So handeln Profis wirklich.

Begriff · Markt & Wissen

Was ist ein Hedgefonds?

Hedgefonds: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Ein Hedgefonds ist ein Investmentfonds für professionelle und vermögende Anleger, der mit wenigen Anlagebeschränkungen arbeitet. Er darf Leerverkäufe, Hebel und Derivate einsetzen und strebt Erträge unabhängig von der Marktrichtung an. Typisch sind hohe Mindestanlagen, eine Verwaltungsgebühr und eine Erfolgsbeteiligung, oft nach dem Modell „2 und 20“.

Hedgefonds: Definition und Erklärung

Ein Hedgefonds ist ein aktiv verwalteter Fonds, der deutlich freier investieren darf als ein klassischer Publikumsfonds. Im Englischen heißt er Hedge Fund. Der Name geht auf Alfred Winslow Jones zurück, der 1949 Aktienkäufe mit Leerverkäufen kombinierte, um das Marktrisiko abzusichern (to hedge). Heute steht der Begriff weniger für Absicherung als für Flexibilität: Hedgefonds können auf fallende Kurse setzen, mit geliehenem Geld arbeiten und Derivate in großem Umfang nutzen.

Das Ziel ist meist ein absoluter Ertrag (Absolute Return), also Gewinn unabhängig davon, ob der Gesamtmarkt steigt oder fällt. Dafür gibt es sehr unterschiedliche Strategien: Long/Short Equity, Global Macro, ereignisgetriebene Ansätze, Arbitrage oder rein quantitative Modelle. Der bekannteste quantitative Hedgefonds ist der Medallion Fund von Renaissance Technologies.

Hedgefonds sind weniger reguliert und weniger transparent als Publikumsfonds. In Deutschland dürfen Single-Hedgefonds nur an professionelle und semiprofessionelle Anleger vertrieben werden. Die Kosten sind hoch: Üblich sind eine jährliche Verwaltungsgebühr und eine Erfolgsgebühr auf den Gewinn.

Hedgefonds-Gebühren: so funktioniert es

Das klassische Gebührenmodell heißt „2 und 20“: 2 Prozent Verwaltungsgebühr auf das verwaltete Vermögen und 20 Prozent Erfolgsbeteiligung am Gewinn. Viele Fonds verlangen heute weniger, das Prinzip ist aber gleich geblieben. Wie stark das die Rendite der Anleger schmälert, zeigt ein vereinfachtes Beispiel:

Fondsvermögen zu Jahresbeginn100 Mio. €
Bruttoertrag (10 %)10 Mio. €
Verwaltungsgebühr (2 %)2 Mio. €
Erfolgsgebühr (20 % von 8 Mio. €)1,6 Mio. €
Nettoertrag für die Anleger6,4 Mio. € (6,4 %)

Von 10 Prozent Bruttorendite bleiben den Anlegern in diesem Beispiel also nur 6,4 Prozent, mehr als ein Drittel geht an den Fondsmanager. Die Erfolgsgebühr fällt meist nur an, wenn der Fonds einen früheren Höchststand übertrifft (High Water Mark). So soll verhindert werden, dass Anleger für das bloße Aufholen alter Verluste zahlen.

Auf der Anlageseite nutzen Hedgefonds Werkzeuge, die Publikumsfonds nur eingeschränkt einsetzen dürfen: Leerverkäufe, Hebel über Kredite oder Derivate und Positionen in fast allen Anlageklassen, von Aktien über Anleihen und Währungen bis zu Rohstoffen.

Hedgefonds in der Praxis

Hedgefonds gelten als die Profis am Markt, doch ihre Bilanz ist gemischt. Einzelne Fonds wie Renaissance haben über Jahrzehnte außergewöhnliche Renditen erzielt, viele andere schlagen nach Kosten nicht einmal einen einfachen Indexfonds. Dazu kommt ein Überlebensproblem: Schlechte Fonds werden geschlossen und verschwinden aus den Statistiken, was die Branche besser aussehen lässt, als sie ist. Der Fall Bernie Madoff zeigte zudem, wie wenig Transparenz es geben kann, wenn ein Fonds seine Zahlen selbst meldet.

Für Privatanleger ist der direkte Zugang meist versperrt. Relevant sind Hedgefonds trotzdem, weil sie Kurse bewegen und Informationen früher und teurer beschaffen:

Hedgefonds bei [Bulle & Mensch]

Mehrere Gäste kennen Hedgefonds aus der Nähe. Tim Schäfer hat in New York viele Hedgefonds-Manager getroffen und erzählt von dem enormen Druck, immer outperformen zu müssen. David Pieper sieht darin auch eine Schwäche: Wer einen großen Hedgefonds managt und mitten in der Panik kauft, trägt ein Karriere-Risiko, wenn es weiter fällt. Als Vorbild nennt er zugleich den Medallion Fund von Renaissance, der auf tausende quantitative Strategien setzt. Larissa Kravitz kam über die Frage, welche Modelle die erfolgreichen Hedgefonds der frühen 2000er nutzen, überhaupt zu systematischen Handelsstrategien. Maximilian Robl sah kleinere Häuser wie Hedgefonds und Family Offices als besseren Einstieg in den professionellen Handel als eine Großbank.

Wie groß der Vorsprung der Hedgefonds ist, sehen die Gäste unterschiedlich. Christoph Gum räumt ein, bei teuren Daten nicht mit amerikanischen Hedgefonds mithalten zu können, hält das aber nicht für einen Nachteil. Tristan Post erinnert daran, dass KI in der Finanzwelt von den Quants in Hedgefonds kommt. Erik Wimmer hält viele Hedgefonds-Manager für zu festgefahren im Bewährten. Gerd Ackermann sah in ihrem Optionshandel ein Signal, dass dieser Weg der richtige sein müsse.

