Begriff · Investment
Was ist die Diversifikation?
Diversifikation: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Diversifikation ist die Verteilung des Kapitals auf viele verschiedene Anlagen, damit ein einzelner Fehlschlag das Depot nicht schwer trifft. Gestreut wird über Einzelwerte, Branchen, Länder und Anlageklassen. Diversifikation senkt vor allem das Risiko einzelner Unternehmen, schützt aber nicht vor Verlusten, wenn der ganze Markt fällt.
Definition von Diversifikation
Diversifikation heißt, das Kapital nicht auf eine einzige Anlage zu setzen, sondern auf mehrere, die sich möglichst unterschiedlich entwickeln. Die Idee kennt jeder als Faustregel: nicht alle Eier in einen Korb legen. Wissenschaftlich unterfüttert hat sie Harry Markowitz 1952 mit der Modernen Portfoliotheorie.
Wichtig ist dabei die Korrelation, also wie stark sich zwei Anlagen im Gleichschritt bewegen. Zehn Aktien aus derselben Branche sind weniger gestreut, als es aussieht. Wenige Werte aus unterschiedlichen Branchen, Ländern und Anlageklassen können mehr bringen als viele ähnliche.
Diversifikation hat Grenzen. Sie senkt das unsystematische Risiko, also das Risiko einzelner Unternehmen. Das systematische Risiko, etwa ein Einbruch des Gesamtmarkts, bleibt. Und sie hat einen Preis: Wer sehr breit streut, landet zwangsläufig nahe am Marktdurchschnitt.
Wie streut man ein Depot?
Diversifikation wirkt, weil ein einzelner Fehlschlag das Depot nur mit seinem Anteil trifft. Das zeigt ein Vergleich: Im selben Depot bricht eine Aktie um 50 Prozent ein, einmal bei 5 und einmal bei 25 gleich gewichteten Werten.
| Depot | 100.000 € |
|---|---|
| Gewicht der Aktie bei 5 Werten | 20 % (20.000 €) |
| Kurseinbruch der Aktie | -50 % |
| Verlust fürs Depot | 10.000 € (10 %) |
| Depot | 100.000 € |
|---|---|
| Gewicht der Aktie bei 25 Werten | 4 % (4.000 €) |
| Kurseinbruch der Aktie | -50 % |
| Verlust fürs Depot | 2.000 € (2 %) |
Gestreut wird auf mehreren Ebenen:
- Einzelwerte: mehrere Aktien statt einer, oft mit einer Obergrenze pro Position,
- Branchen und Länder: damit ein Branchen- oder Länderschock nicht alles gleichzeitig trifft,
- Anlageklassen: Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien und Cash reagieren unterschiedlich auf dieselben Ereignisse,
- Zeit: gestaffelte Käufe, etwa per Sparplan, verteilen das Einstiegsrisiko.
Nach gängiger Lehrmeinung ist der größte Teil des Einzelrisikos schon mit rund 20 bis 30 Aktien aus verschiedenen Branchen wegdiversifiziert. Jede weitere Aktie bringt danach immer weniger zusätzliche Streuung.
Diversifikation in der Praxis
In der Praxis ist Diversifikation weniger eine Frage der Anzahl als der Mischung. Ein Welt-ETF enthält weit über 1.000 Aktien, ist aber stark von US-Werten und dort von wenigen großen Technologiekonzernen geprägt. Wer zusätzlich Einzelaktien derselben Konzerne hält, streut weniger, als er denkt.
Verbreitete Regeln und Werkzeuge:
- eine Obergrenze pro Position, zum Beispiel 2 bis 5 Prozent des Depots,
- Obergrenzen pro Branche oder Land,
- regelmäßiges Rebalancing: Gewinner, die zu schwer geworden sind, auf ihr Zielgewicht zurückführen,
- ein Blick auf das Klumpenrisiko über alle Konten hinweg, also auch Arbeitgeberaktien, Immobilie und Sparpläne.
Das Gegenmodell ist die Konzentration: wenige Positionen, die man sehr genau kennt. Sie kann höhere Chancen bieten, verlangt aber mehr Wissen, mehr Nervenstärke und eine klare Regel, wie viel ein Fehler kosten darf.
