Folge 15 · Dirk Siebenhaar

Öffentlich traden als Disziplin-Trick: Wie Dirk Siebenhaar mit engen Stopps den MSCI World schlägt

Warum das Depot im Schaufenster besser läuft als das private - und was ein Verlust von 7.000 Euro damit zu tun hat.

Jahrelang war die Börse für Dirk Siebenhaar schlicht kein Thema. Er hatte eine Ausrede, die er heute selbst kaum noch nachvollziehen kann:

2018 kippte das: ein Börsenspiel aus Langeweile, die erste Adobe-Aktie, ein selbst erdachtes Longline-Konzept - und rund 7.000 Euro Verlust kurz vor Weihnachten. Heute führt er als TraderMacher bei stock3 ein öffentliches Musterdepot, das seit 2020 fast doppelt so gut läuft wie der MSCI World.

Dirk Siebenhaar ist Ex-Werbe-Kreativer und heute als TraderMacher Experte bei stock3, wo er sein Musterdepot offen dokumentiert. Er handelt Ausbrüche in liquiden US-Aktien, sichert extrem eng ab - und redet ungewöhnlich offen darüber, wann er sich selbst nicht an seine eigenen Regeln hält.

„ich habe für mein Geld gearbeitet, da muss es jetzt nicht auch für mich nochmal arbeiten."
– Dirk Siebenhaar

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Der Verlust als Startschuss: Rund 7.000 Euro Minus innerhalb weniger Monate 2018 bereiteten ihm nach eigener Aussage "richtig schlaflose Nächte" - kurz vor Weihnachten löste er das gesamte Depot auf und begann von vorn.
  • Ein Buch als Wendepunkt: Erst Mark Minervinis "Trade Like a Stock Market Wizard" brachte Struktur in sein Vorgehen: "das war wirklich ein Gamechanger für mich".
  • Alle machen dasselbe: Bei allen von ihm studierten US-Trading-Champions fand er dieselbe Basis - Preis, Volumen, gleitende Durchschnitte, kein Geheimindikator.
  • Öffentlichkeit diszipliniert: Sein öffentliches TenTrader-Depot lief besser als sein privates, weil er sich dort an die Regeln hielt, die er "ja selber aufschreibe, aber nicht fähig bin, mich dran zu halten".
  • Enge Stopps statt Bauchgefühl: Zu rund 95 Prozent liegt der Stopp direkt unter dem aktuellen Tagestief; über Einstiege im 5-Minuten-Chart kommt er teils mit nur 1,5 Prozent Risiko in eine Position.
  • Zwei feste Alarmglocken: Ab 5 Prozent Minus im einzelnen Trade und ab 12 Prozent Drawdown im Depot gehen bei ihm alle Alarmglocken an - "weil ab da beschleunigt sich die Mathematik, die gegen mich arbeitet".
  • Gewinne nach Regel, nicht nach Gefühl: Läuft eine Aktie in wenigen Tagen 15 bis 20 Prozent, nimmt er ein Viertel bis ein Drittel mit und zieht den Stopp auf Einstand.
  • Euphorie als Verkaufssignal: Wenn er selbst zu euphorisch wird, ist das für ihn ein fester Indikator, Gewinne mitzunehmen.

Wie Dirk Siebenhaar aus 7.000 Euro Verlust ein Regelwerk gemacht hat

Der Einstieg war Zufall: eine Börsenzeitschrift, ein Börsenspiel, 100.000 fiktive Euro. Aus dem Spiel wurde ein echtes Depot, aus dem Depot ein selbst erdachtes "Longline"-Konzept mit zehn Aktien, die "nur so laufen" sollten. Dann kam der Handelskrieg Ende 2018, alles fiel, und Dirk Siebenhaar realisierte rund 7.000 Euro Verlust. Danach probierte er deutsche Nebenwerte, las Beate Sander - und fand doch kein System.

Der eigentliche Wendepunkt kam mit Mark Minervini. Dirk Siebenhaar arbeitete das Buch wie ein Student durch, schrieb heraus, markierte farbig, suchte die beschriebenen Muster selbst in Charts. Über X stieß er auf die US Investment Championships und auf Trader wie David Ryan, Oliver Kell und Dan Zanger. Was ihn dabei am meisten überzeugte, war die Übereinstimmung:

„Alle verwenden nur Volumen, gleitende Durchschnitte und Kerzen. Keiner verwendet irgendeinen anderen magischen Indikator."

