Nebenwerte-Strategie: Ex-Citi-Direktor Paul Pleus
Wie ein ehemaliger Citibank-Direktor mit Controller-Disziplin und einem 6-Jahres-Scoring aus Fundamentaldaten und Momentum die Volatilität zähmt, dokumentiert im wikifolio „PPinvest Low Vola*“.
Im August 2012 eröffnete Paul Pleus sein erstes wikifolio, ein Musterdepot für das eigene Geld und für Familie und Freunde, mit 5 Prozent Performancegebühr. Im größten, PPinvest Low Vola, liegen heute über 10 Millionen, seit dem 2. Januar 2024 steht es bei 79,7 Prozent Plus. Die Modelle dahinter gingen einmal komplett verloren, als er an einem Tag aus Versehen über 20 Jahre Arbeit in Excel überschrieb.
Im Gespräch erklärt er seinen Ablauf in drei Schritten. Am Wochenende berechnet sein Modell aus vier Indizes und zwei Volatilitätsindizes, wie viel Kapital auf steigende Kurse, auf fallende Kurse und in Cash gehört. Danach sucht er Trends und Länder, zuletzt füllt er das Depot per Scoring aus Fundamentaldaten und Momentum mit Nebenwerten, die kaum jemand analysiert.
News
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Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 6 Punkte: Auswahl 2 · Einstieg 1 · Ausstieg 1 · Depot 1 · Absicherung 1
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RegelAuswahl6-Jahres-Scoring3 + 1 + 2 Jahre Das 6-Jahres-Scoring: Paul Pleus blickt auf drei Jahre Historie, das laufende Jahr und zwei Jahre Forecast: „Drei Jahre in der Vergangenheit, ein Jahr aktuell, zwei Jahre Zukunft.“
Zitat & Begründung
„Drei Jahre in der Vergangenheit, ein Jahr aktuell, zwei Jahre Zukunft.“ ▶ 1:38:31
- Für sein Scoring nimmt er in Summe sechs Jahre an Daten.
- Er schaut drei Jahre zurück und zwei Jahre nach vorne, aktuell also bis 2028.
- Diese Daten pflegt er für jede Firma in einem eigenen Modell.
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RegelEinstiegFundamentaldaten und Momentum verschmelzen20:80 im Januar70:30 zum Jahresende Fundamentaldaten und Momentum verschmelzen: Die Gewichtung wandert im Jahresverlauf: Im Januar zählen die Fundamentaldaten rund 80 Prozent, zum Jahresende das Momentum etwa 70 Prozent.
Zitat & Begründung
„So am Ende vom Jahr ist es 70, 30 sage ich jetzt mal Momentum.“ ▶ 1:06:56
- Sein Scoring verbindet Fundamentaldaten und Momentum.
- Im Januar zählen vor allem die Fundamentaldaten.
- Zum Jahresende bekommt das Momentum das größere Gewicht.
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RätAusstiegGewinner haltenKlare Aussage Nachkaufen statt Verkaufen: Ein Kursplus ist für Paul Pleus kein Verkaufsgrund. Ist eine Firma nach seinem Modell noch deutlich mehr wert, bleibt er drin: „Heute weiß ich, wenn die Firma noch viel mehr wert ist, dann verkaufe ich nicht.“
Zitat & Begründung
„Heute weiß ich, wenn die Firma noch viel mehr wert ist, dann verkaufe ich nicht.“ ▶ 2:08:10
- Früher hat er bei 50 Prozent Plus verkauft.
- Eine Aktie kann nur 100 Prozent verlieren, aber über 1000 Prozent gewinnen.
- Bei einem Zehnbagger hat er nur Teilgewinne mitgenommen und den Rest laufen lassen.
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RegelDepot100 verfolgen, 25 kaufenTop 25Free Float unter 500 Mio. $ Selektion: Rund 100 Firmen verfolgt Paul Pleus mit detaillierten Modellen, gekauft werden die Top 25: Nebenwerte mit einem Free Float von grob unter 500 Millionen US-Dollar.
