Begriff · Trading
Was ist ein Backtest?
Backtest: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Ein Backtest prüft eine Handelsstrategie an historischen Kursdaten: Was wäre passiert, wenn man ihre Regeln in der Vergangenheit befolgt hätte? Heraus kommen Kennzahlen wie Gewinn, Trefferquote und Maximum Drawdown. Ein guter Backtest ist ein erster Test für eine Idee, aber keine Garantie, dass die Strategie auch in Zukunft funktioniert.
Definition von Backtest
Beim Backtest werden feste Regeln für Einstieg, Ausstieg und Risiko auf vergangene Kursdaten angewendet. Heraus kommen Kennzahlen wie Gewinn, Trefferquote, Schwankung und Maximum Drawdown. So lässt sich eine Idee prüfen, bevor echtes Geld im Spiel ist.
Ein Backtest ist aber keine Garantie. Häufige Fallen sind Überoptimierung (die Regeln passen perfekt auf die Vergangenheit, aber nicht auf die Zukunft), Indikatoren, die im Rückblick mehr wissen als in Echtzeit, und vergessene Kosten wie Gebühren und Slippage.
Deshalb testen viele Profis über lange Zeiträume mit verschiedenen Marktphasen und handeln eine neue Strategie zuerst mit kleinem Geld.
So läuft ein Backtest ab
Ein Backtest braucht feste, eindeutige Regeln. Nur was sich genau beschreiben lässt, kann auf vergangene Daten angewendet werden.
- Regeln festlegen: Wann wird gekauft, wann verkauft, wie groß ist die Position, wo liegt der Stopp?
- Daten wählen: Kursdaten über einen langen Zeitraum, am besten mit Auf- und Abwärtsphasen.
- Durchrechnen: Die Regeln werden Schritt für Schritt auf die Daten angewendet, per Software oder von Hand am Chart.
- Auswerten: Rendite, Trefferquote, durchschnittlicher Gewinn und Verlust, Maximum Drawdown.
- Gegenprobe: Die Strategie auf einem Zeitraum testen, der bei der Entwicklung nicht verwendet wurde (Out-of-Sample).
| Rendite pro Jahr | Wie viel hätte die Strategie verdient? |
|---|---|
| Trefferquote | Wie viele Trades waren Gewinner? |
| Chance-Risiko-Verhältnis | Wie groß waren Gewinne im Vergleich zu Verlusten? |
| Maximum Drawdown | Wie tief ging es im schlechtesten Fall? |
Backtest in der Praxis
Ein Backtest zeigt, ob eine Idee in der Vergangenheit funktioniert hätte. Dass sie in Zukunft funktioniert, beweist er nicht. Die häufigsten Fallen:
- Überoptimierung (Curve Fitting): Die Regeln werden so lange angepasst, bis die Vergangenheit perfekt aussieht.
- Rückschaufehler: Daten oder Indikatoren, die es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gab, fließen in die Entscheidung ein.
- Vergessene Kosten: Gebühren, Spreads und Slippage fehlen in der Rechnung.
- Nur Überlebende (Survivorship Bias): Getestet wird nur mit Firmen, die es heute noch gibt.
Viele Trader gehen deshalb schrittweise vor: erst der Backtest, dann ein Test auf einem Demokonto oder mit kleinem Geld, erst danach die volle Positionsgröße. Wer manuell handelt, macht oft einen visuellen Backtest am Chart, um ein Gefühl für die eigenen Signale zu bekommen.
Backtest bei [Bulle & Mensch]
Im Podcast reicht die Spanne von Überzeugung bis Misstrauen. Für Marcel Urban ist der Backtest der erste Test, ob eine Idee überhaupt Sinn macht, und Max Schulz sieht darin die erste Bestätigung einer Strategie. Wieland Arlt empfiehlt dagegen den visuellen, manuellen Backtest, weil man sich mit einem durchgerechneten Backtest schnell selbst täuscht.
Am deutlichsten ist Hendrik Leber: Er traut Backtests überhaupt nicht, weil ein Modell, das aus der Vergangenheit gelernt hat, im Rückblick immer gut aussieht.
