Podcast-Gast · Folge 31
Oliver Klemm
Oliver Klemm tradet fast nur den DAX-Future im Minutenbereich und liest Angebot und Nachfrage direkt aus Preisstruktur, Volumen und Market Profile. Fundamentale Bewertungen spielen für seine Entscheidungen keine Rolle.
Über Oliver Klemm
Oliver Klemm wuchs mit dem Wirtschaftsteil der FAZ am Frühstückstisch auf. Sein Vater, Staatsanwalt, richtete ihm mit zehn Jahren einen Dauerauftrag in eine sechsprozentige Anleihe ein. Zu langweilig, fand Oliver, er wollte Aktien. 1982 begann er bei der Deutschen Bank in Frankfurt: Von über 2.000 Bewerbern kamen 93 durch den Aufnahmetest, nur einer von 27 Interessenten wurde in die Börsenabteilung übernommen: er selbst. Es folgten Stationen bei Westfalenbank und BNP Paribas, 1997 dann die eigene Wertpapierhandelsbank mit Mitgliedschaften an Frankfurter Börse, Xetra, Eurex und Euronext und Kunden wie JP Morgan, Goldman Sachs, Fidelity und UBS. Nach dem Verkauf der Firma und persönlichen Krisen (darunter ein Schlaganfall in Zypern) coacht er heute rund 600 aktive Trader und hat über 1,5 Millionen eigene Trades hinter sich.
So tradet Oliver Klemm
Aus dem Gespräch in Folge 31 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Klemm handelt fast ausschließlich den DAX-Future. Gelegentlich kommen Nasdaq- und S&P-Futures sowie Gold- oder Ölfutures dazu. Die Beschränkung begründet er mit Fokus.
„Ich handel gelegentlich Nasdaq oder den S&P und auch dann und wann mal Rohstoffe. Also mal ein Goldfuture, ein Ölfuture.“
▶ Folge 31 · 42:57
Haltedauer
Die meisten Trades dauern 7 bis höchstens 15 Minuten. Er analysiert im 15-Minuten-Chart und handelt im 3- oder 1-Minuten-Chart. Stundenkerzen sind ihm zu lang, weil die Stopps dafür zu weit wären.
„in der Regel zwischen 7 und maximal vielleicht 15 Minuten. Ja, es gibt auch Ausnahmen, aber die meisten sind in dem Fenster.“
▶ Folge 31 · 45:59
Auswahl und Einstieg
Vor Handelsbeginn markiert er Unterstützungen, Widerstände, volumengewichtete Durchschnitte und Value-Area-Grenzen. Im Chart prüft er, ob der Markt höhere Hochs und höhere Tiefs bildet und jede Kerze Preisfortschritt zeigt. In einer positiven Struktur sucht er Kaufsignale an Unterstützungen und will spätestens beim Ausbruch aus der heutigen und der gestrigen Value Area dabei sein.
„in einer positiven Struktur jede mögliche Gelegenheit ergreife, an einer Unterstützung ein Kaufsignal zu bekommen.“
▶ Folge 31 · 47:17
Risiko und Verkauf
Sein absoluter Maximalstopp liegt bei 30 DAX-Punkten, meist steigt er früher aus und verliert 8 bis 15 Punkte. Jede Order hat ein Ziel, das zu zwei Dritteln feststeht. In dynamischen Märkten lässt er einen Rest als Läufer weiterlaufen.
„mein Maximum-Stopp, absolute Maximum ist 30 Punkte im Dax.“
▶ Folge 31 · 49:58
Fehler und was daraus wurde
Früher hielt er gegen laufende Bewegungen, weil er einen Rücklauf erwartete. An einem Tag verlor er so 368.000 Euro mit 90 Futures auf der falschen Seite. Seit dem nächsten Tag gilt für ihn ein Tagesverlustlimit von 30.000 Euro.
