[Bulle & Mensch]
Folge 36 · 1 Buchtipp

Buy and Hold im Crash: Tim Schäfers 4-Millionen-Depot

Wie der Finanzjournalist Tim Schäfer aus Manhattan mit extremem Buy & Hold ein Depot von fast 4 Millionen Dollar aufgebaut hat und warum ihm ein Crash lieber ist als eine Korrektur.

Ein Crash von 70 Prozent ist für die meisten Anleger ein Albtraum. Für Tim Schäfer ist er fast der Idealfall. Genau dann kauft er nach.

Tim Schäfer lebt seit rund 20 Jahren mitten in Manhattan, ein paar Blocks von der Wall Street entfernt, und praktiziert dort ein extremes Buy & Hold: Er verkauft so gut wie nie. Sein bekanntestes Beispiel ist Netflix: eingestiegen mit rund 5.000 Dollar nach einem 70-Prozent-Crash, hat sich die Position bis heute auf mehrere Hunderttausend Dollar entwickelt. Sein Prinzip dahinter fasst er selbst so zusammen: „Ich habe viel Warren Buffett und Charlie Munger verfolgt, und die sagen, im Prinzip die beste Haltedauer ist, Ewigkeit.“ Im Gespräch erklärt er seine Krisen-Kauf-Regel, warum auch Fehlgriffe wie Weight Watchers oder der insolvente Nähmaschinenhersteller Pfaff seine Strategie nicht erschüttert haben und wie er trotz eines Depots von fast 4 Millionen Dollar weiterhin radikal sparsam lebt.

„Mir gefällt es, wenn es so richtig massiv nach unten geht, schon mehr.“
– Tim Schäfer

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Rund 2.500 Dollar Dividende erhält er mittlerweile jeden Monat, aufgebaut allein durch frühes, stetiges Sparen und Investieren, nicht durch eine komplizierte Strategie.
  • Seine Krisenregel bringt er selbst auf den Punkt: „Richtig interessant wird es schon bei 70 [Prozent]. Das ist schon fast so ein Idealfall.“
  • Sein bekanntestes Beispiel: Netflix, eingestiegen mit rund 5.000 Dollar nach einem 70-Prozent-Crash. Die Position beziffert er mittlerweile auf mehrere Hunderttausend Dollar.
  • Auch Fehlgriffe gehören dazu: Weight Watchers und der insolvente Nähmaschinenhersteller Pfaff aus der Pfalz gingen komplett verloren, ohne dass er sein Prinzip infrage gestellt hätte.
  • Sein Leitsatz zum Halten: „Ich habe viel Warren Buffett und Charlie Munger verfolgt, und die sagen, im Prinzip die beste Haltedauer ist, Ewigkeit.“
  • Trotz eines Depots von fast 4 Millionen Dollar bleibt er nahezu vollständig in Aktien investiert, auch mit Blick auf die aktuelle KI-Euphorie an den Börsen.
  • Zur Absicherung setzt er nicht auf Anleihen, sondern auf breite Streuung und kleine Gegenpositionen bei Konkurrenten großer Positionen.

Wie Tim Schäfer vom Diplom-Betriebswirt zum Wall-Street-Investor wurde

Tim Schäfers Weg an die Börse begann nicht im Banking, sondern im Journalismus: Nach seinem BWL-Diplom in Mannheim und dem Journalistik-Diplom in Hohenheim arbeitete er ab 1999 sieben Jahre lang als Redakteur eines Finanzbriefs bei Egbert Prior in Frankfurt. Geprägt haben ihn dabei vor allem die großen Value-Vorbilder: „Ich habe halt damals mehrere Bücher gelesen. Ich fand Warren Buffett faszinierend [...]. Wenn du mal guckst, John Templeton, hat in der Weltwirtschaftskrise einfach die abgestürzten Aktien eingesammelt [...] und die haben sich dann erholt, 10, 15 Jahre später.“ 2006 zog er nach New York und baute von dort aus sein Depot weiter auf, unter anderem mit Netflix, das er nach einem 70-Prozent-Crash für rund 5.000 Dollar kaufte, weil das Unternehmen trotz Kündigungswelle und Kurssturz kaum Schulden und viel Cash in der Bilanz hatte.

