So handeln Profis wirklich.

Begriff · Trading

Was ist algorithmischer Handel?

Algorithmischer Handel: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Der algorithmische Handel ist das Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren nach festen, programmierten Regeln. Ein Computerprogramm erkennt Signale und schickt Orders ganz oder teilweise automatisch an den Broker. Dazu gehören einfache Handelsroboter privater Trader genauso wie quantitative Modelle großer Fonds und der Hochfrequenzhandel.

Algorithmischer Handel: Definition und Erklärung

Beim algorithmischen Handel (englisch Algorithmic Trading, kurz Algo-Trading) übernimmt ein Programm die Entscheidung, wann gekauft oder verkauft wird. Grundlage ist ein vorher festgelegtes Regelwerk, zum Beispiel: Kaufe, wenn der Kurs über die 200-Tage-Linie steigt, und verkaufe mit einem Stopp 2 Prozent unter dem Einstieg. Der Computer setzt diese Regeln ohne Zögern und ohne Emotionen um.

Der Begriff ist weit. Er reicht vom Handelsroboter eines Privatanlegers, der Signale aus einer Chart-Software an den Broker weitergibt, über quantitative Strategien von Hedgefonds bis zum Hochfrequenzhandel, bei dem Orders in Sekundenbruchteilen platziert werden. Auch Banken und Fonds nutzen Algorithmen, um große Orders in viele kleine Stücke zu zerlegen und möglichst unauffällig auszuführen.

Algorithmischer Handel ist nicht dasselbe wie künstliche Intelligenz. Klassische Algorithmen arbeiten deterministisch: Gleiche Daten führen zu gleichen Entscheidungen. Methoden des maschinellen Lernens werden vor allem eingesetzt, um Muster in Daten zu finden oder Modelle zu verbessern. Wie gut KI im Trading tatsächlich funktioniert, ist umstritten.

Algorithmischer Handel: so funktioniert eine Strategie im Code

Ein Handelsalgorithmus besteht meist aus vier Bausteinen: einer Regel für den Einstieg, einer Regel für den Ausstieg, einer Regel für die Positionsgröße und einer Anbindung an den Broker, über die Orders automatisch ausgeführt werden. Bevor Geld eingesetzt wird, prüfen die meisten Entwickler die Regeln in einem Backtest an historischen Kursen.

Entscheidend ist der Erwartungswert: Wie viel bringt ein durchschnittlicher Trade nach Kosten? Ein vereinfachtes Beispiel:

Trefferquote40 %
Durchschnittlicher Gewinn300 €
Durchschnittlicher Verlust150 €
Erwartungswert vor Kosten (0,4 × 300 € − 0,6 × 150 €)30 €
Kosten je Trade (Gebühren, Slippage)10 €
Erwartungswert je Trade20 €

Obwohl die Strategie nur 4 von 10 Trades gewinnt, ist sie profitabel, weil die Gewinne doppelt so groß sind wie die Verluste. Bei 500 Trades im Jahr ergäbe das rechnerisch 10.000 Euro. Steigen die Kosten auf 30 Euro je Trade, etwa durch schlechtere Ausführung, bleibt nichts mehr übrig. Gerade bei Strategien mit vielen Trades entscheiden Kosten und Slippage deshalb über Erfolg oder Misserfolg.

Im Betrieb läuft der Algorithmus nicht einfach von allein weiter. Er muss überwacht werden: Stimmen die Daten, werden die Orders korrekt ausgeführt, und passt die Strategie noch zum Marktumfeld? Viele Trader schalten ihre Systeme in bestimmten Marktphasen bewusst ab.

Algorithmischer Handel in der Praxis

Algorithmischer Handel verspricht Disziplin: Ein Programm hält sich an die Regeln, auch nach fünf Verlusten in Folge. Viele Privatanleger sehen darin die Lösung für ihre Emotionen. In der Praxis verschiebt sich die Arbeit aber nur, vom Klicken zum Entwickeln, Testen und Überwachen.

Typische Formen:

Die wichtigsten Risiken:

Für Vermögensverwalter ist vollautomatischer Handel zudem eine Frage der Regulierung: Wer für Kunden automatisiert handelt, braucht dafür die passenden Erlaubnisse.

