Begriff · Trading
Was ist die Positionsgröße?
Positionsgröße: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Die Positionsgröße legt fest, wie viel Kapital in einen einzelnen Trade oder eine einzelne Aktie fließt. Sie bestimmt, wie viel ein Fehler das Depot kostet. Viele Trader berechnen sie rückwärts: Erst legen sie fest, wie viel ein Trade höchstens kosten darf, dann ergibt sich aus dem Abstand zum Stop-Loss die Stückzahl.
Definition von Positionsgröße
Die Positionsgröße bestimmt, wie stark ein einzelner Trade das Depot bewegt. Im Englischen heißt das Thema Position Sizing. Neben dem Stop-Loss ist sie der wichtigste Hebel im Risikomanagement: Dieselbe Idee kann mit kleiner Position harmlos und mit großer Position gefährlich sein.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Positionsgröße und Risiko. Wer 10.000 Euro in eine Aktie steckt und den Stopp 5 Prozent unter dem Einstieg setzt, riskiert nicht 10.000 Euro, sondern 500 Euro. Die richtige Positionsgröße ergibt sich deshalb nicht aus dem Bauchgefühl, sondern aus zwei Fragen: Wie viel darf dieser Trade höchstens kosten, und wo liegt der Ausstieg?
Wie berechnet man die Positionsgröße?
Die verbreitetste Methode rechnet rückwärts: Erst wird das maximale Risiko pro Trade festgelegt, meist als Prozentsatz des Depots. Dann wird es durch das Risiko pro Aktie geteilt, also den Abstand zwischen Einstieg und Stop-Loss.
| Depot | 100.000 € |
|---|---|
| Maximales Risiko pro Trade (1 %) | 1.000 € |
| Einstieg | 100 € |
| Stop-Loss | 95 € |
| Risiko pro Aktie | 5 € |
| Positionsgröße | 200 Aktien (20.000 €) |
Die Formel dahinter: Positionsgröße = maximales Risiko ÷ Risiko pro Aktie. Liegt der Stopp weiter weg, sinkt die Stückzahl automatisch. Bei 10 Euro Abstand wären es im Beispiel nur 100 Aktien, das Risiko bleibt bei 1.000 Euro.
Bei Hebelprodukten, Futures und Optionen funktioniert es genauso, nur mit dem Verlust pro Kontrakt oder Schein statt pro Aktie. Als Basis zählt dabei der echte Wert des Depots, nicht das Kapital inklusive Hebel.
Positionsgröße in der Praxis
Die Frage, wie viel man pro Trade riskieren soll, hat keine allgemeingültige Antwort. Verbreitet sind Werte zwischen 0,5 und 2 Prozent des Depots. Mit 1 Prozent Risiko pro Trade braucht es eine lange Verlustserie, bevor das Depot ernsthaft Schaden nimmt.
In der Praxis passen erfahrene Marktteilnehmer die Positionsgröße an mehrere Dinge an:
- das Marktumfeld: größer bei Rückenwind, kleiner oder gar nicht bei Gegenwind,
- die eigene Überzeugung: kleiner einsteigen, wenn noch Zweifel bleiben,
- die Erfahrung mit einer Strategie: neue Ansätze erst mit kleinem Geld testen,
- die Depotgröße: Mit wachsendem Kapital sinkt bei vielen das Risiko pro Trade.
Trader denken dabei meist in Risiko pro Trade. Investoren denken eher in Gewichtung: Welchen Anteil am Depot darf eine einzelne Aktie höchstens haben?
Positionsgröße bei [Bulle & Mensch]
Positionsgröße ist ein wiederkehrendes Thema in den Gesprächen mit Tradern und Investoren bei [Bulle & Mensch]. Auffällig ist, wie unterschiedlich die Ansätze sind: Einige rechnen streng mit einem festen Risiko pro Trade, andere steuern über feste Obergrenzen pro Aktie oder über das Marktumfeld.
Gemeinsam ist allen, dass die Positionsgröße vor dem Kauf feststeht und nicht aus dem Moment heraus entschieden wird. Mehrere Gäste erzählen auch, wie sich ihre Regeln mit der Zeit verändert haben, oft nach schmerzhaften Verlusten oder weil das Depot größer wurde.
