Begriff · Trading
Was ist die Trefferquote?
Trefferquote: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Die Trefferquote ist der Anteil der Trades, die mit Gewinn geschlossen werden, gemessen an allen Trades. Sie wird meist in Prozent angegeben. Allein sagt sie wenig über den Erfolg: Erst zusammen mit dem Chance-Risiko-Verhältnis, also dem Verhältnis von durchschnittlichem Gewinn zu durchschnittlichem Verlust, zeigt sie, ob eine Strategie langfristig Geld verdient.
Trefferquote: Definition und Erklärung
Die Trefferquote gibt an, wie viele von allen abgeschlossenen Trades im Gewinn enden. Im Englischen heißt sie Win Rate oder Hit Rate. Wer von 100 Trades 40 mit Gewinn schließt, hat eine Trefferquote von 40 Prozent.
Viele Einsteiger halten eine hohe Trefferquote für das wichtigste Ziel. Das ist ein Missverständnis. Entscheidend ist, wie groß die Gewinne im Verhältnis zu den Verlusten sind. Eine Strategie mit 30 Prozent Trefferquote kann profitabel sein, eine mit 90 Prozent kann Geld verlieren. Die Trefferquote ist deshalb nur die halbe Rechnung.
Die andere Hälfte ist das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV), hier verstanden als durchschnittlicher Gewinn geteilt durch durchschnittlichen Verlust. Aus beiden zusammen ergibt sich der Erwartungswert, also der Betrag, den eine Strategie im Schnitt pro Trade verdient oder verliert.
Trefferquote berechnen: Formel und Erwartungswert
Die Trefferquote ist schnell berechnet: Gewinntrades geteilt durch alle Trades.
| Abgeschlossene Trades | 100 |
|---|---|
| Davon im Gewinn | 40 |
| Trefferquote | 40 % |
Aussagekräftig wird sie erst mit dem Erwartungswert. Die Formel: Erwartungswert = Trefferquote × durchschnittlicher Gewinn − (1 − Trefferquote) × durchschnittlicher Verlust.
| Trefferquote | 40 % |
|---|---|
| Durchschnittlicher Gewinn | 300 € |
| Durchschnittlicher Verlust | 100 € |
| Chance-Risiko-Verhältnis | 3 : 1 |
| Erwartungswert pro Trade | +60 € |
Die Rechnung: 0,4 × 300 € − 0,6 × 100 € = 120 € − 60 € = 60 €. Über 100 Trades sind das im Schnitt 6.000 Euro, obwohl 60 von 100 Trades Verluste sind.
Die Break-even-Trefferquote, also die Quote, ab der eine Strategie vor Kosten nicht mehr verliert, hängt vom Chance-Risiko-Verhältnis ab. Die Formel: 1 ÷ (1 + CRV).
| CRV 1 : 1 | 50 % |
|---|---|
| CRV 2 : 1 | 33,3 % |
| CRV 3 : 1 | 25 % |
| CRV 5 : 1 | 16,7 % |
Trefferquote in der Praxis
In der Praxis ist die Trefferquote vor allem eine Frage des Stils. Trendfolger und Ausbruchstrader liegen oft deutlich unter 50 Prozent, weil sie viele kleine Verluste in Kauf nehmen und von wenigen großen Gewinnen leben. Stillhalter und Strategien mit engen Gewinnzielen erreichen oft sehr hohe Trefferquoten, riskieren dafür aber seltene, große Verluste.
Worauf erfahrene Trader achten:
- Trefferquote und CRV gemeinsam betrachten, nie eine Zahl allein,
- genug Trades auswerten: Nach 10 Trades sagt die Quote kaum etwas, aussagekräftig wird sie erst mit deutlich mehr,
- die Trefferquote im Trading-Journal oder Backtest je Marktphase vergleichen, weil sie in Trendmärkten und Seitwärtsphasen stark schwanken kann,
- Verlustserien einplanen: Bei 40 Prozent Trefferquote sind 5 Verluste in Folge über viele Trades keine Seltenheit.
Eine hohe Trefferquote fühlt sich gut an. Wer aber Gewinne früh mitnimmt und Verluste laufen lässt, um sie hochzuhalten, verschlechtert oft den Erwartungswert.
Trefferquote bei [Bulle & Mensch]
Bei [Bulle & Mensch] warnen viele Gäste davor, die Trefferquote zu überschätzen. Rüdiger Born sagt, 99 Prozent Trefferquote seien leicht zu bauen, aber nicht effizient, und betont, dass er für Performance bezahlt wird, nicht für Trefferquote. Gerd Ackermann rechnet konsequent über den Erwartungswert und braucht wegen seines hohen Chance-Risiko-Verhältnisses nur 15 bis 20 Prozent Treffer. Robin Kömel nimmt mit rund 40 Prozent bewusst eine niedrige Quote in Kauf, um das Risiko klein zu halten.
