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Was ist eine Spekulationsblase?
Spekulationsblase: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Eine Spekulationsblase ist eine Marktphase, in der die Preise einer Anlageklasse weit über ihren fundamental begründbaren Wert steigen, getragen von Euphorie, Herdenverhalten und der Erwartung weiter steigender Kurse. Solche Übertreibungen lassen sich oft erst im Rückblick sicher erkennen. Typische Warnsignale sind extreme Bewertungen, viel Fremdkapital und Anleger, die ohne Vorwissen einsteigen.
Spekulationsblase: Definition und Erklärung
Eine Spekulationsblase entsteht, wenn Preise nicht mehr von Gewinnen, Zinsen oder Substanz getragen werden, sondern vor allem von der Erwartung, dass jemand anderes später noch mehr bezahlt. Im Englischen spricht man von einer bubble, die dahinterliegende Logik wird oft als Greater Fool Theory beschrieben. Kennzeichnend ist, dass Bewertungskennzahlen an Bedeutung verlieren: Solange die Kurse steigen, gilt ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis als Beleg für Zukunftspotenzial statt als Warnsignal.
Blasen ziehen sich durch die gesamte Finanzgeschichte: von der Tulpenmanie in den Niederlanden (1637) über die Südseeblase (1720) und die japanische Aktien- und Immobilienblase Ende der 1980er-Jahre bis zur Dotcom-Blase um das Jahr 2000. In Deutschland steht dafür der Neue Markt, dessen Index Nemax 50 vom Hoch im März 2000 bis 2002 rund 95 Prozent verlor. Am Anfang steht meist eine echte Neuerung, etwa Eisenbahn, Elektrizität oder Internet. Die Technologie bleibt, überzogen sind nur die Preise, zu denen sie gehandelt wird.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Börsencrash: Die Blase beschreibt den Aufbau der Übertreibung, der Crash ist ihr mögliches Ende. Nicht jede Blase endet in einem einzigen Einbruch, manche verlieren über Jahre langsam Luft. Und nicht jeder starke Kursanstieg ist eine Blase. Ob Preise durch spätere Gewinne gerechtfertigt werden, zeigt sich oft erst im Nachhinein. Der frühere US-Notenbankchef Alan Greenspan prägte dafür 1996 den Ausdruck irrational exuberance, also irrationaler Überschwang.
Spekulationsblase erkennen: so funktioniert es
Der Ökonom Hyman Minsky und der Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger haben den typischen Verlauf einer Blase in fünf Phasen beschrieben:
- Auslöser (displacement): Eine neue Technologie, niedrige Zinsen oder eine Deregulierung eröffnen echte Chancen.
- Boom: Die Kurse steigen, die Medien berichten, immer mehr Kapital fließt in das Thema.
- Euphorie: Bewertungen spielen kaum noch eine Rolle, Käufe werden zunehmend mit Krediten finanziert, Neuemissionen häufen sich. Es heißt, diesmal sei alles anders.
- Gewinnmitnahmen: Erfahrene Marktteilnehmer steigen aus, die Kurse schwanken stärker.
- Panik: Die Stimmung kippt, alle wollen gleichzeitig verkaufen. Ab hier beginnt der Crash.
Wie weit sich Kurse von den Fundamentaldaten lösen können, zeigt ein vereinfachtes Rechenbeispiel mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV):
| Gewinn je Aktie zu Beginn | 2,00 € |
|---|---|
| Kurs zu Beginn (KGV 15) | 30 € |
| Kurs nach drei Jahren Euphorie | 120 € |
| Gewinn je Aktie nach drei Jahren (+20 %) | 2,40 € |
| KGV am Höhepunkt | 50 |
Der Kurs hat sich vervierfacht, der Gewinn ist nur um ein Fünftel gestiegen. Kehrt die Bewertung später auf ein KGV von 15 zurück, liegt der faire Kurs bei 15 × 2,40 € = 36 €. Das entspricht einem Rückgang von 70 Prozent vom Hoch, obwohl das Unternehmen in dieser Zeit sogar wachsen konnte. Genau diese Lücke zwischen Kurs und Gewinn ist der Kern jeder Blase.