Algorithmischer Handel bei [Bulle & Mensch]

Bei [Bulle & Mensch] sprechen Gäste aus ganz unterschiedlichen Ecken über algorithmischen Handel. Erik Wimmer entwickelt eigene Handelsroboter und hält die Zukunft des Börsenhandels für vollständig automatisiert. Michael Pisnyachevskiy hat einen Trading-Roboter für Trendfolge gebaut und gelernt, dass solche Systeme ständig nachjustiert werden müssen. Oliver Klemm trat früher gegen die Algorithmen von Banken an und sieht ihren größten Vorteil darin, dass sie keine Psychologie haben. Dr. Hendrik Leber arbeitet mit einem quantitativen Modell, das auf Fundamentaldaten statt auf Kursen beruht, und Marcel Urban erlebt als Quantitative Researcher, dass automatisierte Strategien immer schneller ihren Vorteil verlieren.

Es gibt auch Skepsis. Gregor Labahn glaubt nicht, dass sich Emotionen einfach an eine KI auslagern lassen, und Philipp Haas setzt bewusst auf einen langfristigen, qualitativen Ansatz statt auf Quant-Teams mit Riesencomputern. Rüdiger Born nutzt ein fast maschinelles System, lässt es aber nicht vollautomatisch handeln, weil dafür eine eigene Zulassung nötig wäre. Wieland Arlt und Robin Kömel sind sich einig, dass Algorithmen die Märkte bereits verändert haben.

💬 Was unsere Gäste über Algorithmischer Handel sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Oliver KlemmAlgorithmen haben keine Psychologie
Tristan PostKI-Trading nur mit strikt vorgegebenen Regeln in Code
Hendrik LeberQuant-Modell auf Fundamentaldaten statt Kursen
Philipp HaasQuants handeln kurzfristig, er denkt langfristig
Michael KranichStrikt regelbasiert: Signal kommt, Trade folgt
Christoph GumSymbiose Mensch und Maschine statt Blackbox
Marcel UrbanÜberfüllte Strategien: Alpha verschwindet schneller
Robin KömelAlgo-Boom verändert Märkte: Backtests nicht zu lang
Gregor LabahnEmotionen lassen sich nicht an die KI auslagern
Wieland ArltBald handelt fast jeder mit Algorithmen
Erik WimmerZukunft des Börsenhandels: nur noch automatisiert
Michael PisnyachevskiyHandelsroboter muss laufend angepasst werden

Die Aussagen im Wortlaut

Algorithmen haben keine Psychologie

„Die Hauptausrede ist, ich kann mich nicht an meine eigenen Regeln halten. Reine Psychologie. Und Algorithmen haben keine Psychologie.“
Oliver Klemm Folge 31: Die 368.000-Euro-Trader-Falle: Warum Oliver Klemm nie mehr gegen den Markt hält ▶ 31:49 auf YouTube

KI-Trading nur mit strikt vorgegebenen Regeln in Code

„Aber da hast du eine sehr strikte Automatisierung. […] du gibst ja sehr stark die Regeln vor, unter welchen Regeln es das machen kann. Und das Schöne ist, wir sind ja nicht mehr irgendwie in dem unstrukturierten Daten, sondern […] wir sind dann im Bereich, wo ich das in Code übersetzen kann.“
Tristan Post Folge 30: Privatanleger im KI-Vorteil: Warum Tristan Post trotzdem komplett ausgestiegen ist ▶ 1:33:29 auf YouTube

Quant-Modell auf Fundamentaldaten statt Kursen

„Denn wir sind einer der wenigen auf der Welt, die ein Modell haben, das pur auf quantitativen Fundamentalfaktoren beruht. Auf Kursdaten, da arbeiten viele, aber auf Fundamentaldaten kaum jemand.“
Hendrik Leber Folge 28: Vom Warren-Buffett-Jünger zum KI-Investor ▶ 1:00:01 auf YouTube

Quants handeln kurzfristig, er denkt langfristig

„Wenn wir in den quantitativen Bereich gehen, da stimmt es sicherlich, wenn man sagt, es gibt irgendwelche Teams mit irgendwelchen 15 Quants und Riesencomputern, das ist ein anderer Ansatz. Die tun irgendwelche liquiden Large Cap Sachen traden und dann hier und dort und kurzfristig. Das ist eigentlich jetzt nicht mein Ansatz […].“
Philipp Haas Folge 25: Warum dieser Fondsmanager auf Gehalt verzichtet und nur verdient, wenn seine Anleger verdienen ▶ 1:50:19 auf YouTube

