8 % Dividende: André Doerks Cashflow-Strategie
André Doerk hat Daytrading, Forex, CFDs und Rohstoffe durchprobiert und landete am Ende dort, wo kaum jemand hinschaut: beim Cashflow.
André Doerk kaufte seine erste Aktie 1999, zur Zeit des Neuen Markts, und hatte sein Startkapital innerhalb von zwei Jahren auf null getradet. Seit über zehn Jahren baut er nun ein Depot, das er sieht wie eine vermietete Wohnung. Solange die Miete zuverlässig kommt und im Idealfall steigt, ist der Tagespreis zweitrangig. Sein Ziel sind 6 bis 7 Prozent Dividende plus 3 bis 4 Prozent Unternehmenswachstum, langfristig also ein Total Return von über 10 Prozent, ohne Stop-Loss und ohne Kursziele.
Im Gespräch erklärt der Mitgründer von ShareDeals.de sein Dividendenfabrik-System. Er sucht weltweit Aktien, deren Ausschüttung auch in drei bis fünf Jahren tragfähig ist, oft in Märkten, die kaum ein Privatanleger auf dem Schirm hat. Pro Einzeltitel steckt er höchstens 2 Prozent hinein. Verkauft wird, wenn die Ausschüttung dauerhaft leidet oder eine Position zu groß geworden ist.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 8 Punkte: Ziel 1 · Psychologie 2 · Auswahl 2 · Einstieg 1 · Positionsgröße 1 · Ausstieg 1
-
RegelZielDividende plus Wachstum6 bis 7 % Dividendeüber 10 % gesamt Dividende als Einkommen, nicht als Sparbuch-Ersatz: André Doerk zielt nicht auf 3 Prozent Sicherheitsrendite, sondern auf 6 bis 7 Prozent Dividende plus 3 bis 4 Prozent Unternehmenswachstum, in Summe ein Total Return über 10 Prozent.
Zitat & Begründung
„ich möchte 6, 7 Prozent vielleicht oder 6, 7 Prozent Dividende haben und ich habe ein Unternehmen, das auch noch leicht wächst“ ▶ 8:24
- Über das langfristige Wachstum der Firmen kommen für ihn noch 3 bis 4 Prozent dazu.
- In Summe liegt der Total Return dann über 10 Prozent.
- Vor dem Kauf prüft er, ob die Firma die Dividende auch in fünf bis zehn Jahren noch zahlen kann.
-
RegelPsychologieCashflow statt Depotwert Die Wohnungs-Analogie als Anker: Zählt der Cashflow, ist der aktuelle Marktwert des Depots zweitrangig. Genau das nimmt laut André Doerk den Druck aus jeder Korrektur.
Zitat & Begründung
„ich gucke halt gar nicht so sehr auf den aktuellen Marktwert meines Portfolios“ ▶ 3:01
- Er sieht sein Depot wie eine vermietete Wohnung, aus der regelmäßig Miete hereinkommt.
- Niemand schaut jeden Tag im Immobilienportal nach, was die eigene Wohnung heute bringen würde.
- Das funktioniert nur, weil die Dividenden ihm den Cashflow liefern.
-
RegelAuswahlEine Stufe unter den Konzernen Der Privatanleger-Vorteil liegt in der zweiten und dritten Reihe: Bei Meta gaben an einem einzigen Stichtag 70 Analysten ein Rating ab. Seine Frage dazu: „Wo will ich als Privatanleger daherkommen und noch irgendwie was finden, wo ich einen Informationsvorsprung gewinnen kann? Geht eigentlich gar nicht.“
Zitat & Begründung
„dann gucke ich halt eine Stufe darunter, weil da gibt es ja auch durchaus spannende Unternehmen“ ▶ 27:50
- Bei Meta gaben an einem einzigen Stichtag 70 Analysten ein Rating ab.
- Gegen Profis, die sich hauptberuflich mit einer Aktie beschäftigen, sieht er als Privatanleger keinen Informationsvorsprung.
- Deshalb sucht er in der zweiten und dritten Reihe.
