einzigen Satz auf den Punkt: „Sei wie Bambus, sei flexibel, aber breche niemals.“ Flexibel bleiben in der eigenen Einschätzung, sagt er, aber niemals das eigene Depot durch Kontrollverlust zerstören – das ist für Uwe Jännert die Essenz von fast vier Jahrzehnten an der Börse.

Wer ist Uwe Jännert?

Uwe Jännert kaufte seine erste Aktie 1988 mit 14 Jahren von seinem Konfirmationsgeld: ein Papier der Düsseldorfer Privatbank Trinkaus & Burkhardt. Über eine Bankausbildung kam er Mitte der 90er Jahre in die Wertpapierberatung. Heute managt er seit 2017 das wikifolio „BaumbergMomentum“ mit Fokus auf deutsche Nebenwerte (MDAX, SDAX).

Uwe Jännert im Netz

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