Begriff · Trading
Was ist der Teilverkauf?
Teilverkauf: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Ein Teilverkauf ist der Verkauf eines Teils einer Aktien- oder Trading-Position, während der Rest im Depot bleibt. Anleger und Trader sichern damit einen Teil des Gewinns oder verkleinern eine zu groß gewordene Gewichtung. Der verbliebene Teil kann weiter steigen, oft abgesichert durch einen nachgezogenen Stop-Loss.
Definition von Teilverkauf
Beim Teilverkauf trennt sich ein Anleger von einem Teil seiner Stücke, etwa der Hälfte, einem Drittel oder einem Viertel. Gängig sind auch die Bezeichnungen Teilgewinnmitnahme oder Position teilweise schließen, im Englischen heißt das Scaling Out. Das Gegenstück beim Kauf ist der Einstieg in mehreren Tranchen.
Ein Teilverkauf verbindet zwei Ziele. Ein Teil des Buchgewinns wird realisiert und ist damit gesichert. Der andere Teil bleibt investiert und nimmt an weiter steigenden Kursen teil. Viele empfinden das als Entlastung, weil die Entscheidung zwischen alles verkaufen und alles halten entfällt. Der Preis dafür: Steigt die Aktie weiter, fällt der Gewinn kleiner aus als mit der vollen Position. Auf den verkauften Teil fallen außerdem Gebühren und gegebenenfalls Steuern an.
Wie funktioniert ein Teilverkauf?
Vor dem Verkauf steht die Frage, wie viel verkauft wird und wann. Verbreitet sind feste Anteile wie die Hälfte oder ein Drittel, ausgelöst durch ein Kursziel, einen bestimmten Gewinn in Prozent oder ein Vielfaches des ursprünglichen Risikos.
| Kauf | 100 Aktien zu 50 € (5.000 €) |
|---|---|
| Kurs nach dem Anstieg | 75 € |
| Teilverkauf der Hälfte | 50 Aktien für 3.750 € |
| Realisierter Gewinn | 1.250 € |
| Restposition | 50 Aktien (3.750 €) |
Fällt die Aktie danach auf den Einstiegskurs von 50 Euro zurück, bleibt die Position insgesamt im Plus: Die 1.250 Euro sind realisiert, die Restposition steht bei null. Steigt sie dagegen auf 100 Euro, bringt die Restposition weitere 2.500 Euro, zusammen also 3.750 Euro. Mit der vollen Position wären es 5.000 Euro gewesen.
Häufig wird der Stop-Loss für die Restposition nach dem Teilverkauf auf den Einstiegskurs gezogen. Ab dann kann aus dem Trade im ungünstigen Fall kein Verlust mehr entstehen.
Teilverkauf in der Praxis
Investoren nutzen Teilverkäufe vor allem, um die Gewichtung im Depot zu steuern. Ist eine Aktie stark gestiegen und macht plötzlich einen großen Anteil des Depots aus, holt ein Teilverkauf das Klumpenrisiko zurück auf ein gewünschtes Maß. Manche verkaufen genau so viel, dass der ursprüngliche Einsatz zurück ist, und lassen den Rest als reine Gewinnposition laufen.
Trader arbeiten meist mit festen Regeln, zum Beispiel:
- die Hälfte beim ersten Kursziel, der Rest mit nachgezogenem Stopp,
- ein Teilverkauf, sobald der Gewinn das Zweifache des Risikos erreicht,
- ein Viertel oder ein Drittel nach einem ungewöhnlich schnellen Anstieg,
- ein fester Rest als „Läufer“ ohne festes Ziel.
Umstritten ist der Teilverkauf trotzdem. Kritiker wenden ein, dass er ausgerechnet die erfolgreichen Positionen verkleinert. Wer an sein Kursziel glaubt, müsste die ganze Position halten, wer nicht mehr daran glaubt, alles verkaufen.
Teilverkauf bei [Bulle & Mensch]
Teilverkäufe tauchen bei [Bulle & Mensch] immer dann auf, wenn es um Ausstiege und Risikomanagement geht. Dirk Siebenhaar nimmt nach schnellen Anstiegen ein Viertel oder ein Drittel Gewinn mit und zieht den Stopp auf Einstand. David Pieper geht mit der ersten Teilposition raus, wenn das Zweifache des Risikos erreicht ist, und Oliver Klemm lässt nach dem Ziel für zwei Drittel einen Läufer im Markt. Torsten Maus verkleinert zu groß gewordene Positionen, Thomas Sparkojote hat sich bei Nvidia per Teilverkauf den Einsatz zurückgeholt.
Was meine Gäste über Teilverkauf sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Oliver Klemm | Zwei Drittel mit Ziel, der Rest als Läufer |
| Dirk Siebenhaar | Viertelgewinn mitnehmen, Stopp auf Einstand |
| David Pieper | Erste Teilposition beim Zweifachen des Risikos |
| Torsten Maus | Zu große Gewichtung per Teilverkauf verkleinern |
| Thomas Sparkojote | Einsatz zurückholen, der Rest ist Reingewinn |
Die Aussagen im Wortlaut
Zwei Drittel mit Ziel, der Rest als Läufer
„Das Ziel steht fest, zumindest zu zwei Dritteln. Und es kann sein, je nachdem, wenn der Markt sehr dynamisch ist, dann habe ich noch einen, nennen wir es mal den Läufer. Das ist der, der gucken kann, was er so finden kann.“
Viertelgewinn mitnehmen, Stopp auf Einstand
„Wenn eine Aktie […] die durchschnittlich 2 % am Tag steigt, plötzlich 6 % am Tag steigt, dann neige ich dazu zu sagen, okay, ich nehme einfach mal einen Viertelgewinn mit und ziehe ab dann den Stopp auf Einstand. Das heißt, dieser Trade ist ab dem Moment safe und läuft free.“
Erste Teilposition beim Zweifachen des Risikos
„Wenn ich das Zweifache vom Risiko erreicht habe, gehe ich mit der ersten Teilposition raus und so weiter. Es ist ein sehr statistisches Spiel und extremer Fokus auf Risikomanagement.“
Zu große Gewichtung per Teilverkauf verkleinern
„Dann hat man zum Beispiel über 7 Prozent im [wikifolio] Anteil gehabt und dann am Schluss steigt die auf 11 oder 12 Prozent an und dann sieht man, okay, die Aktie geht jetzt in so einer Top-Bildungsphase über. […] Dann geht man einfach mit einem Teil der Position raus.“
Einsatz zurückholen, der Rest ist Reingewinn
„Ich hab dann einmal Ende 24 einen Teilverkauf gemacht über einen [Covered Call]. […] Für mich ist es psychologisch was gewesen. Ich habe gesagt, ich möchte den Einsatz rausholen plus noch Gewinn.“



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