Begriff · Trading
Was ist ein Hebel bei Aktien?
Hebel: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
An der Börse ist ein Hebel der Faktor, um den eine Position größer ist als das eigene eingesetzte Kapital. Mit Hebel 5 bewegen 1.000 Euro Eigenkapital eine Position von 5.000 Euro. Gewinne und Verluste wachsen dabei im selben Verhältnis. Schon kleine Kursbewegungen gegen die Position können deshalb das eingesetzte Kapital komplett aufzehren.
Definition von Hebel
Ein Hebel (englisch Leverage) entsteht, wenn eine Position mit mehr Kapital bewegt wird, als tatsächlich eingesetzt ist. Den Rest stellt ein Kredit, der Broker oder die Konstruktion eines Finanzprodukts bereit. Typische Wege sind Wertpapierkredite, Handel auf Margin, Futures, CFDs, Optionen sowie Hebelprodukte wie Knock-out-Zertifikate, Optionsscheine und Faktor-Zertifikate.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Steigt der Basiswert um 2 Prozent, bringt ein Hebel von 5 rund 10 Prozent Gewinn auf das eingesetzte Kapital. Fällt er um 2 Prozent, sind rund 10 Prozent verloren. Ein Kursrückgang von 20 Prozent reicht bei Hebel 5, um das eingesetzte Kapital vollständig aufzubrauchen.
Deshalb ist ein Hebel kein Renditeversprechen, sondern ein Verstärker für Chance und Risiko zugleich. Wie gefährlich er ist, hängt vor allem davon ab, wie stark das ganze Depot gehebelt ist, nicht nur eine einzelne Position.
Wie berechnet man den Hebel?
Der Hebel ergibt sich aus dem Verhältnis von Positionswert zu eingesetztem Kapital: Hebel = Positionswert ÷ Eigenkapital. Wer mit 2.000 Euro eine Position von 10.000 Euro hält, handelt mit Hebel 5.
| Eigenkapital | 2.000 € |
|---|---|
| Positionswert | 10.000 € |
| Hebel | 5 |
| Kursbewegung des Basiswerts | -4 % |
| Verlust auf die Position | 400 € |
| Verlust auf das Eigenkapital | -20 % |
Dieselbe Rechnung mit +4 Prozent ergibt 20 Prozent Gewinn. Grob gilt: Veränderung des Basiswerts mal Hebel ergibt die Veränderung des Eigenkapitals. Bei Hebel 5 ist das Kapital nach 20 Prozent Kursrückgang aufgebraucht, bei Hebel 10 schon nach 10 Prozent.
Je nach Produkt entsteht der Hebel unterschiedlich:
- Kredit oder Margin: Der Broker leiht Geld, das Depot dient als Sicherheit. Dafür fallen Zinsen an.
- Futures und CFDs: Nur ein Bruchteil des Kontraktwerts muss als Sicherheitsleistung hinterlegt werden.
- Knock-out-Zertifikate: Der Hebel ergibt sich aus dem Abstand zwischen Kurs und Knock-out-Schwelle. Wird die Schwelle erreicht, verfällt das Produkt wertlos oder mit geringem Restwert.
- Faktor-Zertifikate: Sie bilden täglich ein festes Vielfaches der Bewegung ab, zum Beispiel das Zwei- oder Dreifache. Über längere Zeit kann das Ergebnis deutlich vom Vielfachen der Gesamtentwicklung abweichen, vor allem in Seitwärtsphasen.
Hebel in der Praxis
Ein Hebel legt fest, wie teuer ein Fehler wird. An der Qualität der Idee ändert er nichts. Erfahrene Marktteilnehmer achten bei gehebelten Positionen deshalb besonders auf diese Risiken:
- Totalverlust: Bei Knock-out-Produkten, Optionsscheinen und Optionen kann das eingesetzte Kapital vollständig verloren gehen, oft innerhalb kurzer Zeit.
- Knock-out: Wird die Schwelle berührt, ist die Position beendet. Eine spätere Erholung des Kurses hilft dann nicht mehr.
- Margin Call: Fällt das Eigenkapital auf dem Konto unter die geforderte Sicherheitsleistung, verlangt der Broker zusätzliche Sicherheiten oder schließt Positionen zwangsweise, oft zum ungünstigsten Zeitpunkt.
- Kurslücken: Über Nacht oder am Wochenende kann der Kurs über Stopps und Knock-out-Schwellen hinwegspringen. Bei Futures und Kreditpositionen kann der Verlust dann größer sein als das eingesetzte Kapital.
- Kosten: Kreditzinsen, Finanzierungskosten und Spreads fallen auf den gesamten Positionswert an, nicht nur auf das Eigenkapital.
Viele Profis unterscheiden zwischen dem Hebel einer einzelnen Position und dem Hebel des ganzen Depots. Ein hoch gehebeltes Produkt mit kleinem Kapitaleinsatz kann weniger riskant sein als ein leicht gehebeltes Gesamtdepot. Wichtig ist, wie viel im schlimmsten Fall verloren gehen kann.
Deshalb wird auch bei Hebelprodukten die Positionsgröße aus dem Risiko berechnet und nicht aus dem Hebel. Wer neu mit Hebeln arbeitet, beginnt meist mit kleinen Beträgen und niedrigen Faktoren.
