Podcast-Gast · Folge 7
Wieland Arlt
Wieland Arlt tradet Indizes und Forex als Swing-Trader und richtet sich allein nach dem Preis im Chart. Er steigt an Wendepunkten ein und wählt Stops über Candlestick-Formationen, weil er einen schnellen Verlust leichter trägt als lange Unsicherheit.
Über Wieland Arlt
Angefangen hat alles 2004/2005. Wieland Arlt war angestellt im Vertrieb einer Textilfirma, saß im Showroom und surfte aus Langeweile durchs Internet. Auf einer Finanzwebsite sah er Tagesgewinner mit 500 Prozent und begann sofort zu handeln, ohne zu wissen, was er da kaufte: gehebelte Knock-out-Produkte namens Rolling Turbos, jeden Tag neu auf Hebel 50 justiert. Danach folgte ein jahrelanger Autodidakten-Weg über die Klassiker der technischen Analyse: Murphy, Schwager, Nison, Bollinger.
2010 verließ Wieland Arlt die Textilbranche endgültig, machte eine komplette Trainer- und Coaching-Ausbildung und wurde Management-Trainer. Aus dieser Zeit stammt sein Buch „Risiko und Money Management“. Heute ist er seit sechs Jahren Präsident der IFTA (International Federation of Technical Analysts) und baut mit „Elite Trading Experts“ eine eigene, fünfstufige Zertifizierung für Trading-Expertise auf.
Im Zentrum seiner Strategie steht der Preis: Unterstützung, Widerstand, höhere Hochs und höhere Tiefs. Als zweites Werkzeug nutzt er die Bollinger-Bänder, weil sie die Gaußsche Normalverteilung abbilden und damit zeigen, wann eine Bewegung überdehnt ist. Getestet wird ausschließlich manuell und visuell am Chart, weil ein durchgerechneter Backtest eine Disziplin unterstellt, die kein manueller Trader wirklich hat.
So tradet Wieland Arlt
Aus dem Gespräch in Folge 7 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er begann mit Knock-out-Zertifikaten auf den DAX und wechselte später zu CFDs. Heute handelt er Indizes wie DAX, Dow Jones, S&P und Nasdaq sowie die Forex-Majors, weil diese Märkte am wenigsten Recherche brauchen.
„Aber ich bin im Endeffekt bei Indices geblieben, bei Forex geblieben. Weil das, das ist, was am wenigsten Recherche vielleicht auch verursacht oder benötigt.“
▶ Folge 7 · 20:45
Haltedauer
Er startete als Daytrader. Weil er viel reist und Daytrading jeden Tag zwei bis drei Stunden zur festen Zeit verlangt, ist er auf Swing Trading umgestiegen. Positionen laufen einige Tage, abgesichert mit Stop und Limit.
„Dann kann ich die Dinge auch ein paar Tage laufen lassen, beziehungsweise mit Stop und Limit versehen.“
▶ Folge 7 · 3:37
Auswahl und Einstieg
Er steigt nur an Stellen ein, an denen eine Bewegung dreht, also an Unterstützungen und Widerständen. Die Bollinger-Bänder nutzt er als Einstiegspunkte und als Kursziele.
„Deshalb steigst nicht mittendrin ein irgendwie und willkürlich, sondern guckst dir halt Punkte aus, wo du sagst, da macht es Sinn überhaupt zu schauen.“
▶ Folge 7 · 1:03:16
Risiko und Verkauf
Den Stop legt er über eine Candlestick-Formation aus ein oder zwei Perioden. Damit steigt die Gefahr, ausgestoppt zu werden, dafür ist ein Fehler schnell erledigt. Sein Einstieg soll dort liegen, wo das Risiko früh sichtbar begrenzt ist.
„Wenn ich einen Candlestick nehm, eine Candlestick-Formation, dann ist das eine oder zwei Perioden, da in der Betrachtung sind.“
▶ Folge 7 · 19:14
Fehler und was daraus wurde
Als Anfänger kaufte er 2004/2005 „Rolling Turbos“ mit Hebel 50, ohne das Produkt zu verstehen. Sie haben sich selbst zerlegt. In der Finanzkrise folgte er einem Börsenbrief mit Optionsscheinen und kaufte nach. Seitdem trifft er seine Entscheidungen selbst.
„Und der Ende vom Lied ist, jetzt weiß ich, was ein Rolling Turbo ist. Und ich würde sowas nie wieder anfassen.“
▶ Folge 7 · 9:13
Umgang mit Verlusten
Ausgestoppt zu werden akzeptiert er, lange im Ungewissen zu hängen nicht. Einen Verlust sieht er als Nein des Marktes zu seiner Idee und nicht zu ihm als Person. Das Umgehen mit dem Nein kennt er aus dem Vertrieb.
„Was ich nicht akzeptiere, ist, dass ich gegrillt werde und lange in einer Unsicherheit bin.“
▶ Folge 7 · 18:42
Arbeitsweise und Werkzeuge
Für ihn zählt nur der Preis. Er arbeitet mit Unterstützung, Widerstand, Hochs und Tiefs, Indikatoren dienen nur zur Orientierung. Die Analyse macht er abends oder morgens, für die mittelfristige Richtung schaut er auf Tages- und Wochenchart.
„Preis. Punkt. Alles andere ist entweder eine mathematische Ableitung, Indikatoren und Oscillatoren oder eben tiefergehende Interpretationen wie Volumen“
▶ Folge 7 · 50:29
Die Money-Management-Matrix
In seinem Buch über Risiko- und Money-Management von 2014 verbindet er Risiko, Chance-Risiko-Verhältnis, Zahl der Trades und Trefferquote zu einem planbaren System. Sein Rechenbeispiel: 100 Trades im Jahr, 50 Prozent Treffer, Chance-Risiko-Verhältnis 1,5 und 1 Prozent Risiko ergeben rund 25 Prozent im Jahr.
„Aber wenn du diese vier Komponenten zusammenlegst, kannst du auch ein System daraus erarbeiten.“
▶ Folge 7 · 1:28:01
Backtest von Hand am Chart
Er empfiehlt einen visuellen, manuellen Backtest statt eines durchgerechneten. Wer selbst vor dem Chart sitzt, lernt das Muster zu erkennen und gewinnt Vertrauen, dass es wieder so kommt.
„Backtest, ich empfehle immer einen visuellen, manuellen Backtest.“
▶ Folge 7 · 1:31:43
Eigene Analyse statt fremder Meinung
Nach der Finanzkrise zog er sich aus Newslettern, Foren und Analyseportalen zurück. Fremde Analysen schaut er sich an, den Ausschlag gibt seine eigene.
„Lerne alles, wisse alles, mache alles selbst. Entscheide alles selbst, trag die Konsequenzen selbst.“
▶ Folge 7 · 38:00
Buchtipps von Wieland Arlt
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Kommentare
Mehr Erfahrungen →Super Folge und sehr offener und ehrlicher Gast. Fand ich sehr wertvoll.
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