Chartanalyse: Warum Anfänger scheitern (Maximilian Robl)
Wie ein abgebrochenes Informatikstudium zum Job als institutioneller Händler wurde und warum Maximilian Robl Deals nicht nach Charts, sondern nach Cash-Burn auswählt.
Mit 20 saß Maximilian Robl im Vorstellungsgespräch beim Family Office Orca Capital und verstand die Frage nach seinem Starttermin als Angebot, schon in der folgenden Woche anzufangen. Er sagte sofort zu und brach sein Informatikstudium im vierten Semester ab. Sieben Jahre später macht er mit einem Kollegen das australische Geschäft des Hauses, rund 95 Prozent seines Geldes verdient er mit australischen Aktien.
Sein Spezialgebiet sind Eigenkapitalfinanzierungen kleiner und mittlerer börsennotierter Unternehmen. Bei jedem Termsheet schaut er zuerst auf Cash-Burn, Cash-Bestand und das tägliche Handelsvolumen der Aktie. Er redet dabei auffällig unpathetisch über das Geschäft, über seine bisher schlechteste Phase 2022 und 2023 und über die Frage, wie man solche Jahre übersteht.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 9 Punkte: Auswahl 3 · Einstieg 1 · Routine 2 · Ausstieg 1 · Risiko 1 · Ziel 1
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SkeptischAuswahlChart nur als FilterKlare Aussage Reine technische Analyse trägt laut Maximilian Robl nicht: Sie ist bei Orca Capital allenfalls Filter, es zählen Fundamentaldaten, Handelsliquidität und News.
Zitat & Begründung
„technische Analyse wird so als der heilige Gral bei den Privatanlegern gepitcht. Ist es aber nicht“ ▶ 27:14
- Bei Orca Capital nutzen die wenigsten Händler technische Analyse.
- Gehandelt wird vor allem nach Positionierung, Sentiment und News.
- Der Chart dient höchstens als Filter, etwa wenn eine Aktie schon stark gefallen ist.
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RegelEinstiegNeue Aktien mit Discounteigenes Buch Kern seines Geschäfts sind Eigenkapitalfinanzierungen: Bereits börsennotierte Unternehmen geben neue Aktien mit Discount aus, um frisches Kapital aufzunehmen. Orca Capital nimmt das Risiko dafür auf das eigene Buch.
Zitat & Begründung
„Wir nehmen eben das Risiko quasi auf unser eigenes Buch.“ ▶ 1:05:13
- Börsennotierte Firmen geben neue Aktien mit Discount aus, um frisches Geld aufzunehmen.
- Orca nimmt oft große Blöcke und verkauft nicht alles am ersten Tag, um den Kurs nicht zu drücken.
- So hat Orca schon Firmen vor der Pleite gerettet.
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RegelAuswahlCash-Burn, Cash-Bestand, Volumen10 Mio. bis 1 Mrd. $ Die drei Hauptkriterien für eine Finanzierung sind Cash-Burn, Cash-Bestand und das tägliche Handelsvolumen der Aktie. Der Sweet Spot liegt zwischen 10 Millionen und 1 Milliarde Dollar Marktkapitalisierung.
Zitat & Begründung
„Das sind so die Hauptkriterien. Cash-Burn, Cash-Bestand. und wie groß ist das Handelsvolumen an der Börse.“ ▶ 1:15:56
- Wenn täglich nur 5000 bis 10.000 Dollar gehandelt werden, kann Orca keine Million in einen Deal legen.
- Am Cash-Burn sieht man, ob die Firma in ein paar Monaten schon wieder Geld braucht.
- 90 bis 95 Prozent der Finanzierungen liegen zwischen 10 Millionen und 1 Milliarde Dollar Bewertung.
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RätAuswahlJede neue Aktie verwässertKlare Aussage Jede neue Aktie verwässert bestehende Anteile, unabhängig davon, wie viel Prozent des Unternehmens tatsächlich börsengehandelt wird. Ob Aktien im Streubesitz liegen oder nicht, spielt dafür keine Rolle.
