Folge 7 · Wieland Arlt

Was dein Depot über dich verrät: Warum IFTA-Präsident Wieland Arlt Kontoauszügen nicht traut

IFTA-Präsident Wieland Arlt über technische Analyse mit Bollinger-Bändern, die Finanzkrise 2008/2009 als echten Wendepunkt und warum er Trading-Expertise zertifizieren will statt sie am Kontoauszug zu messen.

Der Markt kennt keine Ausreden. Er spiegelt sofort zurück, wie jemand arbeitet - sauber oder schlampig, geplant oder impulsiv. Wieland Arlt hat in über 20 Jahren an den Märkten gelernt, dass diese Rückmeldung unbequem ist, aber ehrlich.

Wieland Arlt ist IFTA-Präsident, Autor, Coach und technischer Analyst. In dieser Folge erzählt er, wie er 2004 aus Langeweile im Showroom eines Sportswear-Labels ins Trading stolperte, warum ihn die Finanzkrise 2008/2009 härter traf als jeder Anfängerverlust - und warum er heute eine eigene Zertifizierung gegen selbsternannte Trading-Experten aufbaut.

Wieland Arlt beschreibt sich selbst als Trader, Executive Trading Coach, Bestseller-Autor, Speaker und Nomade - fast alles außer nur Trader. Sein Geld verdient er längst nicht mehr allein mit dem eigenen Handel, sondern mit allem, was drumherum entstanden ist: Coaching, IFTA-Präsidentschaft, Bücher, internationale Vorträge.

„Du verhältst dich wie ein Idiot, wirst auch wie ein Idiot behandelt. Punkt. Ist so."
– Wieland Arlt

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Sein Leitsatz in drei Worten: „Qualität vor Quantität heißt eben wirklich saubere Signale. Nicht auf das schießen, was zuckt, sondern das, was auch schmeckt.“
  • Kontoauszüge beweisen gar nichts: „Du hast 10 Konten, 9 fährst du gegen die Wand und das zehnte zeigst du.“ Verlässlich ist für ihn nur ein öffentlich kontrollierter Wettbewerb wie der Robbins World Cup.
  • Die Finanzkrise war der eigentliche Wendepunkt: Nicht die ersten Knock-out-Verluste. „Das wird dir klar, wenn du auf dein Konto guckst. Das wird dir nicht klar, wenn es die Medien schreiben.“
  • Grundlagen zuerst, Abweichung später: „Du kannst Regeln erst dann brechen, wenn du sie kennst.“
  • Der Chart erklärt die Vergangenheit, nicht die Zukunft: „Der Chart sagt viel über die Vergangenheit aus, weil die auch da ist. Die Zukunft ist ja noch nicht da.“
  • Ein voller Chart beeindruckt niemanden: Es geht darum, klare Richtung und klare Bewegungsläufe zu erkennen - nicht darum, möglichst viele Indikatoren zu zeigen.
  • Ethik ist der Kern echter Expertise: „Elite Trading Experts“ bewertet in fünf Stufen von Accredited bis Legacy nicht Gewinnversprechen, sondern Fachwissen, Didaktik, Ethik, Beitrag zur Community und Lebensleistung.

Wie Wieland Arlt sein Handelssystem erarbeitet hat

Wieland Arlt hatte niemanden, der ihm ein fertiges System übergeben hätte - er musste es sich selbst erarbeiten. Bücher lieferten ihm die Grundlagen, aber kein Handelssystem. Eine klassische 1-2-3-Ausbruchstrategie verwarf er zum Beispiel bewusst wieder, weil ihn das langsame Auslaufen mental stärker belastete als ein schneller Verlust: „Was ich nicht akzeptiere, ist, dass ich gegrillt werde und lange in einer Unsicherheit bin." Ausgestoppt zu werden akzeptiert er - es soll nur schnell gehen. Sein Vergleich dazu ist der Zahnarztbesuch: kleines Loch ohne Betäubung, beim größeren Eingriff bitte mit.

Nach der Finanzkrise kam der zweite Bruch. Wieland Arlt zog sich aus Newslettern, Foren und Analyse-Portalen zurück, weil dort jeder zu einem anderen Schluss kam - je nach Zeitebene kaufen, verkaufen, halten. Ab da vereinfachte er radikal: weniger Indikatoren, mehr reine Preisbewegung.