Was meine Gäste über Positionsgröße sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Rüdiger Born | Verluste tun weh: kleinere Positionen statt engerer Stopps |
| Michael Kranich | Voller Einstieg mit 5 %, Ausstieg in Stufen |
| Christoph Gum | Klein starten (2 %, dann 4 %), Gewinner laufen lassen |
| Christian Jagd | Chance-Risiko-Verhältnis bestimmt die Positionsgröße |
| Till Schwalm | Gewichtung der Kernpositionen: 5 bis 15 % |
| Gerd Ackermann | Festes Risiko pro Trade: 1 %, selten 2 % des Depots |
| Max Schulz | Mit wachsendem Depot kleiner: Kapitalschutz |
| Robin Kömel | Positionsgröße je nach Datenlage erhöhen oder senken |
| Gregor Labahn | Gleiche Trades, anderes Ergebnis durch Position Sizing |
| Uwe Jännert | Obergrenze pro Position: in der Regel 5 % |
| Torsten Maus | Positionsgröße nach Marktumfeld |
Die Aussagen im Wortlaut
Verluste tun weh: kleinere Positionen statt engerer Stopps
„Also wenn ihr feststellt, Gott, jetzt habe ich wieder 200 Euro verloren, das tut mir so weh, dann macht kleinere Positionsgrößen. Aber nicht anfangen, dann den Stopp schnell hinterher zu ziehen und damit das gesamte System kaputt zu machen.“
Voller Einstieg mit 5 %, Ausstieg in Stufen
„Nur weil die Aktie zurückgekommen ist, muss ich sie ja nicht gleich komplett verkaufen. […] Beim Kauf […] hat uns der Backtest gezeigt, dass es besser ist, gleich voll reinzugehen, also mit diesen fünf Prozent, die ich für mich festgelegt habe.“
Klein starten (2 %, dann 4 %), Gewinner laufen lassen
„Das Risikomanagement, auch wenn Positionen zu groß werden, dann ernten wir sie. Man sät und man erntet, wie in der Landwirtschaft. Man nimmt eine Position, meistens zwei Prozent, dann vier Prozent und dann lässt man sie mal laufen.“
Chance-Risiko-Verhältnis bestimmt die Positionsgröße
„Aber grundsätzlich ist es schon so, wenn ich die Chance besonders gut sehe oder auch das Risiko besonders klein in dem Wert, dass ich dann mir durchaus zutraue, […] da einfach eine größere Position zu machen. […] grundsätzlich ist das schon dieses Verhältnis aus Chance Risiko macht bei mir die Positionsgröße aus.“
Gewichtung der Kernpositionen: 5 bis 15 %
„Die 10 Kernpositionen haben alle mindestens eine Positionsgröße von 5 %, wobei die größte Position 15 % hat. Also da auch konzentriert unterwegs, aber nicht überkonzentriert, immer noch diversifiziert.“
Festes Risiko pro Trade: 1 %, selten 2 % des Depots
„Davon 1 % gehe ich ins Risiko. Manchmal auf 2 % gehe ich ins Risiko. Aber mehr gehe ich da nicht ins Risiko. Das heißt, dann kenne ich eine Zahl und sage, okay, das ist das Risiko.“
Mit wachsendem Depot kleiner: Kapitalschutz
„Ich bin jetzt in den Kapitalschutzmodus gekommen. Stoppmanagement wurde viel aggressiver, Positionsgröße viel kleiner.“
Positionsgröße je nach Datenlage erhöhen oder senken
„Dass man sich mehrere Daten anschaut. Wenn die für meinen Trade sprechen, dann kann ich die Positionsgröße etwas erhöhen. Und wenn die Daten gegen meinen Trade sprechen, dann […] vielleicht sogar den Trade komplett auslassen, wenn das Risiko zu hoch ist oder die Daten zu schlecht.“
Gleiche Trades, anderes Ergebnis durch Position Sizing
„Die Einstiege und die Ausstiege sind für alle gleich. Aber am Ende dieses Games haben alle ein unterschiedliches Ergebnis, weil jeder […] ein anderes Risiko fährt, eine andere Position Sizing Strategie auch fährt und das ist […] ein ganz, ganz großer Aspekt.“
Obergrenze pro Position: in der Regel 5 %
„In der Regel kaufe ich eine Positionsgröße von maximal 5 %. Kann auch manchmal 6 oder 7 sein bei Sondersituationen, aber in der Regel kaufe ich 5 %.“
Positionsgröße nach Marktumfeld
„Wenn ich in einem Marktumfeld bin, das grünes Licht hat, dann hat man eine Positionsgröße X. Und wenn ich jetzt in einem Umfeld bin, wo ich Gegenwind habe, dann mache ich dann wieder eine kleinere Position, oder ich spare mal den Trade komplett.“
Kostenloses DossierStop-Loss oder nicht?Wie 18 Profis ihr Risiko steuern: Stop-Loss, Positionsgröße, Streuung und Hebel, mit ihren eigenen Worten.
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