Zitat & Begründung
„ich verfolge ungefähr 100 Firmen mit meinen Modellen und sag die top 25 die kaufe ich“ ▶ 52:59
- Bei Nebenwerten mit einem Free Float unter 500 Millionen US-Dollar sieht er die höchsten Chancen auf noch unentdeckte Firmen.
- Fällt eine Aktie unter Platz 25, tauscht er sie gegen eine mit höherer Punktzahl.
- Mehr als 100 Modelle will er nicht pflegen.
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TabuAuswahlNur was er verstehtKlare Aussage Branchen-Hygiene: Konsequenter Verzicht auf Biotech: „Die Branchen sind praktisch alles außer Biotechnologie. Weil das verstehe ich nicht in den meisten Fällen.“
Zitat & Begründung
„die Branchen sind praktisch alles außer Biotechnologie. Weil das verstehe ich nicht in den meisten Fällen.“ ▶ 1:18:03
- Er versteht die Branche in den meisten Fällen nicht.
- Ob ein Medikament in Studien funktioniert, ist oft Hopp oder Top.
- Damit ist er schon auf die Nase gefallen.
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SkeptischAbsicherungAbsichern statt Stops Keine Stop-Loss-Marken: Bei kleinen Werten hält Paul Pleus Stops für kontraproduktiv. Abgesichert wird stattdessen über das Gesamtportfolio und Short-Produkte.
Zitat & Begründung
„Also das mit Stops ist gefährlich bei kleinen, kleineren Nebenwerten, sag ich jetzt mal.“ ▶ 1:54:50
- Nebenwerte schwanken stark, manche steigen an einem Tag um 30 Prozent.
- Bei größeren Werten hält er Stops für sinnvoll.
- Abgesichert wird über Shortprodukte und ETFs, wenn sein System fallende Kurse anzeigt.
Meinungen von Paul Pleus aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie Paul Pleus sein 6-Jahres-Scoring-System entwickelt hat
Angefixt hat ihn ein Börsenspiel mit einem Kommilitonen im BWL-Studium. Nach dem Studium war er Controller bei einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft, dann 13 Jahre bei der Citibank. Dort fing er als einer der ersten 16 Mitarbeiter eines Kreditkarten-Start-ups an, das vom 1. April bis zum 1. Juli auf über 300 Leute wuchs. Als Direktor musste er jeden Trade der Compliance melden und handelte kaum noch.
In der Dotcom-Zeit zeichnete er Neuemissionen, die am ersten Tag 30 bis 40 Prozent stiegen, und zahlte im Absturz viel Lehrgeld. 2007 verließ er die Bank aus privaten Gründen, er pendelte nach Düsseldorf und hatte inzwischen drei Kinder. Einen Großteil der fälligen Aktienoptionen verkaufte er, 2008 war er ganz aus der Citigroup raus. Als der Kurs danach in den Keller ging, kaufte er nach, und die Aktie fiel weiter.
Als selbstständiger Headhunter stieg er nach drei bis fünf Jahren wieder tiefer in Aktien ein und baute Bewertungsmodelle in Excel. Ein KGV von zwei sagt ihm heute allein nichts mehr. Das Buch „What Works on Wall Street“ brachte ihn dazu, viele Kennzahlen zu kombinieren und das Momentum einzubeziehen. Wo sein frühes Modell ein Jahr nach vorn schaute, rechnet er heute zwei Jahre Zukunft ein.
Dann überschrieb er alle Excel-Modelle auf einmal. Er fing mit einem leeren Blatt in Google Sheets neu an, ließ alles weg, was er nicht mehr nutzte, und fragt die Kurse nun in Echtzeit ab. Nach einer Viertelstunde mit den Quartalszahlen weiß er, ob aus einer Aktie etwas wird.
