Tradermacher Dirk Siebenhaar: Seine Trading-Strategie
Warum das Depot im Schaufenster besser läuft als das private und was ein Verlust von 7.000 Euro damit zu tun hat.
2018 kaufte Dirk Siebenhaar seine erste Aktie, eine einzige Adobe. Davor war die Börse für ihn kein Thema, er hatte ja für sein Geld gearbeitet, da musste es nicht auch noch für ihn arbeiten. Aus einem Börsenspiel, entdeckt aus Langeweile, wurde ein selbst erdachtes Longline-Konzept mit zehn Aktien. Kurz vor Weihnachten 2018 realisierte er rund 7.000 Euro Verlust. Heute führt er als TraderMacher bei stock3 ein öffentliches Musterdepot, das seit 2020 fast doppelt so gut läuft wie ein World-ETF in derselben Zeit.
Im Gespräch erklärt der frühere Werbe-Kreative seine Ausbruchs-Strategie in liquiden US-Aktien. Er sucht große Aktien, die stark gestiegen sind und lange seitwärts laufen, positioniert sich im Stunden- oder 5-Minuten-Chart einen Tick vor dem Ausbruch und setzt den Stopp unter das aktuelle Tagestief. Offen erzählt er, wann er sich selbst nicht an seine Regeln hält.
Geteilt von Mark Minervini
Mark Minervini, Autor von „Trade Like a Stock Market Wizard“, hat dieses Gespräch am 15.10.2026 auf X geteilt, vor über 760.000 Followern. Für Dirk Siebenhaar war sein Buch der Wendepunkt.
„Changing lives around the world. The language of finance is universal.“Mark Minervini auf X, 15.10.2026
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 8 Punkte: Psychologie 2 · Routine 1 · Einstieg 1 · Risiko 2 · Ausstieg 2
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RegelPsychologieVerluste realisieren, neu anfangen7.000 € Verlust Der Verlust als Startschuss: Rund 7.000 Euro Minus innerhalb weniger Monate 2018 bereiteten ihm nach eigener Aussage „richtig schlaflose Nächte“. Kurz vor Weihnachten löste er das gesamte Depot auf und begann von vorn.
Zitat & Begründung
„Da habe ich alles verkauft. Ich habe diese 7000 Euro Verlust realisiert, habe alles verkauft“ ▶ 17:59
- Ende 2018 fielen seine Aktien im Handelskrieg, in wenigen Monaten waren rund 7.000 Euro weg.
- Der Verlust hat ihm schlaflose Nächte gemacht, für ein Hobby war ihm das zu viel.
- Nach den Feiertagen kam er zu dem Schluss, dass sein Konzept nicht falsch war, und fing neu an.
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RegelRoutineVon den Besten lernenKlare Aussage Ein Buch als Wendepunkt: Erst Mark Minervinis „Trade Like a Stock Market Wizard“ brachte Struktur in sein Vorgehen: „das war wirklich ein Gamechanger für mich“.
Zitat & Begründung
„Das Buch habe ich gelesen und das muss ich sagen, das war wirklich ein Gamechanger für mich“ ▶ 29:32
- Vorher hatte er Börsenradio gehört und die Vorstandswoche gelesen, so richtig angebissen hatte er aber nicht.
- Mit „Trade Like a Stock Market Wizard“ begann für ihn die eigentliche Reise.
- Er arbeitete das Buch wie ein Student durch, mit Notizen, Markierungen und Chart-Screenshots.
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RegelEinstiegPreis, Volumen, DurchschnitteKlare Aussage Alle machen dasselbe: Bei allen von ihm studierten US-Trading-Champions fand er dieselbe Basis: Preis, Volumen, gleitende Durchschnitte, kein Geheimindikator.
Zitat & Begründung
„Alle verwenden nur Volumen, gleitende Durchschnitte und Kerzen. Keiner verwendet irgendeinen anderen magischen Indikator.“ ▶ 48:21
- Über Minervini stieß er auf die US Investment Championships und studierte deren Gewinner.