So funktioniert Tim Schäfers Krisen-Kauf-Strategie

„Richtig interessant wird es schon bei 70 [Prozent]. Das ist schon fast so ein Idealfall.“
– Tim Schäfer

Im Zentrum von Tim Schäfers Ansatz steht eine einfache, aber konsequent verfolgte Regel: Je größer die Krise, desto interessanter wird sie für ihn. Kleinere Rücksetzer von 20 oder 30 Prozent lösen bei ihm noch keine Kauflust aus: „richtig interessant wird es schon bei 70“. Diese Regel wendet er bei Einzelunternehmen an, ebenso bei ganzen Branchen und dem Gesamtmarkt: Während der Staatshilfen für Intel kaufte er gezielt Intel-Aktien, weil ihm die politische Rückendeckung („Washington hat 10 % der Aktien“) wie eine implizite Garantie erschien. Ähnlich argumentiert er bei Volkswagen, wo das Land Niedersachsen als Großaktionär kein Interesse an einer Pleite hat. Zur Recherche nutzt er unter anderem CNBC, Yahoo Finance und die Beobachtung auffälliger Insider-Käufe. Abgesichert wird nicht über Anleihen, sondern über Diversifikation und kleine Gegenpositionen: Wächst ihm eine Position wie Netflix zu groß, baut er eine kleine Position bei einem Konkurrenten als Hedge auf („man kann ja nie wissen“).

Tim Schäfer als Investor setzt auf Sparsamkeit, Geduld und den Willen zum Durchhalten

Neben der reinen Anlagestrategie ist Sparsamkeit für Tim Schäfer die zweite tragende Säule seines Vermögensaufbaus. Trotz eines Millionendepots lebt er nach eigener Aussage weiterhin sehr zurückhaltend. Seine Sparquote hat über die Jahre zwischen rund 50 und 60 Prozent geschwankt, auch wenn es Jahre mit deutlich weniger gab, etwa als eine teure Manhattan-Mietwohnung einen Großteil seines Nettogehalts aufgefressen hat. Ausgleich fand er unter anderem über Sport (Marathons, Triathlon) statt teurer Urlaube. Auch mit Rückschlägen geht er nüchtern um: Fehlgriffe wie Weight Watchers oder die insolvente Pfaff nennt er offen als Beispiele, ohne sein Grundprinzip infrage zu stellen. Zur aktuellen KI-Euphorie an den Börsen bleibt er skeptisch-gelassen, erhöht seine Cash-Quote trotzdem nicht spürbar. Sein Depot ist praktisch vollständig in Aktien investiert. Seine Schlussformel für alle, die sein Prinzip kopieren wollen, bringt er selbst auf den kürzesten Nenner: „Bleib optimistisch.“

Was das für dich heißt

Tim Schäfer hält viele seiner Aktien seit 20 Jahren und länger. Er lebt sparsam und bleibt auch im Crash investiert:

  • Er investiert fast immer vollständig und kauft auch in einer Krise jeden Monat weiter, wenn Geld übrig ist. Was machst du mit deinem Sparplan, wenn dein Depot gerade tief im Minus steht?
  • Er steigt in eine abgestürzte Aktie meist mit 2500 oder 5000 Dollar ein und rechnet damit, dass der Kurs danach noch weiter fällt. Legst du vor dem Kauf fest, wie viel du höchstens in eine einzelne Idee steckst?
  • Er hat sein Depot einmal beliehen und 7, 8 oder sogar 10 Prozent Zinsen bezahlt. Heute investiert er nur Geld, das er langfristig nicht braucht. Steckt in deinem Depot Geld, das du in den nächsten Jahren für etwas anderes brauchst?
  • Er hat kein eigenes Auto und vergleicht Preise, bevor er einkauft oder einen Flug bucht. Bei welcher festen Ausgabe hast du zuletzt nachgesehen, ob es günstiger geht?

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Wer ist Tim Schäfer?

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Tim Schäfer, Jahrgang 1972, ist Diplom-Betriebswirt (Berufsakademie Mannheim, 1996), Diplom-Journalist (Universität Hohenheim) und CEFA-Aktienanalyst. Von 1999 bis 2006 arbeitete er als Redakteur eines Finanzbriefs bei Egbert Prior in Frankfurt, bevor er 2006 nach New York zog.

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