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Was ist ein technischer Indikator?
Technischer Indikator: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Ein technischer Indikator ist eine Kennzahl, die nach einer festen Formel aus Kurs, Volumen oder beidem berechnet und im oder unter dem Chart angezeigt wird. Bekannte Beispiele sind der RSI, der MACD, die Bollinger-Bänder und gleitende Durchschnitte. Trader nutzen Indikatoren, um Trend, Schwung oder überkaufte Phasen zu erkennen. Die Zukunft kennen sie nicht.
Definition von Technischer Indikator
Ein technischer Indikator rechnet vergangene Kurse um. Die Formel nimmt Schlusskurse, Hochs, Tiefs oder das Handelsvolumen der letzten Tage und macht daraus eine Linie oder eine Zahl. Neue Information steckt darin nicht. Der Indikator zeigt dieselben Kurse nur in anderer Form.
Grob gibt es drei Gruppen. Trendindikatoren wie gleitende Durchschnitte oder der MACD zeigen, in welche Richtung sich der Kurs bewegt. Oszillatoren wie der RSI oder die Stochastik schwanken zwischen festen Grenzen und sollen anzeigen, ob ein Wert überkauft oder überverkauft ist. Volatilitätsindikatoren wie die Bollinger-Bänder oder die Average True Range (ATR) messen, wie stark der Kurs schwankt. Dazu kommen Indikatoren zur Marktbreite, die nicht eine einzelne Aktie betrachten, sondern alle Aktien eines Index.
Fast alle Indikatoren sind nachlaufend, auf Englisch lagging. Sie reagieren erst, wenn sich der Kurs schon bewegt hat. Wer mehrere Indikatoren aus derselben Gruppe kombiniert, bekommt deshalb kaum zusätzliche Information, nur mehr Linien im Chart.
Wie funktioniert ein technischer Indikator?
Ein Beispiel ist der RSI (Relative Strength Index), den J. Welles Wilder 1978 vorgestellt hat. Er vergleicht die durchschnittlichen Kursgewinne mit den durchschnittlichen Kursverlusten der letzten 14 Tage.
| Durchschnittlicher Kursgewinn pro Tag (14 Tage) | 1,20 € |
|---|---|
| Durchschnittlicher Kursverlust pro Tag (14 Tage) | 0,60 € |
| Verhältnis RS (1,20 / 0,60) | 2 |
| RSI = 100 minus 100 / (1 + RS) | 66,7 |
| Grenze „überkauft“ | über 70 |
| Grenze „überverkauft“ | unter 30 |
Ein RSI von 66,7 heißt: In den letzten 14 Tagen waren die Gewinne im Schnitt doppelt so groß wie die Verluste. Steigt der Wert über 70, gilt die Aktie nach der Lehrbuch-Regel als überkauft, unter 30 als überverkauft.
Schwierig wird es im Trend. In einem starken Aufwärtstrend kann der RSI wochenlang über 70 bleiben, während der Kurs weiter steigt. Wer dann nach Lehrbuch verkauft oder short geht, handelt gegen den Trend. Michael Pisnyachevskiy nennt den RSI als Oszillator im Trend deshalb relativ wertlos.
Technischer Indikator in der Praxis
Fast jeder Trader fängt mit Indikatoren an. Chartprogramme bieten Hunderte davon, und viele Videos versprechen die eine Einstellung, die immer funktioniert. Viele Profis im Podcast beschreiben denselben Weg: erst immer mehr Indikatoren, dann wieder weniger.
So setzen Profis Indikatoren ein:
- Nur zur Orientierung: Ein gleitender Durchschnitt zeigt, ob der Kurs über oder unter dem Schnitt liegt. Die Entscheidung fällt am Preis selbst.
- Wenige und verschiedene: Zwei Indikatoren aus derselben Gruppe sagen fast dasselbe. Wer kombiniert, nimmt eher einen Trendindikator und einen für Volatilität oder Marktbreite.
- Feste Regeln statt Gefühl: Ein Signal zählt nur, wenn die Regel vorher aufgeschrieben und im Backtest geprüft ist.
- Wenige Parameter: Wer die Einstellung so lange dreht, bis die Vergangenheit perfekt aussieht, optimiert auf Zufall. Ein RSI über 14 Tage und einer über 15 Tage sollten ähnlich gut funktionieren.
Ein Indikator ist kein eigenes Handelssystem. Er sagt nichts über Positionsgröße, Stop-Loss oder Chance-Risiko-Verhältnis. Ohne diese Regeln hilft auch ein gutes Signal wenig.
Technischer Indikator bei [Bulle & Mensch]
Bei [Bulle & Mensch] erzählen viele Gäste, dass sie mit Indikatoren angefangen haben und heute kaum noch welche nutzen. David Pieper hatte zeitweise 30 Indikatoren im Chart und sagt heute, eigentlich brauche man keinen. Maximilian Robl sprang als junger Trader von einem Indikator zum nächsten, je nachdem, was gerade in Videos gezeigt wurde. Rüdiger Born handelte jahrelang mit Indikatoren, lehnte sie dann komplett ab und schaut heute als Purist auf die Preisbewegung. Oliver Klemm nutzt keine nachlaufenden Indikatoren mehr, sondern Volumenprofil und Kerzen, die sich in Echtzeit bilden.
