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Was ist das Chance-Risiko-Verhältnis?

Chance-Risiko-Verhältnis: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Das Chance-Risiko-Verhältnis ist das Verhältnis zwischen dem möglichen Gewinn eines Trades und dem Verlust, der bis zum Stop-Loss droht. Ein CRV von 2 bedeutet: Für jeden riskierten Euro sind zwei Euro Gewinn möglich. Erst zusammen mit der Trefferquote zeigt es, ob eine Strategie auf Dauer einen positiven Erwartungswert hat.

Chance-Risiko-Verhältnis: Definition und Erklärung

Das Chance-Risiko-Verhältnis, kurz CRV, setzt den möglichen Gewinn eines Trades ins Verhältnis zum möglichen Verlust. Im Englischen heißt es Risk-Reward-Ratio oder Reward-to-Risk-Ratio. Die Chance ist der Abstand vom Einstieg zum Kursziel, das Risiko der Abstand vom Einstieg zum Stop-Loss. Ein CRV von 3, oft als „3 zu 1“ geschrieben, heißt: Der mögliche Gewinn ist dreimal so groß wie der mögliche Verlust. Im Englischen wird das Verhältnis häufig umgekehrt notiert („1:3“), gemeint ist dasselbe.

Ein hohes CRV allein sagt noch nichts über die Qualität eines Trades. Je weiter das Kursziel entfernt ist oder je enger der Stopp liegt, desto höher fällt das CRV aus – desto seltener wird das Ziel aber auch erreicht. Deshalb gehört das CRV immer mit der Trefferquote zusammen: Erst beide gemeinsam ergeben den Erwartungswert einer Strategie. Wie viel Kapital in einem Trade steckt und wie viel davon auf dem Spiel steht, regelt dagegen die Positionsgröße.

Außerhalb des kurzfristigen Tradings wird der Begriff lockerer verwendet. Langfristige Anleger sprechen von einem guten Chance-Risiko-Verhältnis, wenn Bewertung, Qualität und Risiken eines Unternehmens in einem günstigen Verhältnis stehen – auch ohne festes Kursziel und festen Stopp.

Chance-Risiko-Verhältnis berechnen: so funktioniert es

Für das CRV braucht es drei Kurse, die vor dem Einstieg feststehen: den Einstiegskurs, das Kursziel und den Stop-Loss. Die Formel für einen Long-Trade lautet: CRV = (Kursziel − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop-Loss). Bei einem Short-Trade drehen sich die Abstände entsprechend um.

Einstieg50 €
Stop-Loss48 €
Kursziel56 €
Risiko pro Aktie2 €
Chance pro Aktie6 €
Chance-Risiko-Verhältnis3 (3 zu 1)

Aus dem CRV lässt sich ablesen, welche Trefferquote mindestens nötig ist, um vor Kosten nicht zu verlieren: Break-even-Trefferquote = 1 ÷ (1 + CRV). Bei einem CRV von 1 sind das 50 Prozent, bei 2 rund 33 Prozent, bei 3 nur noch 25 Prozent.

Den Erwartungswert pro Trade, gemessen in Vielfachen des Risikos (oft R genannt), liefert die Formel Trefferquote × CRV − (1 − Trefferquote). Ein Beispiel: Bei einem CRV von 2,5 und einer Trefferquote von 40 Prozent ergibt sich 0,4 × 2,5 − 0,6 = +0,4 R. Wer pro Trade 100 € riskiert, verdient damit im Schnitt rund 40 € je Trade – vor Kosten und nur über viele Trades gerechnet.

Chance-Risiko-Verhältnis in der Praxis

Welches CRV sinnvoll ist, hängt vom Handelsstil ab. Trendfolger arbeiten oft mit niedrigen Trefferquoten und hohen CRVs, weil wenige große Gewinner viele kleine Verluste ausgleichen. Andere Ansätze, etwa der Verkauf von Optionen, erzielen hohe Trefferquoten bei einem CRV deutlich unter 1. Faustregeln wie „mindestens 2 zu 1“ sind verbreitet, ersetzen aber keine Auswertung der eigenen Trades.

In der Praxis weicht das tatsächlich erzielte CRV oft vom geplanten ab. Typische Stolpersteine sind:

Chance-Risiko-Verhältnis bei [Bulle & Mensch]

Für mehrere Trader unter den Gästen ist das Chance-Risiko-Verhältnis eine zentrale Stellschraube. Gerd Ackermann hat sein Depot auf Married Puts umgestellt, nachdem er bei der Vorbereitung einer Präsentation das Chance-Risiko-Profil durchgerechnet hatte: Er kappt das Risiko nach unten, lässt die Chance offen und betont, dass eine Halbierung des Risikos das CRV verdoppelt. Rüdiger Born sieht es als Aufgabe des Händlers, das Verhältnis zu gestalten; es ergibt sich für ihn aus der Platzierung des Stopps, und sein Bornbar-Ansatz arbeitet mit rund 2,5 zu 1 bei etwa 40 Prozent Trefferquote. Max Schulz beeinflusst das Verhältnis aus durchschnittlichem Gewinn und Verlust gezielt über sein Trade-Management.

