Folge 21 · Till Schwalm

Wird künstliche Intelligenz bald besser investieren als wir?

Die meisten reden von Langfristigkeit - und starren trotzdem täglich auf den Kurs. Till Schwalm dreht die Logik um: Der Chart ist für ihn Nebengeräusch, der Kern ist das Unternehmen dahinter.

Till Schwalm führt seine eigene Beteiligungsgesellschaft in Oldenburg, investiert mit echtem Fremdkapital und echten Investoren - und hat sich beigebracht, den Aktienkurs so weit wie möglich zu ignorieren. Vier Tage Barcelona ohne einen Blick auf die Charts, aber auf jedem Unternehmens-Newsletter: So sieht sein Alltag aus. Sein Maßstab für ein gutes Investment ist nicht der Kursverlauf, sondern die Frage, ob er nachts ruhig schlafen kann.

Till Schwalm ist Geschäftsführer seiner eigenen Beteiligungsgesellschaft in Oldenburg und investiert in der Tradition von Benjamin Graham und Warren Buffett - heute allerdings als GARP-Investor (Growth at a Reasonable Price) statt als klassischer Value-Investor. Sein Portfolio umfasst rund 20 Titel, davon 10 Kernpositionen, überwiegend europäische Small Caps.

„Weil ich einfach weiß, ich bin in guten Unternehmen investiert, die weiter operativ gut laufen, und dann ist mir der Chart relativ egal."
– Till Schwalm

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Was hat Till Schwalm zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Der Edge liegt im Filtern, nicht im billig kaufen: Von rund 100 Ideen übersteht im Schnitt eine den kompletten Prozess bis auf die Watchlist - der erste Fünf-Minuten-Check im eigenen Excel-Modell entscheidet, ob eine Idee überhaupt weiterverfolgt wird.
  • Eine These muss in drei Sätzen erklärbar sein: Sein Maßstab ist, ob er die Investmentgeschichte seiner Frau in drei Sätzen erklären kann - hochkomplexe Geschichten fallen durch.
  • Narrativ und Zahlen müssen zusammenpassen: Bei Alphabet ist er zweimal gegen das Markt-Narrativ eingestiegen (erst „Alphabet wird zerschlagen", dann „Alphabet verliert gegen KI"), weil die operativen Zahlen etwas anderes erzählten.
  • Der Chart liefert nie ein Ausstiegssignal: Verkauft wird, wenn die fundamentale Investmentthese bricht - so geschehen bei Naked Wines, wo die Corona-Kundenkohorten sich als deutlich schwächer erwiesen als angenommen.
  • Free-Cashflow-Rendite statt kompliziertem DCF: Er modelliert Umsatzwachstum und operative Marge zu einem nachhaltigen Free Cashflow und rechnet daraus die Rendite auf den Kurs - Multiple-Expansion ist Bonus, nie Grundlage.
  • Kritik ist wertvoller als der Kurs: Der teuerste Fehler seiner Karriere - eine Praktiker-Anleihe, die auf null fiel - entstand, weil er einen berechtigten Einwand eines anderen Investment-Bloggers ignorierte. Seitdem sucht er aktiv Widerspruch zu seinen Thesen.
  • KI als Praktikant, nicht als Ersatz: Till Schwalm lässt NotebookLM auf zehn Jahre Geschäftsberichte los und fragt gezielt nach Risikofaktoren, die seine These brechen könnten - den psychologischen Teil seines Jobs hält er vorerst für nicht ersetzbar.

Wie Till Schwalm sein GARP-System nach Fehlern und einer Durststrecke entwickelt hat

Im Investment-Club 2009 verliert das Portfolio in den ersten drei Monaten 10 bis 15 Prozent - und danach, als Lehman Brothers fällt, massiv. Till Schwalm liegt nachts wach und zieht daraus die Konsequenz, die bis heute sein System bestimmt: ein Portfolio, bei dem er ruhig schlafen kann. In den Anfangsjahren kauft er noch klassisch billig nach Kurs-Buchwert - darunter der Holzplattenhersteller Pfleiderer, der Pleite geht, und deutsche Wohnimmobilienaktien mit 25 Prozent Dividendenrendite, bei denen er zugibt, damals sehr wenig verstanden zu haben. Ab 2016 folgt eine drei- bis vierjährige Durststrecke mit Underperformance: Was günstig aussah, hatte meist einen guten Grund dafür. Der schmerzhafteste Einzelfall liegt noch früher, in der Studienzeit: eine Anleihe des Baumarktkonzerns Praktiker, gekauft für rund 40 Prozent des Nennwerts, in der Annahme, dass selbst 70 Prozent Abschlag auf das Warenlager im Insolvenzfall reichen würden. Ein Kommentator eines anderen Investment-Blogs weist ihn öffentlich darauf hin, dass die Anleihe auf Konzernebene liegt, die Vermögenswerte aber in den Töchtern - Till Schwalm ignoriert den Einwand. Die Anleihe fällt auf null, der Verlust trifft einen Großteil seiner damaligen Liquidität. Seine Lehre: keine übergroßen Einzelpositionen mehr - und Kritik an der eigenen These ernst nehmen, statt sie wegzuwischen.