Spekulationsblase in der Praxis
Eine Blase zu erkennen, ist deutlich leichter als sie zu timen. Ein oft zitierter Börsenspruch sagt, dass Märkte länger irrational bleiben können, als ein Anleger liquide bleibt. Wer zu früh aussteigt oder gar auf fallende Kurse setzt, verpasst unter Umständen noch Jahre mit steigenden Kursen. Wer zu lange bleibt, erlebt den Rückgang voll mit. Viele Profis versuchen deshalb nicht, den Höhepunkt zu treffen, sondern begrenzen ihr Risiko, etwa über Stop-Loss-Marken, Trendfilter wie die 200-Tage-Linie oder eine Umschichtung in weniger heiß gelaufene Branchen.
In der Praxis achten erfahrene Marktteilnehmer auf eine Reihe von Warnsignalen:
- extreme Bewertungen, etwa ein Vielfaches des üblichen KGV oder des Umsatzes,
- steigende Verschuldung, mit der Aktien auf Kredit gekauft werden,
- eine Welle von Börsengängen, die am ersten Tag stark zulegen,
- Menschen ohne Börsenerfahrung, die plötzlich über Aktien, Kryptowährungen oder heiße Themen sprechen,
- das Argument, dass alte Bewertungsregeln für ein neues Zeitalter nicht mehr gelten,
- ein Chartverlauf, der fast senkrecht nach oben geht.
Spekulationsblase bei [Bulle & Mensch]
Viele Gäste haben die Blase am Neuen Markt selbst erlebt, meist mit teurem Lehrgeld. Torsten Maus stieg im Jahr 2000 ein, weil in der Zeitung stand, dass es nur steigen könne. Uwe Jännert beschreibt, wie das KGV damals als uninteressant galt, bis die Stimmung plötzlich kippte. Ihn retteten seine Stops. David Pieper sieht in der Herde den eigentlichen Treiber: Intelligente Menschen verlieren ihre Intelligenz, wenn sie gleichgeschaltet sind. Paul Pleus, Gerd Ackermann und Larissa Kravitz zogen aus ihren Verlusten Lehren für ihre spätere Arbeit mit Bewertungsmodellen, Stop-Loss und Trading-Strategien. Zum Erkennen einer Blase nennen die Gäste einfache Signale: Philipp Haas wird hellhörig, wenn sich Siebtklässler über Aktien unterhalten. Dr. Dr. Rainer Zitelmann liest die Stimmung der Masse an den Preisen ab. Christian Jagd warnt vor Kursverläufen wie einer Fahnenstange, die meist brachial abbrechen.
Beim Thema KI gehen die Meinungen auseinander. Dr. Hendrik Leber hält es für ein Gesetz, dass jede Blase platzt, und rechnet mit etwa zwei Jahren Bereinigung. Er meidet die bekannten Namen und setzt auf Zulieferer. Tristan Post hat seine KI-Aktien verkauft, weil ihm der Markt zu heiß war. Tim Schäfer will den Markt nicht timen, kauft aber derzeit bewusst langweilige Geschäftsmodelle. Stefan Meißner meidet gehypte Aktien und räumt ein, dass der Hype noch Jahre weiterlaufen könnte. Es gibt auch Gegenstimmen: Mirco Recksiek hält das Wort Blase für übertrieben, weil KI-Firmen anders als um das Jahr 2000 echte Umsätze machen. Dirk Siebenhaar nutzt Hype-Phasen als Trendfolger sogar bewusst, weil sich die Kurse dann von den Fundamentaldaten lösen.
