Podcast-Gast · Folge 28
Dr. Hendrik Leber
Hendrik Leber verbindet Value Investing nach Buffett mit künstlicher Intelligenz. Ein eigenes Bewertungsmodell rechnet für jede Firma die erwartete Rendite aus der Bilanz, KI-Modelle auf Fundamentaldaten stellen Portfolios zusammen, und Wachstum zählt für ihn zum Wert.
Über Dr. Hendrik Leber
Leber kam schon als Kind zur Börse: Als Zehnjähriger kaufte er von seinem Taschengeld seine erste Aktie und ging danach regelmäßig zur Bank, um am Kursaushang nachzuschauen, ob sie gestiegen oder gefallen war. Sein Vater arbeitete im Finanzbereich eines Edelstahlherstellers und notierte seit Kriegsende täglich die Börsenkurse. Er erklärte seinem Sohn die Mechanik dahinter. Über sich selbst sagt Hendrik Leber rückblickend: „Also ich war sehr früh neugierig zu dem, was sich in der Wirtschaft tut.“
Nach dem BWL-Studium ging er bewusst antizyklisch in einen Beruf ohne Numerus clausus, arbeitete bei McKinsey und im Corporate Finance beim Bankhaus Metzler. Der Wendepunkt kam, als er als junger Berufseinsteiger einen Brief an Warren Buffett schrieb und um dessen Geschäftsberichte bat. Die Antwort: „Please put 20 Dollar into an Envelope.“ Hendrik Leber schickte das Geld, bekam 20 Jahre Geschäftsberichte per Post zugeschickt und las sie alle. 1994 gründete er gemeinsam mit seiner Frau ACATIS.
So investiert Dr. Hendrik Leber
Aus dem Gespräch in Folge 28 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Leber kauft Aktien weltweit, mehrheitlich nach Value-Kriterien. In einem Fonds nimmt er auch spekulative Firmen auf, die noch Verluste machen. Privat und im Fonds hält er Bitcoin, weil das Angebot begrenzt ist.
„Und an einer Stelle mache ich auch spekulative Dinge.“
▶ Folge 28 · 4:21
Haltedauer
Leber setzt auf langen Atem. Berkshire Hathaway liegt seit fast 30 Jahren ununterbrochen im ersten Fonds, den er 30 Jahre am Stück gemanagt hat. Kurzfristig kann er Rendite nach eigener Aussage nicht steuern.
„Wir haben eine Aktie, die Berkshire, seitdem ununterbrochen dabei.“
▶ Folge 28 · 1:24:41
Auswahl und Einstieg
Ein mit Professor Penman entwickeltes Modell rechnet für jede Firma mit verfügbaren Daten die erwartete Rendite, ausgehend von der Bilanz. Den Umsatz schreibt er zehn Jahre fort, dazu prüft er Qualität und Marktanteilsgewinne. Kandidaten aus Konferenzen und Team siebt er Schritt für Schritt aus.
„Und daraus haben wir ein Bewertungsmodell gebaut, das wir weltweit für jede Firma auf der Welt für die Daten vorliegen rechnen.“
▶ Folge 28 · 6:17
Portfolio und Positionsgröße
Als Leitschnur für die Regionen gelten 50 Prozent USA, 30 Prozent Europa, 10 Prozent Japan und 10 Prozent China. Die KI schlägt Gewichte vor, etwa drei oder fünf Prozent je Titel. Bei den Branchen orientiert er sich grob an der Welt, IT liegt bei rund 35 Prozent.
„Da arbeiten wir mit 50 Prozent USA, 30 Prozent Europa, 10 Prozent Japan, 10 Prozent China.“
▶ Folge 28 · 38:30
Risiko und Verkauf
Verkauft wird, wenn eine Firma durch Zukäufe zu viel Kapital bindet und die Rendite sinkt. Bei zu hohen Kursen nimmt Leber Gewinne mit und kauft billiger nach. Für das erwartete Platzen des KI-Booms hat er in konservativere Titel umgeschichtet.