Es gibt auch mahnende Stimmen. Wieland Arlt hält ein CRV von 3 bei 50 Prozent Trefferquote für unrealistisch und rät, die Gewinnerwartung eher auf 1,5 bis 2 herunterzusetzen. Investoren nutzen den Begriff freier: Dominik Doster wägt bei jedem Kauf Chance-Risiko-Verhältnis, Bewertung und Qualität ab und hält Positionen mit gutem CRV, aber unsicherem Wachstum bewusst klein. Christian Jagd richtet seine Positionsgröße nach dem Verhältnis aus Chance und Risiko aus, und Thomas Sparkojote verzichtet auf ein Optionsgeschäft, wenn das Chance-Risiko-Verhältnis wegen zu hoher Volatilität nicht passt.

💬 Was unsere Gäste über Chance-Risiko-Verhältnis sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Gerd AckermannRisiko halbieren verdoppelt das CRV
Max SchulzGewinn-Verlust-Verhältnis per Trade-Management
André DoerkBestes CRV bei Themen ohne Aufmerksamkeit
Wieland ArltRealistisches CRV eher 1,5 bis 2
Thomas SparkojoteKein Optionstrade ohne passendes CRV

Die Aussagen im Wortlaut

Risiko halbieren verdoppelt das CRV

„Wenn ich das Risiko halbiere, habe ich gerade mein Chancen-Risiko-Verhältnis verdoppelt. […] Der eine hat ein Chancen-Risiko-Verhältnis von 1,17 und der andere von 1,25. Da würde man sagen, das ist fast das Gleiche. Ist es aber nicht. Weil bei der gleichen Trefferquote macht der eine viermal so hohen Erwartungswert.“
Gerd Ackermann Folge 20: Mit Optionen 30-40 % Rendite erzielen - bei minimalem Verlustrisiko ▶ 2:04:07 auf YouTube

Gewinn-Verlust-Verhältnis per Trade-Management

„Die offene Position zu managen ist […] die andere Hälfte des Erfolges. […] Da spielt tatsächlich die Mathematik, das Verhältnis zwischen dem Gewinn und Verlust: Was ist mein durchschnittlicher Verlust, was mein durchschnittlicher Gewinn? Und das kann man alles mit dem Trade Management beeinflussen.“
Max Schulz Folge 18: Millionen mit Rohstoffen: Max Schulz' System mit nur einer Analyse pro Woche ▶ 1:48:03 auf YouTube

Bestes CRV bei Themen ohne Aufmerksamkeit

„Da ist eben das Problem, dass die Themen, die eigentlich wirklich vom Chance-Risiko-Verhältnis das meiste Sinn machen würden, dass Anleger sich damit beschäftigen, […] die sind, wo sie sich genau gar nicht für interessieren aktuell, sondern sie interessieren sich leider immer erst viel zu spät dafür, wenn eben die Kurse schon angezogen sind.“
André Doerk Folge 17: Dividendenfabrik: 8 % Dividende in Märkten, die kaum ein Privatanleger kennt ▶ 1:42:48 auf YouTube

Realistisches CRV eher 1,5 bis 2

„50 % deiner Trades insgesamt werden auf 0 laufen. 50 % deiner Trades insgesamt werden auf 3,0-Chance-Risiko-Verhältnis laufen. Das ist nicht realistisch. Das heißt, du musst deine Erwartungen ein bisschen anpassen. […] Vielleicht auf 1,5 oder 2,0, je nach Marktdynamik.“
Wieland Arlt Folge 7: Was dein Depot über dich verrät: Warum IFTA-Präsident Wieland Arlt Kontoauszügen nicht traut ▶ 1:29:55 auf YouTube

Kein Optionstrade ohne passendes CRV

„Da geht es dann eben darum, was sind die Kennzahlen bei Optionen, […] die implizite Volatilität und so weiter. Anhand dessen entscheidet man dann: Geht man diesen Optionstrade ein […] oder ist einfach […] das Risiko-Chancen-Verhältnis nicht da, weil einfach die Volatilität viel zu hoch ist für mein Beuteschema.“
Thomas Sparkojote Folge 2: Wie Thomas Sparkojote sein Millionen-Depot mit Optionen zum Cashflow-Motor macht ▶ 56:49 auf YouTube

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