Married Put statt Stop-Loss: Gerd Ackermanns Strategie
Gerd Ackermann kombiniert Aktien mit tief im Geld liegenden Put-Optionen und begrenzt sein Verlustrisiko vertraglich, statt auf Stop-Loss-Orders zu hoffen.
Eine einzige Aktie hat 2025 das Depot von Gerd Ackermann verdoppelt. Mit Micron gelang ihm eine Vervierfachung, und er rollte seine Absicherung immer wieder nach oben. Anfang März 2026 brach der Krieg aus, sein Put lief am 20. März aus, und ein neuer war bei hoher Volatilität zu teuer. Also schloss er die Position bei 480 und ärgert sich heute darüber.
Seit Mitte 2024 hält er fast nur noch Married Puts und deren Weiterentwicklung, den High Watermark Put. Er kauft Aktie und Put-Option als Paket, wenn die Volatilität niedrig ist, wählt Laufzeiten bis 2028 und legt den Strike an einen Widerstand im Chart. Erreicht der Kurs den Strike, verkauft er den Put und kauft einen höheren. Jede Position darf 1 bis 2 Prozent des Depots riskieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse
-
RegelPut-AbsicherungOptionStrike 150 $Klare Aussage Der Put ist eine Versicherung, kein Wettschein: Gerd Ackermann kauft zu 100 Aktien einen Put-Kontrakt, der genau diese Position absichert, im Beispiel eine Aktie zu 100 Dollar mit einem Put-Strike bei 150 Dollar.
Zitat & Begründung
„Ich habe dann 100 Aktien im Depot und einen Put-Kontrakt, der die Position schützt.“ ▶ 2:39
- Er legt den Strike bewusst oberhalb des Kurses, im Beispiel 50 % darüber und mit langer Laufzeit.
- Weil der Put tief im Geld liegt, zahlt er fast nur den inneren Wert, der Zeitwert ist sehr klein.
- Er vergleicht den Put mit einer Kfz-Versicherung: Man zahlt die Prämie auch dann, wenn kein Schaden eintritt.
-
SkeptischStop-LossKlare Aussage Stop-Loss ist kostenlos, aber unverbindlich: Ein Stop-Loss kostet nichts, garantiert aber keinen Ausführungskurs. Der Put garantiert den Verkaufspreis vertraglich, egal wie tief die Aktie fällt.
Zitat & Begründung
„weil die Put Option garantiert mir einen Verkaufspreis, egal was passiert“ ▶ 13:23
- Beim Stop-Loss drohen Gaps, wenn eine Aktie am nächsten Tag 30 bis 40 % tiefer eröffnet, dazu Slippage.
- Oft wird man kurz ausgestoppt und die Aktie läuft danach wieder hoch.
- Mit dem Put muss er bei einem Kursrutsch nicht reagieren, der Verkaufspreis steht.
-
RegelPositionsgröße1 % RisikoKlare Aussage Risiko deckeln erlaubt größere Positionen: Wer sein Verlustrisiko pro Trade auf rund ein Prozent des Depots begrenzt, kann mit dieser Konstruktion deutlich mehr Aktien halten als über weite Stop-Loss-Abstände.
Zitat & Begründung
„ein vernünftiges Risikomanagement lässt dir 1 % des Depots zu als Risiko“ ▶ 15:22
- Bei 100.000 Dollar Depot und 10 % Stop-Abstand reichen die 1.000 Dollar Risiko nur für 100 Aktien.
- Mit dem Put kann er bei gleichem Risiko etwa zehnmal so viele Aktien kaufen.
- Mit mehr Aktien fließt ihm auch die zehnfache Dividende zu.
-
RegelHochrollenMU24-malKlare Aussage Hochrollen statt hoffen: Läuft die Aktie zum Strike, verkauft er die alte Versicherung und kauft eine höhere. Bei Micron tat er das im vergangenen Jahr 24-mal in derselben Position.
Zitat & Begründung
„Und im letzten Jahr habe ich die Micron 24 mal hochrollen können.“ ▶ 56:54
- Am Strike ist der Zeitwert der Option am größten, genau dann verkauft er sie und kauft eine höhere.
- Beim Hochrollen um 10 Dollar zahlt er in der Regel etwa 5 Dollar nach.
- Für ihn gibt es keinen Ausstiegszeitpunkt, er rollt, solange es geht.
-
TabuStillhaltergeschäftPYPL Stillhalter-Erfahrung als Lehrgeld: Bei PayPal, „mal irgendwann bei 300 Dollar“, hat ihn eine vergrößerte Stillhalterposition nach eigener Aussage „mächtig zerlegt“. Das war der Auslöser, das System zu wechseln.
Zitat & Begründung
„das ist nicht das wahre, das ist viel zu riskant, das holt viel zu viel weg von dem, was man vorher gewonnen hat“ ▶ 51:15
- Er folgte Coaches und vergrößerte die PayPal-Position bei fallendem Kurs noch, das Risiko stieg weiter.