„Wir haben schon Firmen verkauft, die zu viel dazu gekauft haben an Konkurrenzfirmen“
▶ Folge 28 · 32:35
Fehler und was daraus wurde
Bei russischen Aktien sah die Bewertung attraktiv aus, das Geld kam aber nicht bei den Aktionären an. Heute misst die Kennziffer TSVC, ob eine Firma mehr an die Aktionäre zurückgibt, als sie hereinholt. Bei Griechenland setzte er darauf, dass die Politik das Land nicht rettet, und seine Anleihen wurden wertlos.
„da dachte ich, die Bewertung ist so attraktiv, warum werde ich nicht reicher mit diesen komischen Titeln?“
▶ Folge 28 · 6:52
Umgang mit Verlusten
Etwa alle zwei bis fünf Jahre erlebte Leber erhebliche Rückschläge, von der Finanzkrise bis Corona. Weil er alle Krisen schon einmal gesehen hat, bleibt er ruhig und wird auch in guten Phasen nicht euphorisch.
„Etwa alle zwei bis fünf Jahre gab es erhebliche Rückschläge.“
▶ Folge 28 · 1:44:37
Arbeitsweise und Werkzeuge
Eine wichtige Quelle sind Broker-Konferenzen, auf denen er in zwei bis drei Tagen rund 50 Firmen trifft. Dazu kommen das Portal AlphaSense, Expertengespräche und KI-Erklärungen auf Abiturniveau. Im Team sind seine Themen Biotech, KI und Infrastruktur.
„Und da sieht man oder kann man sehen in zwei oder drei Tagen Hunderte von Firmen.“
▶ Folge 28 · 19:42
KI-Modell auf Fundamentaldaten
Seit 2016 setzt Acatis KI in Fonds ein. Das Modell simuliert tausende mögliche Welten für 60 bis 90 Tage und baut mit einem evolutionären Algorithmus stabile Portfolios. Ein zehnköpfiges Team arbeitet daran, aktuell an Modell 47.
„und simulieren mehrere tausend mögliche Welten, wie die Welt aussehen könnte in 60 Tagen oder 90 Tagen.“
▶ Folge 28 · 1:00:03
Wachstum gehört zu Value
Für Leber ist Wachstum Teil der Value-Gleichung. Eine Firma, die profitabel schnell wächst, kann Value sein, auch bei hoher Bewertung. Wer kauft, weil eine Aktie schon gestiegen ist, betreibt Momentum.
„Denn Growth ist Teil der Value-Gleichung.“
▶ Folge 28 · 9:50
KI-Anteil über die Zulieferer
Rund 30 Prozent KI-Anteil hält Leber über wenig bekannte Zulieferer der Chipproduktion statt über die gehypten Namen. Er rechnet fest mit dem Platzen des KI-Booms und mit etwa zwei Jahren Bereinigung.
„sicher um die 30 % KI-Anteil, aber eben nicht die Namen, die hochgetrieben wird, sondern die, die man nicht so kennt.“
▶ Folge 28 · 53:24
Buchtipps von Dr. Hendrik Leber
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Mehr Erfahrungen →… Gute Fragen auch vom Interviewer. Habe den Kanal erst durch dieses Video entdeckt und lasse mal ein Abo da.
Ich finde die Einschätzung von Herrn Leber zur KI sehr interessant. Vielen Dank
Sehr interessantes und anspruchsvolles Video. Hr. Leber hat tiefes Fachwissen und möchte die Firmen die er kauft, ziemlich tief verstehen. Auch sein Interesse an Geschäftsmodellen und neuer Technologie ist bemerkenswert. … Dieses Mal ging es nicht um einzelne Unternehmen bzw. Aktien, sondern um den Mensch und die größten Fehlschläge, um von der langen Erfahrung zu profitieren. Sehr gutes Interview, gute Fragen. Weiter so.
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