Zitat & Begründung
„ob ich die jetzt irgendwo unter meinem Sofa verstecke, ist für die Verwässerung für jeden anderen, für jeden Aktionär egal“ ▶ 1:31:10
- Bei einer Eigenkapitalfinanzierung werden immer neue Aktien geschaffen.
- Kommen 10 % neue Aktien dazu, braucht man 110 statt 100 Aktien für den gleichen Anteil.
- Sonst sinken Stimmrecht und Anspruch auf Dividende.
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RegelRoutineNetzwerk und eigene AbwicklungKlare Aussage Der Edge gegenüber Privatanlegern ist doppelt: das Netzwerk zu Brokern und Managementteams sowie eine eigene Abwicklungsabteilung, die Aktien länderübergreifend verschieben kann, etwa von Australien an eine deutsche Börse.
Zitat & Begründung
„Gegenüber Privaten ist auf jeden Fall das Netzwerk. Also wir investieren sehr viel in unser Netzwerk“ ▶ 1:43:29
- Er trifft Broker und Manager persönlich, etwa in London, Singapur und Australien.
- So bekommt er schneller Antworten auf Rückfragen.
- Die eigene Abwicklung kann Aktien etwa aus Australien an eine deutsche Börse verschieben, das kann kein Privatanleger.
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RätAusstiegKlein schnell rausKlare Aussage Privatanleger haben trotzdem einen echten Vorteil: Sie kommen in kleinen, illiquiden Werten schnell wieder raus, während große institutionelle Positionen eine schlechte Phase aussitzen müssen.
Zitat & Begründung
„die können einfach raus. Und große Investoren können halt nicht raus. Die müssen halt dann zuschauen, wie es ausgeht.“ ▶ 1:49:59
- In kleinen Werten gehen oft nur 10.000 Dollar am Tag um.
- Wer dort eine Million investiert hat, kommt in schlechten Phasen kaum raus.
- Ein Privatanleger mit 5000 Euro kann verkaufen und später wieder einsteigen.
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SkeptischRisikoFrisches Geld schützt nicht vor Pleite4 bis 6 Wochen Ein Negativbeispiel aus der Praxis: Ein australisches Unternehmen sammelte 100 Millionen Dollar ein und meldete vier bis sechs Wochen später Insolvenz an.
Zitat & Begründung
„Und vier Wochen oder sechs Wochen später war alles weg. Und die Firma hat Insolvenz angemeldet.“ ▶ 1:19:05
- Ein australisches Unternehmen sammelte in einem Deal 100 Millionen Dollar ein.
- Wohin das Geld floss, ist bis heute nicht ganz aufgeklärt.
- Deshalb schaut Orca auch auf das Management und darauf, wofür das Geld ausgegeben wird.
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RegelRoutineDaten statt Meinung80.000 Aktien Nebenbei baut Maximilian Robl mit einem Freund eine Plattform auf, die Fundamentaldaten zu über 80.000 Aktien und 15.000 ETFs bündelt, mit einem KI-Modell auf über einer Milliarde auditierten Datenpunkten, statt auf öffentlicher Meinung: „Es ist nicht der Durchschnitt aller öffentlichen Meinung, nee.“
Zitat & Begründung
„Es ist nicht der Durchschnitt aller öffentlichen Meinung, nee.“ ▶ 2:02:37
- Ein Bloomberg Terminal kostet ihn rund 3000 Euro im Monat, das kann sich ein Privater nicht leisten.
- Die KI greift nur auf über eine Milliarde auditierte Datenpunkte zu.
- Medienartikel und Meinungen fließen nicht ein.
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RätZielErfolg braucht JahreKlare Aussage Seine schlechteste Phase war 2022/2023, als Zinswende und Inflation die Handelsvolumina bei kleinen Werten austrockneten. Seine Lehre daraus: Börsenerfolg braucht Jahre, nicht Wochen.
Zitat & Begründung
„takes 10 years to become an overnight success. Das würde ich mir sofort ausdrücken.“ ▶ 2:26:53
- 2022 und 2023 trockneten Zinswende und Inflation die Umsätze in kleinen Werten aus.
