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Was sind zyklische Aktien?
Zyklische Aktien: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Zyklische Aktien sind Aktien von Unternehmen, deren Umsätze und Gewinne stark vom Auf und Ab der Konjunktur abhängen. Typische Beispiele sind Autohersteller, Chemie, Stahl, Halbleiter oder Reedereien. Im Aufschwung steigen ihre Gewinne oft überproportional, im Abschwung brechen sie ein. Das Gegenstück sind defensive Aktien, etwa aus Basiskonsum, Gesundheit oder Versorgung.
Zyklische Aktien: Definition und Erklärung
Zyklische Aktien gehören zu Unternehmen, deren Geschäft eng am Wirtschaftszyklus hängt. Im Englischen spricht man von Cyclicals oder Cyclical Stocks. Wenn die Wirtschaft wächst, kaufen Verbraucher Autos, Unternehmen investieren in Maschinen, Chips und Chemikalien, und Rohstoffe werden knapp. Kühlt die Konjunktur ab, werden genau diese Ausgaben zuerst verschoben. Die Folge: Gewinne und Aktienkurse schwanken bei Zyklikern deutlich stärker als beim Gesamtmarkt.
Typische zyklische Branchen sind Automobil, Chemie, Stahl und Metalle, Maschinenbau, Bau, Halbleiter, Reisen, Luftfahrt und Schifffahrt. Das Gegenstück sind defensive Aktien (Defensives): Unternehmen aus Basiskonsum, Gesundheit, Versorgung oder Entsorgung, deren Produkte auch in der Rezession gebraucht werden. Zahnpasta, Medikamente, Strom und Müllabfuhr fragt man auch dann nach, wenn niemand ein neues Auto kauft.
Wichtig: Zyklisch heißt nicht schlecht und defensiv heißt nicht sicher. Zykliker können im Aufschwung sehr hohe Renditen bringen, defensive Aktien können zu teuer bewertet sein. Die Einordnung ist außerdem nicht immer eindeutig, denn manche Unternehmen gelten als zyklisch, obwohl ihr Geschäft stabiler ist als ihr Ruf – und umgekehrt.
Zyklische Aktien erkennen: so funktioniert es
Der Kern ist die sogenannte operative Hebelwirkung (Operating Leverage). Zyklische Unternehmen haben meist hohe Fixkosten für Fabriken, Anlagen und Personal. Sinkt der Umsatz, bleiben diese Kosten weitgehend bestehen – der Gewinn fällt deshalb viel stärker als der Umsatz.
| Umsatz im Normaljahr | 1.000 Mio. € |
|---|---|
| Fixkosten | 300 Mio. € |
| Variable Kosten (60 % vom Umsatz) | 600 Mio. € |
| Gewinn im Normaljahr | 100 Mio. € |
| Umsatz in der Rezession (−20 %) | 800 Mio. € |
| Variable Kosten in der Rezession | 480 Mio. € |
| Gewinn in der Rezession | 20 Mio. € (−80 %) |
Ein Umsatzrückgang von 20 Prozent lässt den Gewinn in diesem Beispiel um 80 Prozent einbrechen. Im Aufschwung wirkt derselbe Hebel in die andere Richtung.
Daraus folgt die bekannte KGV-Falle: Auf dem Höhepunkt des Zyklus sind die Gewinne am höchsten, das Kurs-Gewinn-Verhältnis wirkt deshalb besonders niedrig und die Aktie scheinbar günstig – obwohl die Gewinne bald wieder sinken. Am Tiefpunkt sind die Gewinne dagegen klein oder negativ, das KGV ist hoch oder gar nicht berechenbar, obwohl die Aktie oft schon viel Schlechtes eingepreist hat. Bei Zyklikern schauen viele Analysten deshalb auf Durchschnittsgewinne über einen ganzen Zyklus oder auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis.
Zyklische Aktien in der Praxis
An der Börse wechseln Anleger je nach Konjunkturerwartung zwischen zyklischen und defensiven Sektoren. Diese Sektorrotation zeigt sich oft früh: Steigen Zykliker wie Halbleiter oder Industriewerte, deutet das auf Zuversicht (Risk-on) hin; fließt Geld in Versorger, Gesundheit oder Konsumgüter, sind die Anleger vorsichtiger (Risk-off). Weil Aktienkurse der Wirtschaft vorauslaufen, beginnen zyklische Aktien häufig schon mitten in der Rezession zu steigen und fallen oft schon, während die Wirtschaftsdaten noch gut aussehen.
In der Praxis achten Marktteilnehmer bei Zyklikern besonders auf:
- Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes, Auftragseingänge und Zinsentwicklung,
- Rohstoff- und Produktpreise, etwa Stahl-, Chip- oder Frachtraten,
- die Bewertung über den ganzen Zyklus statt nur auf das aktuelle KGV,
- die Bilanz: Wer mit wenig Schulden in den Abschwung geht, übersteht ihn eher,
- die Mischung im Depot: Zyklische und defensive Aktien reagieren unterschiedlich auf Konjunkturphasen und können sich ergänzen.
