Folge 17 · André Doerk

Dividendenfabrik: 8 % Dividende in Märkten, die kaum ein Privatanleger kennt

André Doerk hat Daytrading, Forex, CFDs und Rohstoffe durchprobiert - und landete am Ende dort, wo kaum jemand hinschaut: beim Cashflow.

André Doerk schaut nicht auf Kurse, sondern auf das Einkommen, das sein Depot ausspuckt. Für ihn ist ein Depot wie eine vermietete Wohnung: Solange die Miete zuverlässig kommt und im Idealfall steigt, ist der Tagespreis zweitrangig. Genau daraus hat er sein Dividendenfabrik-System gebaut - mit 6 bis 7 Prozent Dividende plus Wachstum, oft in Märkten, die kaum ein Privatanleger auf dem Schirm hat.

André Doerk ist Mitgründer der Plattform ShareDeals.de und investiert seit über 25 Jahren an der Börse. Seit über zehn Jahren baut er ein Depot, das nicht von Kursgewinnen lebt, sondern von planbarem Cashflow - mit Zielrenditen jenseits von 10 Prozent aus Dividende plus Wachstum.

„Als Mieter guckt man ja auch nicht jeden Tag auf einen Immobilienportal und sagt, für wie viel könnte ich denn heute meine Wohnung verkaufen? Das ist ja eigentlich nicht das Ziel des Ganzen."
– André Doerk

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Dividende als Einkommen, nicht als Sparbuch-Ersatz: André Doerk zielt nicht auf 3 Prozent Sicherheitsrendite, sondern auf 6 bis 7 Prozent Dividende plus 3 bis 4 Prozent Unternehmenswachstum - in Summe ein Total Return über 10 Prozent.
  • Die Wohnungs-Analogie als Anker: Zählt der Cashflow, ist der aktuelle Marktwert des Depots zweitrangig - genau das nimmt laut André Doerk den Druck aus jeder Korrektur.
  • Der Privatanleger-Vorteil liegt in der zweiten und dritten Reihe: Bei Meta gaben an einem einzigen Stichtag 70 Analysten ein Rating ab. Seine Frage dazu: „Wo will ich als Privatanleger daherkommen und noch irgendwie was finden, wo ich einen Informationsvorsprung gewinnen kann? Geht eigentlich gar nicht."
  • Krisen sind sein Einstiegsfenster: Als in Kolumbien erstmals seit 30 bis 40 Jahren eine sozialistische Regierung gewählt wurde, brach der Markt ein - „teilweise einen Gesamtmarkt KGV von nicht mal fünf am Tiefpunkt Dividendenrenditen von acht Prozent und höher".
  • Risiko wird über Stückzahl begrenzt, nicht über Stop-Loss: 50 bis 75 Einzeltitel, maximal 2 Prozent pro Position. Selbst eine überraschende Dividendenkürzung mit 30 Prozent Kursverlust bleibt damit unter 0,5 Prozent Depotwirkung.
  • Verkauft wird nur bei Zweifeln an der Ausschüttung: Kein Stop-Loss, keine Kursziele. Fällt der Kurs, ohne dass die Dividende wackelt, ist Nachkaufen für ihn logischer als Verkaufen.
  • Dividendenaristokraten sind für ihn kein Automatismus: „Man muss an der Börse auch immer so bisschen den Unterschied machen zwischen gutem Unternehmen und gutem Investment." Ein gutes, aber teures Unternehmen ist für ihn kein gutes Investment.
  • Sein Leitsatz: Die größte Herausforderung bestehe darin, "lange gar nichts zu tun und dann, wenn sich die Chancen bieten, man dann diszipliniert handeln muss und nicht groß nachdenken und zaudern darf".

Wie André Doerk sein Cashflow-System entwickelt hat

Nach dem Totalverlust des Startkapitals um 2001 nahm André Doerk eine Pause und kam zurück - erst über Day Trading, Forex, CFDs, Optionsscheine und Momentum-Trading, dann über die Rohstoffwelt, die ihn jahrelang festhielt. Er besuchte Rohstoffmessen und Minenprojekte vor Ort, doch der Zeitaufwand und die Volatilität eines großen Rohstoffdepots wurden ihm zunehmend zu viel.

„Und deswegen bin ich dann auch immer mehr im Bereich Dividenden gelandet, weil ich einfach gemerkt habe, dass ich mich da wohler fühle, wenn mein Depot nicht ständig Achterbahn fährt."

