Was Reiche im Crash tun: Ex-Private-Banker Christoph Gum
Wie Christoph Gum eine selbst gebaute KI Muster in Kursdaten suchen lässt, warum er auf Stop-Loss verzichtet und was sein Alpha AI Leaders wikifolio damit zu tun hat.
Micron hat Christoph Gum bei einem Kurs von 200 ins Depot genommen. Bei der Aufnahme am 16. Juni 2026 steht die Aktie bei rund 1.100, und er verkauft gerade. Sein Musterdepot auf wikifolio ist voll investiert durch den Irankrieg gelaufen und lag seit Jahresbeginn bis eine Woche vor dem Gespräch bei knapp 30 Prozent Plus.
Der frühere Credit-Suisse-Banker und Gründer von Private Alpha setzt auf KI-gestützte Aktienauswahl als Symbiose aus Mensch und Maschine. Das eigene Modell CÆSAR DPT und Sprachmodelle wie Claude liefern automatisierte Aktien-, Makro- und Risikoanalysen, über Kauf, Verkauf und Gewichtung entscheidet das Team. Im Gespräch erklärt er, nach welchen Kriterien eine Firma in seinen Index mit 140 KI-Werten kommt, wann er Gewinne erntet und wie er sich mit einem kleinen Short-ETF absichert.
Die wichtigsten Erkenntnisse
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RätSuperreicheDisziplin Superreiche haben keine Geheimformel: Sie haben eine Nische, in der sie richtig gut sind, gute Berater, Disziplin, Prozess, Geduld und Mut. Und sie machen dieselben Fehler wie alle anderen auch.
Zitat & Begründung
„Ich habe so das Gefühl gehabt, damals jeder von diesen Superreichen hat so seine Nische, wo er echt gut ist.“ ▶ 24:00
- An den Kapitalmärkten hat jeder seinen eigenen Fokus, der eine Anleihen, der andere Aktien.
- Gemeinsam sind ihnen Disziplin, Fokus und sehr gute Berater.
- Fehler an der Börse machen sie trotzdem wie alle anderen auch.
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RätMutKlare Aussage Mut heißt bei ihnen konkret: nicht verkaufen. Christoph Gums Beobachtung aus der Finanzkrise: „Ich habe niemanden erlebt, der den perfekten Trade unten erwischt hat.“ Ziel sei, einen Fehler weniger zu machen, statt den perfekten Einstieg zu suchen.
Zitat & Begründung
„Ich habe niemanden erlebt, der den perfekten Trade unten erwischt hat. Um das geht es nicht.“ ▶ 25:40
- Mutig hieß in der Finanzkrise für ihn: nicht verkaufen, wenn alle Panik haben.
- Wer seine Strategie langfristig durchzieht, macht einen Fehler weniger.
- Emotionen haben an der Börse für ihn nichts verloren.
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SkeptischKI-PrognosenKIKlare Aussage Weder Mensch noch Maschine kennen die Zukunft. Beide arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten. Wer glaubt, eine KI wisse alles, verwechselt Überzeugungskraft mit Wahrheit.
Zitat & Begründung
„Keine KI kennt die Zukunft, weiß, was morgen passiert am Kapitalmarkt. Kein Mensch weiß, was morgen passiert am Kapitalmarkt.“ ▶ 39:28
- Mensch und Maschine haben immer nur eine Wahrscheinlichkeit.
- Ein Sprachmodell gibt die beste Wahrscheinlichkeit aus, und die kann falsch sein.
- Wer glaubt, die KI wisse alles, hält eine überzeugende Antwort für die Wahrheit.
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SkeptischNeue MusterKIDaten Die härteste Grenze datengetriebener Modelle sind Muster, die es in den Daten noch nie gab. Corona war genau so ein Fall, trotz Indexdaten zurück bis 1929.
Zitat & Begründung
„Corona in der Geschwindigkeit von Crash und vom Rebound ist ein Muster gewesen, das wir so noch nie gesehen haben“ ▶ 1:02:00
- Das Vorgängermodell hatte Indexdaten bis 1929 und wurde trotzdem von Corona getroffen.
- Ein Erdbeben in San Francisco oder ein Einmarsch in Taiwan wären Muster, die keine Maschine erkennt.
- Dann braucht es Erfahrung und einen Menschen, der sagt, dass etwas kommen könnte.
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TabuStop-LossRisikomanagementKlare Aussage Kein klassischer Stop-Loss: „Also wir sind keine Fans von Stop Loss.“ Er löse meist im ungünstigsten Moment aus, während die Märkte immer blitzartiger werden.
