Folge 30 · Tristan Post

Privatanleger im KI-Vorteil: Warum Tristan Post trotzdem komplett ausgestiegen ist

Tristan Post, Gründer des AI Strategy Institute München, ist überzeugt: Privatanleger sind beim Einsatz von KI oft im Vorteil gegenüber Unternehmen - trotzdem ist er nach einer Vervielfachung seines Einsatzes komplett aus seinen KI-Aktien ausgestiegen, weil er von einer Blase wie in den 1920er-Jahren ausgeht.

Tristan Post hat den KI-Management-Kurs an der TU München von 40 auf über 1.000 Studierende gebracht, berät als Faculty Member die Boston Consulting Group und das UNDP - und war einer der ersten, die konsequent privat in KI-Aktien investierten. In dieser Folge erklärt er, warum Privatanleger beim Einsatz von KI oft im Vorteil sind, wo dieser Vorteil an seine Grenzen stößt - und warum er trotz eigener KI-Karriere komplett aus seinen KI-Aktien ausgestiegen ist.

„Der Mod, den du wirklich hast, liegt gar nicht in der KI, sondern vor allem auch in den Daten, die du nutzt."
– Tristan Post

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Privatanleger sind bei KI oft im Vorteil, weil sie ohne Compliance-Freigaben und Rechtsabteilungen sofort die besten Tools nutzen können: „Ich als Privatinvestor habe mir dann vielleicht in 10 Minuten was hingebaut" - während Unternehmen erst durch Sicherheitsprüfungen müssen.
  • Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt aber nicht mehr im Sprachmodell selbst, weil alle dieselben Top-Modelle nutzen: „Der Mod, den du wirklich hast, liegt gar nicht in der KI, sondern vor allem auch in den Daten, die du nutzt."
  • Sein eigener Handelsansatz basiert auf KI-gestützten Investmentthesen - etwa die Wette auf Hersteller von Antriebsgelenken für Roboter, entwickelt im Sparring mit einem Sprachmodell.
  • Trotz eigener KI-Karriere ist er komplett aus seinen KI-Aktien ausgestiegen, nachdem sich sein Einsatz vervielfacht hatte - er sieht Parallelen zu den 1920er-Jahren und rechnet mit einer platzenden Blase.
  • Bei KI-Agenten pocht er auf „Human in the Loop": Die Haftungsfrage bleibt beim Menschen, ähnlich wie bei einem Hund, der zwar autonom handelt, aber immer einen Halter braucht, der dafür geradesteht.
  • AI Fluency und „Discernment" (Urteilsvermögen) hält er für die entscheidende Kompetenz - ausgerechnet Berufseinsteiger tun sich damit am schwersten, weil ihnen die Erfahrung fehlt, KI-Ergebnisse einzuschätzen.
  • Sein persönlichstes Beispiel für kontrollierten KI-Einsatz ist ein selbstgebauter Agent für seine Reisekostenabrechnung - Aufgabe an KI übergeben, aber bewusst monatlich im Loop bleiben statt komplett loszulassen.
  • Sein Merksatz zum Schluss: „Investiere nur, was du auch verlieren kannst."

Wie Tristan Post vom KI-Investor zum kompletten Ausstieg kam

Tristan Posts Investment-Philosophie ist geprägt von seinem Vater, der ihm riet, nur in Dinge zu investieren, die man selbst versteht und nutzt - ein Rat, den der Vater trotz jahrzehntelanger Apple-Begeisterung nie befolgte und nie in Apple-Aktien investierte. Vor rund zehn Jahren ging Tristan Post selbst die Wette ein, in KI einzusteigen, weil er glaubte, die Technologie werde alle betreffen - eine Entscheidung, die ihm eine erfüllende Karriere und, parallel dazu, eine Vervielfachung seines Investment-Einsatzes einbrachte. Er investierte früh in Nvidia und zeichnete die Palantir-Aktie beim Börsengang, verkaufte sie aber rechtzeitig vor deren späterem Kurseinbruch. Emotional bleibt ihm vor allem der komplette Ausstieg aus seinen KI-Aktien in Erinnerung, den er im Gespräch ausführlich beschreibt - seither hält er den Großteil seines Kapitals in Cash und investiert lieber in sein eigenes Unternehmen. Parallel arbeitet er an seinem zweiten Buch, das mit genau dieser Blasen-Beobachtung beginnt: einem Vergleich der aktuellen KI-Euphorie mit den 1920er-Jahren, kurz vor dem Crash.

