Podcast-Gast · Folge 37
Birger Schäfermeier
Birger Schäfermeier ist Trendfolger und handelt kurzfristig, vor allem Futures auf Zinsen, Euro/US-Dollar und Aktienindizes. Sein wichtigstes Werkzeug ist die Positionsgröße: Er weiß, wann er Gas gibt und wann er bremst.
Über Birger Schäfermeier
Birger Schäfermeier, Diplom-Volkswirt, kaufte mit 14 seine erste Aktie und handelte schon als Student Optionsscheine. Daraus wurde rund eine Million D-Mark, die er komplett wieder verlor. Im Oktober 1998, in der Nacht von Oskar Lafontaines Rücktritt, machte er mit DAX-Calls und einer Long-Position auf die D-Mark über Nacht einen sechsstelligen Gewinn. Seit 1989 handelt er aktiv, seit über drei Jahrzehnten dieselben fünf Kernmärkte: Bund Future, T-Bond, Euro-Dollar, S&P 500 und DAX. Er tradet ausschließlich untertägig und stellt jede Position bis zum Handelsschluss glatt. 2006 erschien sein Buch Die Kunst des erfolgreichen Tradens. Nach eigener Aussage hat er sechs Jahre gebraucht, bis er dauerhaft Geld verdiente.
So tradet Birger Schäfermeier
Aus dem Gespräch in Folge 37 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er handelt seit Jahrzehnten fünf Kernmärkte: den Bund-Future, Euro/US-Dollar, den S&P 500, den DAX und den Nasdaq. Dazu kommen große Trends wie zuletzt in Gold und Öl. Den Bund-Future schätzt er, weil Zinstrends besonders stabil laufen.
„Tatsächlich habe ich so fünf Kernmärkte, die schon seit 36 Jahren handeln.“
▶ Folge 37 · 55:58
Haltedauer
Er macht viel Daytrading, hält Positionen aber auch über Nacht und übers Wochenende, wenn ein größerer Trend läuft. Kaufen und lange liegen lassen passt nicht zu ihm, dafür ist er nach eigener Aussage zu ungeduldig.
„Ich bin bereit, Positionen auch über Nacht, auch über das Wochenende zu halten.“
▶ Folge 37 · 13:01
Auswahl und Einstieg
Er schaut auf den Trend in drei Zeitebenen. Zeigen alle in eine Richtung und stützen Fundamentaldaten den Trend, gibt er mehr Gas. Gegen ein Narrativ, das sich im Preis zeigt, handelt er nicht, Rücksetzer nutzt er zum Einstieg.
„Ich bin Trendfolger, das heißt, ich schaue zum Beispiel mir den Trend auf drei Zeitebenen an.“
▶ Folge 37 · 8:14
Portfolio und Positionsgröße
Die Positionsgröße hält er für sein stärkstes Werkzeug. Den Stopp setzt er nach dem Chart, die Stückzahl ergibt sich aus 0,5 oder 1 Prozent Risiko. Wie viel er riskiert, richtet er nach seiner eigenen Verfassung, der Marktphase und seiner Equity-Kurve.
„das wichtigste Tool, was ich in meinem Trading habe und was mich auch so erfolgreich macht, das ist mein Positionsgrößenmanagement“
▶ Folge 37 · 1:53:55
Risiko und Verkauf
Gewinner lässt er mit einem Trailing Stop laufen, solange es geht. Teilverkäufe im Gewinn lehnt er ab: Entweder er glaubt noch an sein Kursziel, dann bleibt alles drin, oder nicht, dann muss alles raus.
„Das heißt, im Gewinnfall musst du die Entscheidung entweder alles raus oder alles laufen lassen treffen.“
▶ Folge 37 · 51:37
Fehler und was daraus wurde
Als junger Trader machte er mit Optionen aus 10.000 Mark eine Million, setzte weiter große Summen und verlor alles schneller, als er es gewonnen hatte. Geld abgezogen hatte er nie. Seitdem zieht er nach Gewinnen immer etwas ab und belohnt sich damit.
„Ich habe gesagt, eine Million ist viel, aber es ist eigentlich noch nicht genug, fünf Millionen ist besser.“
▶ Folge 37 · 1:43:27
Umgang mit Verlusten
Verlustserien hält er so klein, dass er wieder herauskommt: Nach 10 Prozent Minus braucht er gut 11 Prozent, nach 50 Prozent schon 100. Selbstvertrauen holt er sich aus überstandenen Drawdowns. Seine ersten sechs Jahre brachten vor allem Verluste.
„wenn ich einen Verlust von 50 Prozent mache, muss ich 100 Prozent verdienen, da rauszukommen.“
▶ Folge 37 · 1:35:11
Arbeitsweise und Werkzeuge
Er dokumentiert alle Trades in einem Trading-Tagebuch und prüft, ob er sich an seinen Plan gehalten hat. Früher führte er zusätzlich ein handschriftliches mentales Tagebuch. Nachrichten sammelt er in einem Bloomberg-System und überfliegt vor allem Schlagzeilen, um das Narrativ der Börse zu erkennen.
„Ich dokumentiere alle meine Trades, habe ein eigenes Trading-Tagebuch.“
▶ Folge 37 · 1:17:29
Gewinner doppelt, Verlierer halb
Er steigt mit zwei Teilen ein. Läuft der Trade nicht, wirft er schnell die Hälfte raus. Läuft er sofort, bleibt er mit beiden Teilen bis zum Kursziel dabei. So haben seine guten Trades automatisch die doppelte Positionsgröße. Im Verlust nachzulegen ist für ihn ein No-Go.
„Bei allen, die für mich laufen sofort, und das sind die guten, habe ich die doppelte Positionsgröße.“
▶ Folge 37 · 49:45
Das Murmelspiel im Seminar
In seinen Seminaren ziehen alle Teilnehmer dieselben Murmeln als Handelssignale und bestimmen nur ihren Einsatz. Am Ende stehen so viele Ergebnisse wie Teilnehmer, meist ist einer pleite und einer hat sein Geld verdoppelt.
„Das Tolle ist, wir haben immer jemanden in der Gruppe, pleite gegangen ist und jemand, der sein Geld verdoppelt hat.“
▶ Folge 37 · 1:51:50
Verhalten vor Wissen
Den Wendepunkt brachte ihm ein Home-Study-Kurs von Van K. Tharp. Seitdem sieht er die Börse als Verhaltensdisziplin und hat jahrelang mit einem mentalen Tagebuch an seinen Mustern gearbeitet.
„Du musst nicht anders denken, du musst dich anders verhalten.“
▶ Folge 37 · 1:29:49
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