Podcast-Gast · Folge 32
Larissa Kravitz
Larissa Kravitz baut ihr Wachstumsportfolio auf Faktor-ETFs mit einer Kombination aus Momentum und Value. Einzelaktien kommen als Satelliten dazu und müssen vorher einen Trichter aus Analystenlisten, eigenen Filtern und der F-Score durchlaufen.
Über Larissa Kravitz
Larissa Kravitz stammt aus einer börsenaffinen Familie und kaufte mit 14 Jahren ihre ersten Aktien, mitten im Dotcom-Boom, gefolgt vom Crash. Nach Studienabschlüssen in Bank- und Finanzwirtschaft sowie Quantitative Trading and Financial Engineering arbeitete sie als Aktien- und Derivatehändlerin, baute das Treasury Management für ein Solarenergie-Unternehmen auf und saß zuletzt im Aufsichtsrat eines börsennotierten Unternehmens. 2019 entstand Investorella eher zufällig aus einem Investment-Workshop für Frauen. Heute verfolgt sie einen wissenschaftlich-quantitativen Ansatz: Scoring-Modelle, Faktorenlehre und drei Jahre eigene Forschung zu Social-Media-Sentiment. Ihr Buch „Money, Honey!“ erschien 2020.
So investiert Larissa Kravitz
Aus dem Gespräch in Folge 32 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Die Basis sind Faktor-ETFs. Daneben führt sie ein separates Dividendenportfolio, weil sie das laufende Einkommen schätzt, obwohl sie Dividenden steuerlich für ineffizient hält. Einzelaktien ergänzen den Kern, bei Bitcoin kauft sie in ruhigen Winterphasen etwas zu.
„Das ist immer, wenn ich sage, ich bin langweilig drauf, ich habe keine Lust, was zu machen, zack, geht mein Geld in die Faktoren ETFs.“
▶ Folge 32 · 1:01:01
Haltedauer
Einzelaktien hält sie mindestens Monate, eher Jahre. Kurzfristiges Trading überlässt sie Leuten, die das hauptberuflich machen, weil es viel Zeit kostet.
„Also für die Einzelaktien, mein Anlagehorizont sind mindestens Monate, eher Jahre.“
▶ Folge 32 · 1:14:19
Auswahl und Einstieg
Ideen sammelt sie wie in einem Trichter: Goldmans Conviction Buy List, Bankreports, ein eigener Filter auf Yahoo Finance für stark gefallene größere Titel, Reuters, FT und Stocktwits. Vor jedem Kauf einer Einzelaktie prüft sie die F-Score nach Piotrowski. Sie kauft nur, wenn sie sehr sicher ist, und steigt auch später noch in Titel mit sehr starkem Trend ein.
„Du musst dir das vorstellen wie so ein Trichter. Da ist oben so die Inspiration.“
▶ Folge 32 · 1:03:59
Portfolio und Positionsgröße
Im Wachstumsportfolio kombiniert sie Momentum und Value als getrennte ETFs und legt diese Kombination über mehrere Regionen. Momentum ist bewusst übergewichtet, weil sie offensiv anlegen will. Multifaktor-ETFs meidet sie, weil sie das Faktor-Exposure selbst steuern will.
„Eine meiner liebsten Kombinationen ist die Momentum Value Kombination.“
▶ Folge 32 · 1:24:56
Risiko und Verkauf
Liegt eine Einzelaktie 15 bis 20 Prozent hinter der Benchmark, steigt sie relativ schnell aus. Bei Trendaktien achtet sie auf das Handelsvolumen und darauf, ob Rücksetzer noch nachgekauft werden. Sie sagt selbst, dass sie tendenziell zu früh verkauft.
„wenn ich jetzt sehe, da gibt es eine 15-20 %ige Underperformance gegenüber der Benchmark, dann steige ich da auch relativ schnell aus.“
▶ Folge 32 · 1:19:12
Fehler und was daraus wurde
Zweimal hat sie auf Tipps von erfahrenen Marktleuten gehört und ohne eigene Analyse gekauft. Beide Positionen verloren 50 bis 70 Prozent. Seitdem gilt für sie: keine heißen Tipps, immer eigene Recherche.
„Ich habe diese Aktie gekauft und ich glaube, sie ist 70 Prozent gefallen. Ein drittes Mal werde ich diesen Fehler nicht machen.“
▶ Folge 32 · 1:18:04
Umgang mit Verlusten
Sie rechnet mit weiteren Bärenmärkten und hält Value als Schutz für Phasen, in denen Momentum einbricht. Ihr Portfolio soll so gebaut sein, dass sie es beim ersten Abschwung nicht umbauen muss.
„das, ich nicht möchte, ist, dass ich ein Portfolio habe, das ich in seiner Grundstruktur bei den ersten Anzeichen eines Bärenmarktes komplett verändern muss.“
▶ Folge 32 · 1:40:13
Arbeitsweise und Werkzeuge
Morgens liest sie Reuters und die FT, dazu Bankenlisten wie die von Goldman. Die F-Score rechnet sie nicht mehr selbst, sondern holt sie aus Datenbanken. Fehlt Zeit oder eine Idee, fließt neues Geld in die Faktor-ETFs, und der Anteil an Einzelaktien sinkt mit dem beruflichen und familiären Aufwand.
„Wenn ich in der Früh aufwache, was lese ich? Ich lese Reuters und die FT.“
▶ Folge 32 · 2:12:38
Faktoren nie allein halten
Sie hält immer mindestens zwei Faktoren. Momentum funktioniert für sie nur zusammen mit Value, weil Momentum und Quality zu stark korrelieren.
„Ich sage immer, Faktoren sind wie Meerschweinchen. Man sollte nie einen alleine haben, mindestens zwei.“
▶ Folge 32 · 1:25:57
Backtest mit den frühen 2000ern
Neue Strategien prüft sie daran, wie sie sich in den frühen 2000er Jahren geschlagen hätten. Dort sieht sie, wie eine Strategie durch zwei starke Bärenmärkte gekommen wäre.
„Weil da sieht man, wie wäre meine Strategie durch zwei doch relativ starke Bärenmärkte gegangen.“
▶ Folge 32 · 1:29:09
Zweistellige Rendite als Ziel
Ihr Anspruch ist eine zweistellige Rendite. Mit etwa 15 Prozent pro Jahr im Schnitt ist sie zufrieden, 30 bis 40 Prozent strebt sie nicht an.
„Also mein Anspruch ist auf jeden Fall eine zweistellige Rendite zu haben.“
▶ Folge 32 · 1:52:25
Aus der Folge: Goldmans Conviction Buy List
Larissa Kravitz holt sich Ideen aus Goldmans Conviction Buy List. Im Gespräch kam dazu das wikifolio „Conviction Buy List - Goldman S.“ von Oliver Bruns zur Sprache, das die Liste öffentlich nachvollziehbar abbildet.
Buchtipps von Larissa Kravitz
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Kommentare
Mehr Erfahrungen →Heute mal mehr Mensch und investieren. Larissa ist sehr sympathisch … Gut haben mir die Geschichten aus der Kindheit/Jungend gefallen, insbesondere das „Bankgeheimnis“. … Gut nachgefragt wie immer. 👍
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