Börsenpsychologie: Wieland Arlt über 20 Jahre Trading
IFTA-Präsident Wieland Arlt über technische Analyse mit Bollinger-Bändern, die Finanzkrise als echten Wendepunkt und warum er Trading-Expertise zertifizieren will statt sie am Kontoauszug zu messen.
Mit 150 bis 200 Euro fing Wieland Arlt 2004, 2005 an. Er kaufte Rolling Turbos mit Hebel 50, weil eine Finanzseite Tagesgewinner mit 500 Prozent zeigte. Die Papiere wurden jeden Tag neu auf Hebel 50 gestellt und zerlegten sich im Verlust in kurzer Zeit selbst. Härter traf ihn die Finanzkrise, weil die Summen da deutlich höher waren. Bis er eine Strategie hatte, mit der er Geld verdient, vergingen vier bis fünf Jahre.
Heute ist er IFTA-Präsident und handelt als Swing-Trader Indizes und die großen Währungspaare. Seine technische Analyse beschränkt er auf den Preis, auf Unterstützung und Widerstand im Tages- und Wochenchart und auf die Bollinger-Bänder. Das Risiko plant er mit seiner Money-Management-Matrix aus Zahl der Trades, Trefferquote, Chance-Risiko-Verhältnis und Risiko pro Trade.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 7 Punkte: Einstieg 3 · Auswahl 2 · Psychologie 1 · Routine 1
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RätEinstiegNur saubere SignaleKlare Aussage Sein Leitsatz in drei Worten: „Qualität vor Quantität heißt eben wirklich saubere Signale. Nicht auf das schießen, was zuckt, sondern das, was auch schmeckt.“
Zitat & Begründung
„Qualität vor Quantität heißt eben wirklich saubere Signale. Nicht auf das schießen, was zuckt, sondern das, was auch schmeckt.“ ▶ 2:05:15
- Das ist der eine Satz, den er sich an den Bildschirm kleben würde.
- Er nimmt nicht jeden Trade mit, der sich gerade bewegt, sondern wartet auf saubere Signale.
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SkeptischAuswahlKontoauszüge beweisen nichtsnur öffentlich kontrollierte KontenKlare Aussage Kontoauszüge beweisen gar nichts: „Du hast 10 Konten, 9 fährst du gegen die Wand und das zehnte zeigst du.“ Verlässlich ist für ihn nur ein öffentlich kontrollierter Wettbewerb wie der Robbins World Cup.
Zitat & Begründung
„Du hast 10 Konten, 9 fährst du gegen die Wand und das zehnte zeigst du.“ ▶ 1:59:31
- Wer viele Konten führt, kann die schlechten verschweigen und nur das beste zeigen.
- Beim Robbins World Cup sind die Konten offiziell, unter Beobachtung und mit echtem Geld.
- Bei seiner Zertifizierung fragt er deshalb bewusst nicht nach dem Kontoauszug.
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RätPsychologieDas eigene Konto statt der Medien Die Finanzkrise war der eigentliche Wendepunkt: Nicht die ersten Knock-out-Verluste. „Das wird dir klar, wenn du auf dein Konto guckst. Das wird dir nicht klar, wenn es die Medien schreiben.“
Zitat & Begründung
„Das wird dir klar, wenn du auf dein Konto guckst. Das wird dir nicht klar, wenn es die Medien schreiben.“ ▶ 27:02
- Die Medien schreiben für ihn zu spät, zu gefiltert und zu uninformiert.
- Den Crash merkte er daran, dass nichts mehr funktionierte und er immer mehr Geld verlor.
- In der Finanzkrise waren die Summen viel höher als bei seinen ersten Knock-out-Verlusten.
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RätRoutineErst die Regeln kennen, dann brechenTechnische AnalyseKlare Aussage Grundlagen zuerst, Abweichung später: „Du kannst Regeln erst dann brechen, wenn du sie kennst.“
Zitat & Begründung
„Du kannst Regeln erst dann brechen, wenn du sie kennst.“ ▶ 14:05
- Er hat zuerst gelernt, worauf alles aufbaut.
- Viele übernehmen ein System von einem Wochenende, doch System und Markt passen nicht immer zusammen.
- Wer die Regeln kennt, weiß auch, warum er davon abweicht.
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RegelEinstiegLinien, wo der Markt früher drehteUnterstützungWiderstand Der Chart erklärt die Vergangenheit, nicht die Zukunft: „Der Chart sagt viel über die Vergangenheit aus, weil die auch da ist. Die Zukunft ist ja noch nicht da.“
Zitat & Begründung
„Der Chart sagt viel über die Vergangenheit aus, weil die auch da ist. Die Zukunft ist ja noch nicht da.“ ▶ 59:55
- Die Zukunft gibt es nur als Erwartung in den Köpfen.
