[Bulle & Mensch]
Folge 13 · 4 Buchtipps

Trading-System: Ex-UBS-Trader Gregor Labahn über Disziplin

Wie ein ehemaliger institutioneller Trader der UBS und von Berenberg mit seinem MOMA-System lernte, sich selbst aus dem eigenen Weg zu räumen.

Gregor Labahn hat nie eine Banklehre gemacht. Er legte die Prüfung für die Börsenhändlerkarte selbst ab, begann als Market Maker für Optionsscheine an der Börse Düsseldorf und beriet später bei der UBS als Trading Advisor Privatkunden mit über 100 Millionen Vermögen. Letzte Station in einer Bank war Berenberg in Hamburg. Heute handelt er nur noch für sich, zuletzt ein halbes Jahr lang aus Namibia.

Sein Vorgehen fasst er in der MOMA-Checkliste zusammen, die für Me, Operations, Märkte und Account steht. Die erste Frage jeden Morgen lautet, ob er heute in der Lage ist zu traden und Risiko zu nehmen. Einstiege stehen bei ihm erst an vierter Stelle hinter Emotionen, Positionsgröße und Ausstieg. Den wichtigsten Teil der Arbeit sieht er darin, die eigene Person vom eigenen Trade zu trennen.

„Ich kann sowohl als Trader permanent verlieren, ich kann sogar als Trader scheitern und ich kann trotzdem als Mensch bestehen und gut sein und wertvoll sein.“
– Gregor Labahn

Die wichtigsten Erkenntnisse

Sein Regelwerk, 7 Punkte: Einstieg 1 · Routine 1 · Risiko 1 · Positionsgröße 1 · Psychologie 3

  • SkeptischEinstiegEinstieg zuletzt90 % Kopf

    Die 90-Prozent-Regel: Trading-Erfolg entscheidet sich laut Gregor Labahn überwiegend im Kopf, und selbst von den restlichen 10 Prozent bleibt der Einstieg der unwichtigste Teil. Seine Reihenfolge: Mindset, Position Sizing, Ausstieg, erst dann Einstieg.

    Gregor Labahn · bei 5:42

    Zitat & Begründung
    „wenn das so dieser Holy Grail Aspekt ist, dann versuche ich ja im Prinzip nichts anderes, als so die Zukunft vorhersagen“ ▶ 5:42
    1. Den Einstieg kann er nicht kontrollieren, dafür müsste er die Zukunft vorhersagen.
    2. Kontrollieren kann er seine Emotionen, die Positionsgröße und den Ausstieg.
    3. In den Seminaren ging es trotzdem fast nur um Einstiege.
  • RegelRoutineMOMA-Checklistetäglich

    MOMA-Checkliste: Me, Operations, Markets, Account. Das ist die tägliche Struktur, mit der Gregor Labahn vor dem Handeln prüft, ob er handlungsfähig ist, ob seine Prozesse stehen, ob der Marktkontext zu seiner Strategie passt und wie seine Performance-Matrix aussieht.

    Gregor Labahn · bei 1:28:35

    Zitat & Begründung
    „ich gebe denen, die den Weg zu mir finden, so eine MOMA-Checkliste vor“ ▶ 1:28:35
    1. MOMA steht für Me, Operations, Markets und Account.
    2. Bei Me fragt er sich morgens, ob er heute traden und Risiko nehmen kann.
    3. Die Idee kommt von den Checklisten der Piloten, er hat selbst einen Flugschein gemacht.
  • RegelRisikoErgebnis in Risk MultiplesKlare Aussage

    Risk Multiples: „dein Ergebnis ist immer ein Vielfaches von deinem Risiko, was du eingegangen bist.“ Bewertet wird ein Trade am Verhältnis zum eingegangenen Risiko, nicht an der Rendite.

    Gregor Labahn · bei 34:26

    Zitat & Begründung
    „aber das Ergebnis wird auf jeden Fall an Risk Multiples bemessen“ ▶ 34:26
    1. Gelernt hat er das bei Van Tharp.
    2. Wer 19 Euro riskiert, um 5 Euro zu gewinnen, braucht sehr viele Treffer.
    3. Das Denken in Risk Multiples hat ihm geholfen, nicht pleite zu gehen.
  • RätPositionsgrößeDie Größe entscheidetMurmelspiel

    Marble Game: Im Murmelspiel bekommen alle Teilnehmer denselben simulierten Trade. Am Ende ist einer pleite und ein anderer hat Millionen. Der einzige Unterschied ist die Positionsgröße.

    Gregor Labahn · bei 1:27:32

    Zitat & Begründung
    „Und da merkst du, der Trade ist für alle gleich.“ ▶ 1:27:32
    1. Alle ziehen dieselben Murmeln, Einstieg und Ausstieg sind für alle gleich.
    2. Wer 1 % riskiert, übersteht die schwarze Murmel. Wer 10.000 Dollar setzt, verliert 50.000.
    3. Am Ende ist einer pleite und ein anderer hat 2 Millionen.
  • RätPsychologieErst A-Version, dann handeln

    A-, B- und C-Version: Wer morgens seine Kinder anschreit und im Straßenverkehr eskaliert, kommt bereits als C-Version am Trading-Desk an und muss sich erst zurückholen, bevor er handeln darf.

