[Bulle & Mensch]

Podcast-Gast · Folge 36

Tim Schäfer

Tim Schäfer kauft Marktführer mitten in schweren Krisen, am liebsten nach einem Kurseinbruch um 70 Prozent, und hält sie über Jahrzehnte. Er ist fast immer voll investiert und kauft aus seiner Sparquote weiter, auch im Crash.

Tim Schäfer, Diplom-Journalist & BörsenautorDiplom-Journalist & BörsenautorTrack RecordWebsite

Über Tim Schäfer

Tim Schäfer, Jahrgang 1972, ist Diplom-Betriebswirt (Berufsakademie Mannheim, 1996), Diplom-Journalist (Universität Hohenheim) und CEFA-Aktienanalyst. Von 1999 bis 2006 arbeitete er als Redakteur eines Finanzbriefs bei Egbert Prior in Frankfurt, bevor er 2006 nach New York zog. Heute berichtet er als Finanzjournalist unter anderem für das aktien Magazin, BX Swiss und die Börse Stuttgart und moderiert das Format „Wall Street Live“. Öffentlich bekannt ist er vor allem für seine konsequente Buy-and-Hold-Strategie: Er hat sich sein Depot von rund 4 Millionen Dollar nicht als Banker oder Fondsmanager erarbeitet, sondern als Journalist, der früh mit dem Sparen begonnen und konsequent in Aktien investiert hat. Aktuell arbeitet er nach eigener Aussage an einem zweiten Buch, unter anderem über seine Beobachtungen aus der New Yorker Hedgefonds-Welt. Ein Titel steht noch nicht fest.

So investiert Tim Schäfer

Aus dem Gespräch in Folge 36 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.

Märkte und Instrumente

Er hat ein reines Aktiendepot mit Schwerpunkt auf US-Konzernen. Deutsche Aktien sind über seinen US-Broker schwer handelbar und die Quellensteuer schmälert die Dividende. Dazu kommen ETFs auf den S&P 500 und zwei Immobilien, Anleihen hält er keine.

„Insofern fokussiere ich mich auf amerikanische Konzerne, da gibt es reichlich auch viele abgestürzte und niedrig bewertete“

▶ Folge 36 · 45:06

Haltedauer

Er hält über Jahrzehnte. Viele Aktien liegen seit 10, 20 oder 25 Jahren im Depot. Verkauft hat er nur in Ausnahmefällen, etwa drei oder vier kleine Positionen, als er Geld für eine Immobilie brauchte.

„Ja, über Jahrzehnte. habe also viele Aktien bei mir im Depot, 10, 20 Jahre, 25 Jahre mit dabei.“

▶ Folge 36 · 8:44

Auswahl und Einstieg

Er mag Marktführer. Richtig interessant wird eine Aktie für ihn nach einem Einbruch um 70 Prozent. Dann prüft er das Problem, die Verschuldung, das KGV und die Dividendenrendite. Zurzeit kauft er bewusst langweilige Geschäfte wie eine Eierfarm und Forstbetriebe.

„Ja zum Beispiel, wenn eine Aktie 70 Prozent einbricht, dann hat das oft natürlich auch einen fundamentalen Grund, dann gucke ich nach“

▶ Folge 36 · 34:01

Portfolio und Positionsgröße

Das Depot umfasst rund 60 Positionen. Neue Positionen beginnen mit 2500 oder höchstens 5000 Dollar und wachsen aus der Sparquote. Umgeschichtet wird nicht, die Cashquote ist sehr gering.

„wenn ich jetzt eine neue Position aufbaue mit zweieinhalb tausend oder fünftausend maximal, dann ist das vom Depot fast irrelevant“

▶ Folge 36 · 12:27

Risiko und Verkauf

Er sichert nicht ab und verkauft in Krisen nicht. Er rechnet damit, dass sich sein Depot im schlimmsten Fall halbiert. Das Depot beleiht er nicht und investiert nur Geld, das er langfristig nicht braucht.

„Deswegen würde ich auch mein Depot nicht beleihen und nur Geld investieren, was ich nicht brauche langfristig.“

▶ Folge 36 · 1:07:58

Fehler und was daraus wurde

Zur Zeit des Neuen Markts war er Momentuminvestor und zeichnete IPOs. 2000 und 2001 stürzte sein Depot ab, mehrere Werte verschwanden. Seitdem achtet er auf fundamentale Daten wie das KGV. Auch sein Depot hat er schon beliehen, zu 7 bis 10 Prozent Zins.

„Ja, das war so am Prägensten, dass man vorsichtig sein sollte in der Euphorie und schon auch auf fundamentale Daten achten sollte“

▶ Folge 36 · 1:16:47

Umgang mit Verlusten

Stürzt eine Aktie ab, kauft er oft nach. In einem Crash führt er seine Sparpläne fort. Er räumt ein, dass weitere Kursrückgänge nach dem Einstieg emotional heftig sind.

„Oft kaufe ich dann noch weiter zu, wenn es gerade eine Aktie massiv abgestürzt ist oder wenn wir eine Corona-Krise haben.“

▶ Folge 36 · 9:11

Arbeitsweise und Werkzeuge

Ideen holt er sich aus der New York Times, Investor's Business Daily, dem Wall Street Journal, CNBC und Yahoo Finance. Er achtet auf auffällige Insiderkäufe. Für die Recherche nutzt er auch Gemini. Dividenden werden automatisch in denselben Wert reinvestiert.

„Ich lese viel, zum Beispiel die New York Times, Investor Business Daily, manchmal das Wall Street Journal.“

▶ Folge 36 · 29:50

Einstieg auf dem Höhepunkt des Skandals

Den Zeitpunkt macht er an der öffentlichen Empörung fest. Steht der Skandal auf Seite eins des Wall Street Journal, müssen Vorstände vor dem Kongress aussagen oder zurücktreten, steigt er ein. Beispiele sind Wells Fargo und Boeing.

„Wenn das auf der Seite eins von Wall Street Journal ist, dann ist das so ein Zeitpunkt, ich sage, okay“

▶ Folge 36 · 1:01:19

Steuern als Grund zum Halten

Ein Verkauf würde hohe Gewinne versteuern, bei Netflix rund 700.000 Dollar. Deshalb lässt er unversteuerte Gewinne laufen. Anfangs bevorzugte er aus demselben Grund Titel ohne Ausschüttung wie Berkshire.

„dann müsste ich die 700.000 versteuern und das wäre ein Riesenklotz. Das würde einen Schaden zufügen meinem Depot.“

▶ Folge 36 · 17:42

Kleine Position im Konkurrenten

Wächst die Konkurrenz einer großen Position, kauft er den Rivalen in kleinem Umfang dazu. Neben fast einer Million in Netflix steht so eine Position von 10.000. Aus einer Branche hält er gern mehrere Titel.

„Ich baue dann eine Position auf vom Konkurrenten als kleiner Hedge“

▶ Folge 36 · 15:39

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