Was meine Gäste über Backtest sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Larissa Kravitz | Strategien an den Bärenmärkten der 2000er testen |
| Michael Kranich | Jede neue Idee wird erst per Backtest geprüft |
| Christoph Gum | Backtest als Basis, dann Out-of-Sample-Walk-Forward |
| Robin Kömel | Backtest nur so gut wie die Umsetzung in der Praxis |
| David Pieper | Heute gibt es keinen Grund mehr, nicht zu backtesten |
| Erik Wimmer | Backtests ja, aber nicht für jeden Handelsroboter |
| Bernhard Mitterlehner | Backtests über lange Zeiträume, nicht 2–3 Jahre |
Die Aussagen im Wortlaut
Strategien an den Bärenmärkten der 2000er testen
„Schaut euch an, wie diese Strategie sich in den frühen 2000ern verhalten hätte. […] Weil ich finde so die 2000er Jahre sind ein gutes Environment, die Dinge zu testen. Quasi ein Backtesting Environment. Weil da sieht man, wie wäre meine Strategie durch zwei doch relativ starke Bärenmärkte gegangen.“
„Wenn ich da einen Backtest drüber mache, dann muss er eigentlich immer gut aussehen, weil er hat ja aus der eigenen Vergangenheit gelernt. Also darum glaube ich, ich traue Backtests überhaupt nicht.“
Jede neue Idee wird erst per Backtest geprüft
„Wenn ich dann so eine Idee habe, dann versuche ich natürlich immer, an die Daten anzukommen […], ziehe mir die Daten aus dem Internet und mache dann immer wieder Backtestings in meinem Excel-Programm an der Stelle, um zu schauen: Ist denn die Idee, die ich da dazu habe, überhaupt richtig? […] Und ohne Backtesting […] geht einfach nichts an der Stelle.“
Backtest als Basis, dann Out-of-Sample-Walk-Forward
„Backtests sind die Basis, um eine These zu überprüfen, und dann gibt es diese Out of Sample Walk Forwards, wo die Maschine das erlernt hat, aber dann nicht mehr weiß, was kommt. […] Und dann bestätigt sich eine These mit einem bestimmten Indikatoren Set, mit einem bestimmten Setup, oder bestätigt sich nicht.“
„Man findet eine Bestätigung als erstes, indem man die Strategie einfach mal backtestet. […] Es ist noch keine Garantie, dass sie in Zukunft funktioniert, aber zumindest in der Vergangenheit hat sie funktioniert.“
„Man schaut quasi, wenn ich ein Signal generiere und ich handle N verschiedene Aktien damit: Hätte ich generell Geld damit gemacht oder hätte ich Geld damit verloren? Das ist mal ein erster Test, überhaupt zu gucken, ob die ganze Sache Sinn macht.“
Backtest nur so gut wie die Umsetzung in der Praxis
„[…] wenn man das beste Backtesting überhaupt hat, bringt einem das nichts, wenn man es in der Praxis nicht genau so umsetzt. Denn ich will ja eigentlich praktisch mit meiner ganzen Auswertung, will ich ja praktisch Ergebnisse haben, die ich dann auch eins zu eins so umsetzen möchte.“
Heute gibt es keinen Grund mehr, nicht zu backtesten
„Und dann findet man wieder raus, dass viele Dinge gar nicht stimmen, die da geschrieben sind. […] Aber ich würde behaupten, heutzutage gibt es eigentlich gar keinen Grund mehr, nicht zu backtesten. Es ist jetzt auch keine Sicherheit für die Zukunft.“
„Backtest, ich empfehle immer einen visuellen, manuellen Backtest. Weil am Ende mit einem durchgerechneten Backtest bescheißt du dich auch selber. Insbesondere dann, wenn du manuell handelst.“
Backtests ja, aber nicht für jeden Handelsroboter
„Wenn ich heute einen neuen Handelsroboter entwickle, mache ich natürlich Backtests. Das kommt aber auch ganz drauf an, welchen Handelsroboter ich entwickle. Weil Backtesting funktioniert nicht bei allen Indikatoren, weil die einfach zu variable Einstiegsmöglichkeiten haben.“
Backtests über lange Zeiträume, nicht 2–3 Jahre
„Ich habe vorher schon so viele andere Methoden ausprobiert. Ich habe sie zerpflückt, habe sie vor allem backgetestet. […] Eine Lehre aus dem Ganzen war, du musst dich am wirklich langen Zeitraum anschauen. […] zwei, drei Jahre ist gar nichts.“
„Es gibt Strategien, die im Backtest eine total super Performance zeigen, die alle grün sind. […] Das Problem hier ist, dass es Lagging Indicators gibt, und konkret die Moving Averages sind Lagging Indicators.“



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