Strikt regelbasiert: Signal kommt, Trade folgt

„Ich handel strikt nach meinem System, komplett strikt nach dem System. […] So wie ich Verkaufssignale bekomme, so handel ich. Und ist dann die Börsenampel auch noch rot, dann wird eine Absicherung auf den entsprechenden Index sozusagen dann gekauft.“
Michael Kranich Folge 24: So schlägt er mit Excel den Markt – dank diesem Ampel-System ▶ 14:18 auf YouTube

Symbiose Mensch und Maschine statt Blackbox

„Es ist kein Black Box System, sondern es macht Analysen, die wir auf den Tisch bekommen, und wir schauen uns das dann an und handeln dann entsprechend. […] Aber am Ende vom Tag entscheiden wir, welche Aktien wir kaufen, welche Aktien wir verkaufen, wie hoch wir die Gewichtung machen.“
Christoph Gum Folge 23: Ex-Private-Banker verrät: Das machen Reiche im Crash ▶ 41:14 auf YouTube

Überfüllte Strategien: Alpha verschwindet schneller

„Immer mehr Leute benutzen tatsächlich ähnliche Strategien. Alpha verschwindet immer schneller. Auch wir müssen unsere Strategien immer öfters anpassen.“
Marcel Urban Folge 16: KI frisst deinen Edge: warum Alpha immer schneller stirbt ▶ 1:10:53 auf YouTube

Algo-Boom verändert Märkte: Backtests nicht zu lang

„Die Märkte haben sich da in der Zeit schon sehr verändert. Gerade programmiertes Trading ist natürlich in dieser Zeit immer mehr geboomt. Bots, die automatisch handeln. Ganze Handelssysteme sind immer populärer geworden und deswegen macht es zum Beispiel nicht so super viel Sinn, einen zu langen Zeitraum zu testen.“
Robin Kömel Folge 14: Robin Kömel wurde Trading-Weltmeister 2025: So funktioniert sein Regelwerk aus COT-Daten und Backtesting ▶ 1:26:18 auf YouTube

Emotionen lassen sich nicht an die KI auslagern

„Ich glaube, dieses Verständnis oder dieses Auslagern von, ich kann mit meinen Emotionen nicht umgehen und deswegen macht das jetzt die KI für mich, ich glaube, das wird nicht funktionieren.“
Gregor Labahn Folge 13: Ich trade nur, wenn nichts von mir es will: Gregor Labahn über die 90-Prozent-Mindset-Regel im Trading (Ex-UBS, Ex-Berenberg) ▶ 2:14:34 auf YouTube

Bald handelt fast jeder mit Algorithmen

„[…] ich gehe davon aus, dass nahezu jeder mit Algorithmen handelt. Auf die eine oder andere Art. Ob das für jeden gelingt, ist eine andere Sache.“
Wieland Arlt Folge 7: Was dein Depot über dich verrät: Warum IFTA-Präsident Wieland Arlt Kontoauszügen nicht traut ▶ 1:35:11 auf YouTube

Zukunft des Börsenhandels: nur noch automatisiert

„Weil die Märkte werden technischer. Ich bin der Meinung, dass grundsätzlich die Zukunft des Börsenhandels nur noch automatisiert ist.“
Erik Wimmer Folge 6: 40 Prozent Verlust über Nacht: Wie Erik Wimmer aus einem KI-Fehlgriff sein Handelssystem baute ▶ 44:45 auf YouTube

Handelsroboter muss laufend angepasst werden

„Das heißt, das Gehirn war in TradingView und die Order Execution war dann auf meiner Seite. […] Das Problem bei den Trend Following Strategien ist, dass sie nie einmal erstellt werden und dann einfach laufen und funktionieren, sondern die müssen immer wieder feingetunet werden, angepasst werden.“
Michael Pisnyachevskiy Folge 1: Michael Pisnyachevskiy: Wie die Suche nach dem Heiligen Gral im Trading zur Suche nach einem echten Edge wurde ▶ 1:01:29 auf YouTube

🎙️ Folgen zum Thema Algorithmischer Handel

🤖 Frag [Bulle & Mensch] – Noch Fragen zu Algorithmischer Handel?

Frag [Bulle & Mensch] durchsucht alle Gespräche und antwortet mit Fundstelle und Zeitstempel im Video. Stell deine eigene Frage, zum Beispiel:

Frage stellen →

🔗 Verwandte Begriffe

Diese Seite basiert auf den Originalgesprächen und Transkripten von [Bulle & Mensch]. Die dargestellten Perspektiven geben die Aussagen der jeweiligen Gesprächspartner wieder. Alle Begriffe →