Begriff · Trading
Was sind Unterstützung und Widerstand?
Unterstützung und Widerstand: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Unterstützung und Widerstand sind Kursbereiche im Chart, an denen ein Kurs in der Vergangenheit wiederholt gedreht hat. An einer Unterstützung überwiegt das Kaufinteresse, an einem Widerstand das Verkaufsinteresse. Trader nutzen diese Marken, um Einstiege, Stopps und Ziele zu planen, und achten besonders darauf, ob eine Marke hält oder durchbrochen wird.
Unterstützung und Widerstand: Definition und Erklärung
Unterstützung und Widerstand gehören zu den Grundbegriffen der Charttechnik. Im Englischen heißen sie Support und Resistance. Eine Unterstützung ist ein Kursbereich unterhalb des aktuellen Kurses, an dem fallende Kurse in der Vergangenheit gestoppt und wieder nach oben gedreht haben. Ein Widerstand liegt darüber: Dort sind steigende Kurse mehrfach an ihre Grenze gestoßen und wieder gefallen.
Die Erklärung dahinter ist Angebot und Nachfrage. An einer Unterstützung finden sich genug Käufer, die den Preis für günstig halten; an einem Widerstand nehmen Anleger Gewinne mit oder steigen aus, die zuvor zu diesem Preis gekauft haben. Weil viele Marktteilnehmer auf dieselben Marken schauen, erfüllen sich solche Zonen oft selbst – aber eben nicht immer. Eine Marke ist kein Naturgesetz, sondern eine Wahrscheinlichkeit.
Besonders wichtig ist, was passiert, wenn eine Marke bricht. Durchbricht der Kurs einen Widerstand nachhaltig, spricht man von einem Ausbruch (Breakout). Häufig wird der alte Widerstand danach zur neuen Unterstützung (Rollentausch). Kehrt der Kurs dagegen schnell unter die Marke zurück, spricht man von einem Fehlausbruch (False Break oder Fakeout).
Unterstützung und Widerstand im Chart: so funktioniert es
Unterstützungen und Widerstände werden aus der Vergangenheit abgeleitet: Man sucht im Chart die Stellen, an denen der Kurs mehrfach gedreht hat, und verbindet diese Hoch- oder Tiefpunkte mit einer meist horizontalen Linie. Je öfter eine Marke getestet wurde, je höher das Handelsvolumen dort war und je größer die Zeiteinheit (Wochenchart statt 5-Minuten-Chart), desto mehr Gewicht hat sie. In der Praxis handelt es sich eher um Zonen als um exakte Punkte.
Ein typisches Beispiel ist eine Aktie, die monatelang zwischen 10 und 12 Euro seitwärts läuft und dann nach oben ausbricht:
| Seitwärtsbereich (Range) | 10 bis 12 € |
|---|---|
| Unterstützung | 10 € |
| Widerstand | 12 € |
| Einstieg nach Ausbruch über den Widerstand | 12,40 € |
| Stopp knapp unter dem alten Widerstand | 11,70 € |
| Risiko pro Aktie | 0,70 € |
Der Gedanke dahinter: Hält der ausgebrochene Kurs über 12 Euro, ist aus dem alten Widerstand eine Unterstützung geworden. Fällt er deutlich darunter zurück, war es womöglich ein Fehlausbruch, und die Ausgangsidee ist hinfällig. Viele Trader achten zusätzlich auf das Volumen: Ein Ausbruch mit hohem Volumen gilt als verlässlicher als einer mit geringem.
Unterstützung und Widerstand in der Praxis
Unterstützungen und Widerstände dienen im Trading vor allem der Planung: Wo lohnt sich ein Einstieg, wo liegt ein sinnvoller Stopp, wo könnte ein Kursziel liegen? Ein Käufer an einer Unterstützung kann den Stopp knapp darunter setzen und kennt so sein Risiko, bevor er einsteigt. Wer dagegen auf Ausbrüche setzt, kauft erst, wenn ein Widerstand überwunden ist, und nimmt dafür in Kauf, gelegentlich einen Fehlausbruch zu erwischen.
Erfahrene Marktteilnehmer warnen davor, die Linien zu wörtlich zu nehmen. Ein Kurs muss an keiner Marke drehen – sie zeigt nur, wo eine Reaktion wahrscheinlicher ist. Typische Fehler sind:
- zu viele Linien einzuzeichnen, bis der Chart keine klare Aussage mehr hat,
- Stopps exakt auf eine offensichtliche Marke zu legen, wo sie besonders leicht ausgelöst werden,
- nach einem Bruch der Marke trotzdem an der ursprünglichen Idee festzuhalten,
- schräge Trendlinien und horizontale Marken gleich zu gewichten, obwohl schräge Linien je nach Chartdarstellung (linear oder logarithmisch) unterschiedlich verlaufen.
Unterstützung und Widerstand bei [Bulle & Mensch]
Für viele Trader unter den Gästen sind Unterstützung und Widerstand das wichtigste Werkzeug im Chart. Wieland Arlt nennt sie seine absolute Orientierung und betont, dass diese Marken nicht willkürlich gezogen werden, sondern dort, wo der Markt in der Vergangenheit tatsächlich gedreht hat. Oliver Klemm liest an ihnen ab, wo das Kaufinteresse hoch und wo das Verkaufsinteresse größer ist, und sucht im Aufwärtstrend gezielt Kaufsignale an Unterstützungen. Max Schulz zeichnet damit Kanäle mit klar definierter Unter- und Oberkante, David Pieper spricht von logischen Levels, die seine Wahrscheinlichkeiten verbessern. Auf Ausbrüche setzen vor allem Torsten Maus, für den ein Ausbruch mit hohem Volumen die besten Chancen hat, und Dirk Siebenhaar, der sich schon kurz vor dem Ausbruch aus einer Seitwärtsphase positioniert.