💬 Was unsere Gäste über Spekulationsblase sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Dr. Dr. Rainer Zitelmann | Preise zeigen die Stimmung |
| Larissa Kravitz | Aus der Blase gelernt |
| Mirco Recksiek | Gegenstimme: KI ist keine Blase |
| Hendrik Leber | Jede Blase platzt |
| Stefan Meißner | Skeptisch, aber demütig |
| Philipp Haas | Warnsignal: Laien reden über Aktien |
| Christian Jagd | Charttechnik: die Fahnenstange |
| Gerd Ackermann | Stop-Loss schützt nicht vor allem |
| Dirk Siebenhaar | Hype löst Kurse vom KGV |
| Paul Pleus | Hype ist nicht nachhaltig |
| David Pieper | Herdentrieb als Treiber |
| Uwe Jännert | Bewertung zählt nicht mehr |
| Torsten Maus | Einstieg in der Euphorie |
Die Aussagen im Wortlaut
Preise zeigen die Stimmung
„Wenn man die Meinung der Leute kennen will, ist es das Beste, dass du dir die Preise anschaust, wie sie sich entwickeln. Wenn die Preise unten sind oder runterkommen, […] sind die meisten Leute pessimistisch und wenn sie ganz hoch sind, dann sind sie optimistisch.“
Aus der Blase gelernt
„Nachdem ich im Jahr 2000 mein ganzes spekulatives Geld als 15-Jährige verloren habe, dachte ich mir, jetzt musst du dich mit dem Thema wirklich beschäftigen, wie das wirklich funktioniert, weil auch als 15-Jährige habe ich realisiert, 1999, das war einfach eine Bubble.“
Gegenstimme: KI ist keine Blase
„Blase finde ich immer das übertriebene Wort, weil eine Blase würde suggerieren, dass wenn die platzt, dass wirklich alles endet und alles vorbei ist. […] Da waren viele Unternehmen, die einfach nur Internet draufgeschrieben haben, aber keine Umsätze gemacht. Jetzt sprechen wir von echten Umsätzen.“
Jede Blase platzt
„Das muss man aushalten als Value Investor, dass man nicht immer Mainstream ist. Ich habe eher eine andere Sorge. Für mich ist Gesetz, dass der Boom platzen muss. Jeder Boom platzt. Jede Blase platzt. War noch nie anders in der Menschheitsgeschichte.“
Skeptisch, aber demütig
„Ich habe jetzt auch im Global Yield […] den Markt nicht überragend outperformed, aber ich habe es eben komplett ohne die ganzen gehypten Aktien gemacht, gegenüber denen ich sehr skeptisch bin. Vielleicht irre ich mich ja auch und die hypen noch mal drei Jahre weiter.“
Warnsignal: Laien reden über Aktien
„Ich habe den neuen Markt noch mitgemacht. Deswegen habe ich auch mal gesagt, wenn sich die Siebtklässler über Aktien unterhalten, dann sind wir in einer Aktienblase.“
Charttechnik: die Fahnenstange
„Und so Fahnenstangen sind immer schwer zu handeln, weil einmal weiß man nicht, wie hoch geht sie. Dann, wenn es abbricht, bricht sie meistens relativ brachial dann ab. […] Wie gesagt, es kann weiterlaufen. Man wird natürlich Rendite verschenken, wenn man zu früh rausgeht.“
Stop-Loss schützt nicht vor allem
„Zum Glück hatte ich die Stop-Loss-Lektion damals schon verstanden, aber das hat mich nicht vor Verlusten gerettet. Das Luftablassen aus der Dotcom-Blase war für mich teuer.“
Hype löst Kurse vom KGV
„Das gefiel mir dazu noch so schön, dass die Amerikaner so pathetisch sind. Wenn die in einem Hype sind und schweben, dann entkoppeln sie das fundamental. […] Das ist jetzt aber doch recht teuer für die Aktie mit dem KGV und so. Das spielt plötzlich kaum eine Rolle mehr.“
Hype ist nicht nachhaltig
„Es war ein Hype da, der war unwahrscheinlich und alles musste hoch. Es gibt diesen schönen Spruch, die Flut hebt alle Boote. Das war zu der Zeit mit Sicherheit so. Alle Boote sind gestiegen, aber das ist nicht nachhaltig.“
Herdentrieb als Treiber
„Man lacht immer drüber und sagt, das ist doch klar und das muss doch schiefgehen und es ist eine Blase. Intelligente Menschen in einer großen Herde verlieren so ein bisschen ihre Intelligenz, wenn sie gleichgeschaltet sind.“
Bewertung zählt nicht mehr
„Am Anfang haben alle gekauft, weil die Sache so gut ist, […] das Wachstum ist da. Geld verdienen, red nicht von sowas. KGV uninteressant, die wachsen, die wachsen, die wachsen. Wir werden alle reich, wir werden Millionäre. Aber auf einmal kippte die Stimmung.“
Einstieg in der Euphorie
„Ich habe dann so die ersten Aktien gekauft und bin dann davon ausgegangen, dass es eigentlich nur hochgehen kann, weil das ja so in der Zeitung steht, dass das nur steigen kann. Dann war ich überrascht, […] wie schnell das Geld dann weniger geworden ist auf dem Konto, als diese Blase geplatzt ist.“
🎙️ Folgen zum Thema Spekulationsblase
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