KI-Aktien verkauft: Warum Tristan Post eine Blase sieht
Tristan Post, Gründer des AI Strategy Institute München, ist überzeugt: Privatanleger sind beim Einsatz von KI oft im Vorteil gegenüber Unternehmen. Trotzdem ist er nach einer Vervielfachung seines Einsatzes komplett aus seinen KI-Aktien ausgestiegen, weil er von einer Blase wie in den 1920er-Jahren ausgeht.
Seinen Einsatz in KI-Aktien hat Tristan Post nach eigener Schätzung vervier- oder verfünffacht. Im Depot lagen Nvidia, Google und Microsoft, Palantir hatte er beim Börsengang gekauft und vor dem späteren Absturz wieder verkauft. Im vergangenen Jahr trennte er sich von allen KI-Aktien, obwohl er seit rund neun Jahren Unternehmen zu KI berät. Ihm ist der Markt zu heiß, er rechnet damit, dass die Blase platzt.
Im Gespräch zeigt er, wie er Investmentthesen mit KI als Sparringspartner entwickelt. Er überlegt, welche Technologie in fünf bis 15 Jahren groß wird, lässt sich von einem Sprachmodell passende Firmen nennen und entscheidet dann selbst. Am liebsten kauft er Infrastruktur, die jede dieser Technologien braucht, etwa Antriebsgelenke für Roboter oder Strom für Rechenzentren. Er sieht sich als Value Investor, hält lange und schaut etwa einmal pro Woche ins Depot.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 8 Punkte: Routine 2 · Auswahl 2 · Ausstieg 1 · Risiko 1 · Psychologie 1 · Positionsgröße 1
-
RätRoutineEigene KI-Werkzeuge statt Freigabeschleifen10 Minuten Privatanleger sind bei KI oft im Vorteil, weil sie ohne Compliance-Freigaben und Rechtsabteilungen sofort die besten Tools nutzen können: „Ich als Privatinvestor habe mir dann vielleicht in 10 Minuten was hingebaut“, während Unternehmen erst durch Sicherheitsprüfungen müssen.
Zitat & Begründung
„ich als Privatinvestor habe mir dann vielleicht in 10 Minuten was hingebaut, was mir halt immer von den Hauptversammlungen der DAX-Unternehmen“ ▶ 27:06
- Unternehmen müssen mit jedem Werkzeug erst durch Compliance und Sicherheitsprüfungen.
- Mit seinen eigenen Daten entscheidet er das Risiko selbst.
- So zieht er die Daten der Firmen, in die er investiert ist, ohne Umweg.
-
RätAuswahlKontext statt besseres Modell Weil alle dieselben Top-Modelle nutzen, sucht er den Vorsprung nicht im Sprachmodell, sondern im Kontext: Er gibt der KI sein eigenes Depot, sein Alter und seinen Risikoappetit mit, damit sie nicht raten muss. „Der Unterschied in der KI-Nutzung macht nicht die KI, sondern macht der Nutzer aus.“
Zitat & Begründung
„dass der Unterschied in der KI-Nutzung macht nicht die KI, sondern macht der Nutzer aus“ ▶ 55:48
- Alle nutzen inzwischen dieselben Sprachmodelle.
- Ohne Angaben zum eigenen Depot muss die KI raten.
- Er arbeitet Fragen in kleinen Stücken ab und schärft nach, etwa mit Alter und Risikoappetit.
-
RegelAuswahlThese im Sparring mit KI5 bis 15 Jahre Sein eigener Handelsansatz basiert auf KI-gestützten Investmentthesen, etwa die Wette auf Hersteller von Antriebsgelenken für Roboter, entwickelt im Sparring mit einem Sprachmodell.
Zitat & Begründung
„das, was ich dir gerade erzähle, war eins zu eins, wie ich vorgegangen bin“ ▶ 38:18
- Mit KI hat er in wenigen Minuten zehn Firmen, die er sich genauer anschaut.
- Er setzt eher auf Infrastruktur, die es sowieso braucht, als auf einzelne Firmen.
- Ob er investiert, entscheidet am Ende er selbst.
