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Was ist die Fundamentalanalyse?
Fundamentalanalyse: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Die Fundamentalanalyse ist eine Methode, den Wert eines Unternehmens aus seinen wirtschaftlichen Daten abzuleiten. Anleger prüfen dafür Geschäftsmodell, Bilanz, Gewinne, Cashflow und Bewertungskennzahlen wie das KGV. Liegt der Börsenkurs deutlich unter dem so ermittelten Wert, gilt die Aktie als unterbewertet. Das Gegenstück ist die Chartanalyse, die nur auf Kurs und Volumen schaut.
Definition von Fundamentalanalyse
Die Fundamentalanalyse fragt, was ein Unternehmen wirklich wert ist. Grundlage sind Geschäftsberichte mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Kapitalflussrechnung, dazu das Geschäftsmodell, die Branche und das Management. Als Klassiker gilt das Buch Security Analysis von Benjamin Graham und David Dodd aus dem Jahr 1934.
Das Ziel ist ein innerer Wert, der mit dem Börsenkurs verglichen wird. Liegt der Kurs deutlich darunter, entsteht eine Sicherheitsmarge (Margin of Safety). Die Annahme dahinter: Langfristig folgt der Kurs den Gewinnen, auch wenn er kurzfristig weit davon abweichen kann.
Die Fundamentalanalyse sagt viel darüber, was man kaufen könnte, aber wenig über den Zeitpunkt. Deshalb kombinieren viele Marktteilnehmer sie mit Charttechnik oder Momentum. Reine Charttechniker halten sie dagegen für überflüssig, weil alle bekannten Informationen schon im Kurs stecken.
Welche Kennzahlen zählen in der Fundamentalanalyse?
Die Fundamentalanalyse arbeitet in zwei Schritten. Zuerst geht es um die Qualität des Geschäfts: Wie verdient das Unternehmen Geld, wie stabil sind Umsatz und Marge, wie stark ist die Stellung gegenüber der Konkurrenz? Danach geht es um den Preis: Ist die Aktie im Verhältnis zu dem, was das Unternehmen erwirtschaftet, günstig oder teuer?
| Kennzahl | Was sie zeigt |
|---|---|
| KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) | Wie viele Jahresgewinne der Börsenwert kostet |
| KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) | Bewertung im Verhältnis zum Umsatz, nützlich bei Firmen ohne Gewinn |
| KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) | Bewertung im Verhältnis zum bilanziellen Eigenkapital |
| Eigenkapitalquote | Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme, ein Maß für finanzielle Stabilität |
| Free Cashflow | Geld, das nach allen Investitionen tatsächlich übrig bleibt |
| Operative Marge | Anteil des Umsatzes, der als operativer Gewinn bleibt |
| Verschuldungsgrad | Verhältnis der Schulden zum Eigenkapital |
Ein einfaches Rechenbeispiel für das KGV:
| Aktienkurs | 50 € |
|---|---|
| Gewinn je Aktie | 4 € |
| KGV | 12,5 |
Ein KGV von 12,5 heißt: Beim heutigen Gewinn dauert es 12,5 Jahre, bis das Unternehmen seinen Börsenwert verdient hat. Ob das günstig ist, zeigt erst der Vergleich mit Branche, Historie und Wachstum.
Fundamentalanalyse in der Praxis
Keine einzelne Kennzahl reicht für ein Urteil. Ein niedriges KGV kann ein Schnäppchen sein oder ein Warnsignal, wenn die Gewinne gerade wegbrechen (Value Trap). Ein hohes KGV kann gerechtfertigt sein, wenn das Unternehmen stark wächst. Aussagekräftig wird die Analyse erst im Vergleich und über mehrere Jahre.
Typische Prüfschritte:
- das Geschäftsmodell verstehen: Womit verdient die Firma Geld, und was könnte das gefährden?
- die Entwicklung von Umsatz, Gewinn und Free Cashflow über fünf bis zehn Jahre ansehen,
- die Bilanz prüfen: Schulden, Eigenkapitalquote, Liquidität,
- die Bewertung mit Wettbewerbern und der eigenen Historie vergleichen,
- eigene Annahmen für die Zukunft festhalten und später überprüfen.
Der Aufwand ist hoch. Wer viele Einzelwerte verfolgt, arbeitet deshalb oft mit Screenern und festen Kriterien und geht nur bei den Treffern in die Tiefe. Andere kombinieren die Fundamentalanalyse mit Charttechnik oder Momentum, um den Zeitpunkt für Kauf und Verkauf zu finden.
Fundamentalanalyse bei [Bulle & Mensch]
Viele Gäste von [Bulle & Mensch] arbeiten fundamental, aber auf sehr unterschiedliche Weise. Stefan Meißner nennt seinen Ansatz fundamentaldatenbasiertes Investieren und lässt jede Form von Charttechnik bewusst weg. Uwe Jännert will zuerst das Geschäftsmodell verstehen und achtet auf Gewinne und einen positiven Cashflow. Till Schwalm prüft, ob Geschichte und Zahlen zueinander passen, Dr. Carmen Mayer schaut sich fünf Kennzahlen über zehn Jahre an. Dr. Hendrik Leber bleibt bei Hypes wie GameStop bewusst draußen, weil sie fundamental für ihn nicht interessant sind.