- Wer einen Put bei 300 Dollar verkauft hat, muss die Aktie auch dann zu 300 Dollar nehmen, wenn sie nur noch 40 wert ist.
- Heute kauft er Optionen, statt sie zu verkaufen.
-
RegelVolatilitätOptionKlare Aussage Die Option hat nur ein Kriterium: „bei der Option ist es nur ein Faktor, die Volatilität muss niedrig sein“. Heißt: günstig versichern, wenn niemand Angst hat.
Zitat & Begründung
„bei der Option ist es nur ein Faktor, die Volatilität muss niedrig sein“ ▶ 1:14:22
- Er vergleicht das mit einer Feuerversicherung: Brennt der Wald rund um die Stadt, gibt es keine günstige Police mehr.
- Haben alle Panik, kaufen alle Optionen und treiben den Preis hoch.
- Sinkt die Volatilität nach einem teuren Einstieg, verbrennt sie mehr, als der Kursanstieg bringen kann.
-
RätJahresrendite 2025126 % 126 % in 2025: Auf die Frage nach der Jahresperformance 2025 antwortet Gerd Ackermann schlicht mit „126 %“.
Zitat & Begründung
„die Micron alleine, ohne die anderen Aktien noch dabei, hat das Depot verdoppelt“ ▶ 1:49:22
- Den größten Teil des Ergebnisses verdankt er nach eigener Aussage einer einzigen Aktie.
- Seit Mitte 2024 verfolgt er die Strategie konsequent, 2024 lief für ihn sogar besser als 2025.
- Er hat danach noch viele Punkte gefunden, an denen er es besser hätte machen können.
Meinungen von Gerd Ackermann aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie Gerd Ackermann seinen High Watermark Put entwickelt hat
1999 kaufte Gerd Ackermann seinen ersten Fonds, danach viele Internetaktien. Die Dotcom-Blase blies er mit auf, und das Luftablassen wurde für ihn teuer, obwohl er die Stop-Loss-Lektion schon verstanden hatte. In der Finanzkrise handelte er Optionsscheine und Zertifikate. Danach setzte er hoch auf Knockout-Zertifikate, die wertlos verfallen, sobald der Zinssatz negativ wird. Er war sicher, dass das nie passiert. Ausgebucht wurde das Papier zu 0,001 Cent.
Sein bestes Jahr war 2020. Im August 2019 hatte er Tesla gekauft, die Aktie wuchs auf 60 bis 70 Prozent des Depots, und er sah darin damals ein Klumpenrisiko. Im Corona-Crash machte er Gewinn, saß aber zum ersten Mal nur auf Bargeld und kam aus seinen Optionsscheinen kaum heraus, weil der Emittent keinen Kurs stellte. Heute handelt er nur noch Optionen direkt an der Börse mit einer Gegenpartei.
Einen Videokurs eines großen Anbieters arbeitete er in zwei Wochen durch, handelte eine Woche später im Demokonto und wechselte gleich auf Echtgeld, mit Stillhaltergeschäften. Neun Trades liefen gut, der zehnte nahm fast alles wieder weg. Bei 20 bis 30 Positionen machte ihm immer eine Kopfschmerzen.
Den Umschwung brachte ein Vortrag. Seine Trading-Community, die sich jeden Montag per Zoom und dreimal im Jahr vor Ort trifft, bat ihn, den Married Put vorzustellen. Beim Ausarbeiten rechnete er sein Chancen-Risiko-Verhältnis durch und simulierte viele Fälle im Tool OptionStrat. Bis zum Vortrag in Lüneburg im Herbst 2024 hatte er mehr als das halbe Depot umgestellt, ein weiteres halbes Jahr später auch den Rest.
So funktioniert Gerd Ackermanns High-Watermark-Put-Strategie
Gerd Ackermann sucht große, vor allem amerikanische Aktien, weil nur dort genug Volumen im Optionshandel liegt. Bei deutschen Werten ist es zu gering, und ein Spread von 50 oder 60 Cent frisst das Geschäft auf. Im Tageschart, seiner Handelsebene, will er einen Aufwärtstrend, einen doppelten Boden, eine Cup-and-Handle-Formation oder einen Turnaround sehen. Empfehlen andere eine Aktie nach dem Ausbruch, wartet er auf den Rücksetzer. Die Kandidaten stehen auf einem Zettel auf seinem Schreibtisch, zuletzt Oracle, 3M, UNH und Microsoft.
Bei der Option zählt für ihn allein die niedrige Volatilität, denn sie bestimmt den Zeitwert, und der Zeitwert ist sein Risiko. Microsoft lässt er deshalb gerade liegen, bei UNH stieg er ein. Aktie und Put kauft er als Kombiorder zu einem festen Limit, bei UNH lag die Order eine Woche oder länger im Markt. Den Put nimmt er mit möglichst langer Laufzeit, bis Januar oder Dezember 2028, mindestens jenseits von sechs bis neun Monaten.