-
RegelAusstiegRaus, wenn der Markt zu heiß ist Trotz eigener KI-Karriere ist er komplett aus seinen KI-Aktien ausgestiegen, nachdem sich sein Einsatz vervielfacht hatte. Er sieht Parallelen zu den 1920er-Jahren und rechnet mit einer platzenden Blase.
Zitat & Begründung
„wenn ich dann merke, es ist auch wieder sehr heiß, dann würde ich wahrscheinlich auch wieder einiges rausnehmen“ ▶ 1:45:41
- Die KI-Aktien erscheinen ihm viel zu hoch bewertet, die Leute laufen dem Hype hinterher.
- Er sieht Parallelen zu den 1920er-Jahren und erwartet, dass die Blase platzt.
- Das Geld hat er erst in Cash gehalten und ins eigene Unternehmen gesteckt.
-
RätRisikoHuman in the LoopKlare Aussage Bei KI-Agenten pocht er auf „Human in the Loop“: Die Haftungsfrage bleibt beim Menschen, ähnlich wie bei einem Hund, der zwar autonom handelt, aber immer einen Halter braucht, der dafür geradesteht.
Zitat & Begründung
„Und genau deswegen will ich ja auch immer dieses, wir nennen das, Human in the Loop“ ▶ 42:24
- Bei ChatGPT steht, dass der Nutzer für die Ergebnisse haftet.
- Wo viel auf dem Spiel steht, etwa vor einem Aktienkauf, soll der Agent zurückkommen und fragen.
- Agenten sind wie Hunde, jeder braucht einen Halter, der haftet.
-
RätPsychologieKI-Antworten nicht als Goldstandard AI Fluency und „Discernment“ (Urteilsvermögen) hält er für die wichtigste Kompetenz. Ausgerechnet Berufseinsteiger tun sich damit am schwersten, weil ihnen die Erfahrung fehlt, KI-Ergebnisse einzuschätzen.
Zitat & Begründung
„wenn mir KI das sagt kann ich das nicht als Goldstandard nehmen, sondern ich weiß, mein Geld ist da auch im Risiko“ ▶ 48:09
- Er prüft zuerst, ob die Antwort wahr sein muss, etwa bei den größten Aktionären einer Firma.
- Urteilsvermögen kommt nur aus Erfahrung und Trial and Error.
- Berufseinsteigern fehlt genau diese Erfahrung.
-
RätRoutineAgenten micromanagen1× im Monat Sein persönlichstes Beispiel für kontrollierten KI-Einsatz ist ein selbstgebauter Agent für seine Reisekostenabrechnung: Aufgabe an KI übergeben, aber bewusst monatlich im Loop bleiben statt komplett loszulassen.
Zitat & Begründung
„Deswegen will ich das einmal im Monat machen. Und ich bin jedes Mal im Loop.“ ▶ 1:24:10
- Einmal im Jahr wüsste er im Dezember nicht mehr, was er im Januar gemacht hat.
- Ohne dieses Wissen hätte er keine Kontrolle mehr über das, was die KI macht.
- Statt eines halben Tages braucht er jetzt fünf Minuten.
-
RegelPositionsgrößeNur einsetzen, was er verlieren kannKlare Aussage Sein Merksatz zum Schluss: „Investiere nur, was du auch verlieren kannst.“
Zitat & Begründung
„würde ich sagen, investiere nur, was du auch verlieren kannst“ ▶ 2:22:46
- Er hält weiterhin mehr in Cash, als er im Aktienmarkt hat.
- Viele seiner neuen Investments sind erst einmal gefallen, er denkt in 10 bis 15 Jahren.
Meinungen von Tristan Post aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie Tristan Post vom KI-Investor zum kompletten Ausstieg kam
Zur KI kam Tristan Post vor knapp zehn Jahren über eine Statistikklasse an der London School of Economics. Seine Studenten studierten Finance und wollten wissen, wie man mit Modellen Dinge vorhersagt. Als er danach anfing, Unternehmen zu beraten, konnten sich nur DAX-Konzerne KI-Teams überhaupt leisten. Von seinem Vater, seinem ersten Kontakt mit der Börse, hatte er die Regel, nur in Dinge zu investieren, die man versteht und mit denen man arbeitet. Der Vater war seit Jahrzehnten Apple-Fan, kaufte aber nie die Apple-Aktie und ärgerte sich später darüber.
