Begriff · Trading
Was ist das Regelwerk?
Regelwerk: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Ein Regelwerk ist die schriftliche Sammlung fester Regeln, nach denen ein Anleger oder Trader Aktien und andere Wertpapiere kauft, verkauft und sein Risiko steuert. Es legt vorab fest, welche Bedingungen für einen Einstieg erfüllt sein müssen, wie groß eine Position sein darf, wo der Stopp liegt und wann Gewinne mitgenommen werden.
Definition von Regelwerk
Ein Regelwerk übersetzt eine Anlagestrategie in überprüfbare Anweisungen. Der Anleger entscheidet nicht erst im Moment, ob er eine Aktie kauft oder verkauft, er folgt Regeln, die er vorher in Ruhe aufgeschrieben hat. Das kann ein langfristiger Investor sein, der nur Unternehmen mit bestimmten Kennzahlen ins Depot nimmt und einmal im Jahr umschichtet. Genauso kann es ein Trader sein, der Einstieg, Stopp und Ausstieg an klaren Marken im Chart festmacht.
Im Trading spricht man oft vom Handelssystem. Gemeint ist ein Satz von Regeln, der so eindeutig formuliert ist, dass zwei Menschen mit denselben Regeln zur gleichen Entscheidung kämen. Erst dann lässt sich ein Regelwerk mit einem Backtest an historischen Daten prüfen und im Trading-Journal auswerten. Wie konsequent jemand seine Regeln befolgt, ist eine Frage der Disziplin.
Wie ist ein Regelwerk aufgebaut?
Ein vollständiges Regelwerk beantwortet für jede Situation die Frage, was zu tun ist. Typische Bausteine sind:
- Auswahl: Welche Märkte, Aktien oder Fonds kommen in Frage?
- Einstieg: Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, bevor gekauft wird?
- Positionsgröße: Wie viel Kapital fließt in eine einzelne Position?
- Risiko: Wo liegt der Stop-Loss und wie viel darf ein einzelner Trade höchstens kosten?
- Ausstieg: Wann werden Gewinne mitgenommen oder Verluste realisiert?
- Überprüfung: Wann und wie wird das Regelwerk selbst angepasst?
## Beispiel für ein einfaches Regelwerk
Ein Swingtrader mit einem Depot von 50.000 € könnte sich folgende Regeln aufschreiben:
| Baustein | Regel |
|---|---|
| Depot | 50.000 € |
| Auswahl | Aktien aus dem S&P 500 über ihrer 200-Tage-Linie |
| Einstieg | Schlusskurs über dem Hoch der letzten 20 Tage |
| Risiko pro Trade | 1 % des Depots, also 500 € |
| Stopp | unter dem Tief der letzten 10 Tage |
| Teilgewinn | ein Drittel der Position bei +15 %, danach Stopp auf Einstand |
| Offene Positionen | höchstens 8 |
| Überprüfung | einmal im Quartal anhand des Trading-Journals |
Das Beispiel dient nur der Veranschaulichung und ist keine Anlageempfehlung. Jede Regel darin ist messbar. „Kaufen, wenn die Aktie stark aussieht“ wäre keine Regel, weil zwei Menschen darunter Verschiedenes verstehen.
Regelwerk in der Praxis
Ein Regelwerk entsteht selten in einem Zug. Viele Anleger beginnen mit wenigen Regeln, testen sie auf einem Demokonto oder mit kleinen Beträgen und ergänzen sie Schritt für Schritt. Hilfreich ist es, die Regeln schriftlich festzuhalten, etwa als Checkliste, die vor jeder Order abgehakt wird.
Zwei Fehler tauchen häufig auf. Der erste ist ein Regelwerk mit zu vielen Bedingungen, das perfekt auf die Vergangenheit passt und in der Zukunft versagt. Fachleute sprechen dann von Überoptimierung. Der zweite ist ein übernommenes System, das weder zum eigenen Zeitbudget noch zur Risikobereitschaft passt. Wer tagsüber arbeitet, braucht Regeln, die ohne ständigen Blick auf den Bildschirm funktionieren.
Ein Regelwerk ist nie endgültig fertig. Märkte verändern sich, und damit ändern sich die Bedingungen, unter denen eine Regel funktioniert. Sinnvoll ist ein fester Termin, etwa einmal im Quartal, an dem das Regelwerk anhand der eigenen Aufzeichnungen überprüft wird.
Regelwerk bei [Bulle & Mensch]
Das Regelwerk gehört zu den häufigsten Themen in den Gesprächen mit Tradern und Investoren bei [Bulle & Mensch]. Robin Kömel reduziert seinen wichtigsten Rat auf genau dieses eine Wort. Oliver Klemm hat „für alles ein festes Regelwerk“, ausgerichtet an Preisstruktur, Volumenprofil und Kerzen. Dirk Siebenhaar legt darin fest, wann er Teilgewinne mitnimmt und den Stopp auf Einstand zieht. Paul Pleus musste erst lernen, seinem System zu vertrauen, auch wenn seine eigene Meinung zum Markt in eine andere Richtung ging.
Mehrere Gäste warnen vor zu starren oder zu komplizierten Regeln. David Pieper vergleicht ein Handelssystem mit einem Maßanzug, der platzt, wenn er zu eng geschnitten ist. Max Schulz arbeitet mit einem einzigen System für alle Märkte, weil zu viele Anpassungen die Fehlersuche unmöglich machen, und prüft jedes Wochenende, ob seine Trades nach Regelwerk liefen. Wieland Arlt hält es für einen der größten Anfängerfehler, ein fertiges System einfach zu übernehmen. Till Schwalm sieht in festen Handelsregeln eine Frage des Temperaments, die eher zum Charttechniker passt.
Was meine Gäste über Regelwerk sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Oliver Klemm | Woran sich die eigenen Regeln ausrichten |
| Max Schulz | Wochenend-Check: Lief der Trade nach Regelwerk? |
| Robin Kömel | Der wichtigste Rat in einem Wort |
| Paul Pleus | Dem System folgen statt der eigenen Meinung |
| David Pieper | Ein Handelssystem ist wie ein Maßanzug |
Die Aussagen im Wortlaut
Woran sich die eigenen Regeln ausrichten
„Mich interessiert nur das Folgen und Befolgen meiner Regeln. Und meine Regeln sind eben ausgerichtet an [der] Preisstruktur, an Profilen, Market oder Volumenprofil, […] an einzelnen Kerzen und logischerweise auch an Kerzenkombinationen.“
Wochenend-Check: Lief der Trade nach Regelwerk?
„[A]m Wochenende mache ich ganz einfach Reflexion. War das nach Regelwerk oder nicht? Wenn ja, alles super. Wenn nicht, dann arbeite ich einfach am Prozess.“
Der wichtigste Rat in einem Wort
„Ich könnte es sogar […] auf ein Wort reduzieren und zwar Regelwerk. Denn das ist das Wichtigste, sich an ein Regelwerk zu halten, an die Strategie und nicht zu emotional zu werden […].“
Dem System folgen statt der eigenen Meinung
„[W]as mein System mir sagt, das mache ich und nicht was ich meine. Das war für mich auch ein Lernprozess, dass ich diesem System vertraue und sage, okay, das sind meine Regeln.“
Ein Handelssystem ist wie ein Maßanzug
„Ich vergleiche es immer mit dem Maßanzug. Der Maßanzug muss passen, aber wenn ich ihn zu eng stricke und ich bewege mich morgen ein bisschen anders, dann platzt er. Und so ist es beim Handelssystem.“



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