Den endgültigen Ausschlag gab Corona. Einige Unternehmen im Depot kürzten damals ihre Dividende - aber verglichen mit dem Kurseinbruch war die Delle beim Cashflow deutlich kleiner. Seitdem liegt der Großteil seiner Börsenaktivität im Dividendenbereich; Rohstoffe betreibt er nur noch als Hobby und Steckenpferd mit einem kleinen Teil seines Kapitals.

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So funktioniert André Doerks Dividendenfabrik-Strategie

Anlageuniversum: Dividendenaktien weltweit, ergänzt um US-Vorzugsaktien und sogenannte Babybonds für den Zinsteil; die Aufteilung liegt aktuell bei rund 70 zu 30 zugunsten der Aktien, mit Tendenz Richtung 80/20 oder 85/15, weil er dem Dollar weniger traut.

Einstiegskriterien: Bewertung über KGV beziehungsweise Cashflow, Höhe der Dividendenrendite, Ausschüttungsquote unter 100 Prozent, langfristig stabile oder steigende Dividende - und die Frage, ob die Ausschüttung auch in drei bis fünf Jahren tragfähig ist.

Positionsgröße: maximal 2 Prozent pro Einzeltitel, in Summe 50 bis 75 Titel. Bewusster Kompromiss: lieber breiter streuen als sich in jede Fußnote eines Geschäftsberichts einlesen.

Ineffizienzen als Edge: Große Standardwerte sind durchanalysiert, kleinere Titel kaum. Dort sieht André Doerk realistische 8 bis 10 Prozent - und die Notwendigkeit, der eigenen Recherche zu vertrauen, weil es schlicht keine Analystenmeinung gibt.

ETF-Puzzle: In Märkten, in denen er sich nicht auskennt, kauft er regionale ETFs statt Einzeltitel - Kolumbien war so ein Fall, weil die These auf dem Gesamtmarkt lag, nicht auf einem einzelnen Unternehmen.

Geopolitischer Fokus 2026: Lateinamerika inklusive Brasilien vor den anstehenden Wahlen, Polen als sein Lieblingsmarkt in Europa, dazu ein Blick auf Rumänien, Korea und Japan.

Automatisierung: Quartalszahlen, Analysten-Calls und Dividendenankündigungen zieht er zunehmend über selbstgebaute N8N-Workflows zusammen. Ziel: von rund einer Stunde pro Aktie und Quartal auf fünf Minuten. KI nutzt er zusätzlich, um sich gezielt die Gegenposition zur eigenen These schreiben zu lassen.

Exit-Logik: kein Stop-Loss, keine Kursziele. Verkauft wird, wenn die Ausschüttungsaussichten dauerhaft leiden, wenn eine Position durch Kursanstieg zu groß wird oder wenn die Bewertung so weit gelaufen ist, dass er den Titel heute nicht mehr kaufen würde.

André Doerk als Cashflow-Investor: bequem, diszipliniert, reflektiert

André Doerk nennt sich selbst einen "bequemen Anleger" - nicht aus Faulheit, sondern als Systementscheidung: Wer drei Wochen nicht ins Depot schaut und trotzdem ruhig schläft, trifft weniger emotionale Fehler. Genau deshalb ist er beim Cashflow gelandet, nachdem er festgestellt hatte, dass hohe Volatilität ihn nervös und damit undiszipliniert macht.

Sein Blick auf das eigene Ergebnis ist entsprechend nüchtern: Erfolg heißt für ihn, aus demselben investierten Kapital im nächsten Jahr mehr Dividende zu bekommen als im laufenden - "wie eine Wohnung, die gut vermietet ist". Und sein Rat an Einsteiger dreht die übliche Erwartung um: Wer neu an der Börse ist, sollte den Fokus zuerst darauf legen, keine Verluste zu machen - der Ertrag komme danach von allein.

Wer ist André Doerk?

André Doerk kaufte 1999 seine erste Aktie, mitten im Neuen Markt - einer Zeit, in der man laut ihm bei jedem IPO "quasi zwangsläufig schon reich" war. Sein Startkapital hatte er innerhalb der folgenden zwei Jahre "mehr oder weniger auf null getradet". Danach probierte er nach eigener Aussage alles durch: Day Trading, Forex, CFDs, Optionsscheine, Momentum-Trading, kurzfristig wie langfristig. Länger hängen blieb er zuerst im Rohstoffbereich, inklusive Konferenzreisen und Vor-Ort-Besuchen bei Minenprojekten. Heute ist er Mitgründer der Plattform ShareDeals.de, betreut dort den Dividendenbereich und hat zwei Bücher geschrieben: "Dividendenfabrik" und "Reich mit Rohstoffen".

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