Rüdiger Born handelt heute als Head of Trading für einen Krypto-Fonds. Er sagt: Die meisten Charts lügen, weil sie falsch gelesen werden.
Rüdiger Born ist seit den frühen 1990er Jahren an den Finanzmärkten aktiv, heute handelt er als Head of Trading für einen Krypto-Fonds per High-Frequency-Trading über mehrere Instrumente hinweg. Sein eigenes System BORNbars kombiniert Elliott-Wellen, Fibonacci und einen selbstentwickelten Oscillator. Es basiert auf einer Überzeugung, die viele Chartanalysten provoziert: Trendlinien sind für ihn bloße Selbsttäuschung. Im Gespräch erklärt er, warum er nie schräge Linien einzeichnet, weshalb eine Trefferquote von 94 Prozent eher ein Warnsignal als ein Erfolg ist und wie sein Team über Nanosekunden-HFT-Systeme an der Tokioter Börse gelernt hat, wie die Märkte wirklich ticken.
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Jetzt fragenKapitel
- 00:00:00Einleitung: Vom Studenten-Trader zum Krypto-Fonds-Chef
- 00:03:231993: Intraday-Handel übers Internet, als das kaum einer kannte
- 00:07:10⚡ Head of Trading für einen Krypto-Fonds: HFT im „stinklangweiligen“ Long-Only-Fonds
- 00:09:33Bitcoin: „Entweder 0 oder 1 Million plus X“
- 00:20:23Nanosekunden-Handel: Sein HFT-Team an der Tokioter Börse
- 00:51:07Warum eine Trefferquote von 94 Prozent ein Warnsignal ist
- 00:53:22⚡ „Ich werde nicht für Trefferquote bezahlt, ich werde für Performance bezahlt“
- 01:07:34Warum er nie Trendlinien einzeichnet: „Schräge Linien sind für schräge Vögel“
- 01:10:36🔍 Frage zur Folge?
- 01:11:26⚡ Nimm es nicht persönlich: Die Psychologie hinter jedem Trade
- 01:16:36Die Entstehung von BORNbars: sein eigener Scanner für Elliott-Wellen
- 01:57:21Die fehlerreichste, prägendste Zeit im Rückblick
- 02:07:30Bücher, die ihn geprägt haben - und warum Theorie allein nicht reicht
- 02:18:11Feste Doppelfrage zum Abschluss
Aufnahmedatum: 09.08.2026
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Die wichtigsten Erkenntnisse
- Trendlinien sind für ihn Selbsttäuschung: „Schräge Linien sind für schräge Vögel“. Er zeichnet fast nie eine schräge Linie ein, weil sie je nach Chart-Skalierung (linear vs. logarithmisch) unterschiedlich aussehen und subjektiv gezogen werden.
- Eine hohe Trefferquote ist für ihn kein Erfolgssignal: „Ich werde nicht für Trefferquote bezahlt, ich werde für Performance bezahlt“. Für ihn zählt der Erwartungswert aus Trefferquote und Chance-Risiko-Verhältnis, nicht die reine Anzahl der Gewinner-Trades.
- Er nimmt Marktbewegungen nie persönlich: „Keine Sau interessiert, wo dein Stopp liegt“. Weder Kleinanleger noch Milliardenfonds handeln gezielt gegen einen einzelnen Trader.
- Sein System BORNbars ist aus einem gescheiterten Scanner-Projekt entstanden. Ursprünglich sollte er nur Elliott-Wellen-Chancen filtern, wurde aber zum eigenständigen System, das heute tausende Trader nutzen.
- Für Bitcoin sieht er nur zwei Enden: „Entweder 0 oder 1 Million plus X“. Er handelt die Kursbewegung, ohne eine Prognose über den fundamentalen Wert abzugeben.
- Seine Zeit als HFT-Entwickler an der Tokioter Börse lehrte ihn, in Nanosekunden zu denken. Diese Welt hat mit klassischem Trading kaum noch etwas zu tun.
- Auch nach über 30 Jahren macht er nach eigener Aussage noch Fehler, nur die Fehlerquote sinkt, weil Prozesse heute standardisierter sind als in seinen Anfangsjahren.
📚 Begriffe aus dieser Folge
Wie Rüdiger Born vom 14,4k-Modem in ein Tokioter HFT-Team kam
Rüdiger Born kam über ein Buchkapitel zur Börse, noch als Schüler, mit ein paar D-Mark, die sein Vater für ihn in eine Aktie investierte. 1993 gehörte er zu den ersten Deutschen, die per 14,4-kBit-Modemverbindung intraday über das Internet handelten, inklusive Sync-Fehlern, die Kurse doppelt anzeigten, und Fußwegen zur Bank, um eine Order noch zur Mittagsauktion durchzudrücken. Aus einer kleinen Prop-Trading-Gruppe mit Studienkollegen wurden über die Jahre mehrere Firmengründungen: AFAM, AVANTUS, eine eigene Vermögensverwaltung in der Schweiz, schließlich BORN Traders. Prägend war später eine mehrjährige Station in einem Hochfrequenzhandelsteam in Japan, das an der Tokioter Börse Nikkei-Future-Arbitrage und Optionsketten-Berechnungen im Nanosekundenbereich entwickelte. Diese Welt beschreibt er selbst als „eine ganze Stufe anders“ als klassisches Trading.
So funktioniert Rüdigers BORNbars-Strategie
BORNbars ist ursprünglich als Scanner entstanden, um Elliott-Wellen-Chancen über viele Märkte und Zeitebenen automatisiert zu finden. Erst später wurde daraus ein eigenständiges Handelssystem mit festen Regeln für Einstieg, Ziel und Chance-Risiko-Verhältnis. Kernbausteine sind Elliott-Wellen, Fibonacci-Level (für ihn ausschließlich horizontale statt schräger Linien) und der selbstentwickelte BORN Oscillator. Statt Trendlinien oder Widerstandszonen blind zu vertrauen, sucht er Impulse: Momente, in denen eine Marktrichtung eindeutig überwiegt. Sein Fokus liegt konsequent auf dem Chance-Risiko-Verhältnis und dem Erwartungswert über viele Trades hinweg statt auf der einzelnen Trefferquote. Einen einmal gesetzten Stopp zieht er grundsätzlich nicht vorschnell auf den Einstieg nach. Krypto handelt er heute institutionell als Head of Trading für einen Long-only-Fonds, bewusst leidenschaftslos: Ob eine Position „überdauert“, interessiert ihn als Händler nicht. Für ihn zählt allein die Chartreaktion.
Was Rüdiger Born als Trader über Demut, Distanz und den teuersten Lehrmeister sagt
Hinter der nüchternen Systematik steht die Erfahrung, dass der Markt der teuerste Lehrmeister ist. Rüdiger Born beschreibt offen, wie er am Anfang „ganz schön arrogant“ war und glaubte, sich alles selbst beibringen zu können, und wie ihn erst ein anderer Trader durch praxisnahe Erklärungen wirklich weiterbrachte. Zentral für ihn: Marktbewegungen nie persönlich nehmen und sich nicht in einen einzelnen Trade verlieben, egal wie viel Recherche und Mühe hineingeflossen ist. Auch nach über drei Jahrzehnten im Geschäft macht er nach eigener Aussage weiterhin Fehler, nur seltener, weil Prozesse und Abläufe heute standardisierter sind als in den Anfangsjahren, in denen er sich mit seinem damaligen Team gegenseitig jede Entscheidung erklären musste.