- Er las die Strategien von Tradern wie David Ryan, Oliver Kell und Stan Weinstein.
- Manche nehmen noch den MACD dazu, im Grunde handeln aber alle dasselbe.
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RegelPsychologieÖffentlich handeln diszipliniert Öffentlichkeit diszipliniert: Sein öffentliches TenTrader-Depot lief besser als sein privates, weil er sich dort an die Regeln hielt, die er „ja selber aufschreibe, aber nicht fähig bin, mich dran zu halten“.
Zitat & Begründung
„In dem Moment, wo man öffentlich geht, korrigiert man sich selbst auch.“ ▶ 1:24:19
- Im TenTrader-Depot nahm er bei einem Ausbruch wie Amazon wirklich die 20-Prozent-Position, privat nur 5 Prozent.
- Privat ließ er Gewinne laufen, statt wie im Musterdepot Teilgewinne zu sichern.
- Deshalb lief sein privates Depot schlechter als das öffentliche.
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RegelRisikoStopp unter dem Tagestief95 %1,5 % RisikoKlare Aussage Enge Stopps statt Bauchgefühl: Zu rund 95 Prozent liegt der Stopp direkt unter dem aktuellen Tagestief. Über Einstiege im 5-Minuten-Chart kommt er teils mit nur 1,5 Prozent Risiko in eine Position.
Zitat & Begründung
„in der Regel fast zu 95 % setze ich den Stopp nach dem Einstieg unter das aktuelle Tagestief“ ▶ 1:38:30
- Fällt eine Aktie auf den 20-Tage-Durchschnitt zurück und stabilisiert sich, steigt er im 5-Minuten-Chart ein.
- Den Stopp setzt er dann direkt unter das Tief der 5-Minuten-Kerze.
- So kommt er teils mit nur 1,5 Prozent Risiko in einen Trade.
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RegelRisikoZwei feste Verlustgrenzen5 % je Trade12 % DrawdownKlare Aussage Zwei feste Alarmglocken: Ab 5 Prozent Minus im einzelnen Trade und ab 12 Prozent Drawdown im Depot gehen bei ihm alle Alarmglocken an: „weil ab da beschleunigt sich die Mathematik, die gegen mich arbeitet“.
Zitat & Begründung
„Und wenn ich ein Depot-Drawdown habe von 12%, dann gehen auch alle Alarmglocken an“ ▶ 2:03:23
- Ab 5 Prozent Minus in einem einzelnen Trade gehen bei ihm die Alarmglocken an.
- Nach 50 Prozent Verlust braucht ein Depot 100 Prozent Gewinn, dieses Ungleichgewicht beginnt für ihn bei 11 bis 12 Prozent.
- Den Markt interessiert dabei nicht, wie viel Gewinn er vorher gemacht hat.
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RegelAusstiegTeilgewinne nach Regel15 bis 20 %ein Viertel bis ein Drittel Gewinne nach Regel, nicht nach Gefühl: Läuft eine Aktie in wenigen Tagen 15 bis 20 Prozent, nimmt er ein Viertel bis ein Drittel mit und zieht den Stopp auf Einstand.
Zitat & Begründung
„nehme ich zwischen 15 und 20%, auch ein bisschen abhängig vom Umfeld, ein Viertel oder ein Drittel Gewinn mit, ziehe den Stopp auf Einstand“ ▶ 1:59:28
- Läuft eine Aktie in drei bis fünf Tagen 20 Prozent, steigt für ihn die Wahrscheinlichkeit einer kleinen Korrektur.
- Steigt eine Aktie, die sonst 2 Prozent am Tag macht, plötzlich 6 Prozent, nimmt er schon ein Viertel mit.
- Mit dem Stopp auf Einstand ist der Trade ab dann sicher und läuft frei.
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RegelAusstiegEuphorie als VerkaufssignalKlare Aussage Euphorie als Verkaufssignal: Wenn er selbst zu euphorisch wird, ist das für ihn ein fester Indikator, Gewinne mitzunehmen.