-
RegelEinstiegKrisen als EinstiegsfensterKGV unter 58 % Dividende Krisen sind sein Einstiegsfenster: Als in Kolumbien erstmals seit 30 bis 40 Jahren eine sozialistische Regierung gewählt wurde, brach der Markt ein: „teilweise einen Gesamtmarkt KGV von nicht mal fünf am Tiefpunkt Dividendenrenditen von acht Prozent und höher“.
Zitat & Begründung
„Wenn das Pendel wieder zum Normal zurückschwingt, kann sich diese Bewertung nicht halten.“ ▶ 22:39
- In Kolumbien wurde erstmals seit 30 bis 40 Jahren eine sozialistische Regierung gewählt, der Markt brach ein.
- Am Tiefpunkt lag das KGV des Gesamtmarkts teils unter fünf, die Dividendenrenditen bei acht Prozent und mehr.
- Weil er sich in dem Land wenig auskennt, nutzt er für solche Märkte ETFs.
-
RegelPositionsgrößeHöchstens 2 % je Titel50 bis 75 Titelmax. 2 %Klare Aussage Risiko wird über Stückzahl begrenzt, nicht über Stop-Loss: 50 bis 75 Einzeltitel, maximal 2 Prozent pro Position. Selbst eine überraschende Dividendenkürzung mit 30 Prozent Kursverlust bleibt damit unter 0,5 Prozent Depotwirkung.
Zitat & Begründung
„ich würde in Einzeltitel maximal zwei Prozent reinmachen“ ▶ 35:46
- Ohne ETFs gerechnet hält er 50 bis 75 Einzeltitel.
- Der schlimmste Fall ist für ihn eine unerwartete Dividendenkürzung mit rund 30 Prozent Kursverlust.
- Aufs ganze Depot sind das unter 0,5 Prozent, so muss er nicht jede Aktie bis ins Detail prüfen.
-
RegelAusstiegVerkaufen nur, wenn die Dividende wackeltkein Stop-Loss Verkauft wird nur bei Zweifeln an der Ausschüttung: Kein Stop-Loss, keine Kursziele. Fällt der Kurs, ohne dass die Dividende wackelt, ist Nachkaufen für ihn logischer als Verkaufen.
Zitat & Begründung
„dann wäre es ja blöd, wenn die bei minus 30 Prozent dann zu verkaufen. Weil da würde es ja dann eher Sinn machen, nochmal nachzukaufen“ ▶ 1:03:05
- Er schaut vor allem auf das Einkommen aus der Aktie, nicht auf den Kurs.
- Bleibt die Ausschüttung konstant, ist die Rendite nach einem Kursrückgang sogar höher.
- Nach einem Nachkauf war er zwei Jahre später wieder etwa bei null und hatte die Dividenden zusätzlich kassiert.
-
SkeptischAuswahlGutes Unternehmen ist nicht gleich gutes InvestmentKlare Aussage Dividendenaristokraten sind für ihn kein Automatismus: „Man muss an der Börse auch immer so bisschen den Unterschied machen zwischen gutem Unternehmen und gutem Investment.“ Ein gutes, aber teures Unternehmen ist für ihn kein gutes Investment.
Zitat & Begründung
„ein gutes Unternehmen, was teuer ist, eben kein gutes Investment“ ▶ 1:14:44
- Dividendenaristokraten steigern ihre Dividende seit langem und haben sie nie gekürzt.
- Weil sie so bekannt sind, sind sie meist teuer und zahlen weniger Dividende, als man erwarten würde.
- Günstig werden sie für ihn nur in Ausnahmen wie dem Corona-Crash oder beim Zollthema.
-
RätPsychologieLange nichts tunKlare Aussage Sein Leitsatz: Die größte Herausforderung bestehe darin, „lange gar nichts zu tun und dann, wenn sich die Chancen bieten, man dann diszipliniert handeln muss und nicht groß nachdenken und zaudern darf“.
Zitat & Begründung
„die größte Herausforderung, glaube ich, darin liegt, dass man lange Zeit einfach gar nichts tun muss“ ▶ 7:16
- Bietet sich eine Chance, darf man nicht lange zögern und muss konsequent handeln.
- Zuletzt war so eine Phase der Börseneinbruch nach Trumps Zöllen.