Diversifikation bei [Bulle & Mensch]
Kaum eine Frage trennt die Gäste von [Bulle & Mensch] so klar wie die zwischen Streuung und Konzentration. Bernhard Mitterlehner hält breite Streuung für den besten Weg, Misserfolg zu vermeiden. André Doerk steckt in keinen Einzeltitel mehr als zwei Prozent, Christian Jagd bleibt fast immer unter fünf Prozent pro Position. Stefan Meißner setzt auf qualitative Diversifikation: lieber 15 Werte aus verschiedenen Kontinenten und Branchen als 100 beliebige. Philipp Haas warnt, dass viele passive Anleger nur scheinbar gestreut sind, weil sie am Ende vor allem große US-Technologiewerte besitzen.
Die Gegenposition vertritt Uwe Jännert: Wer will, dass sein Depot steigt, muss sich etwas konzentrieren. Dr. Dr. Rainer Zitelmann unterscheidet zwei Phasen: Reich wird man meist mit Konzentration, reich bleibt man mit Diversifikation. Dominik Doster führt ein breit gestreutes und ein konzentriertes wikifolio und beschreibt den Unterschied vor allem als Frage der Nerven. Mehr Streuung bedeutet für ihn stabilere Emotionen.
Was meine Gäste über Diversifikation sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Dominik Doster | Mehr Streuung, ruhigere Nerven |
| Dr. Dr. Rainer Zitelmann | Reich werden mit Konzentration, reich bleiben mit Streuung |
| Mirco Recksiek | Breite Streuung als Schutz vor Totalverlust |
| Stefan Meißner | Qualitative statt quantitative Streuung |
| Philipp Haas | Passiv heißt nicht automatisch gestreut |
| Michael Kranich | Zu breit gestreut heißt nur Index nachbilden |
| Christian Jagd | Eigene Diversifikationsregel: kaum über 5 % |
| André Doerk | Maximal 2 % pro Einzeltitel |
| Manuel Stier | Nicht alles auf eine Karte setzen |
| Uwe Jännert | Gegenposition: nicht zu viele Aktien, lieber konzentrieren |
| Nico Schulze | Lieblingsaktien mit hoher Gewichtung statt Streuung |
| Bernhard Mitterlehner | Breit streuen, um Misserfolg zu vermeiden |
Die Aussagen im Wortlaut
Mehr Streuung, ruhigere Nerven
„Man lernt daraus einerseits, dass ein diversifiziertes Portfolio deutlich angenehmer für die Nerven und für die Emotionen ist, weil wenn in einem konzentrierten Portfolio meine Aktie abschmiert, weil wirklich was Schlimmes passiert, dann ist es einfach schwieriger damit umzugehen.“
Reich werden mit Konzentration, reich bleiben mit Streuung
„[…] in der Vermögensaufbauphase eher die Konzentration speziell im unternehmerischen Bereich. […] Und die Phase des Reichbleibens, wo eine maximale Diversifikation richtig ist. Aber mit der maximalen Diversifikation können Sie logischerweise gar nicht reich werden […]“
Breite Streuung als Schutz vor Totalverlust
„Deswegen ist mir ja so wichtig und das habe ich auch immer betont, dass ich breit diversifiziert bin. Dass wenn mal so ein Fall kommt, dass ich nicht mit Null aus dieser ganzen Nummer rausgehe […].“
Qualitative statt quantitative Streuung
„Ich meine, ich kann einfach 100 Unternehmen kaufen, dann habe ich in jedem 1 %, dann habe ich top diversifiziert nach Quantität. Aber ich denke, das bringt oft weniger, als wenn ich nur 15 habe und dabei darauf achte, dass die vielleicht aus drei, vier verschiedenen Kontinenten und aus fünf verschiedenen Branchen kommen.“
Passiv heißt nicht automatisch gestreut
„Wenn ich einfach nur passiv investiere, gerade mit größeren Beträgen, […] es heißt immer, ich diversifiziere, aber ich kaufe eigentlich nur eine Asset-Klasse und das US Large Cap […] und inzwischen eigentlich nur noch US Large Cap Tech.“