Zitat & Begründung
„wenn ich zu euphorisch werde und mich zu sehr freue, dann ist es an der Zeit, Gewinne mitzunehmen“ ▶ 2:00:07
- Das ist ein fester Indikator in seinem Regelwerk.
- Fangen Leute an, ihre Performancekurven zu fotografieren und Freunden zu zeigen, nimmt er ebenfalls Gewinne mit.
Meinungen von Dirk Siebenhaar aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie Dirk Siebenhaar aus 7.000 Euro Verlust ein Regelwerk gemacht hat
Der Einstieg war Zufall: eine Börsenzeitschrift, ein Börsenspiel, 100.000 fiktive Euro. Aus dem Spiel wurde ein echtes Depot, aus dem Depot ein selbst erdachtes „Longline“-Konzept mit zehn Aktien, die „nur so laufen“ sollten. Dann kam der Handelskrieg Ende 2018, alles fiel, und Dirk Siebenhaar realisierte rund 7.000 Euro Verlust. Danach probierte er deutsche Nebenwerte, las Beate Sander und fand doch kein System.
Der eigentliche Wendepunkt kam mit Mark Minervini. Dirk Siebenhaar arbeitete das Buch wie ein Student durch, schrieb heraus, markierte farbig, suchte die beschriebenen Muster selbst in Charts. Über X stieß er auf die US Investment Championships und auf Trader wie David Ryan, Oliver Kell und Stan Weinstein. Was ihn dabei am meisten überzeugte, war die Übereinstimmung:
„Alle verwenden nur Volumen, gleitende Durchschnitte und Kerzen. Keiner verwendet irgendeinen anderen magischen Indikator.“
Seine Konsequenz beschreibt Dirk Siebenhaar mit einem Bild aus dem Schwimmbecken: Wenn beim Freistil alle kraulen, weil das die schnellste Technik ist, dann fängt er auch an zu kraulen, statt danebenher irgendetwas anderes zu probieren.
So funktioniert Dirk Siebenhaars Ausbruchs-Strategie
Die Basis ist eine Watchlist von rund 150 Namen: alles, was gerade Rang und Namen hat. Darüber legt Dirk Siebenhaar einen bewusst simplen Scan: hohe Marktkapitalisierung, hohes Durchschnittsvolumen, hohe Average Daily Range. Die Parameter verschiebt er so lange, bis rund 50 Titel übrig bleiben. Daraus entsteht die tägliche Shortlist, die „Stocks in Play“.
Gehandelt werden fast ausschließlich Aktien, überwiegend US-Titel, im TenTrader-Depot Long Only und maximal zehn Positionen. Gesucht werden große Aktien, die stark gestiegen sind und lange seitwärts laufen, eine sogenannte Power Base, bevor sie ausbrechen. Den Ausbruch selbst kauft Dirk Siebenhaar selten. Er positioniert sich einen Tick früher und kauft beim Ausbruch und beim Retest nach.
Sein eigentlicher Edge liegt in der Zeiteinheit: Er analysiert lieber im Stundenchart als im Tageschart und sucht die feinsten Einstiege im 5-Minuten-Chart, mit Pivotpunkten und dem gleitenden 20-Tage-Durchschnitt. So kommt er teils mit 1,5 Prozent Risiko in eine Position und kann trotzdem groß einsteigen. Der Stopp liegt in der Regel unter dem aktuellen Tagestief, der durchschnittliche Verlusttrade bei rund vier bis fünf Prozent, der durchschnittliche Gewinntrade bei 16 bis 18 Prozent, die Trefferquote bei knapp 50 Prozent. Aus der letzten Korrektur hat er zusätzlich „progressive exposure“ übernommen: erst mit vier Prozent Positionsgröße einsteigen und erst erhöhen, wenn der Trade läuft.