Ganz verschwunden sind sie trotzdem nicht. Wieland Arlt legt einen Durchschnitt zur Orientierung in den Chart und nutzt Bollinger-Bänder für Einstiege und Kursziele. Dirk Siebenhaar hat Indikatoren zur Marktbreite in sein Regelwerk aufgenommen und kauft aggressiver, wenn weniger als 30 Prozent der Nasdaq-Aktien über ihrer 5-Tage-Linie liegen. Dr. Carmen Mayer nutzt den MACD nur für den Einstieg, weil er ihr für Ausstiege zu empfindlich ist. Gregor Labahn erinnert daran, dass sich der Markt nie wegen eines Indikators bewegt, sondern immer wegen der Marktteilnehmer.
💬 Was unsere Gäste über Technischer Indikator sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Rüdiger Born | Jahrelang Indikatoren, dann nur der Chart |
| Oliver Klemm | Keine nachlaufenden Indikatoren mehr |
| Gerd Ackermann | Der Chart selbst ist der beste Indikator |
| Dr. Carmen Mayer | MACD für den Einstieg, nicht für den Ausstieg |
| Marcel Urban | Die meisten Indikatoren laufen hinterher |
| Dirk Siebenhaar | Marktbreite: Anteil über der 5-Tage-Linie |
| Gregor Labahn | Märkte bewegen Menschen, keine Indikatoren |
| Maximilian Robl | Von einem Indikator zum nächsten gesprungen |
| David Pieper | Erst immer mehr Indikatoren, dann weglassen |
| Wieland Arlt | Höchstens ein Indikator, nur zur Orientierung |
| Michael Pisnyachevskiy | Indikatoren sind oberflächlich, es braucht Vorsprung |
Die Aussagen im Wortlaut
Jahrelang Indikatoren, dann nur der Chart
„Indikatoren habe ich jahrelang gehandelt, [mit] mäßigem Erfolg, sage ich jetzt mal. Dann habe ich sie komplett abgelehnt. Und später […] haben mir dann professionelle Händler gesagt, ja, aber du verwendest ja die Indikatoren völlig falsch. Die musst du nicht so anwenden, wie das da in dem Lehrbuch steht.“
Keine nachlaufenden Indikatoren mehr
„Ich habe wirklich alles ausprobiert. Und durch dieses Ausprobieren bin ich darauf gekommen, dass nur ganz wenige Sachen wirklich sinnhaftig sind. Ich benutze zum Beispiel keinerlei Indikatoren mehr, weil das [nachlaufendes Zeug] ist.“
Der Chart selbst ist der beste Indikator
„Ich sage da immer, gibt einen Indikator, ist der perfekte Indikator der Welt. Das ist alles eingepreist in dem Indikator und das ist der Chart.“
MACD für den Einstieg, nicht für den Ausstieg
„[MACD] kannst du nur zum Einstieg benutzen. Ausstieg hilft der nicht, sonst musst du so oft aussteigen. Der ist so oft überempfindlich.“
Die meisten Indikatoren laufen hinterher
„Viele von den Indikatoren, die benutzt werden, sind ja keine Leading-Indicator, sondern nachgewiesen [Lagging-Indicator]. Also viele Indikatoren allein funktionieren ja auch nicht.“
Marktbreite: Anteil über der 5-Tage-Linie
„Ein Indikator zum Beispiel auch sehr gut für aggressiv und weniger aggressiv kaufen ist für mich die Anzahl der Aktien, die über der 5-Tage-Linie sind im Nasdaq. […] Wenn über 70 % der Aktien schon über der 5-Tage-Linie sind, dann ist es im Allgemeinen eher ein Umfeld, das zu Korrekturen neigt.“
Märkte bewegen Menschen, keine Indikatoren
„Es ist immer wichtig zu wissen, der Markt bewegt sich ja niemals aufgrund von irgendwelchen Indikatoren, sondern immer aufgrund von Marktteilnehmern.“
Von einem Indikator zum nächsten gesprungen
„Alles durchprobiert, mal eine Zeit lang diesen Indikator benutzt, auf verschiedenen Timeframes geschaut, was funktioniert, dann auf einen neuen Indikator vielleicht gestoßen und dann hat man sich gedacht, der ist noch besser oder der ist noch cooler […]. Und so switcht man eigentlich so bisschen zwischen verschiedenen Indikatoren hin und her.“
Erst immer mehr Indikatoren, dann weglassen
„Dann hat der Chart 50 Linien, 30 Indikatoren. Es wird immer bunter und man sucht sich immer irgendwas raus, was dann doch hätte passen können […]. Und ich bin heute eigentlich mit einem ganz einfachen Setup unterwegs. […] Eigentlich braucht man gar keinen Indikator.“
Höchstens ein Indikator, nur zur Orientierung
„Die Preisbewegung, Unterstützung, Widerstand, höhere Hochs, höhere Tiefs und umgekehrt. Damit kommst du wunderbar aus. Dann kannst du noch mal einen Indikator dazu legen, einen Durchschnitt zur Orientierung. Ist der Preis drüber oder drunter?“
Indikatoren sind oberflächlich, es braucht Vorsprung
„Das heißt, alles davor, [was] wir gerade besprochen haben, technische Indikatoren, RSI, moving averages und so weiter, das ist ja alles sehr oberflächlich. Man beschäftigt sich nicht damit, warum funktioniert das jetzt eigentlich? Man braucht einfach einen gewissen Informationsvorsprung.“



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