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So funktioniert Till Schwalms Free-Cashflow-Strategie

Märkte/Assets: überwiegend europäische Small Caps als Generalist, dazu einzelne Großunternehmen wie Alphabet; rund 20 Positionen, 10 Kernpositionen mit je mindestens 5 Prozent, größte Position rund 15 Prozent, dazu ein Talente-Pool mit 2,5-Prozent-Positionen.

Ideen-Funnel: Von zehn Ideen übersteht im Schnitt eine den Fünf-Minuten-Check im Excel-Modell (Datenanbindung über TIKR); von zehn weiterverfolgten Ideen landet wiederum eine auf der Watchlist - also eine von 100.

Watchlist-Phase: 40 bis 60 Unternehmen, jedes im Schnitt ein bis zwei Jahre in Beobachtung, mit Quartalszahlen und - wo möglich - direkten Gesprächen mit dem Management.

Bewertungslogik: Umsatzwachstum plus operative Marge, abzüglich Steuern, Wachstumsinvestitionen und Zinsen, ergeben den nachhaltigen Free Cashflow; die Free-Cashflow-Rendite plus erwartetes Wachstum ist der Renditeanker. Kurs-Buchwert unter 1 gilt nur noch als Warnsignal.

Risikofilter: stabile Bilanz, hohe Eigenkapitalquote, am liebsten Nettokasse - Verschuldung ist für ihn ein Ausschlusskriterium, nicht nur eine Kennzahl.

Exit-Logik: Verkauft wird, wenn die Investmentthese bricht, nicht wenn der Kurs fällt. Bei großen Unternehmen zusätzlich, wenn der Kurs deutlich über seinem fairen Wert liegt - so bei Hypoport, wo er die zur Marktbewertung passende Geschichte schlicht nicht mehr erzählen konnte.

KI-Einsatz: NotebookLM mit zehn Jahren Geschäftsberichten, eigenem Investment-Tagebuch und Analysen, um gezielt nach Risikofaktoren zu fragen; ChatGPT als „Praktikant" für Recherche und Datenarbeit.

Till Schwalm als Investor: Geduld, Selbstkritik und ein Portfolio zum Ruhigschlafen

Till Schwalm ist Vater von drei Kindern, seit bald 18 Jahren mit derselben Frau zusammen - und baut seinen Investmentstil bewusst um die eigene Psyche herum. Keine binären Wetten, keine übergroßen Positionen, dafür wenige, gut verstandene Unternehmen, die er auch durch Krisen hält. Im März 2020 telefoniert er sein komplettes Portfolio einmal durch, statt auf die Kurse zu schauen. Ethische Grenzen zieht er dabei persönlich, nicht als Marketing: Er investiert in nichts, womit er nachts nicht gut schlafen kann. Auf die Frage nach dem einen Satz, den er sich an den Bildschirm kleben würde, nennt er zwei - „Rendite entsteht im Unternehmen, nicht an der Börse" und „hab Geduld". Was Geduld für ihn heißt, sagt er unmissverständlich:

„Ich werde nicht dafür bezahlt zu handeln, sondern die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Beim Thema künstliche Intelligenz ist er nüchtern: Den Zahlen- und Analyseteil seines Jobs hält er für in wenigen Jahren durch KI ersetzbar. Ob am Ende alle mit derselben KI investieren und damit ein neuer Herdentrieb entsteht, ist für ihn offen - den psychologischen Teil, mit den eigenen Entscheidungen ruhig schlafen zu können, sieht er vorerst als seinen Vorteil gegenüber der Maschine.

Wer ist Till Schwalm?

Till Schwalm kommt aus einer Unternehmerfamilie und hat, wie er sagt, „am Küchentisch schon gelernt, über Unternehmen zu sprechen und was operativ ein Unternehmen ausmacht". Als Student in St. Gallen startet er 2008/09 mitten in der Finanzkrise mit zwei Kommilitonen einen Investment-Club - rund zehn Titel, geteiltes Geld, erste eigene Fehler. Nach dem Studium arbeitet er vier Jahre als Analyst für einen deutschen Aktienfonds unter Fondsmanager Dr. Bruns, der sich selbst nicht als Value-Investor verstand, sondern als „hanseatischer Kaufmann": günstig kaufen, teuer verkaufen, das Unternehmen wirklich kennen. 2018 macht sich Till Schwalm mit seiner eigenen Beteiligungsgesellschaft selbstständig, in der Investoren ihm Geld zur Verfügung stellen. Heute führt er rund 20 Positionen - 10 Kernpositionen mit je mindestens 5 Prozent Gewicht, die größte bei rund 15 Prozent - plus einen Talente-Pool mit kleineren 2,5-Prozent-Positionen. Seit 2026 unterrichtet er zusätzlich einen eigenen Universitätskurs zu seinem Investmentansatz.

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