Die Positionsgröße rechnet er vom Netto-Liquidierungswert des Depots ohne Hebel. 1 Prozent davon darf eine Position riskieren, manchmal 2 Prozent. Bei JD lag das maximale Risiko bei 4,70 Dollar je Aktie, die Dividende von 98 Cent drückte es auf 3,78 Dollar. Im April rollte er hoch und schloss bei einem kurzen Kursausschlag mit 44 Prozent annualisierter Rendite. Für einen um 10 Dollar höheren Strike zahlt er in der Regel 5 Dollar, und er rollt, solange es geht.
Kippt das Chartbild, greift ein mentaler Stop. Dann übt er den Put aus und realisiert das Anfangsrisiko, oder er holt den Put näher an den Kurs und versucht, verlustfrei herauszukommen. Er hält 10 bis 15 Positionen, macht zwei bis drei Anpassungen pro Woche und schaut täglich in TradingView. Das maximale Risiko jeder Position steht in einer Excel-Zelle, darunter die Summe. Vor dem UNH-Einstieg war diese Summe negativ. Positiv wird sein Erwartungswert ab einer Trefferquote von 15 bis 20 Prozent.
Wie Gerd Ackermann als Risikomanager denkt
Bei den Stillhaltertrades hatte Gerd Ackermann nach eigener Aussage ein Disziplinproblem. Heute bringt ihn ein Kursrutsch kaum aus der Ruhe. Als Anfang März der Krieg ausbrach, saß er auf den Optionstagen in Düsseldorf, zu denen CapTrader 500 Leute eingeladen hatte. Im Saal war Nervosität zu spüren, in seinem Depot herrschte danach rund zwei Wochen Funkstille. Als die Tagesschau von weltweit einstürzenden Märkten sprach, lag der Markt 6 Prozent unter dem Allzeithoch.
Auf die Stunde kommt es ihm nicht an, passiert es heute nicht, rollt er morgen. Überrennt eine Aktie seinen Strike an einem Tag, an dem er nicht am Rechner sitzt, und fällt danach, ist das Hochrollen weg. Er vergleicht das mit einer Straßenbahn, die abfährt.
Im Trading-Journal erfasst er Kaufkurs, Datum, Kosten, Gebühren und Strategie, heute sind es nur noch zwei Strategien. Er schaut vor allem auf die Verlierer. Selbst Micron, seine zweitbeste Position, ist für ihn voll mit Trading-Fehlern. Eine Lücke sieht er noch in Seitwärtsphasen, wenn die Kurse nicht an seine Strikes laufen und das Depot flach bleibt. An seinem Bildschirm hängt der Zettel „Gewinne entstehen, wenn Verluste verschwinden.“ Den Satz hatte er auf der alten Webseite als Slogan, die Marketingleute fanden ihn zu kompliziert.
Was das für dich heißt
Für Gerd Ackermann ist Rendite nur die Folge. Im Mittelpunkt steht bei ihm, was er verlieren kann:
- Er riskiert pro Position meist ein Prozent seines Depots, manchmal zwei, mehr nicht. Kennst du vor dem Kauf den Betrag, den du bei diesem Trade höchstens verlieren kannst?
- Er legt fest, was er zahlen will, und bleibt draußen, wenn der Markt ihm den Preis nicht gibt. Kannst du einen Einstieg verpassen, ohne ihm hinterherzulaufen?
- Er führt seit vielen Jahren ein Trading-Journal und schaut sich vor allem die schiefgelaufenen Trades genau an. Was hast du aus deinem letzten Verlusttrade aufgeschrieben?
- Er hat sein System umgestellt, als sein Tagebuch zeigte, dass die Kurve nicht nachhaltig steigt. Was müsste deine eigene Auswertung zeigen, damit du dein Vorgehen änderst?
Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Gerd Ackermann ist Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik und seit 1999 sowohl selbstständig als auch an der Börse aktiv.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →Vielen Dank. Das war wirklich sehr interessant. Obwohl ich die Strategie von Gerd Ackermann schon kannte, ist mir jetzt vieles klarer geworden.
Spannendes Interview. Ich habe nur ein Grundverständnis von Optionen und handele sie auch nicht. Dennoch konnte ich dem Ansatz folgen, super erklärt daher. 👍 …
Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was Gerd Ackermann dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
- Wie viele Aktien hast du im Depot?Gerd Ackermann: 10 bis 15 Positionen, jede mit Put abgesichert
- Wann verkaufst du mit Gewinn?Gerd Ackermann: Rollt den Put nach oben und sichert so den Buchgewinn
- Wie viel riskierst du pro Trade?Gerd Ackermann: 1 Prozent des Depots, bei stabilen Werten bis 2 Prozent
- Hast du deinen Stil einmal gewechselt?Gerd Ackermann: Von Stillhaltern zu Married Puts, Depot in einem halben Jahr umgebaut
- Wie lange hat es gedauert, bis du profitabel warst?Gerd Ackermann: Erstes System nur leicht profitabel, nicht genug zum Leben