„da habe ich an einem Tag selbst mein Geld 368.000 Euro verloren, weil ich da den ganzen Tag dagegen gehalten habe.“
▶ Folge 31 · 1:58:54
Umgang mit Verlusten
Ob ein einzelner Trade gewinnt, weiß er vorher nicht. Er trifft deshalb immer dieselbe Entscheidung nach seinen Regeln und rechnet über viele Trades mit einem Korridor von Gewinnen. Eine Verlustwoche erwartet er nicht.
„Der einzige Weg ist aber immer, dieselbe Entscheidung zu treffen, weil wir in einer probabilistischen Umwelt leben.“
▶ Folge 31 · 39:00
Arbeitsweise und Werkzeuge
Er handelt meist dreimal pro Woche von 8 bis 12 Uhr, weil sein Fokus nach drei bis vier Stunden nachlässt. Außerhalb dieser Zeit verfolgt er den Markt nicht. Nachrichten und Squawk-Boxen laufen live mit, damit er auf Meldungen reagieren kann, bevor der Markt sie verarbeitet.
„Ich bin auch mit meinen fast 63 Jahren, bin ich nach 3-4 Stunden Handel mental gar nicht mehr in der Lage, Fokus zu haben.“
▶ Folge 31 · 43:32
Echtzeit statt nachlaufender Indikatoren
Klassische Indikatoren nutzt er nicht mehr, weil sie nachlaufen. Er arbeitet mit Market- und Volumenprofil, Preisstruktur sowie volumengewichteten Durchschnitten und Point of Control innerhalb jeder Kerze. Alles davon bildet sich in Echtzeit.
„Ich benutze zum Beispiel keinerlei Indikatoren mehr, weil das Nachlaufen des Zeugs ist. Alles was ich mache ist Realtime Indikatoren.“
▶ Folge 31 · 1:17:05
Außenstäbe zeigen die Fahrtrichtung
Vereinfacht ist ein Außenstab für ihn eine Kerze, die über dem Hoch oder unter dem Tief der Vorkerze schließt. Solche Kerzen färbt er in seinem Chart auffällig ein, etwa himbeerfarben oder lila. Sie zeigen ihm einen Wechsel der Richtung an.
„Es ist ein Außenstab. Das heißt, bekomme die Information, hat sich etwas geändert in der Fahrtrichtung.“
▶ Folge 31 · 1:20:22
Nie gegen die Bewegung
Solange eine Bewegung intakt ist, folgt er ihr, ohne zu fragen, ob der Kurs zu hoch oder zu niedrig ist. Seine Meinung gibt er auf, sobald der Markt anders handelt.
„solange die Bewegung intakt ist, folge ich der Bewegung.“
▶ Folge 31 · 1:08:03
Buchtipps von Oliver Klemm
Buchtipps aller Gäste →Kommentare
Mehr Erfahrungen →Danke für das tolle Gespräch! Wir hätten locker noch ein paar Stunden weitermachen können. Allen viel Erfolg an den Märkten 👍
Interessantes und lehrreiches Gespräch, dass tiefe Einblicke gewährt, wie die Börse wirklich funktioniert.
Wow! Fing an als Trading Philosophie und entpuppte sich als Lebensphilosophie! Noch nie zuvor von Olli gehört. …
Danke dir Oliver für den tollen und tiefen Einblick. Hat mich sehr berührt. Freu mich dich hier gefunden zu haben, also danke auch an Mario für das Video. …
oli kenn ich schon sehr lange fast 40 jahre, und er ist einer der wenigen die sehr bodenstaendig geblieben sind aus der szene und er weis wirklich von was er spricht ! schoene gruesse lieber oli vom "Einbeinigen"
Wieder ein super Interview. Oliver ist klar in der Sprache, davon müsste es mehr geben. Klasse Typ. 👍 Seinen trading Ansatz kann ich gut nachvollziehen, price action und Unterstützung und Widerstand sowie dem Trend folgen ist auch mein Ansatz … Folge der Struktur und halte nicht dagegen sind ein klasse Schlusswort. … Also super Interview mit guten Fragen, hat mich wieder ein Stück vorangebracht.
Weitere Gäste
Alle Gäste →












