Profis antworten
Wann geben Profis eine Idee auf? So merken Trader und Investoren, dass sie falsch liegen
„Wann gibst du eine Idee auf?“
Diese Frage hat Mario Märzinger nicht jedem Gast gestellt. Die Antworten fielen im Gespräch, meist wenn es um Verluste, Ausstieg und Risiko ging. Hier stehen sie nebeneinander, wörtlich und mit Sprung an die Stelle im Video.
Marios Einordnung
Was fast alle gleich sagen
Das Signal zum Aufgeben steht bei allen vorher fest. Till Schwalm schreibt seine Investmentthese beim Kauf auf, Rüdiger Born setzt den Stopp dorthin, wo er die Idee sichert. Keiner hält eine Aktie, nur weil er sie mal gut fand. Uwe Jännert zieht die Grenze so: Ist Hoffnung das Einzige, was bleibt, muss die Position raus.
Wo sie sich unterscheiden
Investoren fragen, ob das Geschäft noch stimmt. Thomas Sparkojote verkauft nur, wenn sich das Investmentszenario massiv verändert, eine Trendwende im Kurs reicht ihm dafür nicht. Trader lassen den Kurs entscheiden. Nico Schulze wirft eine Aktie beim Trendbruch komplett raus, Bernhard Mitterlehner verkauft unter der 200-Tage-Linie. Larissa Kravitz steigt aus, wenn ein Titel 15 bis 20 Prozent hinter der Benchmark liegt.
Was das für dich heißt
Schreib beim Kauf auf, was passieren muss, damit du verkaufst. Als Investor ist das ein Satz zur These, als Trader ein Stopp oder eine Linie. Paul Pleus macht es mechanisch: Fällt eine Aktie aus seinen Top 25, wird sie verkauft. Wieland Arlt nennt den ausgelösten Stopp das Nein des Marktes zu deiner Idee.
Die Antworten im Überblick
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Ergänzungen in eckigen Klammern sind von der Redaktion.
| Gast | Kurz gesagt |
|---|---|
| Thomas Sparkojote | Verkauft nur, wenn sich der Investment Case massiv ändert |
| Till Schwalm | Schreibt die These auf. Bricht sie, verkauft er |
| André Doerk | Fragt: Ist die Aktie aus heutiger Sicht ein Investment? |
| Nico Schulze | Beim Trendbruch fliegt die Aktie komplett raus |
| Bernhard Mitterlehner | Unter der 200-Tage-Linie geht er raus |
| Larissa Kravitz | 15 bis 20 Prozent hinter der Benchmark, dann raus |
| Paul Pleus | Fällt die Aktie aus seinen Top 25, wird verkauft |
| Rüdiger Born | Der Stopp liegt dort, wo er die Idee sichert |
| Uwe Jännert | Wenn nur noch Hoffnung bleibt, muss die Position raus |
| Wieland Arlt | Der Stopp ist das Nein des Marktes zur Idee |
Wenn die Investmentthese bricht
Verkauft nur, wenn sich der Investment Case massiv ändert
„Und Verkaufen tue ich wirklich nur dann, wenn sich ein Investmentszenario massivst verändert. Also ich verkaufe nicht einfach nur weil gerade da eine Trendwende stattfindet, sondern weil ich vom Unternehmen langfristig nicht mehr überzeugt bin oder das Investment Case und Szenario einfach nicht mehr stimmt.“
Schreibt die These auf. Bricht sie, verkauft er
„Mein Risikomanagement ist, dass ich das Unternehmen wirklich weiter begleite und monitoriere und ich meine Investment-These, wenn ich einsteige, aufschreibe. Und wenn die bricht, verkaufe ich.“
Fragt: Ist die Aktie aus heutiger Sicht ein Investment?
„Also das ist wirklich so der Status quo gucken, ist die Aktie heute aus heutiger Sicht ein Investment, ja oder nein, das ist eigentlich so der Einstieg.“
Wenn Trend, Linie oder Rang kippt
Beim Trendbruch fliegt die Aktie komplett raus
„Wenn ich einen Trendbruch habe, alles. Dann fliegt die Aktie nämlich raus und dann ist das Ding tot.“
Unter der 200-Tage-Linie geht er raus
„Ganz konkret, wenn der Kurs unter die 200-Tage-Linie fällt, spätestens dann, einfach raus. Es kann ein Fehlsignal sein, es kann sein, dass man zwei von drei Mal, wird es wieder nach oben gehen und man verliert vielleicht ein paar Prozent sogar, aber das dritte Mal, wenn der Markt wirklich massiv nach unten geht, ist man halt nicht dabei.“
15 bis 20 Prozent hinter der Benchmark, dann raus
„[…] wenn ich jetzt sehe, da gibt es eine 15-20 %ige Underperformance gegenüber der Benchmark, dann steige ich da auch relativ schnell aus. Weil da habe ich gesagt, okay, ich liege halt falsch oder mein Timing ist halt gerade falsch.“
Fällt die Aktie aus seinen Top 25, wird verkauft
„Wenn jetzt allerdings das Momentum nicht anspringt oder irgendwas kommt vor, dann fällt sie unter die 25 und ich werde sie verkaufen, sag ich jetzt mal.“
Wenn der Stopp fällt oder nur Hoffnung bleibt
Der Stopp liegt dort, wo er die Idee sichert
„Und deshalb muss ein Stop immer dahin, wo er die Idee sichert. Nicht wo ich mich wohlfühle, nicht wo er mein Kapital sichert. […] Ist die Idee nicht mehr gültig, dann geh raus.“
Wenn nur noch Hoffnung bleibt, muss die Position raus
„Hoffne niemals darauf, dass die Position sich jetzt dreht. Spätestens, wenn die Hoffnung das einzige ist, das du setzen kannst, musst du leider verkaufen, so brutal es ist.“
Der Stopp ist das Nein des Marktes zur Idee
„Du musst damit umgehen können, dass du ausgestoppt bist, dass dein Trade nicht funktioniert. ist nichts anderes als das Nein des Marktes zu deiner Idee.“



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