Zyklische Aktien bei [Bulle & Mensch]
Mehrere Gäste nutzen den Unterschied zwischen zyklisch und defensiv bewusst. Torsten Maus schaut bei der Marktphasenbestimmung, ob Geld in Risk-on-Sektoren oder in defensive Sektoren fließt, und verbindet die Entwicklung zyklischer Aktien mit der Rohstoffnachfrage, etwa über Stahlpreise. Christian Jagd beobachtet, wie defensive Werte wie Wasser- und Müllunternehmen leiden, wenn Geld in KI-Aktien wandert, und erwartet, dass es bei einem Trendbruch zurückfließt. Dominik Doster setzt auf defensive Aktien, die im Bullenmarkt etwas weniger steigen, im fallenden Markt aber weniger stark fallen. Stefan Meißner stuft das Risiko eines Einzelinvestments danach ein, ob es ein Konsumgüterriese mit konstanten Gewinnen oder ein Autobauer ist.
Es gibt auch deutliche Vorbehalte gegenüber Zyklikern. Philipp Haas meidet sie weitgehend, weil sein Modell des fairen KGV auf stetigen Gewinnen beruht und das KGV bei Zyklikern am Gipfel irreführend niedrig ist. Oliver Klemm erinnert daran, dass Halbleiter massiv zyklisch sind und jeder Boom neue Fabriken nach sich zieht. Dr. Hendrik Leber zeigt, dass die Einordnung täuschen kann: Den Getränkemaschinenhersteller Krones hielt er lange für zyklisch, bis das Management ihm das Gegenteil erklärte. Tim Schäfer wiederum hält mit einem US-Eierproduzenten eine Aktie, deren Geschäft in Zyklen aus Überproduktion und Bereinigung verläuft.
💬 Was unsere Gäste über Zyklische Aktien sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Oliver Klemm | Halbleiter sind massiv zyklisch |
| Hendrik Leber | Zyklisch oder nicht: Wahrnehmung kann täuschen |
| Stefan Meißner | Konsumriese vs. Autobauer: Risiko abstufen |
| Philipp Haas | Meidet Zykliker wegen der KGV-Falle |
| Christian Jagd | Geld rotiert zurück in defensive Werte |
| Torsten Maus | Zykliker folgen der Rohstoffnachfrage |
Die Aussagen im Wortlaut
Halbleiter sind massiv zyklisch
„[…] Siemens kann und will sich Infineon nicht leisten, weil das eine Halbleiterfirma ist, weil Halbleiter normalerweise massiv zyklisch sind. Früher gab es Computerzyklen, da haben sich alle gefreut, wenn es ein neues Windows gab. […] Jetzt ist es mit der KI und so weiter ja dasselbe.“
Zyklisch oder nicht: Wahrnehmung kann täuschen
„Oder neulich bei der Krones, dem Getränke-Maschinenhersteller, wo ich dachte, ihr seid doch zyklisch. Nein, wir sind überhaupt nicht zyklisch. Ich habe die Firma immer falsch wahrgenommen.“
Konsumriese vs. Autobauer: Risiko abstufen
„[…] wie riskant halte ich jetzt ein Einzelinvestment, ob das jetzt ein Procter und Gamble ist, also irgendein riesiger Konsumgüterhersteller mit konstantem Gewinn seit mehreren Dekaden, oder ob das eben ein Autobauer ist, was so in der Mitte liegt, oder irgendein junges Fintech, wo man noch nicht so ganz weiß, was in drei Jahren ist.“
Meidet Zykliker wegen der KGV-Falle
„Am Peak haben die Aktien manchmal so 3er-KGVs. Und am Low sind sie irgendwie negativ. […] Also Zykliker versuche ich auch ein bisschen zu vermeiden. Es sei denn, man hat eine Makrothese und möchte zum Beispiel Rohstoffe spielen.“
Geld rotiert zurück in defensive Werte
„Ich bin ein Fan von Wasserausrüster, die praktisch dafür sorgen, dass sauberes Wasser aus den Leitungen kommt, oder Müllfirmen. […] Solche Werte leiden natürlich gerade darunter, dass Geld rausgezogen wird und eben in KI-Unternehmen gesteckt wird. Und wenn dieser Trend abbricht, dann geht auch wieder Geld zurück in die defensiven Werte.“
Zykliker folgen der Rohstoffnachfrage
„Positive Entwicklungen bei den zyklischen Aktien zum Beispiel sind stark korreliert mit steigender Rohstoffnachfrage. Wenn man über Stahlaktien redet und man geht davon aus, ob Stahlaktien jetzt positiv sich entwickeln werden, dann guckt man sich auch mal den Spotmarkt der Stahlsorten an […].“
🎙️ Folgen zum Thema Zyklische Aktien
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