Seine Konsequenz beschreibt Dirk Siebenhaar mit einem Bild aus dem Schwimmbecken: Wenn beim Freistil alle kraulen, weil das die schnellste Technik ist, dann fängt er auch an zu kraulen - statt danebenher irgendetwas anderes zu probieren.

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So funktioniert Dirk Siebenhaars Ausbruchs-Strategie

Die Basis ist eine Watchlist von rund 150 Namen - alles, was gerade Rang und Namen hat. Darüber legt Dirk Siebenhaar einen bewusst simplen Scan: hohe Marktkapitalisierung, hohes Durchschnittsvolumen, hohe Average Daily Range. Die Parameter verschiebt er so lange, bis rund 50 Titel übrig bleiben. Daraus entsteht die tägliche Shortlist, die "Stocks in Play".

Gehandelt werden fast ausschließlich Aktien, überwiegend US-Titel, im TenTrader-Depot Long Only und maximal zehn Positionen. Gesucht werden Basen und hohe Flaggen - Aktien, die stark gestiegen sind und seitwärts laufen, bevor sie ausbrechen. Dirk Siebenhaar kauft dabei selten den Ausbruch selbst, sondern positioniert sich einen Tick früher und kauft beim Ausbruch und beim Retest nach.

Sein eigentlicher Edge liegt in der Zeiteinheit: Er analysiert lieber im Stundenchart als im Tageschart und sucht die feinsten Einstiege im 5-Minuten-Chart, mit Pivotpunkten und dem EMA 20. So kommt er teils mit 1,5 Prozent Risiko in eine Position und kann trotzdem groß einsteigen. Der Stopp liegt in der Regel unter dem aktuellen Tagestief, der durchschnittliche Verlusttrade bei rund vier bis fünf Prozent, der durchschnittliche Gewinntrade bei 16 bis 18 Prozent, die Trefferquote bei knapp 50 Prozent. Aus der letzten Korrektur hat er zusätzlich "progressive exposure" übernommen: erst mit vier Prozent Positionsgröße einsteigen und erst erhöhen, wenn der Trade läuft.

Dirk Siebenhaar als Trader: Ego, Drawdown und Geduld

Der ehrlichste Teil des Gesprächs ist der über die eigenen Fehler. Auf die Frage nach seiner größten mentalen Schwäche nennt Dirk Siebenhaar das Vernachlässigen des eigenen Systems - und liefert das Beispiel gleich mit: Palantir, gefallen nach Quartalszahlen, gekauft "gegen jede Regel", weil er an eine Bodenbildung im Sektor glauben wollte. Abgesichert war der Trade sauber, ausgestoppt wurde er nach Plan - eröffnet hätte er ihn nach eigenen Regeln nie dürfen.

Auch den letzten großen Drawdown beschreibt er ungeschönt als Tod durch tausend Schnitte: immer wieder kleine Verluste, immer wieder ein neuer Versuch in einem volatilen Seitwärtsmarkt. Sein Learning daraus: Nachrichten zurückfahren, fremde Trade-Ideen zurückfahren, kleiner einsteigen.

Was ihn trägt, ist ein Satz, der bei ihm hinter dem Bildschirm klebt - aus einem Film, in dem Anthony Hopkins ihn zu Alec Baldwin sagt: "Was ein Mann kann, kann auch ein anderer Mann." Für Dirk Siebenhaar heißt das: Was andere Trader psychologisch geschafft haben, kann er auch schaffen. Er braucht nur noch Zeit.

Wer ist Dirk Siebenhaar?

Dirk Siebenhaar hat Kommunikationsdesign studiert und jahrelang als Kreativer in der Werbung gearbeitet - unter anderem für EDEKA, IKEA und Volkswagen. 2018 kam er über eine Börsenzeitschrift und ein Börsenspiel zum Aktienmarkt, zunächst als reines Hobby. Bei stock3 (damals Guidants) las er zuerst nur mit, postete irgendwann seine ersten Trades in einem kleinen Nebenstream - und wurde über diesen Weg zum Experten mit öffentlichem Musterdepot. Heute schreibt Dirk Siebenhaar jeden Morgen seinen Marktausblick "Stocks in Play", produziert Videos für den TraderMacher-Kanal und führt zwei Depots: das TenTrader-Musterdepot mit maximal zehn Positionen und ein bewusst kleines 10.000-Euro-Depot, mit dem er zeigt, dass es auch ohne großes Startkapital geht.

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