    Gregor Labahn · bei 1:24:21

    Zitat & Begründung
    „So jetzt warst du schon zweimal die C-Version von dir. Wie willst du es denn jetzt schaffen, in den A-Modus zu switchen“ ▶ 1:24:21
    1. Wer am Frühstückstisch und im Straßenverkehr ausrastet, kommt schon als C-Version am Trading-Desk an.
    2. Ist der Fokus bei den eigenen Gefühlen statt beim Markt, sollte er an dem Tag nicht traden.
    3. Die beste Strategie nützt nichts, wenn er nicht in der Lage ist, sie anzuwenden.
  • SkeptischPsychologieEntscheidung statt Ergebnis bewertenKlare Aussage

    Resulting-Falle: Ein gutes Ergebnis macht eine Entscheidung nicht automatisch richtig. Der Lottogewinner hat keine gute Entscheidung getroffen, er hatte Glück.

    Gregor Labahn · bei 35:37

    Zitat & Begründung
    „Und ich würde ihm sagen, es ist immer noch eine scheiß Entscheidung gewesen, aber du hast Glück gehabt.“ ▶ 35:37
    1. Ein Lottogewinner hat keine gute Entscheidung getroffen, er hatte Glück.
    2. Ein Kettenraucher, der gesund bleibt, beweist nicht, dass Rauchen gut ist.
    3. Wer Erfolg nur am Ergebnis misst, kommt im Prozessdenken nicht weiter.
  • RätPsychologieSelbst verantwortlichKlare Aussage

    Selbstverantwortung: „ich bin für mein eigenes Handeln verantwortlich.“ Auch die Wahl des falschen Börsenbriefs oder des falschen Coaches bleibt die eigene Entscheidung.

    Gregor Labahn · bei 13:21

    Zitat & Begründung
    „Der schwierigere Weg wäre zu sagen, Okay, dann habe ich scheinbar den falschen Börsenbrief ausgewählt.“ ▶ 13:21
    1. Wer einem Börsenbrief folgt und verliert, schiebt die Schuld gern auf den Brief.
    2. Er braucht eigene Kriterien, um den richtigen Börsenbrief oder Coach zu finden.
    3. Für diese Auswahl ist er selbst verantwortlich.

Meinungen von Gregor Labahn aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

Vom Optionsschein-Parkett in Düsseldorf zum Mindset-Coach für Trader

Gregor Labahn ist ohne familiären Bezug zur Börse in den Handel eingestiegen. Der Impuls dazu kam, wie er selbst sagt, „nicht familiengetrieben“. Statt einer Banklehre machte er direkt die Börsenhändlerkarte und begann als Market Maker im Optionsscheinbereich an der Börse Düsseldorf, bei der damals größten Maklerfirma für Optionsscheine in Deutschland.

Von dort führte sein Weg über den Broker der Crédit Agricole als Senior-Aktienhändler und technischer Analyst bis zur UBS, wo er als Trading Advisor mit Privatkunden ab 100 Millionen Vermögen deren Trading-Ideen besprach und umsetzte. Letzte institutionelle Station war Berenberg in Hamburg. Parallel bildete er sich immer wieder in den USA weiter, unter anderem persönlich bei der Traderin Linda Raschke sowie in einem 28-tägigen 1:1-Mastery-Programm bei Dr. Libby Adams, das er heute selbst unterrichtet.

Wie Gregor Labahn vom Einstiegs-Denken zum MOMA-System kam

Am Anfang zählte für Gregor Labahn vor allem das Ergebnis, Einstiege waren alles. Auf dem Parkett fiel ihm zuerst etwas anderes auf: wie unterschiedlich emotional seine Kollegen auf Gewinne und Verluste reagierten. Der eigentliche Bruch kam in den USA. Dort sprachen Trader über ihre Prozesse und Abläufe und kaum über einzelne Trades. Im Marble Game erlebte er, wie zehn Menschen denselben Trade machen und trotzdem völlig unterschiedlich enden, je nach Positionsgröße. Ein 28-tägiges 1:1-Mastery-Programm bei Dr. Libby Adams lieferte den Rest, Trading als vollständiges System mit allen Komponenten. Aus den Checklisten, die er sich parallel beim Fliegen abschaute, entstand später die MOMA-Checkliste.

Am schärfsten formuliert Gregor Labahn den Selbstbetrug, der dabei auffliegt: „Nein, du hast es noch nie richtig gemacht, aber der Markt hat dir das verziehen.“

So funktioniert Gregor Labahns MOMA-Strategie

Gregor Labahn ist Trendfolger und arbeitet radikal prozessorientiert. Das erste M seiner Checkliste steht für Me, also für die Frage, ob er heute in der Lage ist zu handeln und Risiko zu tragen. Wird die Frage morgens nicht beantwortet, „dann wird sie mir sehr, sehr schnell vom Markt beantwortet werden“. Liegt der Fokus auf den eigenen Emotionen statt auf dem Markt, wird nicht gehandelt.