So funktioniert Paul Pleus' Low-Vola-Strategie
Jedes Wochenende gibt er in 20 bis 30 Minuten Daten zu DAX, Euro Stoxx 50, Nasdaq 100, S&P 500, VIX und VDAX ein. Heraus kommt, wie viel Geld auf steigende Kurse, auf fallende Kurse und neutral in Cash, Rohstoffe oder Devisen gehört. Bewegt sich einer der vier Indizes an einem Tag um mehr als 2,5 Prozent, beim VIX um mehr als 5 Prozent, rechnet er am selben Abend. Dann vergleicht er Plan und Ist wie früher als Controller. Weicht das Depot ab, etwa 50 statt 70 Prozent long, stockt er Aktien auf oder baut ab und sichert sich mit Short-Produkten auf DAX, Nasdaq und S&P 500 ab.
Im zweiten Schritt sucht er, wohin das Geld soll. Einmal im Monat geht er seine Mindmap mit Trends durch, etwa die alternde Bevölkerung, Wasserknappheit oder die Ausgaben für Bundeswehr und Infrastruktur. Dazu kommen Länder wie Kanada für Rohstoffe oder Chile für Lithium. Über den Trend Wasser fand er eine Firma, die im Market Screener als Goldaktie geführt wird und nur das Wassermanagement von Goldminen betreibt.
Im dritten Schritt bekommt jede seiner 100 Modellfirmen einen Score für Fundamentaldaten und einen für Momentum. Das Momentum misst er über einen, drei, sechs und zwölf Monate. Den fairen Wert leitet er aus Dividendenrendite, EV/EBITDA und KGV ab. Firmen ohne Erträge, etwa eine Goldmine, die erst in zehn Jahren liefert, schließt er aus. Jeder Platz in den Top 25 hat einen bestimmten Prozentsatz im Depot. Steigt eine Aktie im Kurs, ohne dass ihr Score mitzieht, baut er sie ab.
Rund 75 Prozent seines Vermögens stecken in diesen Top-25-Aktien, der Rest in ETFs und ETF-Sparplänen. Gedacht ist jede Position für drei bis fünf Jahre, er sieht sich zu 90 Prozent als Investor und zu 10 Prozent als Trader. Den Chart nutzt er nur für den Einstiegskurs, etwa eine Kauforder an einer Unterstützung. Daneben handelt er Rohstoffe über ETCs und Rohstoffaktien, etwa bei Zinn und Antimon.
Paul Pleus legt diszipliniert, zahlengetrieben und geduldig an
Früher hielt er sich für cleverer als sein eigenes System und überstimmte es. Seit er die Signale ohne eigene Marktmeinung umsetzt, funktioniert es. Als Anfang März der Krieg im Nahen Osten begann, schlug das System über die 2,5-Prozent-Marke aus und meldete Absichern. Er setzte auf fallende Indizes, damit sich steigende und fallende Teile im Musterdepot ausgleichen. Dass Absicherung Performance kostet, nimmt er nach 2000 und der Finanzkrise in Kauf.
Sein System ist so gebaut, dass er eine Woche nicht hineinschauen muss, wenn seine Frau in den Urlaub will. Im Winter fährt er sonntags Auswertungen, im Sommer steht er um vier Uhr auf dem Tennisplatz. Einmal die Woche telefoniert er um 12 Uhr mit einem festen Vertrauten.
Er liegt oft falsch und wartet dann, wenn er den fairen Wert einer Firma kennt. Ein oder zwei schwache Jahre hält er aus, nach drei bis fünf Jahren ohne Erfolg würde er sein Vorgehen ändern. Früher verkaufte er bei 50 Prozent Plus. Bei seinem Zehnbagger nahm er unterwegs Teilgewinne mit und ließ den Rest laufen. Auf seinem Bildschirm stünde „Eine Aktie kann nur 100 Prozent verlieren, aber über 1000 Prozent gewinnen.“
Was das für dich heißt
Paul Pleus ist seit knapp 40 Jahren an der Börse und hat als Controller angefangen. So arbeitet er bis heute, mit Plan und Ist:
- Er hat sein System so aufgebaut, dass er eine Woche lang nicht hineinschauen muss, außer ein Index bewegt sich an einem Tag um mehr als 2,5 Prozent. Hast du eine feste Regel, wann du auf den Markt schaust, und wann nicht?
