[Bulle & Mensch]

Profis antworten

Wie gehen Profis mit Gier und FOMO um? Ihre Regeln gegen das Verpassen

„Wie gehst du mit Gier und FOMO um?“

Diese Frage hat Mario Märzinger nicht jedem Gast gestellt. Die Antworten kamen im Gespräch, meist wenn es um Euphorie, Hypes oder verpasste Aktien ging. Hier stehen sie nebeneinander, wörtlich und mit Sprung an die Stelle im Video.

Marios Einordnung

Was fast alle gleich sagen

Keiner behauptet, gegen Gier immun zu sein. Larissa Kravitz hat selbst unter FOMO gelitten, Erik Wimmer nennt das Gehirn einen Wiederholungstäter. Darum verlassen sich die meisten auf etwas Festes: eine Regel, ein Signal oder einen Satz am Arbeitsplatz.

Wo sie sich unterscheiden

Bei dem, was sie mit der Gier machen. Dirk Siebenhaar nimmt Gewinne mit, wenn er selbst zu euphorisch wird oder Leute ihre Performancekurven fotografieren. Stefan Meißner springt nicht auf, wenn eine Aktie bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis über 100 steht, Dr. Dr. Rainer Zitelmann verkaufte die Hälfte seiner Berliner Immobilien in der totalen Euphorie. Dominik Doster, Rüdiger Born und Dr. Hendrik Leber sehen in einer verpassten Chance gar kein Problem.

Was das für dich heißt

Leg dir ein Signal fest, das dir Euphorie anzeigt, bevor sie dich erwischt. Bei Siebenhaar sind das 15 bis 20 Prozent Plus in drei bis fünf Tagen, dann nimmt er ein Viertel oder ein Drittel Gewinn mit und zieht den Stopp auf Einstand. Und ist dir eine Aktie weggelaufen, mach es wie Doster: kein Spontankauf, sondern eine neue Analyse.

Die Antworten im Überblick

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Ergänzungen in eckigen Klammern sind von der Redaktion.

GastKurz gesagt
Erik Wimmer„Gier frisst Hirn“, notfalls ein halbes Jahr kein Trade
Dirk SiebenhaarWird er zu euphorisch, nimmt er Gewinne mit
Gregor LabahnEuphorie zeigt ihm, dass er gerade nicht gut handelt
Larissa KravitzFOMO hält sie für eine der größten Gefahren
Dominik DosterNicht hinterherhecheln, erst neu analysieren
Rüdiger BornDer Markt bietet jeden Tag neue Chancen
Dr. Hendrik LeberAls Fondsmanager: Er setzt auf die Überlebenden eines Trends
Stefan MeißnerNicht aufspringen bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis über 100
Dr. Dr. Rainer ZitelmannImmobilien, nicht Aktien: in der totalen Euphorie verkauft
Tim SchäferIn der Euphorie nicht nur kaufen, was steigt

Gier erkennen und bremsen

„Gier frisst Hirn“, notfalls ein halbes Jahr kein Trade

„Und wenn es einmal ein halbes Jahr lang nichts zum Handeln gibt, dann gibt es nichts zum Handeln. Und das zeichnet dann einen guten Händler aus, auch die Härte zu besitzen, zu sagen, nein, ich warte ab. Und deswegen, Gier frisst Hirn.“
Erik Wimmer Folge 6: 40 Prozent Verlust über Nacht: Wie Erik Wimmer aus einem KI-Fehlgriff sein Handelssystem baute 2:09:26 auf YouTube

Wird er zu euphorisch, nimmt er Gewinne mit

„Das ist ein fester Indikator in meinem Regelwerk. Wenn ich zu euphorisch werde, ich nicht die Nachbarn, sondern wenn ich zu euphorisch werde und mich zu sehr freue, dann ist es an der Zeit, Gewinne mitzunehmen.“
Dirk Siebenhaar  Folge 15: Öffentlich traden als Disziplin-Trick: Wie Dirk Siebenhaar mit engen Stopps den MSCI World schlägt 2:00:07 auf YouTube