Zitat & Begründung
„Also wir sind keine Fans von Stop Loss.“ ▶ 1:28:53
- Ein Stop-Loss löst meist am ungünstigsten Tag aus, und am nächsten Tag steigt die Aktie wieder.
- Die Märkte werden immer schneller und blitzartiger.
- Krisen und Rezessionen sollen seine Modelle erkennen, nicht die täglichen Nachrichten.
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RegelGewinne erntenPositionsgröße2 bis 4 % Statt Stop-Loss wird geerntet: Positionen starten bei rund zwei Prozent, werden auf vier Prozent aufgestockt und laufen gelassen: „Man sät und man erntet, wie in der Landwirtschaft.“
Zitat & Begründung
„Man sät und man erntet, wie in der Landwirtschaft. Man nimmt eine Position, meistens zwei Prozent, dann vier Prozent“ ▶ 1:26:59
- Eine neue Position startet meist bei zwei Prozent und wird auf vier Prozent aufgestockt.
- Danach lässt er sie laufen, bis sie sich verdoppelt oder verdreifacht hat.
- Zu groß gewordene Positionen erntet er und sucht neue Firmen.
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RegelVolatilität Volatilität wird bewusst zugelassen: Ohne Vola gebe es auch keine hohen Renditen. Kursrutsche aus einer einzelnen Nachrichtenlage heraus sieht er eher als Gelegenheit denn als Gefahr.
Zitat & Begründung
„Wir wollen auch die Vola zulassen, weil wenn du keine Vola zulässt, dann wirst du auch keine hohen Returns generieren können“ ▶ 1:27:29
- Sein Konzept ist auf Chancen ausgerichtet, dazu gehören Schwankungen.
- Fällt eine Blue-Chip-Aktie wegen einer einzelnen Meldung um fünf Prozent, kauft er sie gern billiger.
- Erst in einem Crash wie Dotcom oder Finanzkrise denkt er komplett anders.
Meinungen von Christoph Gum aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie Christoph Gum aus einem AlphaGo-Video den Deep Pattern Transformer gemacht hat
Sein erstes Geld verdiente Christoph Gum mit Zeitungaustragen, mit 14 kaufte ihm sein Vater die ersten Aktien, darunter den Vorgänger von Eon. Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank siebten ihn in der ersten Runde aus. Die Citibank in München nahm ihn trotz einer 5 in Englisch im Abiturzeugnis, weil er im Verkaufsgespräch der Beste war. 1996 nahm ihn der Gründer einer E-Commerce-Softwarefirma mit auf die CeBIT, im März 2000 organisierte Gum als Einziger mit Finanzausbildung deren Börsengang im Freiverkehr Berlin.
Der Termin lag vier Tage nach dem Allzeithoch der Nasdaq, zwei Wochen später wäre der Börsengang nach seiner Einschätzung abgesagt worden. Die Firma wuchs von 3 auf 80 Mitarbeiter und überlebte den Dotcom-Crash nicht. Mit 22 hatte Gum sein Börsengeld verdient und wieder verloren. Es folgten drei Jahre IT-Audit bei PricewaterhouseCoopers, im Sommer 2004 ein Sarbanes-Oxley-Projekt mit 300 Beratern bei der Credit Suisse in Zürich und ab Ende 2007 der Aufbau von Credit Suisse Österreich in Salzburg und Wien, mit Fokus auf Kunden ab 50 Millionen Privatvermögen.
Ende 2017 stieg er aus, nachdem er die Managementfehler der Konzernspitze intern miterlebt hatte, Anfang 2018 gründete er Private Alpha. Auslöser war das Video, in dem DeepMinds AlphaGo den Go-Weltmeister schlug. Die ersten vier Jahre nennt er steinig, Ex-Kollegen lachten ihn aus, und der Deep Pattern Transformer brauchte mehrere Anläufe und Jahre länger als geplant. Gute Performance zeigt das System nach seiner Aussage seit drei, vier Jahren.
So funktioniert Christoph Gums Mensch-Maschine-Strategie
Die Auswahl beginnt beim hauseigenen AI-Leaders-140-Index, einer Excel-Liste mit 140 KI-Firmen von Nvidia und Microsoft bis zu kleinen Werten wie Butterfly Network. Gum trennt Core Leaders und Emerging Leaders, als Beispiele für die zweite Gruppe nennt er Lumentum bei Laser und Optik und Reddit als Quelle für Trainingsdaten. Eine Firma braucht eine führende Rolle, eine wirklich innovative Technologie, eine Bilanz, die in einer Schwächephase ohne sofortige Kapitalerhöhung auskommt, und ein erfahrenes Management. Einmal pro Woche entscheidet das ganze Team, wer in den Index kommt und wer rausfällt.