Auch Investoren nutzen die Marken, allerdings nur als Hilfsmittel. Paul Pleus kauft nie wegen eines Charts, bestimmt aber mit Unterstützung und Widerstand den Einstiegs- oder Verkaufskurs. Gerd Ackermann orientiert sich bei der Wahl seiner Options-Strikes an Widerständen, Mirco Recksiek und Christian Jagd ziehen Unterstützungszonen für größere Entscheidungen heran. Die deutlichste Warnung kommt von Rüdiger Born: Die Linien seien nicht magnetisch – ob der Markt dort dreht, werde erst vor Ort entschieden. Auch David Pieper hält nichts davon, einen Stopp einfach knapp unter einen „Support“ zu legen, als sei das bereits ein fertiges System.
💬 Was unsere Gäste über Unterstützung und Widerstand sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Oliver Klemm | Kauf- und Verkaufsinteresse sichtbar machen |
| Mirco Recksiek | Rudimentär, aber für große Entscheidungen |
| Christian Jagd | Unterstützungszonen im Neuen-Markt-Crash |
| Gerd Ackermann | Widerstände bestimmen den Options-Strike |
| Max Schulz | Kanal aus Unter- und Oberkante |
| Dirk Siebenhaar | Vor dem Ausbruch positionieren |
| Paul Pleus | Chart nur für den Einstiegs- und Verkaufskurs |
| David Pieper | Logische Levels statt Glaskugel |
| Wieland Arlt | Marken entstehen aus früheren Wendepunkten |
| Torsten Maus | Ausbruch mit hohem Volumen bevorzugt |
Die Aussagen im Wortlaut
Kauf- und Verkaufsinteresse sichtbar machen
„Ich sehe, wo Märkte Unterstützung bilden, das heißt, wo das Kaufinteresse sehr hoch ist. Ich sehe, wo Märkte Widerstände bilden, das heißt, das Kaufinteresse ist dann fast gleich Null, das Verkaufsinteresse ist viel größer.“
Rudimentär, aber für große Entscheidungen
„Ich gucke mir auch Widerstandszonen, Supportzonen an. […] Ich habe den Chart angeguckt und gesagt, da müsste sich eigentlich noch mal ein großer Boden bilden. Der müsste reichen, wirklich alles aufzuhalten und nur noch Käufer zu haben.“
Unterstützungszonen im Neuen-Markt-Crash
„Oder einfach auch Schulter-Kopf-Schulter-Formationen, wo man gesagt hat, okay, da ist jetzt eine Unterstützungslinie weggebrochen. […] Vor allem mit Unterstützungszonen habe ich da gearbeitet.“
Widerstände bestimmen den Options-Strike
„Wenn ich den Strike für meine […] Puts auswähle, dann gucke ich schon charttechnisch, wo sind so die Widerstände. Weil typischerweise läuft eine Aktie natürlich hoch bis zum Widerstand und dreht dann wieder runter.“
Kanal aus Unter- und Oberkante
„Ich möchte herausfinden, wo ist die Unterstützung, wo ist Widerstand. […] Hat der Preis dreimal abgeprallt von da und hier von unten, da haben wir quasi unseren Kanal. Unterkante ist klar definiert, Oberkante ist klar definiert.“
Vor dem Ausbruch positionieren
„Sie steigen und laufen lange seitwärts, um dann endlich auszubrechen. […] Und erkennen tut man die ganz einfach, indem man eine Linie drauf zieht und sieht, okay, an diesem Niveau stößt sich die Aktie immer wieder, wird sie immer wieder verkauft. […] Ich zum Beispiel kaufe selten diesen Ausbruch aus der Linie.“
Chart nur für den Einstiegs- und Verkaufskurs
„Ich nutze den Chart schon, zum Beispiel zu sagen, da ist wirklich ein Widerstand oder da ist eine Unterstützung. […] Die Verkaufsentscheidung entsteht nicht durch den Chart, aber […] der Punkt, wo ich dann verkaufe oder der Kurswert, das kommt vielleicht vom Chart.“
Logische Levels statt Glaskugel
„Ich gebe ihm nicht vor, hier muss der Markt aber drehen. […] Der muss gar nichts. […] Aber ich erhöhe meine Wahrscheinlichkeit von völlig ahnungslos […] hin zu logischen Levels. Unterstützung, Widerstände, Ausbrüche, relative Stärke, das ist meine Welt.“
Marken entstehen aus früheren Wendepunkten
„Unterstützung und Widerstände, die zeichnen wir nicht willkürlich in den Chart ein, weil wir denken, hier muss es jetzt irgendwie drehen. Sondern wir schauen uns an, wo hat der Markt in der Vergangenheit reagiert? Also gedreht zum Beispiel.“
Ausbruch mit hohem Volumen bevorzugt
„Es ist immer sehr positiv, wenn eine Aktie mit großem Volumen ausbricht. Also wenn wirklich Bums dahinter ist, wenn man sieht, wird im großen Stil gekauft, und das ist dann, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausbruch gelingt.“
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