💬 Was unsere Gäste über Hedgefonds sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Larissa KravitzHedgefonds als Anstoß für quantitative Strategien
Tristan PostKI in der Finanzwelt stammt von Hedgefonds-Quants
Christoph GumTeure Daten der Hedgefonds kein echter Vorteil
Gerd AckermannHedgefonds als Vorbild im Optionshandel
Maximilian RoblKleinere Häuser als Einstieg in den Profihandel
David PieperKarriere-Risiko bremst Hedgefonds-Manager
Erik WimmerHedgefonds-Manager hängen am Bewährten

Die Aussagen im Wortlaut

Hedgefonds als Anstoß für quantitative Strategien

„Es gab damals in den frühen 2000ern auch einige Hedgefonds […], die halt einfach richtig, richtig gute Renditen hatten. Auch in den schlechten Marktzeiten der frühen 2000er oder auch in der Finanzkrise. […] Was machen die behind the scenes? Welche Modelle wenden die an?“
Larissa Kravitz Folge 32: Kein ETF ist sicher: Warum Larissa Kravitz vor der stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne warnt ▶ 53:08 auf YouTube

KI in der Finanzwelt stammt von Hedgefonds-Quants

„Ursprünglich kommt das ja von den Quants, die in diesen Hedgefonds irgendwelche Modelle gebaut haben, basierend auf, sagen wir mal, traditioneller KI. […] Die hatten das Geld, die hatten auch den Mehrwert, solche Modelle überhaupt an den Markt zu bringen.“
Tristan Post Folge 30: Privatanleger im KI-Vorteil: Warum Tristan Post trotzdem komplett ausgestiegen ist ▶ 11:12 auf YouTube

Übermacht der Hedgefonds bei Ressourcen

„Die Kalkulation auf der anderen Seite […] kriegen ja die großen Fonds, die großen Banken, die großen Häuser, Hedgefonds und was es da alles gibt am Markt mit einer vielfachen Kapazität an Rechenleistung, Menschen. Die haben ja praktisch unendlich große Teams.“
Mario Märzinger Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt ▶ 1:44:57 auf YouTube

Teure Daten der Hedgefonds kein echter Vorteil

„Wir haben natürlich Limitierung im Vergleich zu amerikanischen Hedgefonds oder auch den ganz Großen. Man kann sich ja Satellitendaten oder Kreditkartendaten in Hülle und Fülle einkaufen, die kosten richtig, richtig viel Geld. […] Da muss ich sagen, es ist kein Nachteil, dass wir die Daten nicht haben.“
Christoph Gum Folge 23: Ex-Private-Banker verrät: Das machen Reiche im Crash ▶ 48:02 auf YouTube

Hedgefonds als Vorbild im Optionshandel

„Auch ein Buffett und die ganzen anderen Hedgefonds und so weiter arbeiten alle mit Optionen. Also kommt man schon ganz schnell auf die Idee, das ist schon der Weg, wo man hingehen muss. Wenn die das machen, kann das nicht das Falsche sein.“
Gerd Ackermann Folge 20: Mit Optionen 30-40 % Rendite erzielen - bei minimalem Verlustrisiko ▶ 34:56 auf YouTube

Kleinere Häuser als Einstieg in den Profihandel

„Die Wahrscheinlichkeit, dass du vielleicht wirklich großer, krasser Portfolio-Manager von irgendeinem 100-Millionen-, Milliarden-Fonds oder so wirst, ist halt relativ gering dort. Und deswegen muss man eher zu kleineren Instituten gehen, ob das jetzt Hedgefonds sind, Family Offices, kleinere Funds, weil man da auch wirklich als Einzelperson […] was erreichen kann.“
Maximilian Robl Folge 11: Vom Demokonto zum institutionellen Trader: Warum an der Börse laut Maximilian Robl niemand über Nacht erfolgreich wird ▶ 34:58 auf YouTube

Karriere-Risiko bremst Hedgefonds-Manager

„Stell dir vor, du managst einen großen Hedgefonds und du bist überzeugt: Alle sind in Panik, ich muss jetzt komplett reingehen. Problem ist, wenn es dann gegen dich läuft, es geht weiter nach unten, dann hast du ein Karriere-Risiko. Und wenn es nach oben geht, klopft eh keiner auf die Schulter, weil er sagt, ja gut, der S&P ist ja auch gestiegen.“
David Pieper Folge 10: Vom Bankanalysten zum Options-Stillhalter: Wie David Pieper mit technischer Analyse ein zweites Börseneinkommen aufbaut ▶ 55:23 auf YouTube

Hedgefonds-Manager hängen am Bewährten

„Wenn ich mich jetzt mit Hedgefondsmanagern unterhalte aus den traditionellen Märkten, da kriege ich oft gesagt: Das hat bisher immer funktioniert und das wird auch so weiter funktionieren. Warum soll man da was ändern? […] Aber Zeiten ändern sich.“
Erik Wimmer Folge 6: 40 Prozent Verlust über Nacht: Wie Erik Wimmer aus einem KI-Fehlgriff sein Handelssystem baute ▶ 2:22:32 auf YouTube

🎙️ Folgen zum Thema Hedgefonds

🤖 Frag [Bulle & Mensch] – Noch Fragen zu Hedgefonds?

Frag [Bulle & Mensch] durchsucht alle Gespräche und antwortet mit Fundstelle und Zeitstempel im Video. Stell deine eigene Frage, zum Beispiel:

Frage stellen →

🗂️ Themenreihen

🔗 Verwandte Begriffe

Diese Seite basiert auf den Originalgesprächen und Transkripten von [Bulle & Mensch]. Die dargestellten Perspektiven geben die Aussagen der jeweiligen Gesprächspartner wieder. Alle Begriffe →