Daytrading: Birger Schäfermeier über Positionsgröße
Birger Schäfermeier handelt seit 1989 Futures und erklärt, warum Positionsgröße und Risiko über den Erfolg entscheiden und nicht das Einstiegssignal.
Birger Schäfermeier handelt seit 1989 Futures, jeden Tag, jede Position glattgestellt zum Handelsschluss. 2018 machte er in einer Real-Money-Challenge aus 10.000 € rund 400.000 €. Trotzdem sagt er, dass sein Einstiegssignal dabei die kleinste Rolle gespielt hat.
Was bei ihm wirklich entscheidet, ist der Teil, über den kaum jemand Bücher schreibt: wie groß eine Position sein darf und wann er aggressiv wird. Im Gespräch zeigt er, wie er seinen Edge gefunden hat, warum er Backtests misstraut und woran er merkt, dass ein Handelssignal sich abnutzt.
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Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der Zinseszinseffekt wirkt beim Traden schneller als beim Investieren. Aus 10.000 € wurden 2018 rund 400.000 €, weil mit jedem Kontostand auch das Risiko mitwuchs.
- Sein tatsächlicher Hebel liegt zwischen zwei und vier. Alles darüber hält er für Zockerei, weil ein Prozent Marktbewegung dann über den ganzen Einsatz entscheidet.
- Ein Trend beginnt technisch, verstärkt sich fundamental und endet im überschießenden Sentiment. Daran macht er fest, wann er Gas gibt und wann er sich zurückhält.
- Backtests misstraut er grundsätzlich: „Du wirst in der Zukunft, gebe ich dir jetzt eine Garantie, damit kein Geld verdienen, weil das einfach auf die Vergangenheit gefitted ist.“
- Jedes Handelssignal hat einen Lebenszyklus. Das Turtle-System war in den 80er Jahren tot, weil zu viele dasselbe gehandelt haben.
- Das wichtigste Werkzeug ist für ihn das Positionsgrößenmanagement. Über Einstiege gibt es tausende Bücher, darüber fast keine.
- Sich selbst lesen zu können hält er für die wichtigere Fähigkeit als jede Methode. Dazu führt er neben dem normalen auch ein mentales Trading-Tagebuch.
Die Story dahinter: eine Million als Student, dann alles weg
Als Student verdoppelte Birger Schäfermeier sein Konto mit Optionsscheinen immer weiter, von 10.000 Mark bis an die Million. Dann setzte er 300.000 auf die nächste Option, und noch einmal 300.000, und stand am Ende bei 400.000. Der TopTraderCup 2005 kostete ihn binnen drei Wochen 77 Prozent seines Kontos. Die ersten sechs Jahre hat er nach eigener Aussage nur gekämpft, bis er dauerhaft Geld verdiente.
Das System: fünf Kernmärkte, drei Zeitebenen, klar begrenztes Risiko
Seit 36 Jahren handelt er dieselben fünf Kernmärkte: Bund Future, T-Bond, Euro-Dollar, S&P 500 und DAX. Den Trend betrachtet er auf drei Zeitebenen, Elliott-Wellen nutzt er nicht zur Prognose, sondern um seine Aggressivität zu steuern. Gearbeitet wird mit Trailing Stops, Zeitstopps und Scale-out. Pro Trade riskiert er einen festen Prozentsatz des Depots, meist 0,5 bis 1 Prozent, und leitet erst daraus die Positionsgröße ab.
Der Mensch: Gas rausnehmen, wenn es schlecht läuft
Im Drawdown nimmt er Gas raus, statt den Einsatz zu erhöhen. Die Equity-Kurve ist für ihn Rückmeldung über den eigenen Zustand, nicht nur eine Zahl. Über die Branche sagt er deutlich, was er von Performanceversprechen hält, und dass im Trading viele schon nach zwei Jahren meinen, sie könnten selbst unterrichten. Sein Satz für den Bildschirm: „Planer deiner Trade, Trader deiner Plan.“
Buchtipps von Birger Schäfermeier
Buchtipps aller Gäste →Birger Schäfermeier, Diplom-Volkswirt, kaufte mit 14 seine erste Aktie und handelte schon als Student Optionsscheine. Daraus wurde rund eine Million D-Mark, die er komplett wieder verlor.
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