Operations sind Routinen und Checklisten für alles, was im Ernstfall schnell gehen muss, vom fehlenden Ladegerät unterwegs bis zur offenen Position ohne Stop, wenn die Schule anruft. Er arbeitet sie ab wie ein Pilot seine Liste, statt im Stress zu entscheiden.

Das zweite M steht für Märkte, also den Kontext. Gregor Labahn prüft Tages-, Stunden- und Kurzfrist-Trend gegeneinander und handelt hauptsächlich S&P, DAX, Euro, Gold, Crude Oil und Bitcoin. Als Trendfolger verdient er in einer Range kein Geld. Also braucht es Barrieren, die ihn dort heraushalten. Das A für Account ist die Performance-Matrix mit Trefferquote, Auszahlungsquote und aktuellem Risiko.

Seinen Edge sieht Gregor Labahn darin, zu erkennen, wann andere Marktteilnehmer ein Problem haben: Bricht ein Kurs aus einer Handelsspanne nach oben aus, geraten Verkäufer unter Druck und müssen selbst kaufen. Das Position Sizing skaliert er entsprechend: im übergeordneten Trend groß, in der Gegenbewegung klein.

Gregor Labahn als Mensch zwischen Meditation, Kampfkunst und Trade & Travel

„Ich möchte gedanklich unabhängig werden. Ich möchte nur von meinem Trading und von meinen Ideen permanent und kontinuierlich Geld verdienen.“
– Gregor Labahn

Trading war für Gregor Labahn immer mehr als ein Job, es war der Weg zu gedanklicher Unabhängigkeit. Sein Tag beginnt um 5 Uhr mit energetischen Tai-Chi-Übungen aus dem Shaolin Temple Europe und 30 bis 45 Minuten Meditation. Das ist die Basis dafür, überhaupt zu erkennen, in welchem Zustand er in den Markt geht.

Nach der Geburt der Kinder stellte er sein Leben um. Er nahm ein Jahr Elternzeit, die die Familie unter anderem auf Hawaii verbrachte, danach folgte Trade & Travel, etwa auf Bali, zuletzt ein halbes Jahr in Namibia, wo die Kinder zur Schule gingen und er von dort handelte. Was ihm bis heute Respekt abverlangt, ist der innere Gambler: Man kann ihm sagen, er solle die Klappe halten, er meldet sich trotzdem, nur zum falschen Zeitpunkt, etwa mitten in einer Position mit der Idee, heute doppelt so viel zu handeln.

Was das für dich heißt

Gregor Labahn war Händler bei UBS und Berenberg und begleitet heute Trader. Für ihn entscheidet sich Trading überwiegend im Kopf, und das sieht man an seinem Alltag:

  • Er fragt sich vor dem Handeln, ob er heute in der Lage ist zu handeln und Risiko zu tragen. Woran merkst du, dass du heute besser nicht handeln solltest?
  • Er beginnt seinen Tag um 5 Uhr mit Tai-Chi-Übungen und 30 bis 45 Minuten Meditation. In welchem Zustand setzt du dich normalerweise vor deinen ersten Chart?
  • Er arbeitet mit Checklisten, damit er im Ernstfall nicht im Stress entscheiden muss. Was passiert mit deinen offenen Positionen, wenn dich plötzlich etwas vom Bildschirm wegholt?
  • Er bewertet einen Trade nicht nach der Rendite, sondern nach dem Verhältnis zum eingegangenen Risiko. War dein letzter Gewinn eine gute Entscheidung, oder hattest du einfach Glück?

Seine Positionen

Welche Anlagen Gregor Labahn im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im April 2026).

  • HältGold und Rohölneben Indizes und Euro1:48:07
    Zitat
    „Euro, Gold, Crude ist jetzt wieder viel mehr geworden natürlich durch die aktuelle Situation“
  • HältBitcoingehandelt wie die anderen Märkte1:48:07
    Zitat
    „Euro, Gold, Crude ist jetzt wieder viel mehr geworden natürlich durch die aktuelle Situation. Aber ich handele auch Bitcoin“
  • SkeptischOptionen verkaufengeht, solange der Trend verzeiht1:46:56
    Zitat
    „Die Menschen verkaufen immer fröhlich ihre Optionen. Vielleicht ein ganz funny game.“

Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

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Wer ist Gregor Labahn?

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Gregor Labahn war über zwei Jahrzehnte institutioneller Händler: als Market Maker an der Börse Düsseldorf, als Senior-Aktienhändler bei der Crédit Agricole, als Trading Advisor bei UBS für Kunden mit über 100 Millionen Vermögen und zuletzt bei Berenberg in Hamburg.

Aus den Kommentaren

Mehr Erfahrungen →
@doohanks486
Klasse Einblicke. Für mich eine Reise in die Vergangenheit, ich bin damals auch als junger Händler auf dem Parkett rumgelaufen und habe bei Spütz, Ballmaier, Kopp und Konsorten Scheine gehandelt. …
@Hulzer
Sehr spannende Folge, Danke dafür!
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