[Bulle & Mensch]

Begriff · Investment

Was ist eine Anleihe?

Anleihe: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Eine Anleihe ist ein verzinsliches Wertpapier, mit dem sich Staaten oder Unternehmen Geld bei Anlegern leihen. Der Käufer erhält in der Regel feste Zinsen und am Laufzeitende den Nennwert zurück. Anleihen gelten als ruhigerer Gegenpol zu Aktien, tragen aber eigene Risiken: Zinsänderungen, Inflation und die Pleite des Schuldners.

Definition von Anleihe

Eine Anleihe ist ein Schuldpapier: Der Herausgeber, der Emittent, leiht sich Geld und verpflichtet sich, regelmäßig Zinsen zu zahlen und das Kapital am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Im Englischen heißen Anleihen Bonds, der feste Zins Kupon. Wer eine Anleihe kauft, wird also Gläubiger und nicht Miteigentümer, anders als bei einer Aktie.

Nach dem Emittenten unterscheidet man vor allem Staatsanleihen (etwa Bundesanleihen oder US-Treasuries) und Unternehmensanleihen. Ratingagenturen bewerten die Bonität der Schuldner. Je schlechter die Bonität, desto höher der Zins, den Anleger als Ausgleich für das Ausfallrisiko verlangen. Den Zinsabstand zu sicheren Staatsanleihen nennt man Credit Spread.

Anleihen werden an der Börse gehandelt, ihr Kurs schwankt also bis zur Fälligkeit. Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, und zwar umso stärker, je länger die Restlaufzeit ist. Historisch haben Aktien langfristig eine höhere Rendite gebracht als Anleihen, dafür schwanken Anleihen hoher Bonität meist deutlich weniger.

Wie berechnet man die Rendite einer Anleihe?

Der Kupon allein verrät noch nicht, was eine Anleihe tatsächlich abwirft. Es kommt auf den Kaufkurs an: Wer unter 100 Prozent kauft, bekommt bis zur Fälligkeit zusätzlich einen Kursgewinn, wer darüber kauft, einen Kursverlust. Beides zusammen ergibt die Rendite bis zur Fälligkeit, im Englischen Yield to Maturity.

Nennwert1.000 €
Kupon (3 % pro Jahr)30 € pro Jahr
Kaufkurs (95 %)950 €
Restlaufzeit5 Jahre
Kursgewinn bis Fälligkeit50 € (10 € pro Jahr)
Näherungsrenditerund 4,2 % pro Jahr ((30 € + 10 €) / 950 €)

Die Rechnung zeigt auch, warum Anleihekurse auf Zinsänderungen reagieren: Steigt das Zinsniveau am Markt, muss der Kurs einer alten Anleihe mit niedrigem Kupon fallen, damit ihre Rendite mit neuen Anleihen mithalten kann. Wie stark der Kurs reagiert, misst die Duration. Als Faustregel gilt: Eine Duration von 8 bedeutet, dass der Kurs bei einem Zinsanstieg um einen Prozentpunkt um rund 8 Prozent fällt. Kurzlaufende Anleihen haben eine kleine Duration und schwanken deshalb kaum.

Anleihe in der Praxis

In vielen Depots erfüllen Anleihen zwei Aufgaben: Sie sollen Schwankungen dämpfen und Liquidität parken, die später in Aktien fließen kann. Klassische Mischportfolios wie die 60/40-Aufteilung (60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen) beruhen auf der Annahme, dass Anleihen in Aktienkrisen stabil bleiben oder sogar steigen. Das Jahr 2022 hat gezeigt, dass das nicht immer gilt: Bei stark steigenden Zinsen fielen Aktien und langlaufende Anleihen gleichzeitig.