Tristan Post wendete die Regel auf seinen eigenen Beruf an. Vor zehn Jahren wettete er darauf, dass KI früher oder später alle betrifft, und kaufte Firmen, die aktiv KI machen. Nvidia lieferte die Infrastruktur. Palantir zeichnete er beim Börsengang, weil er über Bekannte das Geschäftsmodell kannte und wusste, wie gut die Firma öffentliche Daten zusammenführt. Als die Aktie zwischenzeitlich absackte, war er schon draußen.
Im vergangenen Jahr verkaufte er alle KI-Aktien. Das Geld hielt er zunächst in Cash und steckte einen Teil in sein eigenes Unternehmen. Dort hat er mehr in der Hand, und ein Erfolg aus eigener Kraft befriedigt ihn mehr als der Kursgewinn einer fremden Firma. Seine Karriere in KI nennt er die bessere Wette als jedes Aktieninvestment.
Danach stieg er wieder ein, diesmal in die nächsten Wellen der KI. Aktientipps aus dem Bekanntenkreis prüft er inzwischen genau. Nach seiner Erfahrung war etwa die Hälfte davon richtig schlecht.
So funktioniert Tristans KI-Investment-Ansatz
Am Anfang steht bei Tristan Post eine These über eine Technologie, die in den nächsten fünf, zehn oder 15 Jahren groß wird. Seine aktuelle lautet, dass Roboter in Deutschland in den nächsten zehn Jahren auch auf den Straßen unterwegs sind. Ein Roboter hat nach seiner Rechnung rund 200 Antriebsgelenke. Also fragt er ein Sprachmodell, welche börsennotierten Firmen solche Gelenke liefern, und hat in weniger als fünf Minuten zehn Kandidaten zum genaueren Anschauen. Das ersetzt für ihn ein Research-Team, wie es früher nur Hedgefonds hatten, für 20 Euro im Monat. Ob er kauft, entscheidet er selbst und trägt auch die Verantwortung.
Nach demselben Muster hat er in Firmen investiert, die Strominfrastruktur für Rechenzentren liefern, in Firmen, die an sauberer Fusion arbeiten, und in die nächste Stufe der Chips, Quantencomputing und Neuromorphic Computing. Er sucht Infrastruktur, die auch dann gebraucht wird, wenn eine Blase platzt. Nach der Internetblase wurde das Internet größer, wer damals pets.com hatte statt amazon.com, hatte davon wenig.
Er kauft früh, bevor alle anderen einsteigen, und hält lange. Wird der Markt wieder sehr heiß, nimmt er einiges heraus und schichtet in Anlagen um, die er für sicher hält. Derzeit liegt noch der größere Teil seines Geldes in Cash.
Den Ausstieg aus den KI-Aktien begründet er mit den Bewertungen. Stimmen die Bewertungen der großen KI-Firmen, geht fast ein Drittel der Wertschöpfung an eine Handvoll Unternehmen, und das bringt die Wirtschaft durcheinander. Stimmen sie nicht, kommt eine Marktkorrektur, für ihn denkbar in zwei bis fünf Jahren. Als Beispiel für eine feste Regel, die eine KI in Code übersetzen kann, nennt er einen Schutz für die Zeit, in der er weg ist. Fällt eine Aktie drei Tage hintereinander um mehr als 5 Prozent, wird sie verkauft.
Tristan Post als Investor mit Vorsicht, Prinzipientreue und Bodenständigkeit
Ein guter Programmierer ist Tristan Post nach eigenen Worten nicht. In seiner Firma ist der Mitgründer der Techie, er selbst sieht sich als Übersetzer zwischen zwei Welten. Kommt er nicht weiter, schickt er der KI einen Screenshot und bittet sie, es ihm wie einem fünfjährigen Kind zu erklären. So baute er in einer halben Stunde eine App, die ihn per Kamera im Stil von David Attenborough kommentiert. Auf Knopfdruck roastet ihn eine Stimme wie die von Donald Trump, auf der Bühne sorgt das jedes Mal für Lacher.
Grenzen zieht er bewusst. Seine Partnerin hat ihm Ärger angekündigt, falls er je mit KI auf ihre WhatsApp-Nachrichten antwortet. Selbst wenn er allein mit KI deutlich mehr Umsatz machen könnte, wüsste er nicht, ob er das will. Er arbeitet gern mit Menschen, der Austausch ist ihm wichtig.
