[Bulle & Mensch]

Podcast-Gast · Folge 21

Till Schwalm

Till Schwalm sucht qualitativ hochwertige Small Caps, bei denen die Geschichte zu den Zahlen passt, und bleibt dann lange investiert. Er führt ein Portfolio aus 20 Titeln und plant jedes Investment auf fünf Jahre.

Über Till Schwalm

Till Schwalm kommt aus einer Unternehmerfamilie und hat, wie er sagt, „am Küchentisch schon gelernt, über Unternehmen zu sprechen und was operativ ein Unternehmen ausmacht“. Als Student in St. Gallen startet er 2008/09 mitten in der Finanzkrise mit zwei Kommilitonen einen Investment-Club: rund zehn Titel, geteiltes Geld, erste eigene Fehler. Nach dem Studium arbeitet er vier Jahre als Analyst für einen deutschen Aktienfonds unter Fondsmanager Dr. Bruns, der sich selbst nicht als Value-Investor verstand, sondern als „hanseatischer Kaufmann“: günstig kaufen, teuer verkaufen, das Unternehmen wirklich kennen. 2018 macht sich Till Schwalm mit seiner eigenen Beteiligungsgesellschaft selbstständig, in der Investoren ihm Geld zur Verfügung stellen. Heute führt er rund 20 Positionen: 10 Kernpositionen mit je mindestens 5 Prozent Gewicht (die größte bei rund 15 Prozent) plus einen Talente-Pool mit kleineren 2,5-Prozent-Positionen. Seit 2026 unterrichtet er zusätzlich einen eigenen Universitätskurs zu seinem Investmentansatz.

So investiert Till Schwalm

Aus dem Gespräch in Folge 21 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.

Märkte und Instrumente

Er investiert vor allem in Small Caps von hoher Qualität. Als Generalist legt er sich auf keine Branche fest. Im Portfolio stehen auch japanische Werte und große US-Titel wie Alphabet.

„qualitativ hochwertige, Small Cap Titel zu finden, wobei ich Generalist bin, da schränke ich mich nicht regeltechnisch ein“

▶ Folge 21 · 6:12

Haltedauer

Sein Horizont liegt bei fünf Jahren pro Unternehmen. Kleine Unternehmen hält er länger als große, wenn sie gut laufen. Ein Oldenburger Unternehmen hat er seit mehr als zehn Jahren im Portfolio.

„ich möchte jedes Unternehmen, in das ich investiere, in 5 Jahren investiert haben.“

▶ Folge 21 · 36:02

Auswahl und Einstieg

Jede Idee prüft er zuerst fünf Minuten in seinem Excel-Modell mit Umsatzwachstum, Marge und Bilanz. Etwa jede zehnte bekommt einen halben Tag Recherche, und nur eine von 100 Ideen kommt auf die Watchlist mit 40 bis 60 Unternehmen. Dort verfolgt er Titel meist ein bis zwei Jahre, bevor er kauft.

„wenn ich zehn Ideen habe, gucke ich in meinen Excel rein, das dauert fünf Minuten“

▶ Folge 21 · 21:13

Portfolio und Positionsgröße

Das Portfolio besteht aus 10 Kernpositionen und 10 Talente-Positionen. Kernpositionen wiegen mindestens 5 Prozent, die größte 15 Prozent. Talente starten mit 2,5 Prozent und werden auf 5 Prozent verdoppelt, wenn sich die Zahlen in seine Richtung entwickeln.

„Die 10 Kernpositionen haben alle mindestens eine Positionsgröße von 5%, wobei die größte Position 15 % hat.“

▶ Folge 21 · 6:12

Risiko und Verkauf

Beim Einstieg schreibt er seine Investmentthese auf. Passen die Zahlen nicht mehr dazu, verkauft er. Große Unternehmen gibt er ab, wenn der Kurs 30 bis 50 Prozent über seinem fairen Wert steht.

„ich meine Investment-These, wenn ich einsteige, aufschreibe. Und wenn die bricht, verkaufe ich.“

▶ Folge 21 · 52:25

Fehler und was daraus wurde

Als Student kaufte er eine Anleihe von Praktiker für rund 40 Prozent. Er übersah, dass das Geld der Töchter nie auf Konzernebene ankam, und ignorierte einen Leser, der ihn darauf hinwies. Die Anleihe fiel auf null. Seitdem meidet er so große Einzelpositionen.

„ich habe die Anleihe für rund 40 Prozent gekauft“

▶ Folge 21 · 1:12:55

Umgang mit Verlusten

Kursrückgänge sitzt er aus, solange die Unternehmen operativ laufen. Im Corona-Tief rief er alle Portfoliounternehmen an. Bei PayPal liegt er seit drei Jahren im Minus und bleibt investiert, weil seine These nicht gebrochen ist.

„habe ich alle Unternehmen in meinem Portfolio einmal durchtelefoniert, wenn ich da in die Strippe gekriegt habe.“

▶ Folge 21 · 17:33

Arbeitsweise und Werkzeuge

Er arbeitet mit einem Excel-Modell, das Daten von einem Datenanbieter lädt, früher von Bloomberg. Zu jedem Unternehmen führt er ein Investment-Tagebuch als Word-Dokument. In NotebookLM mit zehn Jahren Geschäftsberichten und in ChatGPT lässt er seine These gezielt angreifen.

„ich nenne es Investment-Tagebuch, das ist nur ein Word-Dokument, wo ich dann Datum reinschreibe“

▶ Folge 21 · 41:27

Geschichte und Zahlen müssen passen

Jede These besteht für ihn aus einem Narrativ und den Zahlen dazu. Er sucht Fälle, in denen die Geschichte des Marktes nicht in den Zahlen steht, wie 2019 und erneut im Vorjahr bei Alphabet. Überwiegend negative Stimmung über ein Unternehmen macht ihn neugierig.

„es ist immer Geschichte und Zahlen, beide Seiten müssen zueinander passen.“

▶ Folge 21 · 34:58

Renditehürde statt DCF-Modell

Umsatzwachstum plus Free-Cashflow-Rendite ergibt seine erwartete Jahresrendite, bei gleichbleibender Bewertung. Große stabile Unternehmen müssen mehr als 10 Prozent schaffen, Nebenwerte mehr als 14 Prozent. Eine höhere Bewertung beim Verkauf behandelt er als freie Option.

„bei stabilen großen Unternehmen mehr als 10 Prozent, bei Nebenwerten mehr als 14 Prozent.“

▶ Folge 21 · 1:34:02

Nichts, was nachts wachhält

Er investiert in nichts, was aus seiner Sicht die Zukunft seiner Kinder zerstört oder ihn nachts nicht schlafen lässt.

„ich investiere in nichts, wo ich meine, das zerstört die Zukunft meiner Kinder.“

▶ Folge 21 · 2:09:53

Das ganze Gespräch mit Kapiteln und Artikel: Folge 21 →

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@heuw7379
Den podcast fand ich sehr interessant und gut. Till ist überzeugt von seinem Ansatz, spannend zuzuhören, wie er das macht. Er klang auch sehr aufgeräumt und klar, fand ich gut, einiges mitgenommen. …
@MaxGnarby
Für mich der deutsche Peter Lynch auch wegen dem klasse Buch von Ihm

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