Dirk Siebenhaar als Trader zwischen Ego, Drawdown und Geduld
Der ehrlichste Teil des Gesprächs ist der über die eigenen Fehler. Auf die Frage nach seiner größten mentalen Schwäche nennt Dirk Siebenhaar das Vernachlässigen des eigenen Systems und liefert das Beispiel gleich mit: Palantir, gefallen nach Quartalszahlen, gekauft „gegen jede Regel“, weil er an eine Bodenbildung im Sektor glauben wollte. Abgesichert war der Trade sauber, ausgestoppt wurde er nach Plan. Eröffnet hätte er ihn nach eigenen Regeln nie dürfen.
Auch den letzten großen Drawdown beschreibt er ungeschönt als Tod durch tausend Schnitte: immer wieder kleine Verluste, immer wieder ein neuer Versuch in einem volatilen Seitwärtsmarkt. Sein Learning daraus: Nachrichten zurückfahren, fremde Trade-Ideen zurückfahren, kleiner einsteigen.
Was ihn trägt, ist ein Satz, der bei ihm hinter dem Bildschirm klebt. Er stammt aus einem Film, in dem Anthony Hopkins ihn zu Alec Baldwin sagt: „Was ein Mann kann, kann auch ein anderer Mann.“ Für Dirk Siebenhaar heißt das: Was andere Trader psychologisch geschafft haben, kann er auch schaffen. Er braucht nur noch Zeit.
Was das für dich heißt
Dirk Siebenhaar hat 2018 rund 7.000 Euro verloren und danach von vorn angefangen. Heute arbeitet er mit festen Regeln und sagt offen, wo er sie bricht:
- Er hat zwei feste Alarmglocken: 5 Prozent Minus im einzelnen Trade und 12 Prozent Drawdown im Depot. Ab welchem Minus hörst du auf, einfach weiterzumachen?
- Er nimmt Gewinne mit, wenn er merkt, dass er selbst zu euphorisch wird. Woran merkst du, dass deine Freude über einen Trade deine Entscheidungen lenkt?
- Er sagt offen, dass sein privates Depot schlechter lief, weil er sich dort nicht an seine eigenen Regeln hielt. Hältst du dich an deine Regeln auch dann, wenn niemand zuschaut?
- Er hat nach seinem letzten Drawdown Nachrichten und fremde Trade-Ideen zurückgefahren und steigt kleiner ein. Wie viele deiner letzten Trades kamen aus deiner eigenen Analyse?
Seine Positionen
Welche Anlagen Dirk Siebenhaar im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im Mai 2026).
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HältUS-AktienHauptteil, Long only1:23:48 Zitat
„handle hauptsächlich US-Aktien, aber wenn jetzt mal eine SAP oder eine MTU eine gute Formation hat“
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HältDeutsche Nebenwerteab und zu, aus Nostalgie1:23:48 Zitat
„Ich nehme auch manchmal deutsche Nebenwerte mit rein, immer noch aus alter Nostalgie.“
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MeidetDerivatenicht im öffentlichen Depot1:23:17 Zitat
„Ich handle keine Derivate. Ich handle im Ten Trader kein Short, immer noch Long Only“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von Dirk Siebenhaar
Buchtipps aller Gäste →Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Dirk Siebenhaar hat Kommunikationsdesign studiert und jahrelang als Kreativer in der Werbung gearbeitet, unter anderem für EDEKA, IKEA und Volkswagen. 2018 kam er über eine Börsenzeitschrift und ein Börsenspiel zum Aktienmarkt, zunächst als reines Hobby.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →… Großartiges Interview und so faszinierend Euch beiden zuzuhören, da vergehen die 2:24 Stunden wie im Flug …
… Eines der besten und ehrlichsten Interviews. Eine wichtige Hilfe für alle, die mit dem Trading beginnen wollen oder es verbessern möchten. …
… Super die Fragen gestellt, Kanal frisch gefunden, Abo gleich da gelassen, bin auf die anderen Interviews gespannt.
Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was Dirk Siebenhaar dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
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