Profis antworten
Wann brechen Profis ihre eigenen Regeln? Ehrliche Antworten aus dem Podcast
„Wann brichst du deine eigenen Regeln?“
Diese Frage hat Mario Märzinger nicht jedem Gast gestellt. Die Antworten kamen im Gespräch, meist bei Fehlern, Stopps oder der Frage, wie streng jemand nach System handelt. Hier stehen sie nebeneinander, wörtlich und mit Sprung an die Stelle im Video.
Marios Einordnung
Was fast alle gleich sagen
Fast alle haben ihre Regeln schon gebrochen, und fast immer aus demselben Grund: Sie dachten, sie wüssten es besser. Michael Kranich, Paul Pleus und Rüdiger Born erzählen genau das. Aus dem Bruch wurde jedes Mal eine strengere Regel.
Wo sie sich unterscheiden
Bei der Frage, ob es Ausnahmen geben darf. Kranich handelt seit der Krim-Krise nur noch nach seiner Ampel, Zweifel klärt er per Backtest. Bernhard Mitterlehner und Dirk Siebenhaar haben die Ausnahme fest eingebaut: Mitterlehner geht nur bei 1 Prozent Einsatz über den dreifachen Hebel hinaus, Siebenhaar hält eine halbe Position auch bei 8 Prozent Minus, obwohl sein Alarm bei 5 Prozent liegt. Wieland Arlt sagt, brechen darfst du eine Regel erst, wenn du sie kennst.
Was das für dich heißt
Schreib deine Ausnahmen vorher auf, dann sind es keine Regelbrüche. Torsten Maus kennt seine Schwachstelle genau: Ist er von einer Aktie begeistert, wird die Position zu groß. Dr. Raimund Schriek macht sofort einen Schnitt, sobald seine Routine schleift, schließt im besten Fall die Position und sucht dann den Grund.
Die Antworten im Überblick
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Ergänzungen in eckigen Klammern sind von der Redaktion.
| Gast | Kurz gesagt |
|---|---|
| Michael Kranich | Krim-Krise: Ampel auf Grün, er ging trotzdem short |
| Paul Pleus | Früher seine Marktmeinung über das Modell gestellt |
| Rüdiger Born | Stopp ausgeweitet, obwohl er es besser wusste |
| Torsten Maus | Ist er begeistert, wird die Position zu groß |
| Dirk Siebenhaar | Alarm bei 5 Prozent, eine halbe Position darf auch 8 Prozent fallen |
| Bernhard Mitterlehner | Nie mehr als dreifacher Hebel, außer bei 1 Prozent Einsatz |
| Wieland Arlt | Regeln erst brechen, wenn man sie wirklich kennt |
| Dr. Raimund Schriek | Schleift die Routine, schließt er zuerst die Position |
Bauchgefühl gegen das eigene System
Krim-Krise: Ampel auf Grün, er ging trotzdem short
„Da gingen ja auch die Aktienmärkte auf Berg- und Talfahrt und ja, mein Ampel hatte gesagt Grün, trotz alledem, und ich habe gesagt, nee, das ist mir zu heiß, hab dann auch alles verkauft im [wikifolio], bin auf short gegangen […] und dann habe ich gesagt, nee, Michael, so kannst du nicht weitermachen, vertraue dem System“
Früher seine Marktmeinung über das Modell gestellt
„Früher habe ich meinem eigenen System nicht vertraut. Und habe gedacht, ey, du bist doch cleverer noch. […] Ich muss Emotionen, wie ich denke, wie der Markt sein wird, die muss ich ausschalten.“
Stopp ausgeweitet, obwohl er es besser wusste
„Stop noch mal ausweiten. wir haben damals, wir hatten das gelesen, Stop wird nicht ausgeweitet, habe ich natürlich trotzdem gemacht, weil ich wusste es ja besser. […] Der Verlust ist jetzt doch größer als geplant.“
Ist er begeistert, wird die Position zu groß
„Aber das gelingt einem auch nicht immer. mal ein Fehler zu beschreiben, mir passiert das auch heute noch, dass ich von der Aktie total begeistert bin. Vielleicht dann, weil ich zu stark begeistert bin, die Positionsgröße vielleicht von Anfang an zu groß mache und dann funktioniert es eben nicht“
Ausnahmen mit fester Grenze
Alarm bei 5 Prozent, eine halbe Position darf auch 8 Prozent fallen
„Fünf Prozent ist in der Regel meine Alarmglocke. Also meine persönliche Alarmglocke ist fünf Prozent. Das heißt, es kann auch mal passieren, dass ich sage, okay, ich habe da nur eine halbe Position und die ist acht Prozent im Minus.“
Nie mehr als dreifacher Hebel, außer bei 1 Prozent Einsatz
„Aber ich versuche nie mehr als dreifachen Hebel zu machen. Ausnahme vielleicht ich kaufe nur 1 % rein. Da kann man auch einen 5-fachen Hebel nehmen.“
Regeln kennen, Abweichung früh merken
Regeln erst brechen, wenn man sie wirklich kennt
„So wie das so ist mit Regeln. Du kannst Regeln erst dann brechen, wenn du sie kennst. Heißt also, wenn du sagst, ich mache es jetzt mal bisschen anders, ich interpretiere das anders, dann weißt du, warum das so ist.“
Schleift die Routine, schließt er zuerst die Position
„[…] das größte Lernen ist im Prinzip, an die Dinge zu halten, die ich mir oder andere sich vornehmen und zu schauen, wenn das wackelig wird, wenn die Routine ein bisschen schleift, wenn ich mir andere Gedanken mache, woher das kommt und dann sofort einen Cut zu machen, bestenfalls die Position zu schließen und zunächst zu ergründen, worum geht es hier eigentlich.“



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