Hebel bei [Bulle & Mensch]
Beim Hebel gehen die Ansätze unserer Gäste weit auseinander. Bernhard Mitterlehner investiert in positiven Trendphasen teilweise mit zwei- bis dreifach gehebelten Indexprodukten, geht aber nie über den dreifachen Hebel. Nico Schulze nutzt Knock-outs mit Hebeln zwischen 2,5 und 4, und Dr. Carmen Mayer steckt nie mehr als 30 Prozent ihres Kapitals in gehebelte Optionen. Thomas Sparkojote hält einen kleinen Kredithebel auf das Depot für vertretbar, ab 20 Prozent und mehr wird es für ihn kritisch.
Andere sind deutlich zurückhaltender. Torsten Maus nutzt Derivate zur Absicherung, aber nicht, um die Rendite zu vervielfachen, denn der Hebel wirkt auch in die andere Richtung. Uwe Jännert hat als junger Anleger mit Hebelzertifikaten gehandelt und erlebt, dass das nur kurzfristig funktioniert. David Pieper rechnet vor, warum ein 10-facher Hebel auf ein kleines Konto gefährlich ist: 10 Prozent Kursrückgang reichen, und das Kapital ist weg.
Was meine Gäste über Hebel sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Dr. Dr. Rainer Zitelmann | Hohe Leverage nur in der Phase des Reichwerdens |
| Michael Kranich | Hohe Hebel als teures Anfänger-Lehrgeld |
| Dr. Carmen Mayer | Höchstens 30 % des Kapitals in gehebelten Optionen |
| David Pieper | 10-facher Hebel: 10 % Minus und das Kapital ist weg |
| Manuel Stier | Hebel: große Risiken, aber auch große Chancen |
| Uwe Jännert | Hebelzertifikate: kurzfristig verlockend, langfristig nicht |
| Torsten Maus | Derivate zur Absicherung, nicht für Traumrenditen |
| Nico Schulze | Knock-outs mit moderatem Hebel von 2,5 bis 4 |
| Bernhard Mitterlehner | Nur im Aufwärtstrend, nie über dreifachen Hebel |
| Thomas Sparkojote | Kleiner Kredithebel ja, ab 20 Prozent kritisch |
Die Aussagen im Wortlaut
Hohe Leverage nur in der Phase des Reichwerdens
„Beim Reichbleiben gelten andere Gesetze […] zum Beispiel Fokussierung, auch hohe Leverage ist was, was sie in der Reichwerdenphase oft haben. Hohe Leverage in der Phase des Reichbleibens ist hohe Leverage schlecht, weil es auch zwar viele Chancen, aber auch viel Risiko bedeutet.“
Hohe Hebel als teures Anfänger-Lehrgeld
„Und bin dann sogar noch auf Zertifikate aufgesprungen, Faktor-Zertifikate, und ich dachte: Naja, kennst dich ja jetzt aus. Hab dann entsprechend auf den DAX Zertifikate mit 10er, 20er, 30er Hebel gekauft und dabei ganz schön Verlust eingefahren.“
Höchstens 30 % des Kapitals in gehebelten Optionen
„Das einzige, was ich schlimm finde, ist, wenn man sein ganzes Geld verliert. Und das kann gehebelt passieren. […] Und deswegen habe ich immer geschaut, dass ich nicht mehr als 30 Prozent von meiner Summe in gehebelte Optionen stecke.“
10-facher Hebel: 10 % Minus und das Kapital ist weg
„Da muss ich mich schon fragen, nur 10 % Eigenkapital, nur 10-facher Hebel. Ich bewege 50.000 mit einem 5.000er Konto, dann würde ich sagen, das ist gefährlich, weil wenn der DAX 10 % fällt, ist mein Equity, mein Kapital ist weg.“
Hebel: große Risiken, aber auch große Chancen
„Definitiv Hebelpositionen finde ich sehr interessant. Auch im Edelmetallbereich gibt es da verschiedene Möglichkeiten. Und dann mit einer kurzen Betrachtungsperiode. […] sind die Risiken natürlich sehr groß, aber die Chancen sind auch sehr, sehr groß.“
Hebelzertifikate: kurzfristig verlockend, langfristig nicht
„Die Hebelzertifikate, das habe ich noch gemacht, als ich ein sehr kleines Depot hatte, […] weil ich dann natürlich den jugendlichen Leichtsinn und Drang hatte, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Und ich kann euch eins sagen, das mag kurzfristig mal funktionieren, aber langfristig zumindest bei mir ist es leider nicht so.“
Derivate zur Absicherung, nicht für Traumrenditen
„Die Hebelwirkung geht in beide Richtungen. […] Ich nutze Derivate, um Absicherungen zu betreiben oder um einen Trend zu spielen, aber ich nutze das jetzt nicht, um jetzt irgendwie statt 10, 12 Prozent pro Jahr 100, 200 Prozent zu machen, weil der Hebel wirkt auch in die andere Richtung.“
Knock-outs mit moderatem Hebel von 2,5 bis 4
„Ich gehe immer bei Optionsschein mit 15 bis 24 Monaten Laufzeit, wenn ich die neu aufnehme, und bei Knockouts mit Hebeln zwischen 2,5 und 4.“
Nur im Aufwärtstrend, nie über dreifachen Hebel
„Ich würde es absolut niemandem raten, gehebelt zu investieren, ohne auf den Trend zu schauen. Es ist viel zu riskant und niemals, außer mit ganz kleinem Geld, niemals über einen dreifachen Hebel gehen. Am besten ist ungefähr doppelter.“
Kleiner Kredithebel ja, ab 20 Prozent kritisch
„Klar, man kann mit einem angemessenen Hebel investieren. […] Aber wenn du anfängst, irgendwie um 20, 30, 40, 50 Prozent zu hebeln, dann wird es langsam immer kritischer und kritischer und kritischer.“
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