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Was ist ein Knock-out-Zertifikat?

Knock-out-Zertifikat: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Ein Knock-out-Zertifikat ist ein gehebeltes Wertpapier, das die Kursbewegung eines Basiswerts wie des DAX oder einer Aktie verstärkt nachbildet. Erreicht der Basiswert eine festgelegte Knock-out-Schwelle, verfällt das Zertifikat sofort wertlos oder mit geringem Restwert. Anleger setzen damit auf steigende (Long) oder fallende Kurse (Short). Herausgeber sind Banken, deshalb besteht ein Emittentenrisiko.

Knock-out-Zertifikat: Definition und Erklärung

Ein Knock-out-Zertifikat ist ein Hebelprodukt, das von Banken ausgegeben und an Börsen wie Stuttgart oder Frankfurt gehandelt wird. Es gibt Long-Varianten für steigende und Short-Varianten für fallende Kurse. Rechtlich ist es eine Schuldverschreibung des Emittenten: Wird die Bank zahlungsunfähig, kann das Geld verloren sein.

Der Preis ergibt sich im Kern aus dem Abstand zwischen dem Kurs des Basiswerts und dem Basispreis, umgerechnet mit dem Bezugsverhältnis. Weil der Anleger nur diesen Abstand bezahlt, entsteht der Hebel. Je näher der Kurs an der Schwelle liegt, desto höher der Hebel und desto größer das Risiko.

Wird die Knock-out-Schwelle berührt, endet das Produkt sofort. Eine spätere Erholung des Kurses hilft dann nicht mehr. Je nach Emittent heißen solche Produkte auch Turbo, Mini-Future oder Open-End-Turbo. Bei Mini-Futures liegt die Schwelle etwas vor dem Basispreis, sodass meist ein kleiner Restwert ausgezahlt wird.

Knock-out-Zertifikat berechnen: Preis, Hebel und Knock-out

Bei einem Long-Knock-out ergibt sich der innere Wert aus der Differenz von Kurs und Basispreis mal Bezugsverhältnis. Im Beispiel liegen Basispreis und Knock-out-Schwelle auf derselben Höhe, wie bei vielen klassischen Turbos. Ein kleines Aufgeld des Emittenten bleibt vereinfacht außen vor.

Kurs des DAX20.000 Punkte
Basispreis und Knock-out-Schwelle18.000 Punkte
Bezugsverhältnis0,01
Preis des Zertifikats20 €
Hebel (20.000 × 0,01 ÷ 20 €)10
DAX steigt um 2 % auf20.400 Punkte
Neuer Preis des Zertifikats24 € (+20 %)

Fällt der DAX dagegen um 2 Prozent auf 19.600 Punkte, sinkt der Preis auf 16 Euro, ein Minus von 20 Prozent. Erreicht der Index 18.000 Punkte, ist das Zertifikat ausgeknockt und praktisch wertlos.

Der Hebel verändert sich laufend. Steigt der Kurs, wächst der Abstand zur Schwelle und der Hebel sinkt. Fällt der Kurs, rückt die Schwelle näher und der Hebel steigt. Bei Open-End-Produkten zieht der Emittent Basispreis und Schwelle außerdem regelmäßig nach, um seine Finanzierungskosten zu decken. Bei Long-Produkten wandert die Schwelle so mit der Zeit nach oben.

Abgrenzung zum Optionsschein: Ein Optionsschein hat eine feste Laufzeit und enthält einen Zeitwert, der mit der Zeit schmilzt und stark von der erwarteten Schwankung abhängt, der impliziten Volatilität. Ein Knock-out-Zertifikat bewegt sich dagegen nahezu linear mit dem Basiswert, die Volatilität spielt für den Preis kaum eine Rolle. Dafür droht beim Knock-out-Zertifikat das abrupte Ende an der Schwelle, auch wenn sich der Kurs später erholt.

Knock-out-Zertifikat in der Praxis

Knock-out-Zertifikate sind bei Privatanlegern beliebt, weil schon kleine Beträge reichen und das Produkt leicht zu verstehen scheint. Profis nutzen sie eher gezielt und klein dosiert, etwa zur Absicherung eines Depots mit einem Short-Knock-out oder für kurzfristige Trades mit klar begrenztem Einsatz.

Die wichtigsten Risiken:

Viele erfahrene Anleger wählen die Schwelle deshalb nicht nach dem Hebel, sondern nach dem Chart: Sie soll erst erreicht werden, wenn die eigene Idee widerlegt ist. Die Positionsgröße ergibt sich dann aus dem Betrag, den man im schlimmsten Fall verlieren kann.