Bei den Folgen der KI ist er weniger gelassen. Massenentlassungen, die wie nach dem Crash der 1920er-Jahre Aktienverkäufe auslösen, hält er mit AGI mittelfristig für möglich, darüber nachzudenken sei nicht immer angenehm. Dass viele seiner neuen Positionen erst einmal gefallen sind, nimmt er mit Blick auf die nächsten 10, 15 Jahre hin. Den Satz für seinen Bildschirm sagt er spontan und ohne KI-Bezug, „Investiere nur, was du auch verlieren kannst“.
Was das für dich heißt
Tristan Post hat seine Karriere auf KI gebaut. Mit seinem eigenen Geld geht er erstaunlich nüchtern um:
- Er hat alle seine KI-Aktien verkauft, weil er mit einer platzenden Blase rechnet, obwohl KI sein Beruf ist. Würdest du auch bei deinem Lieblingsthema verkaufen, wenn deine eigene Analyse es sagt?
- Er lässt seine Positionen liegen und schaut etwa einmal pro Woche drauf. Wie oft schaust du in dein Depot, und was ändert das an deinen Entscheidungen?
- Er steckt Geld lieber in sein eigenes Unternehmen, weil er es dort mehr in der Hand hat. Wo hast du mehr Einfluss auf deine Rendite: im Depot oder bei dir selbst?
Seine Positionen
Welche Anlagen Tristan Post im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im Juli 2026).
-
SkeptischKI-Aktienalles verkauft, Blase erwartet1:40:13 Zitat
„ich bin tatsächlich aus allen meinen KI-Aktien letztes Jahr raus. Ich hab alles verkauft“
-
HältRobotik-Zulieferer (Antriebsgelenke)nächste Welle nach Sprachmodellen38:18 Zitat
„in ein paar von diesen Firmen habe ich jetzt bisschen Geld reingelegt, die genau diese Antriebswerke für die Roboter zur Verfügung stellen“
-
HältStrominfrastruktur für RechenzentrenKI braucht mehr Strom1:41:46 Zitat
„Also habe ich in Firmen investiert, die diese Strominfrastruktur zur Verfügung stellt für die Datencenter“
-
HältKernfusionein paar kleine Wetten1:42:22 Zitat
„in Fusion, in sauberer Fusion praktisch da dran arbeiten. Da habe ich versucht, ein paar Bets rein zu platzieren“
-
HältQuanten- und neuromorphe Chipsnächster Sprung im Chipdesign1:42:56 Zitat
„Sprechen wir über Quantencomputing oder Neuromorphic Computing. Habe ich mir angeschaut, was sind da Sachen, in die ich rein investieren kann“
-
HältCashgrößerer Teil, Markt zu heiß2:05:31 Zitat
„Ja, also ich halte immer noch mehr meiner Sachen in Cash. Ich bin jetzt wieder so ein bisschen in den Aktienmarkt eingestiegen“
-
HältEigenes Unternehmenlukrativer, mehr selbst in der Hand1:40:38 Zitat
„lieber das Cash genutzt habe, in mein eigenes Unternehmen zu investieren, weil das für mich einfach lukrativer war“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von Tristan Post
Buchtipps aller Gäste →Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Tristan Post ist Gründer und CEO des AI Strategy Institute München. Vor rund zehn Jahren stieg er in die KI-Beratung ein. Damals war das ein rein technisches Thema, das sich nur wenige Großunternehmen leisten konnten.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →Wieder ein sehr interessantes Video. Stimme 100% zu - Privatanleger haben mit KI einen Vorteil, weil sie plötzlich dieselben Analyse‑Werkzeuge nutzen können wie institutionelle Fonds/Teams …
Eine wirklich klasse Folge. ❤ Ich denke auch, dass jeder private Investor den Vorteil der KI nutzen sollte. Wie, muss jeder durch praktisches Anwenden herausfinden. Ich selbst nutze sie zur Aktienanalyse, Ideenfindung und Sparringspartner etc. … Auch wenn die Folge lang war, sehr kurzweilig und gut nachgefragt.














