Podcast-Gast · Folge 25
Philipp Haas
Philipp Haas leitet aus 16 Qualitätskriterien ein „faires KGV“ ab und kauft, wenn der Markt darunter bewertet. Die Positionsgröße wächst in Stufen mit Unterbewertung, Momentum und einer eigenen Alpha-Idee.
Über Philipp Haas
Philipp Haas hat Wirtschaft in St. Gallen studiert und danach im Fintech-Umfeld gearbeitet, wo er den deutschsprachigen Markt beobachtet hat. Parallel begann er, Aktien öffentlich auf wikifolio zu bewerten, einen Investment-Blog zu schreiben und später einen YouTube-Kanal zu starten. Aus diesem öffentlichen Track Record entstand die Idee, einen eigenen Aktienfonds zu gründen: Haas Invest4 Innovation, einen global investierenden Wachstumsfonds. Daneben betreibt Philipp Haas mehrere wikifolios, darunter das offensivere wikifolio „Nebenwerte Europa*“ und das defensivere wikifolio „Nachhaltige Dividendenstars*“. 2020 veröffentlichte er sein Buch „Die Kunst des Investierens“, in dem er sein Wissen in Romanform verpackt hat.
So investiert Philipp Haas
Aus dem Gespräch in Folge 25 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er investiert ausschließlich in Aktien, ohne Derivate und ohne ETFs. Im Fonds liegen weltweit Wachstumsfirmen mit technologischer Komponente. Defizitäre Biotech-Werte lässt er aus, Zykliker meidet er meist, weil das faire KGV bei schwankenden Gewinnen schlecht greift.
„Ich investiere per se nur in Aktien. glaube aber, man kann über Aktien auch irgendwie alles abdecken.“
▶ Folge 25 · 1:06:04
Haltedauer
Er denkt in Zeiträumen von zwei bis drei Jahren. Auf diese Sicht zählt nach seiner Erfahrung die Qualität einer Firma mehr als kurzfristige Kursdaten.
„gerade wenn man den Zeithorizont auf Sicht von zwei, drei Jahre hat, da können die Quanten gar nicht so viel besser sein“
▶ Folge 25 · 1:50:52
Auswahl und Einstieg
Jede Firma bekommt nach 16 gleich gewichteten Kriterien aus Finanzen, Kultur, Markt und Geschäftsmodell eine Note von 1 bis 10. Note 7 entspricht einem fairen KGV von 15, Note 8 einem KGV von 20, Note 9 einem KGV von 30. Bei ähnlichem KGV kauft er die bessere Firma.
„nach diesen 16 Kriterien, habe ja so paar genannt, Marke, Geschäftsmodell, Wachstum, Markt, Zyklus, gibt es einfach so eine Note von 1 bis 10.“
▶ Folge 25 · 29:50
Portfolio und Positionsgröße
Die Gewichtung folgt festen Stufen. Eine gute Firma ohne Unterbewertung kommt mit 0,2 bis 0,3 Prozent als Beobachtungsposition ins Depot, bei Unterbewertung nach fairem KGV mit 1 Prozent, mit positivem Momentum mit 2 Prozent. Kommt eine eigene Alpha-Idee dazu, startet die Kernposition bei 4 bis 5 Prozent.
„Und dann wird es mit 4-5 % gewichtet initial und kann natürlich damit gewinnen. Die kann man dann laufen lassen.“
▶ Folge 25 · 40:17
Risiko und Verkauf
Feste Stops setzt er nicht. Geht der Momentum-Score auf Rot, schaut er sich die Aktie an, dann zählen auch Unterstützungslinien. In Corona brach das Momentum und das System baute automatisch Cash auf.
„Indirekt. Es gibt ja diesen Momentum-Score, der kann dann auf Rot gehen. Ich schaue mir dann natürlich Aktien an.“
▶ Folge 25 · 1:00:52
Fehler und was daraus wurde
Früh setzte er auf einen günstigen, auffällig profitablen E-Commerce-Anbieter mit schwachem Team, der Insolvenz anmeldete. Seitdem prüft er Lebenslauf der Gründer, Unternehmenskultur, Geschäftsmodell und Marke. Daraus entstand das Modell des fairen KGV.
„Und dann habe ich angefangen, dass man halt auch sagt, ich schaue mir den CV von den Gründern oder vom CEO an“
▶ Folge 25 · 27:12
Umgang mit Verlusten
Im ersten Fondsjahr verlor die Strategie 28 Prozent, das schlechteste Jahr überhaupt. Innerhalb von zwei Jahren holte er das auf, ohne mehr Risiko zu nehmen, weil ein großer Teil seines eigenen Vermögens im Fonds liegt.
„aber war natürlich trotzdem mit Abstand schlechteste Jahr überhaupt von der Strategie. Aber innerhalb von zwei Jahren habe ich es ausgeglichen“
▶ Folge 25 · 1:12:11
Arbeitsweise und Werkzeuge
Ein selbst gebautes Tool verbindet seine Noten mit aktuellen Kursdaten zu Scores und markiert neue Signale. Jeden Trade setzt er von Hand um. Daten holt er meist von Market Screener, KI nutzt er für Research zu Wettbewerbern und Red Flags.
„KI hilft mir bei der fundamentalen Research. Das Tool habe ich selber gebaut.“
▶ Folge 25 · 1:01:24
Mini-Position zum Beobachten
Auch bei hoch bewerteten Qualitätsfirmen hält er eine kleine Position, weil er eine Aktie im Depot genauer verfolgt. Fällt der Kurs, kann er schnell aufstocken, die Arbeit ist dann schon gemacht. Den Ansatz leitet er auch daraus ab, dass er Bitcoin bei 510 Dollar nicht gekauft hat.
„weil es ist einfach so, man verfolgt eine Aktie anders, wenn man sie hat.“
▶ Folge 25 · 38:33
Alpha-Idee aus eigenem Wissen
Die größte Gewichtung bekommt eine These, die der Markt noch nicht sieht. Bei der Match Group half ihm, dass er den Online-Dating-Markt aus seiner Zeit bei Holtzbrinck kannte und das Potenzial von Tinder früh einschätzte.
„Und da glaube ich schon, dass ich einen gewissen Informationsvorteil hatte und das Tick schneller mitbekommen als jetzt irgendwie Wall Street.“
▶ Folge 25 · 43:25
Makro-Matrix für Regionen und Cash
Ein drittes Modell steuert die Cashquote und die Gewichtung von fünf Regionen: USA, Eurozone, Schwellenländer, China und andere Industrieländer. Jede Region hat eine Standardallokation, die Ampeln zu Bewertung, Momentum, Wachstum und Stimmung nach oben oder unten verschieben.
„Und dann gibt es das dritte Modell, wo ich eher sagen würde, ich steuere die Risiken“
▶ Folge 25 · 54:50
Buchtipps von Philipp Haas
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Kommentare
Mehr Erfahrungen →Philipp hat mir den Weg zu wikifolio eröffnet. Ich bin ewig dankbar dafür! ❤
Spannender Lebensweg, man merkt die Gene als Unternehmer. 👍 … Insgesamt ein informatives Interview mit guten Nachfragen.
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