- Gerade wenn es sich unklar anfühlt, wohin es geht, sind das für ihn die Momente zum Handeln.
Meinungen von André Doerk aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie André Doerk sein Cashflow-System entwickelt hat
Nachdem er sein Startkapital aus der Zeit des Neuen Markts innerhalb von zwei Jahren auf null getradet hatte, nahm André Doerk eine Pause und kam zurück: erst über Day Trading, Forex, CFDs, Optionsscheine und Momentum-Trading, dann über die Rohstoffwelt, die ihn jahrelang festhielt. Er fuhr zu Rohstoffmessen und Konferenzen, um die Leute vor Ort zu treffen, doch der Zeitaufwand und die Volatilität eines großen Rohstoffdepots wurden ihm zunehmend zu viel.
„Und deswegen bin ich dann auch immer mehr im Bereich Dividenden gelandet, weil ich einfach gemerkt habe, dass ich mich da wohler fühle, wenn mein Depot nicht ständig Achterbahn fährt.“
Den endgültigen Ausschlag gab Corona. Einige Unternehmen im Depot kürzten damals ihre Dividende. Aber verglichen mit dem Kurseinbruch war die Delle beim Cashflow deutlich kleiner. Seitdem liegt der Großteil seiner Börsenaktivität im Dividendenbereich. Rohstoffe betreibt er nur noch als Hobby und Steckenpferd mit einem kleinen Teil seines Kapitals.
So funktioniert André Doerks Dividendenfabrik-Strategie
André Doerk kauft Dividendenaktien weltweit, ergänzt um US-Vorzugsaktien und sogenannte Babybonds für den Zinsteil. Die Aufteilung liegt aktuell bei rund 70 zu 30 zugunsten der Aktien. In einem Jahr rechnet er eher mit 80 zu 20 oder sogar 85 zu 15, weil der US-Dollar für ihn inzwischen mit vielen Fragezeichen behaftet ist.
Vor dem Einstieg prüft er die Bewertung über KGV beziehungsweise Cashflow, die Höhe der Dividendenrendite, eine Ausschüttungsquote unter 100 Prozent und die Frage, ob die Ausschüttung auch in drei bis fünf Jahren tragfähig ist. In einen Einzeltitel steckt er maximal 2 Prozent, ohne ETFs wären das 50 bis 75 Titel. Diese breite Streuung erlaubt ihm, sich nicht in jede Fußnote eines Geschäftsberichts einzulesen.
Seinen Vorteil sieht er bei kleineren Titeln. Große Standardwerte werden von Dutzenden Analysten gecovert, kleinere kaum, dort hält er 8 bis 10 Prozent für realistisch. In Märkten, in denen er sich nicht auskennt, kauft er regionale ETFs statt Einzeltitel. Kolumbien war so ein Fall, weil die These auf dem Gesamtmarkt lag. Aktuell schaut er auf Lateinamerika mit Brasilien vor den anstehenden Wahlen, auf Polen als seinen Lieblingsmarkt in Europa und auf Rumänien, Korea und Japan.
Quartalszahlen, Analysten-Calls und Dividendenankündigungen zieht er zunehmend über selbstgebaute N8N-Workflows zusammen. Sein Ziel ist, von rund einer Stunde pro Aktie und Quartal auf fünf Minuten zu kommen. KI nutzt er zusätzlich, um sich gezielt die Gegenposition zur eigenen These schreiben zu lassen. Einen Stop-Loss oder Kursziele setzt er nicht. Verkauft wird, wenn die Ausschüttungsaussichten dauerhaft leiden, wenn eine Position durch Kursanstieg zu groß wird oder wenn er den Titel heute zu diesem Preis nicht mehr kaufen würde.
Wie André Doerk als Cashflow-Investor tickt
André Doerk nennt sich selbst einen „bequemen Anleger“. Damit meint er eine Systementscheidung: Er will drei Wochen nicht ins Depot schauen können, ohne dass etwas passiert. Beim Cashflow ist er gelandet, nachdem ihm Trading zu aufregend und ein großes Rohstoffdepot zu stressig geworden war. Eine Strategie, die zu einem passt, hilft ihm nach eigener Aussage, diszipliniert zu bleiben.