Die Vorarbeit liefern CÆSAR DPT, Standard-Algorithmen und Sprachmodelle wie Claude und ChatGPT. Mit knapp zehn Mitarbeitern deckt Private Alpha so ab, wofür früher 200 bis 300 Analysten nötig gewesen wären. Gehalten wird über Monate, manche Aktien über Jahre, solange Fundamentaldaten, Trend und Bewertung passen. Fürs Risiko schaut Gum täglich auf den eigenen Market Risk Indicator, der die Wahrscheinlichkeit eines größeren Drawdowns schätzt, und auf die Credit Spreads bei Anleihen. Im Irankrieg lag der Indikator zwei Tage über 50, sonst unter 20.
Etablierte Werte wie Amazon und Microsoft bekommen mehr Gewicht, weil das Team an die Marge im Cloud-Geschäft glaubt, neue Ideen starten niedrig. Gum reduziert, wenn Quartalszahlen, Wachstum oder Preise der Produkte enttäuschen oder eine Position zu groß wird. Micron läge ohne Rebalancing bei knapp 20 Prozent des Depots. Einzelne Werte hat er bis zum Achtfachen laufen lassen und dann geerntet.
Zur Absicherung hält er einen kleinen Short-ETF von WisdomTree, weil die Nasdaq stark überkauft war und sein Bitcoin-Trendmodell zyklische Schwäche meldet. Neue Modelle müssen Backtests und Out-of-Sample-Walk-Forwards bestehen, der Risikoreport ist nach fünf Jahren im vierten Release. Ganz anders handelt er erst, wenn die Modelle eine Rezession oder ein Umfeld wie Dotcom oder Finanzkrise anzeigen.
Christoph Gum als Investor über Niederlagen, Disziplin und den Menschen im Driver Seat
Die schwerste Zeit der letzten drei Jahre war für ihn der Handelskrieg im vergangenen Jahr. Nachdem Donald Trump im Rosengarten seine Zolltafel hochgehalten hatte, waren die Märkte zwei Tage im freien Fall, und auch Private Alpha wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Ohne zuzukaufen, tauschte Gum damals in Aktien, die er schon immer haben wollte, die erste Tranche einer davon nach seiner Erinnerung bei rund 12 Dollar. Sechs Monate später stand sie bei 70, er nahm Teilgewinne mit.
Über Buchverluste schlaflose Nächte zu haben, bringt für ihn wenig, die These muss stimmen, auch wenn sie Tage oder Wochen danebenliegt. Seit eineinhalb Jahren trinkt er keinen Alkohol mehr und hat sein Tempo nach eigenem Eindruck noch gesteigert. Er lernt von einem 19- und einem 23-Jährigen, deren erster Kunde er ist, und liest weiter, was Warren Buffett mit über 90 sagt.
Vom Sport, in sechs, sieben Jahren ging es von der Kreisliga in die Basketball-Bundesliga, hat er Fleiß, Ehrgeiz, Spaß und Disziplin mitgenommen. Jüngeren rät er, nach einem Fehler am nächsten Tag aufzustehen und es ein Prozent besser zu machen. Auf den Zettel am Bildschirm schreibt er „Enjoy the ride“.
Was das für dich heißt
Christoph Gum war Private Banker und arbeitet heute mit einer selbst gebauten KI. Was ihn trägt, ist aber kein Algorithmus:
- Er beginnt eine Position meist mit zwei Prozent, stockt auf vier auf und lässt sie dann laufen. Steigst du gleich mit voller Größe ein, oder gibst du einer Position Zeit, sich zu beweisen?
- Er nimmt Gewinne mit, wenn sich eine Position verdoppelt oder verdreifacht, und senkt ihr Gewicht. Weißt du schon heute, was du tust, wenn sich eine deiner Aktien verdoppelt?
- Er setzt kein neues Modell mit echtem Geld ein, bevor es Backtests und Out-of-Sample-Tests bestanden hat. Wie prüfst du eine neue Idee, bevor echtes Geld daran hängt?
- Er spricht lieber über seine Niederlagen als über seine Gewinne, weil er daraus mehr lernt. Was hat dir dein letzter Fehler an der Börse beigebracht?
Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 25 →
Buchtipps von Christoph Gum
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Alle Folgen ansehen →Christoph Gum kommt aus einer Försterfamilie am Chiemsee: Opa, Vater und Onkel waren Förster. Er selbst nennt sich „der einzige, der in die Finanzbranche und die Technologiebranche abgerutscht ist“.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →Wieder ein toller Gast mit einem sehr spannenden Lebenslauf und klasse Mindset. Wer rastet der rostet. … Wie er und sein Team ran geht ist sehr professionell. …














