Begriff · Trading
Was ist ein Drawdown?
Drawdown: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Der Drawdown ist der Rückgang eines Depots oder einer Strategie vom letzten Höchststand bis zum folgenden Tiefpunkt, meist in Prozent angegeben. Der größte Rückgang in einem Zeitraum heißt Maximum Drawdown. Er zeigt, wie schmerzhaft eine Strategie im schlechtesten Fall war, und ist neben der Rendite eine der wichtigsten Kennzahlen im Trading.
Definition von Drawdown
Der Drawdown misst, wie weit ein Depot oder eine Strategie vom letzten Höchststand gefallen ist. Steht ein Depot bei 100.000 Euro und fällt danach auf 80.000 Euro, beträgt der Drawdown 20 Prozent.
Der Maximum Drawdown ist der größte solche Rückgang in einem Zeitraum. Er zeigt, wie schmerzhaft eine Strategie im schlechtesten Fall war, und ist deshalb oft aussagekräftiger als die Rendite allein.
Dazu kommt die Mathematik der Erholung: Nach 20 Prozent Minus braucht es 25 Prozent Plus, nach 50 Prozent Minus schon 100 Prozent Plus, um wieder beim alten Stand zu sein.
Drawdown berechnen
Der Drawdown wird immer vom letzten Höchststand aus gemessen, nicht vom Startkapital.
| Höchststand des Depots | 120.000 € |
|---|---|
| Tiefpunkt danach | 90.000 € |
| Rückgang | 30.000 € |
| Drawdown | 25 % |
Die Formel: Drawdown = (Höchststand − Tiefpunkt) ÷ Höchststand. Der Maximum Drawdown ist der größte dieser Rückgänge in einem Zeitraum. Wie lange es dauert, bis wieder ein neuer Höchststand erreicht ist, heißt Drawdown-Dauer oder Erholungszeit.
Je tiefer der Drawdown, desto größer der Gewinn, der für die Erholung nötig ist:
| Minus 10 % | plus 11,1 % nötig |
|---|---|
| Minus 25 % | plus 33,3 % nötig |
| Minus 50 % | plus 100 % nötig |
| Minus 75 % | plus 300 % nötig |
Drawdown in der Praxis
Der Drawdown ist vor allem eine Frage der eigenen Belastbarkeit. Eine Strategie mit guter Rendite nützt wenig, wenn man sie im schlechtesten Moment abbricht. Deshalb fragen viele Profis zuerst: Welchen Rückgang halte ich finanziell und nervlich aus?
Typische Regeln im Umgang mit Drawdowns:
- harte Grenzen: Ab einem bestimmten Minus wird das Risiko halbiert oder der Handel pausiert,
- kleinere Positionen in Verlustphasen, bis die Strategie wieder funktioniert,
- Vergleich mit dem Backtest: Ist der aktuelle Drawdown deutlich tiefer als alles, was je getestet wurde, stimmt womöglich etwas mit der Strategie nicht.
Für Anleger mit Aktien oder ETFs gilt: Rückgänge von 30 bis 50 Prozent hat es in großen Krisen immer wieder gegeben. Wer das vorher weiß, verkauft seltener am Tiefpunkt.
Drawdown bei [Bulle & Mensch]
Bei unseren Gästen ist der Drawdown weniger eine Kennzahl als eine Frage der Belastbarkeit. Dr. Raimund Schriek fragt zuerst, welchen Drawdown man persönlich aushält. David Pieper weiß, dass er bei 60 Prozent Rückgang längst ausgestiegen wäre, auch wenn die Strategie langfristig funktioniert.
Andere setzen harte Grenzen: Erik Wimmer arbeitet mit einem fixierten Drawdown, Nico Schulze hat für seinen Maximal-Drawdown eine feste Notfallregel. Und Max Schulz erinnert daran, dass Drawdowns zu jeder Trading-Karriere gehören und oft die Phasen sind, in denen man am meisten lernt.
Was meine Gäste über Drawdown sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Dominik Doster | Stärkster Drawdown: Corona, genutzt als Chance |
| Stefan Meißner | Im Drawdown auch die Chancen sehen |
| Philipp Haas | Globale Streuung hielt die Drawdowns gering |
| Christian Jagd | Drawdown-Phasen sind normal, dranbleiben |
| Dirk Siebenhaar | Ab 12 % Drawdown gehen die Alarmglocken an |
Die Aussagen im Wortlaut
Stärkster Drawdown: Corona, genutzt als Chance
„Corona war glaube ich mein stärkster Drawdown. Das habe ich da aber schon eher als Chance ergriffen. […] Und dann war ich einfach nach drei Jahren investieren, war ich einfach im Minus.“
Im Drawdown auch die Chancen sehen
„Es ist jetzt nicht so, dass ich nicht schlafen kann, aber natürlich beschäftigt es mich mehr. Und auf der anderen Seite sehe ich dann auch die Chancen in den Momenten.“
„Wie viel Druck kann ich umgehen? Was ist so mein persönlicher Drawdown, den ich erleiden kann? Was ist die Grenze, die ich gerade noch aushalten kann?“
Globale Streuung hielt die Drawdowns gering
„Die Drawdowns waren sehr gering, weil ich in allen Weltregionen unterwegs war und sich das immer so bisschen ausgeglichen hat.“
Drawdown-Phasen sind normal, dranbleiben
„Der Markt sortiert sich, da entsteht einfach Drawdown-Phasen […], die hat jeder. Das ist total normal, das muss man auch akzeptieren. Man macht seine Hausaufgaben weiter, bleibt weiter dran, gibt schlichtweg sein Bestes und nun irgendwann dreht sich das dann auch wieder.“
„Ich glaube, ich habe aktuell einen zwölften Drawdown in meiner Karriere. […] Wenn wir aber Drawdown haben, dann sitzen wir halt von früh bis abends im Office und überlegen uns, wie wir daraus kommen. Und genau das ist diese Phase, wo man sich am besten entwickelt.“
Ab 12 % Drawdown gehen die Alarmglocken an
„Und wenn ich ein Depot-Drawdown habe von 12%, dann gehen auch alle Alarmglocken an, weil ab da beschleunigt sich die Mathematik, die gegen mich arbeitet. Wenn ich 50 % Verlust habe im Depot, brauche ich 100 % Gewinn.“
„Es sieht dann immer so toll aus: Guck hier, ich habe meine Nvidia schon 10 Jahre. Aber zwischendurch gab es irgendwie Drawdown von 60 Prozent, da weiß ich, da bin ich schon längst draußen. […] Und andere wiederum, die ein ganz anderes mentales Kostüm haben, die sagen, genau das will ich.“
„So wie wir es jetzt mit unserem Handelsroboter machen, ist der fixierte Drawdown bei minus zweieinhalb Prozent und der Take Profit bei 4,5 Prozent.“
„Ich habe dann erstmal gesagt, wenn wir 50 % im Maximal-Drawdown sind, dann geht die Hälfte von dem Restkapital raus.“
„In meinen Backtests habe ich nicht 50 Prozent Drawdown, sondern 10 bis 15 Prozent Maximum Drawdown. Und das ist halt für die Nerven“
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