Sein Blick auf das eigene Ergebnis ist entsprechend nüchtern: Erfolg heißt für ihn, aus demselben investierten Kapital im nächsten Jahr mehr Dividende zu bekommen als im laufenden, „wie eine Wohnung, die gut vermietet ist“. Und sein Rat an Einsteiger dreht die übliche Erwartung um: Wer neu an der Börse ist, sollte den Fokus zuerst darauf legen, keine Verluste zu machen. Der Ertrag komme danach von allein.
Was das für dich heißt
André Doerk investiert seit über 25 Jahren und schaut dabei kaum auf den Kurs. Was ihn ruhig hält, sind ein paar feste Gewohnheiten:
- Er steckt in eine einzelne Aktie höchstens zwei Prozent seines Depots. Weißt du, wie viel eine einzelne Position in deinem Depot höchstens ausmachen darf?
- Er hat sein Depot so gebaut, dass er drei Wochen nicht hineinschauen muss. Wie oft schaust du ins Depot, weil du etwas entscheiden musst, und wie oft aus Unruhe?
- Er verkauft nicht, nur weil der Kurs fällt, solange die Ausschüttung nicht wackelt. Verkaufst du, weil sich am Unternehmen etwas geändert hat, oder weil der Kurs dich nervös macht?
- Er lässt sich von einer KI gezielt die Gegenposition zu seiner eigenen Meinung aufschreiben. Wann hast du zuletzt ernsthaft nach Argumenten gegen deine Lieblingsaktie gesucht?
Seine Positionen
Welche Anlagen André Doerk im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im Mai 2026).
-
HältDividendenaktienEinkommen, 6 bis 7 % Dividende11:57 Zitat
„Ja, noch bin ich so 70, 30 bei Dividenden, Aktien versus Zinsen.“
-
HältVorzugsaktien und Babybonds aus den USAZinseinkommen statt Staatsanleihen11:21 Zitat
„Da gibt es ja auch dann in den USA zum Beispiel sogenannte Vorzugsaktien oder auch diese sogenannten Babybonds“
-
HältLänder-ETFs in der Kriseetwa Kolumbien23:48 Zitat
„Da gibt es dann den einen, MSCI Columbia oder so, den muss man dann kaufen.“
-
HältPolenLieblingsmarkt in Europa1:19:03 Zitat
„In Europa denke ich, ist Polen aktuell mein Lieblingsmarkt immer noch.“
-
HältRohstoffeSuperzyklus, mehr Streuung1:25:53 Zitat
„Rohstoffe ist superspannendes Thema, definitiv auch, weil es eben eben Aktien auch eine weitere Diversifikation ermöglicht.“
-
SkeptischDividendenaristokratenoft zu teuer1:14:44 Zitat
„ein gutes Unternehmen, was teuer ist, eben kein gutes Investment“
-
SkeptischBitcoinkein Maß für günstig oder teuer10:13 Zitat
„Ja, ist denn jetzt ein Bitcoin von 60.000? Ist das jetzt günstig? Ist das jetzt teuer?“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von André Doerk
Buchtipps aller Gäste →Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →André Doerk kaufte 1999 seine erste Aktie, mitten im Neuen Markt. Das war eine Zeit, in der man laut ihm bei jedem IPO „quasi zwangsläufig schon reich“ war. Sein Startkapital hatte er innerhalb der folgenden zwei Jahre „mehr oder weniger auf null getradet“.
Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was André Doerk dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
- Wann gibst du eine Idee auf?André Doerk: Fragt: Ist die Aktie aus heutiger Sicht ein Investment?
- Kaufst du nach, wenn der Kurs fällt?André Doerk: Bleibt die Dividende sicher, kauft er bei minus 30 Prozent nach
- Hast du deinen Stil einmal gewechselt?André Doerk: Vom stressigen Rohstoffdepot zu Dividenden
- Wie lange hat es gedauert, bis du profitabel warst?André Doerk: Erste Aktie 1999, Startkapital in zwei Jahren fast weg
- Wie viel Zeit kostet dich dein Ansatz?André Doerk: Rund eine Stunde pro Aktie im Quartal