- Er sichert sofort ab, wenn sein System erhöhte Nervosität meldet. Was ist dein Signal, dein Risiko zu verringern, bevor es wehtut?
- Er lässt Biotech weg, weil er die Branche in den meisten Fällen nicht versteht. In welchem deiner Werte steckt Geld, dessen Geschäft du nicht erklären könntest?
- Er verkauft nicht, nur weil eine Aktie im Plus ist, solange die Firma nach seinem Modell noch deutlich mehr wert ist. Verkaufst du, weil sich an der Firma etwas geändert hat, oder weil der Kurs gestiegen ist?
Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 4 →
Seine Positionen
Welche Anlagen Paul Pleus im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im April 2026).
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HältNebenwerteFree Float unter 500 Mio. $1:22:54 Zitat
„Bei Nebenwerten, die sonst keiner anguckt, habe ich teilweise einen Riesenvorteil“
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SkeptischGroße Standardwertekein Vorteil gegenüber Analysten1:22:54 Zitat
„Und ich sehe nicht, wie ich da irgendwie einen Vorteil haben kann gegenüber den 24.999.“
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HältShortprodukteAbsicherung gegen fallenden Markt1:09:40 Zitat
„Shortprodukte, die ich zur Absicherung nutze, weil zum Beispiel ich nicht unbedingt aus der Aktie rausgehen will“
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HältRohstoff-ETCsneben den Aktien1:31:41 Zitat
„Hinzu kommen da eben auch noch Rohstoffe, ETCs, die ich handle, auf jeden Fall.“
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MeidetBiotechversteht er meist nicht1:18:03 Zitat
„die Branchen sind praktisch alles außer Biotechnologie. Weil das verstehe ich nicht in den meisten Fällen.“
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MeidetGoldminen ohne Umsatzzu unsicher1:18:43 Zitat
„Ich habe eine Goldmine wo ich aber erst in zehn Jahren, weil das ist auch zu unsicher“
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MeidetKryptowährungennull im Depot1:17:49 Zitat
„Ja, Krypto ist null. Kein Krypto.“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von Paul Pleus
Buchtipps aller Gäste →Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Paul Pleus war 13 Jahre bei der Citibank, zuletzt als Direktor, und ist heute hauptberuflich Anleger mit einem streng datengetriebenen Prozess. Nach seinem selbst entwickelten 6-Jahres-Scoring-Modell aus Fundamentaldaten und Momentum führt er wikifolios, also Musterdepots, in denen zusammen rund 20 Millionen investiert sind.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →… Schön, dass bei Bulle & Mensch genau dafür Raum entsteht. Am Ende zählt wirklich der Mensch.
Sehr gutes Interview! Echt interessant mal zu erfahren, wie andere wikifolio Trader so an die Sache herangehen!
Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was Paul Pleus dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
- Was ist dein Edge?Paul Pleus: Tiefe Analyse unbeachteter Nebenwerte
- Kaufst du nach, wenn der Kurs fällt?Paul Pleus: Citibank verbilligt, die Aktie fiel weiter
- Wann brichst du deine eigenen Regeln?Paul Pleus: Früher seine Marktmeinung über das Modell gestellt
- Wie lange hat es gedauert, bis du profitabel warst?Paul Pleus: Knapp 40 Jahre Börse, die Ausbildung war teuer
- Wie viel Zeit kostet dich dein Ansatz?Paul Pleus: Vollzeit, weil er besser sein will als der MSCI World