- Er kam aus Positionen nicht mehr raus und musste privat kürzer treten.
- Schlechte Marktphasen können Monate oder Jahre dauern, deshalb braucht es Puffer und Durchhaltevermögen.
Meinungen von Maximilian Robl aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Vom 16-jährigen Demokonto-Trader zum Händler eines Family Office
Maximilian Robl wuchs in einem strukturschwachen Dorf auf, in dem es kaum Internetanbindung gab. Seinen ersten Laptop bekam er 2010. Mangels Internetzugang beschäftigte er sich schon als Kind intensiv mit Programmieren. Mit 16 begann er, im Demokonto zu handeln, weil er sein eigenes Depot erst mit 18 eröffnen durfte.
Im Studium wurde er Mitglied im studentischen Börsenverein, kümmerte sich zunächst um die Webseite und wurde später Vorstand für Finanzen und Recht. Über ein gemeinsames Event der Ingolstädter Börsenvereine mit Orca Capital wurde er auf das Unternehmen aufmerksam, sah auf dessen Website eine offene Junior-Händler-Stelle und bewarb sich per E-Mail. Im Vorstellungsgespräch verstand er die Frage nach seinem möglichen Starttermin als Angebot, bereits in der folgenden Woche anzufangen, und sagte sofort zu. So brach er sein Studium im vierten Semester ab und stieg als 20-Jähriger bei Orca Capital ein. Als er dort anfing, saßen 15 bis 16 Leute im Handelsraum, heute sind es rund 50 bis 55.
Wie Maximilian Robl vom Informatikstudium in den institutionellen Handel kam
Über ein Jahr lang schaute Maximilian Robl nach eigener Aussage vor allem YouTube-Videos, bevor er überhaupt mit echtem Geld handelte. Wie die meisten Privathändler startete er mit gleitenden Durchschnitten und Oszillatoren und merkte nach einigen Jahren, dass ihm das Verständnis fundamentaler Zusammenhänge fehlte. Von da an las er sich systematisch ein: Jeden wirtschaftlichen Begriff und jeden Bilanz-KPI, den er nicht kannte, arbeitete er nach. Seine Haltefristen stiegen dadurch deutlich.
Prägend war auch, was er dabei aussortierte. Maximilian Robl kennt die unseriösen Angebote von früher aus eigener Erfahrung: Masterclasses, die versprechen, man sei in wenigen Wochen profitabel und verdiene danach den Rest seines Lebens an der Börse Geld, durch alle Marktphasen hindurch. Wer so etwas verspricht, hat für ihn keine Ahnung und hat wahrscheinlich noch nie fremdes Geld verwaltet. Wer mit kurzfristigem Handel Geld verdienen will, muss das nach seiner Erfahrung mehr oder weniger in Vollzeit machen.
So funktioniert Maximilian Robls Eigenkapitalfinanzierungs-Geschäft bei Orca Capital
Orca Capital ist branchenagnostisch: Ob Lithium-Explorer, Goldsucher, Biotech-Firma oder ein Konsumgüterhersteller mit einem neuen Produkt, die Branche ist egal. Wichtig ist, ob sich die Aktie an der Börse überhaupt handeln lässt. Kommt eine Anfrage über einen Broker herein, prüft Maximilian Robl anhand des Termsheets vor allem drei Dinge: wie viel Cash das Unternehmen verbrennt, wie viel Cash noch auf dem Konto liegt und wie viel Volumen die Aktie täglich umsetzt. Werden täglich nur 5.000 oder 10.000 Dollar gehandelt, kann er keine Million in den Deal legen. Fehlt das Volumen, kommt man aus einer Position im Ernstfall nicht mehr heraus.
Dazu kommt der Blick auf die Historie statt auf ein einzelnes Quartal. Außerdem zählt der Kursverlauf: Steht eine Aktie am Jahreshoch, ist frisches Geld leicht einzusammeln. Ist sie in sechs Monaten 50 Prozent gefallen, wird es schwierig. Ein großer Teil der Arbeit ist Beziehungsarbeit, mit vielen Calls mit Brokern und ein bis zwei Reisen pro Jahr nach Sydney, Melbourne, Perth, Singapur oder London. Über dieses Netzwerk kann er später nachfragen, etwa warum ein Unternehmen wenige Monate nach dem letzten Deal schon wieder 5 Millionen braucht.