Welche Anleihen passen, hängt vom Zweck ab. Wer Sicherheit sucht, achtet vor allem auf Bonität und kurze Laufzeiten, wer Rendite sucht, nimmt höhere Ausfall- oder Zinsrisiken in Kauf. Typische Stellschrauben sind:

  • die Laufzeit: kurzlaufende Papiere als Cash-Ersatz, langlaufende mit hohem Zinsänderungsrisiko,
  • die Bonität: Staatsanleihen bester Bonität gegenüber Hochzinsanleihen schwacher Schuldner,
  • der Inflationsschutz: inflationsindexierte Anleihen koppeln Zins oder Rückzahlung an die Teuerung,
  • die Stellung im Konzern: Bei Unternehmensanleihen entscheidet mit, auf welcher Ebene die Werte liegen, die im Insolvenzfall verteilt werden.

Anleihe bei [Bulle & Mensch]

Bei den meisten Gästen sind Anleihen kein Renditebaustein, sondern ein Parkplatz für Liquidität. Dr. Dr. Rainer Zitelmann hält sein Cash lieber in kurzlaufenden Staatsanleihen als bei der Bank, weil er im Ernstfall ohnehin auf den Staat vertrauen müsste. Langlaufende Anleihen meidet er wegen des Kursrisikos. Dominik Doster legt seine Cash-Position ebenfalls in kurzlaufende Anleihen an, und Bernhard Mitterlehner sieht sie in seiner Momentum-Strategie als Ausweichziel, wenn keine große Assetklasse mehr Vertrauen genießt. André Doerk mischt seinen Dividendenaktien verzinsliche Titel wie US-Babybonds bei, um Schwankungen zu senken. Christoph Gum nutzt den Anleihemarkt vor allem als Frühwarnsystem: Die Credit Spreads hält er für einen unterschätzten Risikoindikator.

Es gibt auch deutliche Skepsis. Stefan Meißner hält Aktien solider Unternehmen auf lange Sicht oft für sicherer als Anleihen und warnt, das Risiko langlaufender Anleihen ohne Inflationsschutz werde unterschätzt. Wie real das Ausfallrisiko ist, erzählt Till Schwalm: Seine Praktiker-Anleihe fiel auf null. Oliver Klemm erinnert sich dagegen an seine erste Anlage als Jugendlicher, eine Anleihe, die sich zu seiner Enttäuschung kaum bewegte.

Was meine Gäste über Anleihe sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Dominik DosterCash-Quote in kurzlaufenden Anleihen
Dr. Dr. Rainer ZitelmannCash lieber dem Staat leihen als der Bank
Oliver KlemmErste Anlage: eine Anleihe, die sich nicht bewegte
Stefan MeißnerLanglaufende Anleihen: Risiko unterschätzt
Christoph GumCredit Spreads als Frühwarnsystem
Till SchwalmDistressed-Anleihe: Wette auf die Insolvenzquote
Dr. Carmen MayerAnleihen in der Nullzinsphase wie das Sparbuch
André DoerkBabybonds als Schwankungsdämpfer im Dividendendepot
Bernhard MitterlehnerKurze Anleihen als Notausgang der Momentum-Strategie

Die Aussagen im Wortlaut

Cash-Quote in kurzlaufenden Anleihen

„Die Cash-Position ist bei 16 bis 17 Prozent bei mir und die Cash-Position investiere ich immer in kurzlaufende Anleihen, damit sie einfach noch bisschen Rendite bringen ohne Risiko. Kurzlaufende Anleihen sind wirklich risikofrei.“
Dominik Doster  Folge 35: Börse ist Kunst, keine Mathematik: Dominik Dosters defensive wikifolio-Strategie 27:08 auf YouTube

Cash lieber dem Staat leihen als der Bank

„Wenn ich in letzter Instanz darauf vertraue, dass der Staat das macht, dann tue ich es doch lieber gleich dem Staat leihen, das Geld. […] Ich habe mein Cash in kurzlaufenden Staatsanleihen, kurzlaufenden wohlgemerkt, weil bei langlaufenden ist das Kursrisiko viel zu hoch.“
Dr. Dr. Rainer Zitelmann Folge 33: Aus 0 Euro wurden 4 Millionen: Wie Rainer Zitelmann gegen den Rat der Bank Vermögen aufbaute 1:38:08 auf YouTube