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So funktioniert Tristans KI-Investment-Ansatz

Märkte/Assets: Aktien mit KI-Bezug - kein öffentliches Musterdepot, da Tristan Post nach eigener Aussage über Thesen und Logik spricht, nicht über konkrete Kaufempfehlungen.

Strategie: Eher Value-orientiert, mit Fokus auf Infrastruktur statt Einzelwetten - Vergleich mit der Internet-Blase: lieber in die „Straßen und Schienen" investieren als in das nächste „pets.com".

Edge: Nicht das Sprachmodell selbst (das nutzen inzwischen alle gleich als Commodity), sondern die eigenen Daten und vor allem der Nutzer selbst: „Der Unterschied in der KI-Nutzung macht nicht die KI, sondern macht der Nutzer aus."

Entscheidungslogik: Investmenthypothesen im Dialog mit KI entwickeln (z. B. Roboter-Antriebsgelenke, Stromversorgung für Rechenzentren, Chip-Design/Quantencomputing), KI liefert Kandidaten-Firmen, die finale Entscheidung trifft er selbst - Positionen hält er lange und kontrolliert sie nur etwa einmal pro Woche.

Risiko: Aktuell größten Teil des Kapitals in Cash gehalten, KI-Engagement bewusst klein gehalten wegen der von ihm erwarteten Marktkorrektur; kein algorithmisches Trading im Einsatz, aber klare Vorstellung, wie eine KI-gesteuerte Stop-Regel aussehen könnte.

Tristan Post als Investor: Vorsicht, Prinzipientreue und Bodenständigkeit

Tristan Post schwärmt von den Möglichkeiten der Automatisierung - und zieht trotzdem bewusst eine persönliche Grenze. Auf die Frage, ob er selbst wie eine „One-Person-One-Billion-Dollar-Company" arbeiten würde, wenn er könnte, antwortet er ohne Umschweife, dass ihm der menschliche Austausch zu wichtig ist, um komplett allein zu arbeiten. Diese Bodenständigkeit zeigt sich auch bei seinem größten finanziellen Schritt der letzten Jahre:

„Ich bin tatsächlich aus allen meinen KI-Aktien letztes Jahr raus. Ich hab alles verkauft, ich hab natürlich auch in Google, Microsoft, alles mögliche investiert gehabt."

Er sagt das ohne Dramatik, fast nüchtern - als Wirtschaftswissenschaftler, der seiner eigenen Blasen-These konsequent folgt, statt am eigenen Gewinn festzuhalten. Sein Schlusswort auf die Frage nach dem einen Satz, den er sich an den Bildschirm kleben würde, bleibt bewusst schlicht: „Investiere nur, was du auch verlieren kannst." Kein KI-Bezug, keine große These - nur die älteste Regel des Investierens.

Wer ist Tristan Post?

Tristan Post ist Gründer und CEO des AI Strategy Institute München. Vor rund zehn Jahren stieg er in die KI-Beratung ein - damals ein rein technisches Thema, das sich nur wenige Großunternehmen leisten konnten. Er unterrichtete Statistik und Ökonometrie an der London School of Economics, baute den KI-Management-Kurs an der TU München von 40 auf über 1.000 Studierende aus und berät heute als Faculty Member für Generative KI die Boston Consulting Group sowie als Berater das UNDP. Mit seinem Institut hat er unter anderem die KI-Strategie der Stadt München mitentwickelt. Im Juli 2026 erschien sein Fachbuch „AI Native" im Hanser Verlag, im Oktober 2026 folgt sein zweites Buch „10 harte Wahrheiten über Künstliche Intelligenz", geschrieben zusammen mit Klaus Madzia, ehemaligem Chefredakteur der Börse Online. Privat investiert er seit rund zehn Jahren konsequent in KI-nahe Werte - ohne öffentliches Musterdepot, aber mit klaren eigenen Thesen.

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