Andere setzen die Akzente anders. Dirk Siebenhaar liegt trotz enger Stopps bei fast 50 Prozent, Torsten Maus beobachtet, dass seine Trefferquote bei Ausbrüchen stark vom Marktumfeld abhängt, und Dr. Hendrik Leber misst in seinen Fonds neben der Hit Ratio, wie viel die richtigen Entscheidungen bringen. David Pieper erreicht als Stillhalter sehr hohe Trefferquoten, warnt aber vor dem Versprechen von 100 Prozent. Und Michael Pisnyachevskiy musste erst lernen, dass niemand immer recht hat.
💬 Was unsere Gäste über Trefferquote sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Hendrik Leber | Hit Ratio und Gewicht der Treffer zählen |
| Michael Kranich | Kein System trifft zu 100 Prozent |
| Gerd Ackermann | Bei hohem CRV reichen 15 bis 20 % Treffer |
| Dirk Siebenhaar | Fast 50 % trotz enger Stopps |
| Robin Kömel | Weniger Risiko kostet Trefferquote |
| David Pieper | Hohe Quote als Stillhalter, aber nie 100 % |
| Wieland Arlt | Bei 50 % Treffern müssen Gewinne größer sein als Verluste |
| Torsten Maus | Trefferquote hängt vom Marktumfeld ab |
| Michael Pisnyachevskiy | Keine Strategie hat immer recht |
Die Aussagen im Wortlaut
Hit Ratio und Gewicht der Treffer zählen
„Das eine ist die Hit Ratio, wie viel Prozent meine Entscheidungen sind richtig. […] Aber wenn ich von den guten große Positionen habe und von den schlechten kleine, habe ich alles richtig gemacht. Ich kann auch eine Trefferquote haben von 60 Prozent, das ist schon ziemlich klasse.“
Kein System trifft zu 100 Prozent
„Der Haken ist, dass das System nicht zu 100 Prozent funktioniert. Es sollte aber auch kein System geben, das tatsächlich zu 100 Prozent funktioniert. Jeder, der verkauft und sagt, ich kann damit perfekt timen die Märkte, das würde ich gerne mal sehen.“
Bei hohem CRV reichen 15 bis 20 % Treffer
„Wo steht mein Chancen-Risiko-Verhältnis? Und welchen Erwartungswert habe ich da raus? Und ich weiß dann mit welcher Trefferquote wird mein Erwartungswert positiv. […] ich brauche eine Trefferquote von 15 bis 20 Prozent, dann bin ich positiv.“
Fast 50 % trotz enger Stopps
„Meine Trefferquote liegt dennoch bei fast 50 Prozent. Und das ist recht viel. Die Trefferquote von diesen Trader, die ich eben alle hier genannt habe, […] die haben eher eine Trefferquote, wie du sagst, 25, 30 Prozent.“
Weniger Risiko kostet Trefferquote
„Lieber ein bisschen weniger Risiko und dafür aber entsprechend auch ein bisschen kleinere Trefferquote. […] wenn ich eine hohe Trefferquote haben will, dann muss ich in der Regel auch eher ein höheres Risiko eingehen oder aber ich gehe früher aus meinem Trade wieder raus.“
Hohe Quote als Stillhalter, aber nie 100 %
„Es ist nicht so, wie es oft verkauft wird. Ich gewinne immer, habe eine Trefferquote von 100%. Das ist definitiv falsch. Aber ich habe die Statistik auf meiner Seite.“
Bei 50 % Treffern müssen Gewinne größer sein als Verluste
„Du hast 100 Trades, 50 Gewinner, 50 Verlierer. Das heißt, wenn du immer nur das Gleiche einnimmst, wie du riskierst, brauchst du nicht zu traden, weil du kommst nicht weiter. […] Bedeutet aber, du musst mehr einnehmen, als du rausgibst.“
Trefferquote hängt vom Marktumfeld ab
„Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Markt habe, der heiß ist, wo es wirklich nach oben geht mit großen Schritten, dann steigt der Gesamtmarkt. Und wenn ich dann Ausbrüche bekomme, dann habe ich eine größere Trefferquote als in einem Markt, der jetzt irgendwie quer geht oder nach unten geht.“
Keine Strategie hat immer recht
„Im Zuge der Entwicklung habe ich dann verstanden, dass es eigentlich nur darum geht, dass du insgesamt eine positive Trefferquote hast über 50 Prozent. Du kannst nicht immer recht haben.“
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