Erste Anlage: eine Anleihe, die sich nicht bewegte

„Ich habe dann immer angespart, damit ich mir damals irgendwie sechs Prozent Schleswig-Holstein oder irgendwie so eine komische Anleihe gekauft habe. Und ich habe immer darauf gewartet, dass sie sich bewegen. Und die Bonds bewegen sich ja nicht so furchtbar viel.“
Oliver Klemm Folge 31: Die 368.000-Euro-Trader-Falle: Warum Oliver Klemm nie mehr gegen den Markt hält 1:31:00 auf YouTube

Langlaufende Anleihen: Risiko unterschätzt

„Langlaufende Anleihen werden, glaube ich, von einigen, was das Risiko angeht, stark unterschätzt, weil ich sehe, gerade im jetzigen Umfeld, wo die Inflation der nächsten 20 Jahre in meinen Augen enorm schwer zu projizieren ist, […] da würde ich eine langlaufende Anleihe ohne Inflationsschutz […] als ziemlich riskant sehen.“
Stefan Meißner  Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt 23:37 auf YouTube

Credit Spreads als Frühwarnsystem

„Die Credit Spreads im Bond-Bereich, was ein unglaublich guter Risikoindikator ist, auf den man in Deutschland meiner Meinung nach viel zu wenig schaut, wenn die auseinanderlaufen. […] Die Fed weiß, was sie tut, die hat ihre Notfallmaßnahmen, die kauft die Bonds schon weg, […] die Spreads laufen schon wieder zusammen.“
Christoph Gum  Folge 23: Ex-Private-Banker verrät: Das machen Reiche im Crash 1:03:01 auf YouTube

Distressed-Anleihe: Wette auf die Insolvenzquote

„Es ist kein Aktieninvest gewesen […], aber es war Praktiker-Anleihe. […] Ich habe die Anleihe für rund 40 Prozent gekauft […]. Und wenn sie nicht pleitegehen würden, dann kriege ich halt 100 zurückgezahlt und die Anleihe lief noch ein halbes, dreiviertel Jahr […]. Das war die Investment-These.“
Till Schwalm  Folge 21: Wird künstliche Intelligenz bald besser investieren als wir? 1:11:50 auf YouTube

Anleihen in der Nullzinsphase wie das Sparbuch

„Aber wenn wir uns nur Anleihen und so anschauen, gab es Zeiten, wo Anleihen mehr gebracht haben, als sie in dieser Nullzinspolitik gebracht haben. Und das ist ja das Sparbuch im Endeffekt.“
Dr. Carmen Mayer Folge 19: Mami ist Millionärin: Das System hinter dem 3 Millionen-Depot 14:43 auf YouTube

Babybonds als Schwankungsdämpfer im Dividendendepot

„Sogenannte Babybonds, sind kleine verzinsliche Anleihen, die börsennotiert in kleinen Stückelungen gehandelt werden […]. Also ich würde jetzt nicht nur auf Aktien setzen, einfach auch, noch mehr diese Schwankungen rauszunehmen. […] Noch bin ich 70, 30 bei Dividendenaktien versus Zinsen.“
André Doerk Folge 17: Dividendenfabrik: 8 % Dividende in Märkten, die kaum ein Privatanleger kennt 11:06 auf YouTube

Kurze Anleihen als Notausgang der Momentum-Strategie

„Ich weiß aus dem Backtest, das wäre eine der wenigen Zeiten gewesen, wo es wirklich gar nichts gegeben hätte von den großen Märkten, wo man sagt, da gehe ich jetzt rein. Da war einfach Panik da und kein Vertrauen und dann müsste man wirklich sein Geld vielleicht in kurz laufende Anleihen geben.“
Bernhard Mitterlehner  Folge 3: Warum Verluste vermeiden wichtiger ist als Rendite maximieren: Die Momentum-Strategie von Bernhard Mitterlehner 1:15:18 auf YouTube
Kostenlose DossiersProfi-Wissen zum Download„So bauen Profis ihr Depot“, „Crash-Handbuch“, „Gier frisst Hirn“ und „Stop-Loss oder nicht?“: die Antworten vieler Profis zu einem Thema, als PDF. Alle Dossiers →

Folgen zum Thema Anleihe

Alle Folgen →