Euphorie zeigt ihm, dass er gerade nicht gut handelt

„Aber Emotionen geben dir gewissermaßen den Status darüber, ob du operativ handeln kannst oder nicht. Weil auch Euphorie ist ein Status, von dem ich sagen würde, der ist kein guter Ratgeber.“
Gregor Labahn Folge 13: Ich trade nur, wenn nichts von mir es will: Gregor Labahn über die 90-Prozent-Mindset-Regel im Trading (Ex-UBS, Ex-Berenberg) 1:53:18 auf YouTube

FOMO hält sie für eine der größten Gefahren

„Ja, dieses FOMO finde ich auch immer wieder herausfordernd, aber da muss man sich echt bei der Nase nehmen beim FOMO. FOMO halte ich für eine der größten Gefahren am Kapitalmarkt.“
Larissa Kravitz Folge 32: Kein ETF ist sicher: Warum Larissa Kravitz vor der stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne warnt 2:08:18 auf YouTube

Verpasst ist nicht verloren

Nicht hinterherhecheln, erst neu analysieren

„Also man sollte nicht hinterher hechten. […] Dann sollte ich jetzt nicht einfach mal intuitiv nachkaufen oder kaufen, sondern dann einfach noch mal eine genaue Analyse machen.“
Dominik Doster  Folge 35: Börse ist Kunst, keine Mathematik: Dominik Dosters defensive wikifolio-Strategie 1:31:55 auf YouTube

Der Markt bietet jeden Tag neue Chancen

„Und wenn man dann sagt, ja, aber den hast jetzt verpasst, geil, die machen das jeden Tag wieder neu. Jeden Tag fangen die wieder an und bieten dir da irgendwie so eine Chance“
Rüdiger Born Folge 34: Deine Charts lügen: Warum Rüdiger Born keine einzige schräge Trendlinie zeichnet 1:54:50 auf YouTube

Als Fondsmanager: Er setzt auf die Überlebenden eines Trends

„Also... Verpassen tun wir nichts. Wir müssen nur auf die Stelle setzen, wo die Gewinne später anfallen und auch dauerhaft bleiben.“
Dr. Hendrik Leber  Folge 28: Vom Warren-Buffett-Jünger zum KI-Investor 51:24 auf YouTube

Gegen die Stimmung handeln

Nicht aufspringen bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis über 100

„Ich denke, dann nehme ich wahrscheinlich, gierig, wenn der Markt panisch ist und sei ängstlich oder vorsichtig, wenn der Markt gierig ist. […] und auch nicht aufspringen, wenn wir bei Kursumsatzverhältnissen von jenseits der 100 sind, weil die Aktie scheinbar jeder haben muss.“
Stefan Meißner  Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt 2:20:30 auf YouTube

Immobilien, nicht Aktien: in der totalen Euphorie verkauft

„Ich habe die Hälfte von meinen Immobilien verkauft, am Höhepunkt von ein Jahren, wo die totale Euphorie war […] Verkauft habe ich. Großteil, wo fast jeder gesagt hat, in Berlin muss man unbedingt kaufen.“
Dr. Dr. Rainer Zitelmann Folge 33: Aus 0 Euro wurden 4 Millionen: Wie Rainer Zitelmann gegen den Rat der Bank Vermögen aufbaute 1:09:19 auf YouTube

In der Euphorie nicht nur kaufen, was steigt

„Man sollte schon vorsichtig sein, dass man nicht in der Euphorie da noch voll mit dabei ist und nur Sachen kauft, die nur steigen […]. Und dann kann man da ziemlich böse abstürzen, im schlimmsten Fall.“
Tim Schäfer  Folge 36: Warum ein 70-Prozent-Crash für Tim Schäfer der Idealfall ist: Seine Krisen-Kauf-Regel 1:26:26 auf YouTube
Kostenlose DossiersProfi-Wissen zum Download„So bauen Profis ihr Depot“, „Crash-Handbuch“, „Gier frisst Hirn“ und „Stop-Loss oder nicht?“: die Antworten vieler Profis zu einem Thema, als PDF. Alle Dossiers →

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