Maximilian Robl als Händler zwischen Bonus-Druck, Durchhaltevermögen und der 10-Jahre-Regel
Sein Einkommen ist überwiegend bonusgetrieben. Jeden Monat startet das Konto faktisch bei null, erst über dem eigenen Kostenblock beginnt der Verdienst. Die ersten drei, vier Jahre war es relativ einfach, an der Börse Geld zu verdienen. Dann kamen 2022 und 2023 mit Positionen, aus denen er nicht mehr herauskam, und einem Intraday-Handel, der die Verluste nicht mehr deckte. Eine schlechte Marktphase kann nach seiner Erfahrung Monate oder sogar ein, zwei, drei Jahre dauern. Wer davon lebt, muss dafür Puffer aufbauen.
Was ihm geholfen hat, war weniger Fachliches als Alltag: Sport als Ausgleich, der Austausch mit Kollegen, Zeit mit Familie und Freunden. Bücher blieben wegen der australischen Handelszeiten (Börsenstart um zwei Uhr nachts) praktisch außen vor. Würde Maximilian Robl heute noch einmal anfangen, würde er früher ein zweites Standbein aufbauen, um nicht allein von Handelsgewinnen abzuhängen. Sein Satz für den Bildschirm ist das englische Sprichwort, dass man zehn Jahre braucht, um über Nacht erfolgreich zu sein: Erfolg braucht kleine Schritte jeden Tag und kommt nicht sofort.
Was das für dich heißt
Maximilian Robl hat mit 20 Jahren sein Studium abgebrochen und handelt seitdem bei Orca Capital. Sein Maßstab ist nicht das schnelle Geld, sondern das Durchhalten:
- Er hat jeden Wirtschaftsbegriff und jede Bilanzkennzahl nachgearbeitet, die er nicht kannte. Welchen Begriff aus deinen eigenen Trades könntest du gerade nicht sauber erklären?
- Er prüft vor einer Finanzierung, wie viel Volumen die Aktie täglich umsetzt, damit er im Ernstfall wieder herauskommt. Weißt du bei deiner kleinsten Position, wie schnell du im Ernstfall wieder herauskommst?
- Er trifft Vorkehrungen und baut Puffer auf, damit er auch schwache Marktphasen übersteht. Wie lange könntest du eine Phase durchhalten, in der an der Börse nichts klappt?
- Er holt sich über Sport einen klaren Kopf, wenn es an der Börse schwierig wird. Was hilft dir, nach einem schlechten Börsentag wieder klar zu denken?
Weiter in der Reihe Institutionelle Einblicke: Folge 34 →
Seine Positionen
Welche Anlagen Maximilian Robl im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im April 2026).
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HältKapitalerhöhungen kleiner FirmenKern des Geschäfts, eigenes Buch1:05:13 Zitat
„Wir nehmen eben das Risiko quasi auf unser eigenes Buch.“
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HältGroße IPOsetwa OpenAI, SpaceX49:07 Zitat
„Auch bei Privatinvestoren ein unheimlich großes Interesse. Wir möchten da auch investiert sein.“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Maximilian Robl brach sein Informatikstudium im vierten Semester ab und stieg mit 20 als Junior-Händler beim Family Office Orca Capital in Südbayern ein.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →interessantes Interview, was auch einen Blick hinter die Kulissen gibt
Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was Maximilian Robl dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
- Was würdest du heute anders machen, wenn du neu anfangen würdest?Maximilian Robl: Früh ein zweites Einkommen aufbauen
- Was ist dein Edge?Maximilian Robl: Netzwerk und schneller Zugang
- Welche Kennzahlen schaust du dir an?Maximilian Robl: Cash-Burn und Cash-Bestand sind seine Hauptkriterien