- Unterstützungen und Widerstände zeichnet er dort ein, wo der Markt früher gedreht hat.
- Was in der Vergangenheit passiert ist, kann in naher Zukunft wieder passieren.
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TabuEinstiegKein überladener Charthöchstens ein Durchschnitt Ein voller Chart beeindruckt niemanden: Wichtig ist, klare Richtung und klare Bewegungsläufe zu erkennen, nicht möglichst viele Indikatoren zu zeigen.
Zitat & Begründung
„Es geht ja nicht darum, den Wettbewerb zu beeindrucken, was du alles in deinem Chart stehen hast“ ▶ 46:34
- Er hat angefangen zu vereinfachen und die Komplexität zu reduzieren.
- Preis, Unterstützung, Widerstand sowie höhere Hochs und Tiefs reichen ihm.
- Höchstens ein Durchschnitt kommt zur Orientierung dazu.
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RegelAuswahlEthik vor Gewinnversprechen5 StufenKlare Aussage Ethik ist der Kern echter Expertise: „Elite Trading Experts“ bewertet in fünf Stufen von Accredited bis Legacy nicht Gewinnversprechen, sondern Fachwissen, Didaktik, Ethik, Beitrag zur Community und Lebensleistung.
Zitat & Begründung
„Ethik, Code of Conduct. Der ethische Aspekt ist extrem wichtig. Das ist das, was momentan einfach fehlt.“ ▶ 1:48:20
- Mit „Elite Trading Experts“ zertifiziert er Experten, die mit Privatanlegern arbeiten.
- Schon die erste Stufe Accredited verlangt vor allem einen ethischen Anspruch.
- Menschen verlassen sich auf das, was ein Experte ihnen sagt.
Meinungen von Wieland Arlt aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie Wieland Arlt sein Handelssystem erarbeitet hat
Gekauft hat Wieland Arlt anfangs über eine Direktbank, mit TAN-Nummer für jede Order, CFDs gab es in Deutschland noch nicht. Die Rolling Turbos zogen das Knock-out-Level jeden Tag nach. Lief der Markt 1 Prozent gegen ihn, blieb das Papier stehen, am nächsten Tag war es halbiert und wieder auf Hebel 50 gestellt. So ein Produkt würde er nie wieder anfassen.
Danach las er als Autodidakt die Klassiker, „Magier der Märkte“, John Murphy, Bollinger. Ein einwöchiges Seminar besuchte er erst fünf Jahre nach dem ersten Trade. Die 1-2-3-Ausbruchsstrategie von Joe Ross probierte er aus und merkte, dass er kein Ausbruchstrader ist. Der Stop liegt dort unter Punkt 3, bis der Markt dahin kommt, kann es dauern. Er nimmt lieber eine Candlestick-Formation über ein oder zwei Perioden. Dann wird er öfter ausgestoppt, aber schnell. Gehandelt hat er DAX-Knock-outs, später CFDs, und er blieb bei Indizes und Forex, weil er nebenbei im Außendienst viel auf der Autobahn war und mit einem schnellen Blick entscheiden musste.
In der Finanzkrise hatte er einen Börsenbrief abonniert, der mit Optionsscheinen handelte und nachkaufte. Er machte alles mit, verlor und musste sich so um 2009 wieder hocharbeiten. Danach zog er sich aus Newslettern, Foren und Analyseportalen zurück. 2010 verließ er die Textilbranche, wurde Management-Trainer und machte eine Trainer- und eine Coaching-Ausbildung. 2014 schrieb er sein Buch über Risiko- und Money-Management, weil er sein Risiko besser in den Griff bekommen wollte.
So funktioniert Wielands Money-Management-Strategie
Wieland Arlt handelt Indizes und Forex, weil sie am wenigsten Recherche brauchen. Für Aktien bräuchte er eine große Watchlist, bei den Indizes reichen ihm einer oder zwei von DAX, Dow Jones, S&P und Nasdaq, bei Devisen die Majors. Gültig sind für ihn Tages- und Wochenchart, weil dort eine Sitzung endet. Jede kleinere Zeitebene teilt den Tag willkürlich auf. Wirtschaftszahlen interessieren ihn nicht, die sind eingepreist.
Im Chart stehen der Preis, Unterstützung und Widerstand, höhere Hochs und höhere Tiefs, dazu höchstens ein Durchschnitt als Orientierung. Linien zieht er dort, wo der Markt früher gedreht hat, im Trend an den Umkehrpunkten zwischen Impuls und Korrektur. Einsteigen will er an solchen Wendepunkten, wo der Markt eine weite Strecke laufen kann und er schnell sieht, wenn er falsch liegt. Bricht der Preis durch einen Widerstand und die Kerze zeigt einen langen Docht, kauft er eher nicht. Am oberen und unteren Bollinger-Band geht er in die Beobachtung. Dreht der Preis dort, nutzt er die Bänder als Einstieg und als Kursziel, weil Preise zu ihrem Durchschnitt zurücklaufen.