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So funktioniert Wielands Money-Management-Strategie

Im Zentrum steht der Preis: Unterstützung, Widerstand, höhere Hochs und höhere Tiefs. Als zweites Werkzeug nutzt Wieland Arlt die Bollinger-Bänder, weil sie die Gaußsche Normalverteilung abbilden und damit zeigen, wann eine Bewegung überdehnt ist - obere und untere Bänder dienen ihm als Beobachtungs- und Einstiegszonen sowie als Kursziele. Prognose-Werkzeuge für die Zukunft lehnt er ab, denn: Der Chart beweist nur, wo der Markt in der Vergangenheit reagiert hat.

Für die Risikosteuerung nutzt er die Money-Management-Matrix aus seinem Buch: Anzahl der Trades, Trefferquote, Chance-Risiko-Verhältnis und Risiko pro Trade werden zusammen betrachtet. Sein Rechenbeispiel: 1 Prozent Risiko pro Trade, 50 Prozent Trefferquote, ein durchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis von 1,5 und 100 Trades - daraus ergeben sich rechnerisch rund 25 Prozent im Jahr. Getestet wird ausschließlich manuell und visuell am Chart: „Weil am Ende mit einem durchgerechten Backtest bescheißt du dich auch selber." Ein automatisierter Test unterstellt eine Disziplin, die kein manueller Trader wirklich hat - der visuelle Backtest zeigt dagegen, ob ein Muster im eigenen Handelsrhythmus überhaupt oft genug auftaucht.

Wieland Arlt als Trader und IFTA-Präsident: Ungeduld, Ablehnung und Klartext

Die Rolle als IFTA-Präsident hat Wieland Arlt nach eigener Aussage stärker geprägt als das Trading allein: „Ich hab mich einfach gefunden, ich hab mich freigelegt geradezu."

Als größte Schwäche nennt er offen Ungeduld und den Umgang mit Ablehnung. Genau daran hängt für ihn auch die Trading-Psychologie: Ein Verlust ist kein Urteil über die Person. „Also ist es nur das Nein zur Idee, nicht das Nein zu mir selber als Mensch oder als Person, als Persönlichkeit."

Aus der Beobachtung, dass viele selbsternannte Experten eher Marketing- als Trading-Kompetenz mitbringen, ist „Elite Trading Experts" entstanden: ein internationales Certification Committee mit Trading-Weltmeistern, preisgekrönten Analysten und einem US-Professor, das Expertise an Fachwissen, Didaktik, Ethik, öffentlichem Beitrag und Lebensleistung misst - nicht am Kontoauszug. Sein Maßstab für die höchste Stufe: „Wenn du wirklich etwas beigetragen hast, von dem andere profitieren."

Wer ist Wieland Arlt?

Angefangen hat alles 2004/2005. Wieland Arlt war angestellt im Vertrieb einer Textilfirma, saß im Showroom und surfte aus Langeweile durchs Internet. Auf einer Finanzwebsite sah er Tagesgewinner mit 500 Prozent - und begann sofort zu handeln, ohne zu wissen, was er da kaufte: gehebelte Knock-out-Produkte namens Rolling Turbos, jeden Tag neu auf Hebel 50 justiert. Danach folgte ein jahrelanger Autodidakten-Weg über die Klassiker der technischen Analyse - Murphy, Schwager, Nison, Bollinger.

2010 verließ Wieland Arlt die Textilbranche endgültig, machte eine komplette Trainer- und Coaching-Ausbildung und wurde Management-Trainer. Aus dieser Zeit stammt sein Buch „Risiko und Money Management“. Heute ist er seit sechs Jahren Präsident der IFTA (International Federation of Technical Analysts) und baut mit „Elite Trading Experts“ eine eigene, fünfstufige Zertifizierung für Trading-Expertise auf.

Im Zentrum seiner Strategie steht der Preis: Unterstützung, Widerstand, höhere Hochs und höhere Tiefs. Als zweites Werkzeug nutzt er die Bollinger-Bänder, weil sie die Gaußsche Normalverteilung abbilden und damit zeigen, wann eine Bewegung überdehnt ist. Getestet wird ausschließlich manuell und visuell am Chart, weil ein durchgerechneter Backtest eine Disziplin unterstellt, die kein manueller Trader wirklich hat.

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