Zu breit gestreut heißt nur Index nachbilden
„Im März ungefähr, dass ich im S&P mittlerweile über 70 Titel drin hatte, wo ich gesagt habe: Das wird mir jetzt langsam zu viel an der Stelle. Desto mehr Aktien hier drin sind, desto mehr tust du ja eigentlich nur noch diesen Index nachbilden.“
Eigene Diversifikationsregel: kaum über 5 %
„Ich bin so gut wie nie über fünf Prozent in einer Position. Das kommt selten mal vor, aber auch da bleibe ich diversifiziert.“
Maximal 2 % pro Einzeltitel
„Und deswegen habe ich natürlich auch ein, wie gesagt, recht stark diversifiziertes Portfolio. Ich würde in Einzeltitel maximal zwei Prozent reinmachen. Das heißt, ich habe eigentlich immer so 50 bis 75 Einzeltitel.“
Nicht alles auf eine Karte setzen
„Ich persönlich bin aber, wie gesagt, eher konservativ eingestellt, was diese Investmentmöglichkeiten angeht. Das heißt, ich diversifiziere. […] Aber ich würde auch hier nicht alles auf eine Karte setzen und finde das Thema Diversifizierung einfach sehr interessant.“
Gegenposition: nicht zu viele Aktien, lieber konzentrieren
„Hab nicht zu viele Aktien in deinem Depot. Ich meine, es gibt immer die Strategie breit gestreut und nie bereut von Beate Sander, unsere Börsenomi. Aber wichtig ist auch, wenn du sehen willst, dass dein Depot steigt, musst du dich etwas konzentrieren.“
Lieblingsaktien mit hoher Gewichtung statt Streuung
„Er hatte immer seine Lieblingsaktien gehabt und die mit sehr hohen Gewichtungen gehandelt. Das war nicht wirklich ein diversifiziertes Portfolio. Das war eher so, wir kaufen mal irgendwas.“
Breit streuen, um Misserfolg zu vermeiden
„Man kann Erfolg nicht erzwingen. Man kann aber sehr gut den Misserfolg vermeiden, indem man vorsichtig ist, indem man breit streut. Nur Warren Buffett muss nicht breit streuen, aber alle anderen schon.“
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Er analysiert Aktien mit Notiz-Buch - statt Trading-Journal Dominik Doster vergleicht sein breit gestreutes mit seinem konzentrierten wikifolio und findet das diversifizierte deutlich leichter auszuhalten. Zum Zitat ↑
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Diversifikation macht arm – Er kennt die Methode der Reichen (Rainer Zitelmann) Dr. Dr. Rainer Zitelmann unterscheidet die Phase des Vermögensaufbaus, in der Konzentration zählt, von der Phase des Vermögenserhalts mit breiter Streuung. Zum Zitat ↑
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Bitcoin auf 100 Millionen $? - Seine Prognose schockiert! (Mirco Recksiek - Bitcoin2Go) Mirco Recksiek begründet, warum er selbst einen Totalausfall von Bitcoin verkraften könnte. Zum Zitat ↑
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37 Jahre Börse: Was dieser Profi nie vergessen hat (Uwe Jännert) Uwe Jännert rät Einsteigern, nicht zu viele Aktien ins Depot zu nehmen, weil ein Depot nur mit etwas Konzentration wirklich steigt. Zum Zitat ↑
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Nach 70% Verlust: Die Strategie, die Nico Schulze 4 Millionen Portfolio einbrachte Nico Schulze beschreibt das Depot seines Großvaters, das in der Finanzkrise 2008 auf wenige, hoch gewichtete Lieblingsaktien setzte. Zum Zitat ↑
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Warum smarte Trader Verluste begrenzen, statt Gewinne zu jagen (Bernhard Mitterlehner) Bernhard Mitterlehner zählt breite Streuung zu seinen wichtigsten Regeln, weil man Erfolg nicht erzwingen, Misserfolg aber vermeiden kann. Zum Zitat ↑





