Knock-out-Zertifikat bei [Bulle & Mensch]

Knock-out-Zertifikate tauchen bei [Bulle & Mensch] oft in den Anfangsgeschichten der Gäste auf. Wieland Arlt stieg mit sogenannten Rolling Turbos ein, deren Hebel täglich neu auf 50 gesetzt wurde, und würde so etwas heute nie wieder anfassen. Gerd Ackermann erlebte nach der Finanzkrise, wie seine Knock-out-Zertifikate auf Zinsen wertlos wurden, weil negative Zinsen für ihn außerhalb des Vorstellbaren lagen.

Andere nutzen das Produkt ganz bewusst oder meiden es gezielt. Nico Schulze arbeitet mit moderaten Hebeln und sichert sein Portfolio in Schwächephasen mit einem Short-Knock-out ab, dessen Schwelle am Allzeithoch liegt. Dr. Carmen Mayer hat nie Knock-out-Zertifikate gekauft, weil sie das vorzeitige Ausknocken für nicht sinnvoll hält, und setzte lieber auf Long Calls. Auch Stefan Meißner shortete zu Beginn der Corona-Krise lieber mit Puts, weil ein kurzer Anstieg einen Knock-out aus dem Markt schießen kann.

💬 Was unsere Gäste über Knock-out-Zertifikat sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Stefan MeißnerShort-Knock-out: ein kurzer Anstieg reicht zum Aus
Michael KranichKnock-outs nur auf DAX-, MDAX- und SDAX-Werte
Gerd AckermannNegativzinsen: ein Knock-out, den keiner erwartet hat
Dr. Carmen MayerLieber Long Calls: der Knock-out beendet die Position
Wieland ArltRolling Turbos: täglich zurück auf Hebel 50
Nico SchulzeShort-Knock-out als Absicherung fürs Depot

Die Aussagen im Wortlaut

Short-Knock-out: ein kurzer Anstieg reicht zum Aus

„Wenn ich jetzt mit einem Knockout mache, dann riskiere ich, dass es nach oben geht und mir das Ding rausschießt.“
Stefan Meißner Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt ▶ 1:55:00 auf YouTube

Knock-outs nur auf DAX-, MDAX- und SDAX-Werte

„Und dann habe ich noch einen, wo ich damit Hebel agiere, hier mit Knockout-Zertifikaten, wo ich dann nur auf die Werte von DAX, MDAX und SDAX sozusagen gehe, weil immer bei denen auch zumeist gegeben ist, dass überhaupt solche Scheine vorhanden sind.“
Michael Kranich Folge 24: So schlägt er mit Excel den Markt – dank diesem Ampel-System ▶ 07:23 auf YouTube

Negativzinsen: ein Knock-out, den keiner erwartet hat

„Ich habe nämlich Knockout-Zertifikate gekauft, die wertlos verfallen, wenn der Zinssatz negativ wird. […] Das war für mich ein Erlebnis, wo ich gesagt habe, es gibt nichts, was es nicht gibt.“
Gerd Ackermann Folge 20: Mit Optionen 30-40 % Rendite erzielen - bei minimalem Verlustrisiko ▶ 1:54:29 auf YouTube

Lieber Long Calls: der Knock-out beendet die Position

„Ich habe auch keine Knockout-Zertifikate gemacht, weil das macht gar keinen Sinn, weil das knockt dich ja aus. Das ist nicht gut. Das sollte man nicht machen.“
Dr. Carmen Mayer Folge 19: Mami ist Millionärin: Das System hinter dem 3 Millionen-Depot ▶ 31:50 auf YouTube

Rolling Turbos: täglich zurück auf Hebel 50

„Und so ein Hebel-Knockout, wenn das ansteigt im Preis, also wenn der Kurs sich in die positive Richtung entwickelt, verliert es ja einen Hebel zwangsläufig. Der Hebel wird kleiner, je länger das läuft. Diese Dinge aber wurden jeden Tag neu justiert auf den Hebel 50.“
Wieland Arlt Folge 7: Was dein Depot über dich verrät: Warum IFTA-Präsident Wieland Arlt Kontoauszügen nicht traut ▶ 08:08 auf YouTube

Short-Knock-out als Absicherung fürs Depot

„Das heißt, ich nehme einen Knockout mit Hebel 10 oder ein bisschen mehr, also am Allzeithoch. Ich sichere damit das Portfolio ab […].“
Nico Schulze Folge 4: Wie Nico Schulze nach 70 Prozent Depotverlust ein 4-Millionen-Euro-wikifolio aufgebaut hat ▶ 1:57:59 auf YouTube

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