Andere sehen die Grenzen. Paul Pleus hat gelernt, dass reine Fundamentaldaten bei Nebenwerten nicht reichen, und kombiniert sie heute mit Momentum. David Pieper gibt dem Preis den Vorrang, wenn eine Aktie mit tollen Zahlen trotzdem fällt, und Oliver Klemm hält den rein fundamentalen Ansatz ohne technische Faktoren für wirkungslos. Der gemeinsame Nenner: Zahlen allein reichen selten, es kommt darauf an, wie man sie mit dem eigenen Stil verbindet.
Was meine Gäste über Fundamentalanalyse sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Oliver Klemm | Gegenposition: ohne Technik wirkungslos |
| Mirco Recksiek | Narrativ zuerst, Fundamentaldaten als Filter |
| Dr. Hendrik Leber | Bei Hypes ohne Fundament bleibt er draußen |
| Stefan Meißner | Rein fundamental, bewusst ohne Charttechnik |
| Christoph Gum | Klassische Due Diligence: Technologie, Bilanz, Management |
| Till Schwalm | Geschichte und Zahlen müssen zusammenpassen |
| Dr. Carmen Mayer | Fünf Kennzahlen über zehn Jahre |
| Max Schulz | Fundamentalanalyse liefert den Grund für eine Bewegung |
| Marcel Urban | Einzelaktien verlangen viel Zeit für Fundamentalanalyse |
| Paul Pleus | Fundamentaldaten plus Momentum |
| David Pieper | Gegenposition: Der Preis hat Vorrang vor den Daten |
| Uwe Jännert | Geschäftsmodell, Historie, Gewinn, positiver Cashflow |
Die Aussagen im Wortlaut
Gegenposition: ohne Technik wirkungslos
„Der fundamentale Ansatz setzt sich auf keinen Fall durch, weil es hilft dir nichts, ob du weißt, dass die Aktie unterbewertet ist. Nur die Kombination mit technischen Faktoren hilft dir.“
Narrativ zuerst, Fundamentaldaten als Filter
„Ohne Käufer steigt ein Kurs nicht, egal von welchem Finanzasset. Deswegen ist so Narrativ für mich die Grundlage einer Idee für einen aktiven Portfolio Bestandteil. […] Nehme ich schon auch noch mal Fundamentaldaten dazu, damit ich die schwarzen Schafe direkt aussortieren kann, weil die zeigen sich schon anhand der Daten dann auch deutlich.“
Bei Hypes ohne Fundament bleibt er draußen
„Wenn der Aktienmarkt morgen wieder irgendwie GameStop liegt, was soll ich da machen? Ich werde da nicht mitgehen, weil ich fundamental investiere und eine GameStop ist fundamental für mich nicht interessant. Also bleibe ich draußen.“
Rein fundamental, bewusst ohne Charttechnik
„Ich hab schon lange Value Investing betrieben. Ich nenne es heute einfach, sag ich mal, fundamentaldatenbasiertes Investieren. Und das ist auch, denke ich, ein besonderes Merkmal, dass ich wirklich bewusst jegliche Form von Charttechnik weglasse.“
Klassische Due Diligence: Technologie, Bilanz, Management
„Wir wollen eigentlich keine schwachen Bilanzen, die, sollte mal die Börse wieder gegen uns laufen, die sofort umkippen, die sofort eine Kapitalerhöhung brauchen, die unerfahrenes Management Team haben. Diese klassische Due Diligence, die du machst: Du schaust dir die Firma technologisch an, du schaust dir die Bilanzanalyse an, […] du schaust das Management Team an.“
Geschichte und Zahlen müssen zusammenpassen
„Jede Fundamentalanalyse hat zwei Seiten. Das eine ist die Geschichte. Und das Zweite sind die Zahlen. Und beides muss für mich zueinander passen.“
Fünf Kennzahlen über zehn Jahre
„Ich mache fundamentale Analyse. Wir haben das Excel Tool entwickelt, wo wir uns fünf fundamentale Kennzahlen über die letzten zehn Jahre anschauen.“
Fundamentalanalyse liefert den Grund für eine Bewegung
„Mein Handelssystem nach wie vor basiert auf diesen drei Säulen, die ich von Larry Williams gelernt habe. […] Das ist die fundamentale Analyse, Grund für eine Bewegung. Das ist dann einfacher in Rohstoffmärkten das zu finden.“
Einzelaktien verlangen viel Zeit für Fundamentalanalyse
„Ich glaube, wenn man Aktien handeln möchte als Einzelwerte oder sich ein Portfolio da zusammenbauen will, muss man unheimlich viel Zeit in Fundamentalanalyse reinstecken.“
Fundamentaldaten plus Momentum
„Für mich war das diese Erkenntnis, dass reine Fundamentaldaten bei Nebenwerten, wo nicht viele hingucken, alleine nicht erfolgreich machen. […] Seitdem benutze ich das Momentum und die Fundamentaldaten und füge das zusammen.“
Gegenposition: Der Preis hat Vorrang vor den Daten
„Wenn ich sehe, dass eine Aktie sich halbiert und die hat tolle Fundamentaldaten, würde ich dem Preis erstmal den Vorrang geben, weil der Markt weiß einfach mehr. Vielleicht schaut er einfach voraus.“
Geschäftsmodell, Historie, Gewinn, positiver Cashflow
„Erstmal finde ich es für mich persönlich wieder wichtig, dass praktisch ich das Geschäftsmodell verstehe. Dann ist es für mich wichtig, dass man eine Historie hat. Dann ist es für mich wichtig, dass man Gewinne schreibt, der Cashflow positiv ist.“



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