Die Matrix aus seinem Buch rechnet mit 100 Trades im Jahr und einer Trefferquote von 50 Prozent. Ein Chance-Risiko-Verhältnis von 3 im Schnitt hält er dann für unrealistisch, 1,5 oder 2,0 je nach Marktdynamik passen eher. Mit 1 Prozent Risiko pro Trade und 1,5 im Schnitt kommen rechnerisch 25 Prozent im Jahr heraus. Weicht er von Trefferquote, Chance-Risiko-Ziel oder Zahl der Trades ab, sieht er, wo er nachsteuern muss. Ob er den Stop nachzieht, Teilgewinne nimmt oder auf Break-even stellt, ändert die Performance bei gleichem Signal.
Seine Swing-Trades bekommen gleich Stop und Limit und laufen ein paar Tage. Die Analyse macht er abends, wenn die US-Märkte zu sind. Jede Idee testet er manuell am Chart. Er prüft, ob er das Muster erkennt, wie oft es in seinem Zeitrahmen auftaucht und wie lange der Markt danach in seine Richtung braucht.
Wieland Arlt als Trader und IFTA-Präsident zwischen Ungeduld, Ablehnung und Klartext
Aus dem Vertrieb kannte Wieland Arlt das Nein des Kunden, im Trading ist es das Nein des Marktes zu seiner Idee. Seine größte Schwäche nennt er Ungeduld, dazu den Umgang mit Ablehnung. Kommt der Preis zurück, ist das für ihn wie ein Kunde, der kurz vor dem Abschluss noch nach Rabatt fragt. Er will den Gewinn und dann raus.
Nach der Finanzkrise hielt ihn die Frage, warum er Trader ist. Seine Antwort war Freiheit, also jederzeit Geld verdienen zu können. Aufhören kann man für ihn auf zwei Arten, pleite oder ausgebrannt, und dann bleibt das Geld für immer im Markt. Zu Hause hieß das eine Zeit lang, statt des gebuchten Flugs gab es Zelten an der Ostsee. Mit seinem Mindset hat er sich nach eigenen Worten nicht freiwillig beschäftigt, die Situation hat ihn dazu gezwungen.
Daytrading geht für ihn nicht mehr, dafür bräuchte er jeden Tag zwei, drei Stunden zur festen Zeit, und er reist zu viel. Gesprochen hat er in Las Vegas, China, Australien und Tokio, er saß mit John Bollinger zusammen und redete mit Larry Williams. Aus dem Coaching zieht er sich zurück, weil Elite Trading Experts sein Legacy-Thema ist.
Was das für dich heißt
Wieland Arlt ist IFTA-Präsident und seit über 20 Jahren an den Märkten. Er redet offen über seine Schwächen:
- Er handelt nur saubere Signale und schießt nicht auf alles, was zuckt. Wie viele deiner letzten Trades waren wirklich dein Setup?
- Er sieht einen Verlust als Nein zu seiner Idee und nicht als Nein zu ihm als Mensch. Was sagt ein verlorener Trade für dich über dich selbst aus?
- Er hat sich nach der Finanzkrise aus Newslettern, Foren und Analyse-Portalen zurückgezogen und radikal vereinfacht. Wie viele fremde Meinungen liest du, bevor du eine eigene Entscheidung triffst?
- Er nennt Ungeduld offen als seine größte Schwäche. Welche deiner Schwächen kostet dich an der Börse am meisten?
Seine Positionen
Welche Anlagen Wieland Arlt im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im März 2026).
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HältIndizesein oder zwei, wenig Recherche20:45 Zitat
„Aber ich bin im Endeffekt bei Indices geblieben, bei Forex geblieben“
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HältForexnur die Majors21:17 Zitat
„Und wenn du Forex machst, zum Beispiel auch Swing Trading, dann schaust du die Majors an“
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HältCFDseinfacher und schneller als Knock-outs20:14 Zitat
„Mit CFDs ging es dann deutlich besser und einfacher“
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SkeptischEinzelaktienzu viel Recherche nebenbei20:45 Zitat
„Wenn du Aktien handelst, brauchst du eine Watchlist“
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MeidetRolling TurbosHebel 50, nie wieder9:13 Zitat
„jetzt weiß ich, was ein Rolling Turbo ist. Und ich würde sowas nie wieder anfassen“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von Wieland Arlt
Buchtipps aller Gäste →Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Angefangen hat alles 2004/2005. Wieland Arlt war angestellt im Vertrieb einer Textilfirma, saß im Showroom und surfte aus Langeweile durchs Internet.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →Super Folge und sehr offener und ehrlicher Gast. Fand ich sehr wertvoll.
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Profis antworten
Lies, was Wieland Arlt dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
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